NBA-Saisonrückblick
Cinderella verkleidet als Bär
Die Memphis Grizzlies (Mike Conley, Foto) waren das Überraschungsteam der Saison 2010/11. Die Mannschaft aus Tennessee konnte nicht nur ihren ersten Playoff-Sieg der Franchise-Geschichte einfahren, sondern auch das Top-Team des Westens in den Playoffs ausschalten. Und das alles ohne Franchise-Spieler Rudy Gay.
Von Manuel Baraniak |
09.06.2011 | |

Bilanz 2010/11: 46 Siege, 36 Niederlagen (Siegquote: 56,1 Prozent)
4. der Southwest Division; 8. der Western Conference; zweite Playoff-Runde
Am 20. April 1986 erklärte Lary Bird, Gott habe sich als Michael Jordan verkleidet, nachdem der Bulls-Guard einen Playoff-Rekord von 63 Punkten aufgestellt hatte. Gut 25 Jahre später kann man konstatieren, dass sich Cinderella in der Spielzeit 2010/11 als Bär maskiert habe. Denn die Memphis Grizzlies schrieben in dieser Saison, vor allem nach der All-Star-Pause, eine märchenhafte Geschichte im Staate Tennessee.
Von einer Franchise ohne einen einzigen Sieg in den Playoffs, belächelt ob ihres Managements auf Grund des Trades von Pau Gasol, hin zu dem Angstgegner der Endrunde, der es als erst vierte achtplatzierte Mannschaft in der Geschichte geschafft hat, das Top-Team in der ersten Runde auszuschalten. Mit Zach Randolph (Foto) hat ein Grizzly-Akteur den endgültigen Wandel vom einstigen Troublemaker hin zum Anführer geschafft, der als einer der besten Spieler dieser Playoffs anzusehen ist. Ob 30-Punkte-Spiele, 20-Rebound-Nächte oder sogar spielentscheidende Würfe von jenseits der Drei-Punkte-Linie – Randolph verkörperte wie kein anderer seiner Mannschaftskollegen die Geschichte Aschenputtels.
Und hier deutet sich schon an, dass die Cinderella Memphis’ keine leichtfüßige, über die Treppenstufen springende Prinzessin ist, sondern vielmehr eine hart arbeitende Kettenhündin sowie in der Zone wühlende Dampfwalze. Mit 50,5 Punkten in der Zone führten die Grizzlies in dieser Spielzeit alle Mannschaften an. Zudem holten sie sich prozentual die sechstmeisten Bälle vom offensiven Brett. Hierbei ist neben der starken Leistung Randolphs Marc Gasol zu nennen, der in der Endrunde auch seinen größeren Bruder Pau in den Schatten stellte. Über seine 13 Partien in der Endrunde füllte der spanische Big Man die Statistikbögen mit durchschnittlich 15 Zählern, 11,2 Rebounds und 2,2 Blocks. Wie war das noch mit dem einseitigen Tauschgeschäft mit den Lakers?
Mit 9,4 Ballgewinnen pro regulärer Saisonpartie präsentierte sich Memphis zudem als stärkster Balldieb der Liga. Stark zeigte sich hierbei vor allem Neuzugang Tony Allen, der die Personifikation des hustlenden Grizzlies darstellte, ins NBA All-Defensive Second Team gewählt wurde und zusammen mit dem in der Laufe der Saison nach Tennessee zurückgekehrten Shane Battier die besten gegnerischen Swingmen an die Leine nahm.
Dass es in Tennessee letztlich eine Happy End geben würde, konnte man lange Zeit jedoch nicht vermuten. Die Grizzlies starteten mit acht Niederlagen aus den ersten zehn Partien in die Spielzeit und wiesen noch Ende Januar eine negative Bilanz auf. Des Weiteren musste sich O.J. Mayo (in seinen ersten beiden Spielzeiten noch 18 PpG) erst mit seiner neuen Rolle als Sixth Man anfreunden. Der Shooting Guard machte zu Beginn der Spielzeit noch mit einer Auseinandersetzung mit Tony Allen bei einem Flug wegen eines Kartenspiels sowie seinem positiven Test auf Steroide samt einer Sperre von zehn Spielen auf sich aufmerksam.
In Form von Rudy Gay (Foto, 19,8 PpG, 6,2 RpG, 2,8 ApG, 1,7 SpG, 1,1 BpG, 39,6% 3FG in 54 Spielen) hatte die Cinderella Memphis’ nicht nur ihren (Franchise-) Schuh Mitte Februar verloren, sie sollte ihn auf Grund einer saisonbeendenden Schulterverletzung auch nicht mehr zurückbekommen. Doch Head Coach Lionel Hollins schaffte es hervorragend, aus seinem verbliebenen Kader eine echte Einheit zu formen und aus seinen Spielern alles herauszukitzeln.
Mike Conley (Foto oben, 13,7 PpG, 6,5 ApG, 1,8 SpG) legte bei seiner Punkteausbeute, seinen Korbvorlagen und Ballgewinnen jeweils persönliche Karrierebestwerte auf, während Sam Young zwar nicht beim Scoring, dafür auf Grund seiner Athletik und auch Defensivleistung überzeugen konnte. Die Grizzlies schafften es trotz der viertschlechtesten Drei-Punkte-Quote (33,4% 3FG), die beste Bilanz seit fünf Jahren aufzuweisen und bis in die zweite Playoff-Runde samt eines Spiel siebens einzuziehen.
