NBA-Saisonrückblick
Ausgetauscht
Während sich in der Pacific Division die Lakers und Phoenix durch große Trades für die Playoffs wappneten, verpassten Golden State, Sacramento und die Clippers diese mal mehr, mal weniger knapp.
Von Dennis Amedovski (dam), Christian Guse (cg), Johannes Hübner (joh), Nikolaus Raab (nik), Maximilian Selow (ms) |
24.06.2008 | |
Los Angeles Lakers (57-25): Wie Phoenix aus der Asche...
(ms). Es war der Stoff, aus dem die ganz großen Geschichten geschrieben werden. Eine einst so glorreiche Basketball-Franchise lag scheinbar in Trümmern. Der Star des Teams hatte ihr den Rücken gekehrt. Die Stadt, die ihn vor elf Jahren mit offenen Armen empfangen, ihn zu dem Star gemacht hatte, hatte er hintergegangen und seine Mannschaftskameraden öffentlich als Inkompetent abgestempelt. Der Meister-Coach zog den Rücktritt in Erwägung und Fans forderten den Verkauf der Franchise. Doch in jenem Moment, in dem die Not am größten schien, wandte sich das Schicksal der Mannschaft, ein weiterer Star wurde verpflichtet und die Trümmer-Franchise erklomm den steinigen Weg bis ins große Finale, wo man zwar die Niederlage hinnehmen musste, sich selbst jedoch trotzdem als moralischer Sieger fühlen konnte.
Okay, zugegebenermaßen stark übertrieben formuliert, aber „That's Hollywood, Baby!“. Ohne eine gehörige Portion an Dramatik sind die Los Angeles Lakers in diesem Jahrhundert – man denke zurück an die Feden zwischen Shaquille O'Neal und Kobe Bryant während den drei Titelgewinnen 2000, 2001 und 2002 – eigentlich nie wirklich gut gefahren, also scheint es nur logisch, dass es wieder einmal erst eines Kanonenschlags bedurfte, um die Lakers an die Spitze der Liga zurückkehren zu sehen.
Jener Kanonenschlag erfolgte im letzten Sommer durch Kobe Bryants (Foto) Forderung nach einem Trade. Der Superstar war mit seinen Mitspielern unzufrieden, verlangte in einem misteriösen Internet-Video sogar einen Trade von Youngster Andrew Bynum, an dem die Franchise in seinen Augen viel zu lange festgehalten hatte, und beschwerte sich ein um das andere Mal über das Management, was ihn einmal zu oft belogen hatte, wie er auf seiner Website verlauten ließ. Trotz Miesepeter-Stimmung in Los Angeles blieb die Führungsetage der Lakers jedoch auf ihrer harten Linie, ließ Bryant nicht ziehen und verpflichtete im Sommer lediglich Rückkehrer Derek Fisher, der an Bryants Seite zwar damals drei Titel gewann, jedoch auch nicht als entscheidendes Puzzle-Teil in den luftigen Zielen des Teams angesehen werden konnte.
Nach einer durchwachsenen Preseason gaben den Lakers nur wenige Experten eine echte Chance auf die Playoffs. Bryant würde wieder den Topscorer mimen müssen, seinen Mitspielern nicht vertrauen können und die Franchise zum gegebenen Zeitpunkt implodieren. Doch was Fans und Experten nicht für möglich hielt, trat plötzlich mit Beginn der regulären Saison ein: Die von Bryant kritisierten Youngster der Lakers hoben das Niveau des Teams mit Leistungsexplosionen in die Höhe, allen voran der zuvor noch viel gescholtene Andrew Bynum (28,8 MpG, 13,1 PpG, 10,2 RpG, 2,1 BpG) entwickelte sich zu einer Macht unter den Körben. Und so sammelten die Lakers in den ersten drei Spielen nicht nur zwei Siege gegen direkte Playoff-Konkurrenten (Phoenix Suns und Utah Jazz) ein, sondern steigerten sich von Monat zu Monat kontinuierlich soweit, bis das Team von Phil Jackson – angetrieben vom nun sich in den Dienst der Mannschaft stellenden Kobe Bryant und dem anstelle von Kwame Brown startenden Bynum – sich Ende Dezember in den oberen Rängen der Western Conference wiederfand.
