NBA-Saisonrückblick
Die Besten des Westens
Die Southwest Division war das Sinnbild des starken Westens: Mit New Orleans, San Antonio, Houston und Dallas fuhren vier der fünf Teams mehr als 50 Siege ein. Einzig Memphis fiel aus dem Rahmen.
Von Manuel Baraniak (mb), Christian Burmeister (bur), Thomas Käckenmeister (tk), Nikolaus Raab (nik), René Radoi (rad) |
17.06.2008 | |
New Orleans Hornets (56-26): Die Spitze vor Augen
(bur). Vor der Spielzeit 2007/08 sorgten die New Orleans Hornets für die erste Überraschung, als verkündet wurde, sie würden ihre komplette Saison wieder zu Hause an der US-Golfküste in Louisiana absolvieren. Zwei Jahre in Oklahoma City waren Geschichte; zwei Jahre, in denen die Hornets jeweils mit dem zehnten Platz in der Western Conference die Playoffs verpassten. Mittlerweile sind über sechs Monate und 94 Spiele Geschichte, und die Hornissen haben für die zweite Überraschung der Saison gesorgt: Sie haben es geschafft, sich an der Spitze der starken Western Conference zu behaupten.
Den größten Anteil am Erfolg der Hornets in diesem Jahr trugen Chris Paul, David West, Tyson Chandler und Peja Stojakovic. Paul (Foto) lieferte eine durch und durch glanzvolle Saison ab und kämpfte bis zum Schluss mit Kobe Bryant um den Titel des wertvollsten Spielers. West, der in seinem fünften Jahr in der Liga wieder einmal seine Punkte- und Reboundswerte steigern konnte, avancierte zum All-Star. Chandler entwickelte sich zu einem der effektivsten Center in der Western Conference, und Stojakovic lieferte ein Jahr nach seinen schweren Rückenproblemen endlich die von ihm erwartete Leistung ab.
Obwohl den Hornets vor der Saison eigentlich niemand wirklich große Sprünge zugetraut hatte, sind sie definitiv die Überraschungsmannschaft des Jahres. Schon im ersten Saisonspiel in der New Orleans Arena drehten die Hornissen richtig auf. Die Sacramento Kings wurden mit 104:90 besiegt, Chandler und Paul lieferten jeweils Double-Doubles ab, auch West und Chandler punkteten zweistellig. Diese Partie sollte Sinnbild für die ganze Spielzeit der Hornets werden. Im Team sind nicht Stars, die durch ihr Ego auffallen, sondern der eigentliche Star ist das gesamte Kollektiv. Spiel um Spiel rotierte die Angriffsmaschinerie der Hornets auf Hochtouren, so dass sie für ihre Gegner schwer ausrechenbar waren. Diese sind die hauptsächlichen Gründe, welche das Team, das zwei Jahre lang im Niemansland der NBA zu Hause war, endgültig aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat.
Chris Paul spielte die beste Saison seiner noch jungen Karriere. Er machte 21,2 Punkte im Schnitt und führte die Liga in Assists (11,5 ApG) und Steals (2,7 SpG) an. Passend gab es für den jungen Guard seine erste All-Star-Nominierung. Neben Paul durfte auch Power Forward David West (Foto) das erste Mal das All-Star-Trikot überstreifen. West legte in der regulären Saison mit 20,3 Punkten und 8,9 Rebounds Karrierebestleistungen auf. Beim All-Star-Wochenende in New Orleans sollten nicht nur die beiden Lokalmatadoren im Rampenlicht stehen, sondern auch Head Coach Byron Scott, der die Auswahl der Western Conference coachen durfte. Das eigentliche Highlight des Jahres für Scott war aber natürlich seine Ernennung zum besten Head Coach des Jahres.
Tyson Chandler, seinerseits frischgebackenes Mitglied der US-amerikanischen Nationalauswahl, markierte mit durchschnittlich 11,7 Punkten und 11,8 Rebounds ein Double-Double und war der Mittelpunkt der teameigenen Verteidigung. Ein weiterer Erfolgsbonus für die Hornets war der Gesundheitszustand von Peja Stojakovic. Der Serbe, der letzte Saison nur magere 13 Spiele bestritten hatte, verpasste in dieser Spielzeit nur fünf Begegnungen und strahlte mit 16,4 Punkten pro Partie und einer Trefferquote von 44,1 Prozent von jenseits der Dreipunktelinie stets offensive Gefahr aus. Auch sollte sich die Verpflichtung von Morris Peterson auszahlen. Die vergangenen sieben Jahre noch bei den Toronto Raptors verbracht, spielte sich der 30-Jährige in seiner ersten Saison in Louisiana in die Starting Five. Auch die im Laufe der Spielzeit verpflichteten Bonzi Wells und Mike James fügten sich in die Rotation ein, jedoch sollte die Bank mit Ausnahme von Jannero Pargo eher das Sorgenkind bleiben.
Bis kurz vor Ende der Spielzeit kämpften die Hornissen mit den Los Angeles Lakers um den ersten Platz in der Western Conference. Am Ende hatte New Orleans knapp das Nachsehen und beendete die Hauptrunde auf dem zweiten Rang. Die 56 Siege bedeuteten für die Hornets jedoch einen neuen Franchise-Rekord. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte konnten die Hornissen einen Division-Titel gewinnen und bekamen es anschließend in der ersten Runde der Playoffs mit den Dallas Mavericks zu tun. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Mavericks hatten kaum eine Chance und wurden mehr als souverän nach fünf Spielen in den Sommerurlaub geschickt. In der nächsten Runde wartete mit den San Antonio Spurs ein völlig anderes Kaliber, jedoch trotzten die Hornets dem noch amtierenden Champion sieben Spiele ab. Zwar hat den Hornets am Ende ein einziges Spiel den Weg in die Western Conference Finals verbaut, dennoch brauchen sie nicht traurig sein, denn auf ihre bislang beste Saison werden sie aufbauen können.
Die Hornets haben noch ein sehr junges Team, unglaublich talentierte Spieler im Kader und mit Byron Scott einen Head Coach, der seinen Vertrag vor kurzem um zwei weitere Jahre verlängerte. Im Grunde genommen hat das Team aus dem Süden der USA bis auf seine eher dünne Bank keine Baustelle, die behoben werden müsste. Hier sollte das Management jedoch unbedingt tätig werden, denn gerade in den Playoffs kann eine stärkere Bank zum Zünglein an der Waage werden und über Erfolg bzw. Misserfolg entscheiden. Sollten die Hornissen den einen oder anderen Veteranen verpflichten können und sich Spieler wie Pargo und Julian Wright weiter verbessern, werden sie sich mit ihrem aktuellen Team über einen längeren Zeitraum an der Spitze der Western Conference etablieren können. Dieses Jahr sammelten die Hornets ihre Erfahrungen, von welchen sie in den kommenden Jahren nur profitieren können. Ihre Ära hat dieses Jahr erst begonnen.
Team-MVP: Chris Paul (21,1 PpG, 11,6 ApG, 2,7 SpG, 48,8% FG)






von Suck My Diktiergerät 17.06.08 um 21:45:50
wieder mal ein sehr schicker artikel. zwar weiß man (oder ich zumindestens) eigentlich effektiv schon alles was da drin steht, aber das lesen macht doch sehr viel spaß :)
btw...darko der gangster xD