NBA-Saisonrückblick

Boston allein zuhaus

Die Boston Celtics (Rajon Rondo, Foto) waren die einzigen Vertreter der Atlantic Division in den Playoffs und zogen sogar in die NBA Finals ein. Toronto, New York, Philadelphia und New Jersey mussten ihren Urlaub bereits nach der regulären Saison antreten.

Von Jessica Gravina (jgr), Björn Lehmkühler (bl), Nikolaus Raab (nik), Thomas Käckenmeister (tk), Joshua Wiedmann (jw)
 20.06.2010 |

New Jersey Nets (12-70): Eine Saison zum Vergessen

(bl). Die NBA-Saison 2009/10 war für die New Jersey Nets bereits vorüber, bevor sie wirklich begonnen hatte. Denn als die Nets am 2. Dezember die Partie gegen die Dallas Mavericks als Verlierer beendeten, standen für sie null Siege und achtzehn Niederlagen auf dem Konto. Null zu achtzehn! Damit übertrafen sie die bisherigen Negativrekord-Starts der Miami Heat (1988) und der Los Angeles Clippers (1999), die jeweils mit 17 Niederlagen in die Saison gestartet waren.

Kurz zuvor musste Head Coach Lawrence Frank die Konsequenzen tragen und wurde entlassen. Interimslösung Kiki Vandeweghe übernahm für den Rest der Saison den Platz auf dem Coaching-Stuhl; der 51-Jährige wird nun aber wieder den Posten des General Managers bekleiden und für Avery Johnson Platz machen.

Zwar beendeten die Nets zwei Tage nach der Schlappe gegen die Mavs ihre Negativserie, die Saison wird dennoch als mieseste in die Annalen der Franchise eingehen. Eine Bilanz von 12-70 steht am Ende für den zweimaligen ABA-Meister zu Buche, welcher in den Jahren 2002, 2003, 2004 und 2006 noch den Titel in der Atlantic Division gewonnen hatte.

Dabei war es keinesfalls überraschend, dass New Jersey am Ende nichts mit der Playoff-Vergabe zu tun haben und in der Lottery landen würde. Ein solches Desaster wurde jedoch nicht erwartet, hatte das Front Office den Kader des 34-Siege-Teams aus dem Jahr zuvor doch kaum verändert. Doch am Ende war es nicht zuletzt der einzige nennenswerte Abgang von Shooting Guard Vince Carter, dessen Scoring nicht ersetzt werden konnte.

So konnte beispielsweise Point Guard Devin Harris, sofern er denn gesund war, nicht an die vielversprechenden Leistungen der Vorsaison anknüpfen. Seine 16,9 Punkte pro Partie bedeuten einen Rückgang um 4,4 Zähler und seine Wurfquoten (40,3% FG, 27,6% 3FG) verdienen wohl das Prädikat unterirdisch. Noch enttäuschender war derweil Harris’ Backup Rafer Alston. Als Hoffnungsträger gekommen, trug „Skip“ einen Großteil zum miesen Saisonstart bei und wurde entsprechend nach nur 27 Einsätzen aus seinem Vertrag gekauft. Als Ersatz kam in einem Trade mit den Miami Heat Chris Quinn, der jedoch kaum positive Impulse setzen konnte.

Über gute Ansätze kamen auch die anderen Guards nicht hinaus. So liefen Courtney Lee (12,5 PpG) und Chris Douglas-Roberts (9,8 PpG) zwar zuweilen heiß, ihre Quoten von 33,8 bzw. 25,9 Prozent von „Downtown“ stehen denen von Devin Harris jedoch in nichts nach. Da zudem Jarvis Hayes und Keyon Dooling lange verletzt waren, Trenton Hassell sich auf seiner Rolle als Verteidiger beschränkte und Bobby Simmons in seinen 23 Einsätzen auf ganzer Linie enttäuschte, ging von den Außenpositionen der Nets selten Gefahr aus.

Positiv kann hier lediglich hervorgehoben werden, dass Rookie Terrence Williams im Verlauf der Saison eine äußerst positive Entwicklung durchlief. So verbesserte der Forward nach einem äußerst ernüchternden, von schlechten Wurfquoten geprägten Saisonstart seine Einstellung und seine Wurfauswahl dramatisch. Damit wurde der 22-Jährige zu einem der Hauptgründe dafür, dass die Nets überhaupt zwölf Siege einfahren konnten.

Damit konnte Williams den Club der Lichtblicke von einem auf zwei Mitglieder erhöhen. Der andere ist selbstverständlich Center Brook Lopez, der den bemitleidenswerten Nets-Fans mit durchschnittlich 18,8 Punkten, 8,6 Rebounds und 1,7 Blocks pro Partie immerhin einen kleinen Grund zur Freude geben konnte. Leider konnten weder Yi Jianlian noch Josh Boone ihr immenses Potential annähernd ausschöpfen, sodass Lopez auf den großen Positionen allein auf weiter Flur war.

Doch die Nets hätten der miserablen Saison noch etwas Gutes abgewinnen können und zwar durch einen Sieg in der Draft-Lottery. Denn im diesjährigen Draft wartet mit Point Guard John Wall ein potentieller Franchise Player. Doch am Ende jubelten die Washington Wizards; New Jersey musste sich mit einem enttäuschenden dritten Draft-Pick zufrieden geben.

Natürlich warten auch an dieser Stelle noch hochtalentierte Spieler. So bekleiden die vermeintlich nächstbesten Talente Evan Turner und Derrick Favors genau die beiden Positionen, welche neben Lopez, Williams und Harris noch vakant sind, nämlich Shooting Guard bzw. Power Forward. Somit könnten sich die Nets am Draft-Abend im Prinzip zurücklehnen und warten, welche Wahl die Philadelphia 76ers an zweiter Stelle treffen werden.

Die Tatsache, dass Wall in der Bundeshauptstadt und nicht im Gartenstaat spielen wird, ist jedoch doppelt bitter. Denn das Sprungwunder von der Kentucky University wäre ein Ass im Free-Agent-Poker um MVP LeBron James gewesen. Nun können die Nets nur noch die Millionen des neuen Mehrheitseigners Mikhail Prokhorov, James Freundschaft mit Teilhaber Jay-Z sowie den geplanten Umzug nach Brooklyn in den Ring werfen. Das wichtigste Argument, nämlich ein Kader, der sofort um die Meisterschaft mitspielen kann, ist jedoch auf Seiten der Konkurrenz. Damit könnte den New Jersey Nets am Tag der Draft-Lottery nicht nur John Wall, sondern auch LeBron James entgangen sein.

Team-MVP: Brook Lopez (18,8 PpG, 8,6 RpG, 2,3 ApG, 1,7 BpG, 49,9% FG, 81,7% FT)




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von Crossover 30.05.2012 um 11:15:07


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