Um noch unberechenbarer in der Offensive zu werden, sollten die Grizzlies für die Zukunft die Gefahr von außen verstärken. Mit einem genesenen Gay, einer noch eingespielteren Truppe und punktuellen Verstärkungen sollte dies auch möglich sein. Wie das Front Office seine Mannschaft der Zukunft sieht, sollte schon jetzt erkennbar sein: Randolph unterschrieb während der Spurs-Serie eine Vertragsverlängerung und steht wie Gay bis zur Saison 2014/15 im Kader. Aufbauspieler Conley ist sogar noch ein Jahr länger an die Franchise gebunden. Zudem ließen die Grizzlies verlauten, dass man auch mit dem Restricted Free Agent Gasol verlängern wolle. Von der Stammrotation wird ansonsten nur Battier Free Agent.
Und somit sollten sich die Grizzlies nach dieser Spielzeit auch als Cinderella demaskiert haben und in Zukunft nicht mehr den Status als gefährlicher Außenseiter tragen. Memphis muss nun beweisen, ob es auch auf Dauer zu einem Top-Team des Westens gehören kann.
Team-MVP: Zach Randolph (20,8 PpG, 11,7 RpG, 1,8 ApG, 4,1 Off-RpG)






von Raquel 09.06.11 um 13:01:37
Es gab da letztes Jahr so eine Mannschaft, die hat es überraschend in die Playoffs geschafft und der hat man einen großen Schritt und weitere Jahren in den Playoffs zugesagt: Die Bucks.
Was daraus wurde wissen wir ja alle. Klar hat Memphis eigentlich den besseren Kader, aber Gasol und Randolph haben beide um einen neuen Vertrag gespielt, könnten nächstes Jahr vielleicht etwas satt sein. Ich traue dem Ganzen nicht. Aber hat Spaß gemacht mit Memphis in den Playoffs.
von oxymoron (x-over) 09.06.11 um 13:07:41
Ich gebe dir recht, die Grizzlies hatten diese Saison Spaß gemacht, aber müssen, wie ich im letzten Satzz des Artikels auch geschrieben habe, beweisen, dass sie diese Leistung im Ernst des Ligaalltags bestätigen können.
Wobei ich sie nicht so sehr mit den Bucks vergleichen möchte, da ich denke, Milwaukee hatte noch mehr über seinen Möglichkeiten gespielt; zudem sind die Anlangen in Memphis, die Balance zwischen Defensive und Offensive besser, und es fehlte der Franchise-Spieler, was man nicht vergessen darf.
von KB-24 09.06.11 um 14:40:31
und milwaukee fehlten mehrere spieler verletzt dieses jahr.der >"franchiseplayer" zudem auch schon immer eig mit Redd.
dann war dieses jahr bogut oft ausgefallen,corey und und und also...war genug pech bei den bucks,sah sie eig bei anfang der saison wieder in den playoffs
von durant35 10.06.11 um 06:48:19
Ich glaub nicht, dass man die Situation mit der der Bucks 2010 vergleichen kann.
Memphis will ein Team, was sich dieses Jahr als starke Einheit präsentiert hat zusammenhalten, während die Bucks viel Geld in neue Spieler investiert hat, die zumindest bisher einfach nicht ins Spiel integriert werden konnten.
Bei Memphis sehe ich nur das Problem, dass nach solchen Playoffs die Spieler jetzt zu fette Verträge bekommen, die falls sie dann nicht das Niveau von den diesjährigen Playoffs erreichen den Verein lange binden.
Aber wenn sie Westen vorne mitspielen wollen, haben Sie kaum eine andere Wahl, als dies zu investieren, da das Geld für nen neuen Topspieler eh nicht da ist.
von BC_Fan 10.06.11 um 09:14:54
Also Z-Bo hat auch letztes Jahr schon stark gespielt (war ja u.a. das erste mal Allstar) und ich denk mal die Truppe ist ehrgeizig genug in der nächsten Saison noch weiter kommen zu wollen...das größte Problem für die Grizzlies seh ich eher in ihrer weiterhin schwachen Bank, wenn Battier nich gehalten wird, sind mit Arthur und Mayo nur 2 Spieler auf der Bank, die offensiv auch mal punkten. Vazquez muss man sehen, wie er sich entwickelt und der Rest der Bank is eher nich erwähnenswert...
von criscross 10.06.11 um 10:55:01
Vieleicht sind die Grizzlies ohne Gay besser, weil dann der Ball mehr zu Z-Bo geht, der hochprozentig einnetzt und Allen, Young und Battier mehr Minuten bekommen, was die Defensive besser macht.
von nicoquanz 10.06.11 um 16:26:44
cooler artikel ich sag nur memphis hat mir gut kohle gebracht hab auf einen seriensieg gegen die spurs gewettet haha danke dafür
zur zukunft des teams da der westen in naher zukunft immer schwächer wird ( alternde lakers mavs und spurs) haben die sicherlich das potenzial auf platz 2 oder 3 zu kommen die spieler müssen aber so zusammen bleiben memphis spielt nur so gut da sie die beste team defense der gesamten liga spielen sollte man noch einen guten flügel spieler finden der scoren kann ist man vielleicht in der lage mal die finals zu erreichen wo man allerdings verlieren wird da im osten bulls und miami in den kommenden jahren den titel im conference finale ausspielen