Der Höhenflug des Teams fand jedoch im Januar ein jähes Ende, als sich Center Bynum an der Kniescheibe verletzte und eine Auszeit von acht Wochen bevorstand. Das Resultat waren fünf Niederlagen in den folgenden acht Partien. Plötzlich schien die einst so vielversprechende Saison der Mannschaft auf der Kippe zu stehen, bis General Manager Mitch Kupchak den Deal auf die Beine stellte, der in den folgenden Wochen nur noch als „Größter Diebstahl der NBA-Geschichte“ bezeichnet werden sollte. Für Kwame Brown, Javaris Crittenton, den Vertrag von Aaron McKie und einer handvoll Draft-Picks wechselte All-Star und Weltmeister Pau Gasol (Foto) aus Memphis an die Westcoast und erweckte L.A.'s Hoffnungen auf die Meisterschaft zu neuem Leben.
Mit dem Spanier gewannen die Lakers fünf ihrer folgenden sechs Auswärtspartien, legten nebenbei eine Siegesserie von zehn Spielen in Folge hin und beendeten die Saison in, wie sollte es anders sein, dramatischer Art und Weise am letzten Spieltag als Nummer eins des Westens. Die daraufhin folgenden Playoffs gestalteten sich für die Lakers vorerst, auch ohne den immer noch verletzten Bynum, nicht weiter schwierig: In der ersten Runde machte man mit den Denver Nuggets kurzen Prozess und fertigte das Team von George Karl in vier Begegnungen ab. Da gestaltete sich die zweite Runde gegen die Jazz schon weitaus schwieriger, als deren Point Guard Deron Williams der Defense der „Tinseltowner“ mehr Kopfschmerzen bereitete, als vorerst gedacht. Dank eines überragenden Kobe Bryants, der vor Beginn der Serie seine erste MVP-Trophäe überreicht bekam und gegen die Jazz weit über 30 Punkte pro Spiel ablieferte, setzten sich die Lakers allerdings auch hier in sechs Spielen durch. Der amtierende Meister aus San Antonio wurde anschließend in den Western Conference Finals sogar mit relativer Leichtigkeit in fünf Partien nach Hause geschickt.
Was dieser Traumsaison nun noch fehlte, war der Titelgewinn und der sollte ausgerechnet gegen den alten Konkurrenten, die gehassten Boston Celtics, eingefahren werden. Im Kampf der Kolosse gingen die ersten beiden Spiele an die mit Heimvorteil ausgestatteten Celtics, die in Spiel zwei der Serie eine grandiose Aufholjagd der Lakers abwehrten und so als klarer Favorit nach Los Angeles fuhren. Dort meldeten sich die Lakers in der dritter Partie zurück und sahen auch in der vierten Begegnung wie der eindeutige Sieger aus, als die Celtics einen 24-Punkte-Rückstand aufholten und die Lakers damit mit dem Rücken zur Wand drängten. Diese gewannen dann zwar das letzte Spiel im Staples Center und ließen noch einen Funken Hoffnung aufkeimen, den die Kelten in der sechsten Begegnung jedoch schnell zu Nichte machten, früh ihre Führung erspielten und sich den Titel mit einem Blowout-Sieg sicherten.
