NBA-Saisonrückblick
Der Prokhorov-Plan
Geht es nach Mikhail Prokhorov, soll in New Jersey – und bald Brooklyn – ein neues NBA-Schwergewicht aus dem Boden gestampft werden. Bis die Nets jedoch zur Ligaelite gehören, muss der russische Besitzer noch etwas Geduld walten lassen. Mit der Verpflichtung von Deron Williams (Foto) ist der im Umbruch befindlichen Franchise in der letzten Saison aber ein Teilerfolg gelungen.
Von Joshua Wiedmann |
20.05.2011 | |

Bilanz 2010/11: 24 Siege, 58 Niederlagen (Siegquote: 29,3 Prozent)
4. der Atlantic Division; 12. der Eastern Conference; keine Playoffs
Als Mikhail Prokhorov im vergangenen Jahr in New Jersey aufgeschlagen war, sparte er nicht an hochtrabenden Versprechungen. Großmundig kündigte er an, mit den Nets innerhalb von fünf Jahren die NBA-Championship gewinnen zu wollen. Nun, auch Prokhorov selbst wird sich der Gewagtheit seiner Worte damals insgeheim bewusst gewesen sein, und spätestens nach der abgelaufenen Hauptrunde wird der russische Milliardär wohl auch eingesehen haben, dass er mit seinem Basketballprojekt möglicherweise etwas mehr Geduld haben muss. Mit 24 Siegen ließ sich New Jersey zwar nicht so schlimm vom Rest der Liga übertrampeln wie im historisch schlechten Vorjahr, hausieren gegangen dürfte Prokhorov mit der Nets-Bilanz aber kaum. Und dennoch: New Jersey könnte mit Blick auf die Zukunft eine richtungsweisende Saison gelungen sein.
Die Anfangsmonate der Saison 2010/11 in New Jersey waren ganz unter der Prämisse gestanden, einen Superstar nach Newark zu holen. Unter der Fuchtel von Mikhail Prokhorov hatte Nets-GM Billy King zunächst keinen Versuch ausgelassen, um Carmelo Anthony per Trade zu seiner Franchise zu holen. Immer wieder, so sickerte im Nachhinein durch die Medien, scheiterten die Verhandlungen um einen Deal des Nuggets-Stars aber an kleineren Trade-Beigaben, bei denen sich die Tauschparteien nicht einig werden konnten. Schließlich konnten die Nets aber doch noch einen Blockbuster-Deal verkünden: Wie aus dem Nichts stemmten die Verantwortlichen ein Tauschgeschäft für Deron Williams (Foto oben), der für Devin Harris, Derrick Favors und zwei Erstrunden-Picks nach New Jersey geholt wurde.
Mit der Verpflichtung des Jazz-Point-Guards brachten die Nets das Ringen um den ersehnten Superstar doch noch positiv zu Ende, das eine weitere äußerst durchwachsene Saison in New Jersey lange überschattet hatte. Denn abseits der zahllosen Gerüchte und Trade-Fabeln schafften es die Nets in der vergangenen Saison kaum in die Schlagzeilen. Die erste Saison unter Head Coach Avery Johnson stand ganz unter dem Motto „Neuaufbau im Übergangsjahr“.
Center-Hoffnung Brook Lopez (Foto links) sollte in seinem dritten Jahr zum Fundament der Nets heranreifen, schloss sich dabei aber offensichtlich der Parole der gesamten Franchise an: nicht ganz so schnell, wie von Monsieur Prokhorov erwartet. Zwar war der 23-Jährige mit seiner unkonventionellen Spielweise offensiv ein unabdingbarer Faktor für sein Team (20,4 PpG), in anderen Bereichen offenbarte Lopez aber großen Nachholbedarf: Seine durchschnittlich sechs Rebounds (in durchschnittlich 35,2 Minuten Einsatzzeit) sind ein grottiger Wert für einen „Seven-Footer“, der auch nicht durch die positive Entwicklung von Double-Double-Roboter Kris Humphries (10,0 PpG, 10,4 RpG) entschuldigt werden kann.
