NBA-Saisonrückblick
Die Jordan-Show
Michael Jordans erste Saison als Bobcats-Besitzer ist vorbei. Er demontierte das mittelmäßige Team fast vollständig, um jetzt einen Contender aufzubauen. Das ist ehrgeizig wie gefährlich, denn: Jordan trägt als Alleinunterhalter die volle Verantwortung!
Von Jonas Falk |
25.04.2011 | |

Bilanz 2010/11: 34 Siege, 48 Niederlagen (Siegquote: 41,5 Prozent)
4. der Southeast Division; 10. der Eastern Conference; keine Playoffs
Kirmes. So kann man die Saison der Charlotte Bobcats beschreiben.
Attraktion Nummer eins: die Achterbahn. Der Saisonstart mit sechs Niederlagen in den ersten sieben Begegnungen bei durchschnittlich nur 89,9 erzielten Punkten ist eine Talfahrt. Am 22. Dezember fliegt Head Coach Larry Brown bei einer Bilanz von 9-19 raus. Danach geht es unter Paul Silas aufwärts: Zur Trading Deadline steht Charlotte mit einer Bilanz von 26 Siegen bei 32 Niederlagen da und damit nur einen halben Sieg hinter dem achten und letzten Playoff-Platz. Dann folgt ein erneuter Absturz, sodass am Ende 34 Siege und 48 Niederlagen auf dem Konto der Bobcats stehen. Das bedeutet Platz zehn im Osten und keine Playoff-Teilnahme.
Attraktion Nummer zwei: das Personalkarussell. Zum erwähnten Coaching-Wechsel kommt hinzu, dass sieben der zehn Spieler mit den meisten Minuten der Vorsaison nicht mehr im Kader stehen; und 40 Prozent der Startformation des ersten Saisonspiels. Darunter auch der beste Spieler und einzige All-Star der Franchise-Geschichte, Gerald Wallace. Zur Trading Deadline wurde er zu den Portland Trail Blazers weggeschickt, um Geld zu sparen.
Immerhin hatten einige Talente dadurch die Chance, sich in den Vordergrund zu spielen. Allen voran Gerald Henderson. Der defensivorientierte Swingman konnte seine Minutenzahl fast verdreifachen und in 30 Partien starten. Power Forward Tyrus Thomas hatte Verletzungspech, war statistisch gesehen aber effizientester Mann im Team und ist die Zukunft auf der Position vier. Positiver als erwartet fiel Center Kwame Brown auf: 7,9 Punkte und 6,8 Rebounds pro Partie belebten seine totgeglaubte NBA-Karriere wieder, was seinen Marktwert jetzt als Free Agent ein wenig erhöht. Auf der Center-Position hat Charlotte dringenden Handlungsbedarf. Denn kommende Saison steht nur noch DeSagana Diop unter Vertrag. Dessen knapp sieben Millionen Dollar Gehalt bedeuten angesichts von Verletzungsproblemen, 16 Einsätzen und 1,3 Punkten ein katastrophales Preis-Leistungs-Verhältnis. Per Free Agency muss Charlotte definitiv einen erfahrenen wie zuverlässigen Center verpflichten.
Topverdiener Boris Diaw und Topscorer Stephen Jackson (Foto oben), die nunmehrr besten Spieler des Teams, will Jordan aus Kostengründen angeblich auch noch traden. Generell gilt in Charlotte, dass kein Spieler so gut oder wichtig als Identifikationsfigur wäre, um sicher im Sattel zu sitzen. Das Management kann und wird jeden Mann opfern.
Attraktion Nummer drei: der Mann an den Schalthebeln dieser Geisterbahn. Bobcats-Besitzer Michael Jordan (Foto links). Erst hat er zwei Schlüsselspieler ziehen lassen und keine Stars geholt, was Larry Brown genervt hatte. Dann hatte Jordan Brown entlassen. Danach wurde Wallace abgegeben, was alle Experten und Fans frustrierte. Dies sieht nach Rebuild statt Playoffs aus, die zu erreichen gewesen wären. Warum?
„Ich will nicht Platz sieben oder acht, sondern eins“, sagt Jordan. „Wir sind jetzt finanziell flexibler und für ein Team, das die Top-Drei knacken kann, werde ich auch ordentlich investieren.“
Markige Worte, denen der 48-Jährige Taten folgen lassen muss. Zum Beispiel beim Draft: Hier hat Jordan einen Lottery-Pick sowie die Picks an 19. und 39. Stelle zur Verfügung. Charlotte benötigt Tiefe auf den Positionen zwei, drei und fünf. Das Problem: Shooting Guards und Center der Spitzenklasse kann man dieses Jahr in Runde eins fast an einer Hand abzählen. Und jene Talente, die es gibt, sind riskante Picks: Jonas Valanciunas (Rytas, 2,11 m) ist am ehesten eine Soforthilfe. Donatas Montiejunas (Treviso, 2,13 m) wird Probleme mit der toughen Gangart bekommen. Und Enes Kanter (Kentucky, 2,08 m) war am College die komplette Saison gesperrt. Auch der riesige Small Forwards Jan Vesely (Belgrad, 2,11m), als „Next Nowitzki“ bezeichnet, braucht Zeit zum Reifen. Interessanter sind da defensivorientierte Forwards wie Kawhi Leonard (San Diego State), ironischerweise als nächster Gerald Wallace tituliert, oder Chris Singleton (Florida State).
Prognose: Die nächste Fahrt geht rückwärts, der Kirmes-Club fällt wegen des Rebuilds in der Tabelle weiter zurück.
Team-MVP: Stephen Jackson (18,5 PpG, 4,5 RpG, 3,6 ApG, 1,2 SpG)






von S!mon 25.04.11 um 12:02:21
Kein All-Star im Team, keine Aussicht einen All-Star als Free-Agent zu bekommen, keine Aussicht im Draft einen Spieler zu ziehen, der dem Team in naher Zukunft wirklich weiterhelfen kann. Es sieht finster aus in Charlotte!
von Indiana 25.04.11 um 13:47:34
Awas MJ kommt einfach nochmal zurück und rockt die Liga
von tank177 25.04.11 um 19:19:15
haben nicht die bulls den first pick von bobcats?
von oxymoron (x-over) 26.04.11 um 11:48:30
Soweit ich weiß, wird der Erstrunden-Pick frühestens im Draft 2012 nach Chicago wandern, wobei er in jenem Jahr noch Top14-geschützt sein soll.
von lb1 26.04.11 um 14:28:44
is einfach ein schlechtes jahr für einen rebuild... ein schwacher draftjahrgang und der kommende lockout... viel glück mj!
von Gnarf 26.04.11 um 17:48:56
Jordan braucht keinen guten Draftjahrgang um einen Toppick nach Charlotte zu lotsen. Siehe Adam Morisson und Kwame Brown. /Sarkasmus Ende
von Hurricane 26.04.11 um 18:46:55
Adam M hat immerhin 2 Ringe *hust*
von el_turco_1987 30.04.11 um 21:27:04
Allah beschütze Enes Kanter vor den Bobcats bzw. dem Sachverstand von MJ der anscheinend auf alles oder nichts geht...Sollen sie seelenruhig Valanciunas, Vesely oder Motiejunas draften :D....