Die Enttäuschung über den Verlust der Chance währte in Los Angeles jedoch nicht lange. Selbst Kobe Bryant war sich der Tatsache bewusst, dass ein derart junges und unerfahrenes Team auch in den nächsten Jahren noch genügend Möglichkeiten erhalten wird, die Meisterschaft zu gewinnen. Mit Andrew Bynum fehlte dem Team die wichtigste Stütze in der Verteidigung und mit dem lange verletzten und deswegen in den Finals kaum eingesetzten Trevor Ariza, der früh in der Saison für Brian Cook und Maurice Evans aus Orlando kam und sich zum Schlüsselspieler entwickelte, ein variabel einsetzbarer Swingman von der Bank.
Die Zukunft scheint hell für den 14-fachen NBA-Champion. Mit den vier Star-Spielern Bryant, Lamar Odom, Pau Gasol und Andrew Bynum und der jungen Bank, die schon im letzten Jahr die beste der Liga war, ist es schwer vorstellbar, die Lakers nicht auch im nächsten Jahr wieder um die Krone der Liga mitspielen zu sehen. In diesem Jahr stiegen sie auf, wie der Phoenix aus der Asche, im nächsten Jahr werden sie der Gejagte sein. Eine Rolle, mit der MVP und Kapitän Kobe Bryant jedoch allzu vertraut ist.
Team-MVP: Kobe Bryant (28,3 PpG, 6,3 RpG, 5,4 ApG, 1,8 SpG)






von xax 24.06.08 um 22:34:30
Ron Artest: ich denke bei ihm ist es wie damals bei Rodman, er kann ein Team zerbrechen oder zum Titel führen...
Ron Artest (20,5 PpG, 5,8 RpG, 3,5 ApG, 2,3 SpG)
Free RONRON
von The_MVP 25.06.08 um 10:17:36
man weiß ja nich worans bei ihm liegt un so..an sich n sehr guter spieler..
von OneMan 26.06.08 um 17:15:35
Allerdings. Bräuchte vielleicht ein, zwei stärkere Mitspieler.
Aber Rodman? Welches Team hat er denn zum Titel "geführt"?? Klar der absolute König unterm Korb (defensiv) aber von "Titel führen" kann bei ihm wohl keine Rede sein, oder??
von xax 26.06.08 um 21:04:14
@ OneMan
haste recht, war falsch ausgedrückt.
ich meinte das mit einem spieler wie rodman oder artest (defensiv stark, verrückt, bissig, siegbessen) JEDES Team besser wird.
Zu Rodman:
- Meister mit Detroit
- Conference Titel mit Spurs
- Bulls...
Klar immer mit super Spielern an seiner Seite aber er hatte eben auch riesigen Anteil.
Selbst Jordan verlor gegen Orlando ohen guten Forward (Horace Grant oder eben Rodman)
von OneMan 27.06.08 um 18:12:44
Das stimmt. Artest ist auf jeden Fal ein (positiv) verrückter und ein absolutes Unikat. Als Mensch sowie als Spieler.
Weiß man denn schon ob er in Sacremento bleibt??
von Oxymoron 27.06.08 um 19:04:44
@OneMan: Anfangs noch zu 99% sicher, dass er bei den Kings bleiben würde, hat Artest kürzlich in einer Mail an einen Redakteur der Sacramento Bee geschrieben, er hätte nie gedacht, dass so viele Teams nach ihm fragen würde. Alles was er sagen könne, ist, dass er eine 100-Grad-Wendung gemacht habe.
Artest meinte sehr wahrscheinlich eine 180-Grad-Wendung, außer er hat mit seiner Aussage die geographische Richtung zu seinem Favoriten verstecken wollen. ;) Spaße beiseite: Wenn Artest nun wirklich aus seinem Vetrag aussteigen wird, dann werden die Teams, die an ihm interessiert sind, Artest nur die Mid-Level Exception bieten können. Die Deadline, zu der Artest sich entscheiden muss, ist der kommende Montag.
von OneMan 29.06.08 um 11:39:42
Ein Spieler wie er wäre auf jeden Fall für jedes Team eine Bereicherung. Gerade bei dem Gehalt!
we will see...