Abseits von Center-Hoffnung Lopez musste Neu-Coach Johnson vor allem zahlreiche neue Gesichter einarbeiten. Für die Rollenspieler Travis Outlaw (35 Millionen US-Dollar), Anthony Morrow, Jordan Farmar (je 12 Mio.) und Johan Petro (10 Mio.) hatte New Jersey im Sommer 2010 viel Geld in die Hand genommen – wirklich Früchte tragen sollten diese Investitionen in der letzten Saison noch nicht. Abseits von Scharfschütze Morrow (13,2 PpG, 42,3% 3FG) wirkten die Neuzugänge in ihren neuen Rollen oft überfordert, wenn auch Farmar und Sasha Vujacic ab und an durchaus gute Spiele ablieferten. Vor allem hinsichtlich Outlaw (9,2 PpG, 37,5% FG) lässt sich aus Nets-Fansicht hoffen, dass dem Forward im nächsten Jahr eine Leistungssteigerung gelingt, soll der Ex-Blazer nicht schnell zum Millionengrab verkommen.
Die Nets sind mitten in einem Wirbelsturm des Umbruchs – und dementsprechend gestern wie heute in der Findungsphase. Das Ziel der Franchise ist zunächst der Umzug in das momentan im Bau befindliche Barclays Center in Brooklyn – wenn alles nach Plan läuft im Herbst 2012. Bis dahin, heißt: mit einem weiteren Brückenjahr in New Jersey, soll das Team zu einem veritablen Playoff-Kandidaten heranwachsen.
Mit Deron Williams, der nach seinem Wechsel noch einige Startprobleme hatte (15,0 PpG, 34,9% FG), haben die Nets nun einen Franchise-Spieler an Bord, der gemeinsam mit Brook Lopez ein aussichtsreiches Tandem bilden dürfte. Bis in Brooklyn ein neues Kapitel der Franchise-Geschichte aufgeschlagen wird, müssen um diese beiden herum eine Philosophie und die passenden Ergänzungsspieler gefunden werden. Insbesondere auf den Flügelpositionen ist das bisherige Sammelsurium an Rollenspielern noch ausbaufähig, will Jersey mittelfristig die Spitze der Eastern Conference angreifen.
Team-MVP: Brook Lopez (20,4 PpG, 6,0 RpG, 49,2% FG)






von eightch 20.05.11 um 16:23:17
wenn in einem team in dem d-will spielt book lopez der team-mvp ist, stimmt irgendetwas nicht oder...?
von Coach Haze l 20.05.11 um 16:37:31
Wenn besagter D-Will erst seit dem All-star break dabei ist, und Spiele wegen eines verletzten Handgelenks verpasst hat schon!
von xax 20.05.11 um 17:06:45
sorry ein center der 20 ppg aber nur 6 rpg auflegt kann nicht team mvp sein,
vor allem wenn sein pg 4,0 RPG hat...
das per spricht auch eine eindeutige sprache zugunsten von DW.(18,5 zu 22,9)
von oxymoron (x-over) 20.05.11 um 17:31:46
Coach Haze I hat schon richtig geantwortet, dass Deron Williams auf Grund seiner gerade mal zwölf Spiele für die Nets nicht berücksichtigt werden konnte.
von RedWater 20.05.11 um 19:19:10
der Williams Trade könnte auch die größte Pleite der Jersey Geschichte werde. Während Utah mit Favors ein potenzielles "Defensivmonster", sowie mit dem dritten Pick der Nets einen weiteren talentierten Spieler holen können (eher William oder Knight statt Kanter), müssen sich die Nets fragen, ob es wert war Williams für nur 12 Spiele zu verpflichten.
Es kann sein das ein Lockout der über mehrere Monate droht oder aber bei ausbleibenden Erfolgen könnte Williams das Team nach 2012 verlassen. Denn meiner Meinung nach ist New Jersey schlecht aufgestellt. Brook Lopez ist overrated, seine hohe Punkteausbeute ist auch der Tatsache zu verdanken, dass er die einzig ernstzunehmende Scoringoption war, die mehr als 12 Spiele für NJ absolviert hat. Entsprechend sehe ich die Zukunft in Brooklyn sehr düster.
von shooting-guard 21.05.11 um 12:45:57
Ich hätte es gern gesehen, wenn die Nets die Picks behalten hätten. Ein Spieler, der das Team mittel- und langfristig weiterbringt wäre locker drin. Wenn die Entwicklung dann doch nicht so wäre wie gewünscht, hätte man 2012 immernoch gute Möglichkeiten was an Land zu holen.
Jetzt muss man hoffen, dass DWill glücklich ist und verlängert. Wenn nicht sind die Nets gearscht.
von Gnarf 21.05.11 um 21:15:12
Erst hat New Jersey viele Spieler abgegeben, die wenigstens noch halbwegs gut waren, weil sie träumten, dass sie ein Superstar bekommen könnten.
Als sie dann merkten, dass keiner kommen wird, haben sie überreagiert und ein Haufen maximal durchschnittlicher Spieler mit krass überhöhten Verträgen ausgestattet.
Man lasse sich folgende Liste auf der Zunge zergehen: "Für die Rollenspieler Travis Outlaw (35 Millionen US-Dollar), Anthony Morrow, Jordan Farmar (je 12 Mio.) und Johan Petro (10 Mio.) hatte New Jersey im Sommer 2010 viel Geld in die Hand genommen – wirklich Früchte tragen sollten diese Investitionen in der letzten Saison noch nicht."
Harris, Favors und Draft Picks hat man weg gegeben und dafür einen Spieler bekommen, der 2012 wahrscheinlich abhaut. Superjob New Jersey...
von Indiana 24.05.11 um 15:07:54
Man muss immer erst mal abwarten was das neue CBA bringt bevor man spekulieren kann was mit D-Will passiert, stand heute ist aber die Nets haben ein riesen problem und werden wie die größten deppen nach den Blazers und Rockets aussehen die beide nicht Jordan genommnen haben.
von pistol23 24.05.11 um 15:13:29
@indiana
willst du damit sagen das die rockets total deppen waren hakeem olajuwan zu draften? oha interessanter standpunkt. unabhängig das jordan wohl der beste allerzeiten ist, aber hakeem ist ja wohl alles andere als eine dumme wahl gewesen. zumal wer weiß wie es mit jordan bei den rockets gelaufen wäre
von Coach Haze l 24.05.11 um 15:51:09
Man verweise hierhin [crossover-online.de]
von Hurricane 24.05.11 um 16:48:52
:D, ohja das passt sehr gut ^^
von elchmor 26.05.11 um 11:24:37
Naja, die vielleich fragwürdigen Nets-Deals des letzten Jahres gleich auf eine Stufe mit dem 84Draft-Versagen von Portland zu stellen ist wohl ganz schön übertrieben. Die Geschichte zeigt auf jeden Fall noch viele andere dämliche Verträge die weiter vorn auf der Dummheitsscala rangieren (z.B. Arenas, Lewis oder viele Dallascenter). Outlaw sticht auf jeden Fall aus dem Haufen.
Mich würd ja viel mehr interessieren, wann die Nets denn tatsächlich nach Brooklyn ziehen, angeblich wird das ja schon seit Kidds Tagen in New Jersey erzählt.
Viel Glück RMMC
UND GO DIRK!
von Indiana 26.05.11 um 11:49:19
Ich sag ja nicht das Houston ein schlechten Job gemacht hat beim Draft aber im nachhinein stehen sie blöd da so wie die Nets bald "besserwisser" hin oder her ich mag diese ganzen wir holen uns nen Superstar per Trade und alles andere wird scho so Moves der GMs nicht, halten sich jetzt auf einmal alle für Pat Riley ??
von RedWater 26.05.11 um 13:59:24
die haben einen großartigen Job gemacht, Olajuwon zu draften. Der Mann war am College ein Localhero und man versprach sich viel von ihm, was er auch eingelöst hat. Houston hat ja 2 Meisterschaften gewonnen. Klar kann man darüber streiten wie es gewesen wäre, wenn Jordan 93 nicht zurückgetreten wäre. Aber Houston und Olajuwon haben die Gunst der Stunde am besten genutzt.