NBA-Saisonrückblick

Aus magisch wird tragisch

Der Weg zum ganz großen Erfolg führt oftmals geradlinig. Wenn man allerdings nicht aufpasst und sich Alternativen offen hält, kann es schnell passieren, dass man in einer Sackgasse landet. Die Orlando Magic (Dwight Howard, Foto) taten in den letzten Jahren sehr viel daran, um das Ziel Meisterschaft zu erreichen und müssen sich nun fast eingestehen: Vielleicht wurde Plan B vergessen.

Von Sebastian Eickhoff
 29.05.2011 |

Bilanz 2010/11: 52 Siege, 30 Niederlagen (Siegquote: 63,4 Prozent)
2. der Southeast Division; 4. der Eastern Conference; erste Playoff-Runde

Dwight Howard (Foto oben) möchte eine Meisterschaft gewinnen. Dieses Vorhaben musste er in dieser Saison frühzeitig auf Eis legen. Überraschend, aber weniger verwunderlich, schieden seine Orlando Magic in der ersten Runde der Playoffs gegen die Atlanta Hawks nach sechs Spielen aus. Mit durchschnittlich 27 Punkten und 15,5 Rebounds war er der einzige Magic-Akteur, der sich gegen die Blamage wehrte. Seine Mitspieler waren im Verlauf der Partien nur begrenzt in Bereitschaft.

Auch die defensiven Bemühungen, die Orlando in den letzten Jahren auszeichneten, wurden fast nur noch von Dwight Howard im Soll erfüllt. Auch so zeigte sich allein Howard repräsentativ für den Anspruch, den die Franchise vor der Saison vorgab. Das 25-jährige Kraftpaket schloss die Spielzeit als Zweiter bei der Wahl um die Trophäe des wertvollsten Spielers ab und konnte sich zum dritten Mal in Folge die Auszeichnung des besten Verteidigers sichern. Vor allem seine immense Entwicklung im offensiven Bereich lässt die Saison wenigstens individuell als Erfolg abbuchen. Als einziger Spieler der Liga erzielte der Center im Schnitt über 20 Punkte und zehn Rebounds in Kombination mit mehr als zwei geblockten Schüssen. Einzig seine ligaanführenden 18 technischen Fouls, die zu zwei Sperren führten, setzen sich einem Tadel aus.

General Manager Otis Smith versuchte sich entgegen seiner „I like our team“-Politik als Geschäftsmann, fädelte im Dezember den ersten großen Blockbuster-Trade der Saison ein und verschiffte die bis dato enttäuschenden Vince Carter und Rashard Lewis. Für Carter und Back-Up Center Marcin Gortat kamen von den Phoenix Suns Shooting Guard Jason Richardson und Jung-Forward Earl Clark. Außerdem hieß man Hedo Turkoglu willkommen, der zwei Jahre zuvor noch Garant für die Finalteilnahme der Magic war. Smith fand in den Washington Wizards im Anschluss einen Abnehmer für Lewis und erhielt Gilbert Arenas als umstrittenen Gegenwert.

Zunächst sahen die Magic wie die Gewinner dieser Tauschbörse aus, konnten sie doch danach eine Siegesserie von neun Spielen hinlegen. Die alten Probleme, zum Beispiel eine konstante Kraft neben Howard zu installieren, wurden jedoch durch die neuen Gesichter nicht ausgemerzt. Gilbert Arenas (Foto links) fand nur vereinzelt zu seinem Spiel und wirkte fast an jedem Abend wie ein Schatten seines Schattens. Mangelndes Selbstbewusstsein, Unsicherheit im Abschluss und der fehlende Spielwitz zeigten einen Arenas (8,0 PpG, 34,4% FG), der rein gar nichts mit dem All-Star vergangener Tage gemein hatte. Zu schwer tat er sich mit der limitierten Zeit (21,8 MpG), die ihn Head Coach Stan van Gundy am Spielgeschehen teilhaben ließ. Arenas wird bis 2014 an die Magic gebunden sein, da sein 63 Millionen Dollar schwerer Vertrag und seine gezeigten Leistungen kaum einen Abnehmer für etwaige Tauschabsichten finden sollten. Arenas gilt als Workaholic in Sachen Vorbereitung. und er sollte eine Menge daran tun, wieder eine treibende Kraft zu werden, wenn er in Zukunft eine Rolle spielen soll.

Ob der ebenfalls akquirierte Jason Richardson überhaupt eine Zukunft in Orlando hat, werden die Verhandlungen im Sommer zeigen. Richardson ist Free Agent und startete zunächst recht gut im Trikot der Magic. Als jüngere Version von Vince Carter geholt, konnte der Shooting Guard zwar durch guten Einsatz Akzente setzen und das Spiel der Magic erfrischen, baute dann allerdings an Konstanz ab. In der ersten Playoff-Runde gegen die Hawks blieb Richardson dann weit hinter den Erwartungen, in dem er für Spiel vier gesperrt wurde, da er sich mit Hawks-Center Zaza Pachulia angelegt hatte. Die letzten beiden Partien hinderte ihn eine Fußverletzung, die er sich zuzog, als er barfuss über Glasscherben lief.

Die Kette der Kritik zieht sich jedoch weiter durch den gesamten Kader, möchte man eine Erklärung für das enttäuschende Abschneiden der Magic finden. Aufbaugestalter Jameer Nelson (Foto) wird kaum die Sphären eines Chris Paul oder Deron Williams erreichen, was ihn umstrittener denn je macht. Er gilt als Seele und Herz des Teams, aber für den ganz großen Wurf wäre eine Personalie mit neuem und gesteigerten Kaliber (und mehr als nur 13 Punkten und sechs Assists pro Spiel) von Nöten.

Die Orlando Magic besitzen ein Team, welches durch den (erfolgreichen) Schuss von außerhalb lebt und dominieren kann. Sie spielen eine zu den besser gehörenden Verteidigungen der Liga und besitzen einen Center, der wie ein Schloss die Mitte ausfüllt. Dies sind alles Aspekte, die unweigerlich zum Erfolg in der NBA führen können. Die Magic haben es allerdings nicht geschafft, alle drei Komponenten auf eine konstante Ebene zu heben. Es würde leicht fallen, Übungsleiter Stan Van Gundy als Verantwortlichen für diese Tatsache heranzuziehen. Aber ein Coach trägt nicht die Verantwortung dafür, wenn der Ball nicht sein Ziel trifft. Van Gundy führte die Franchise zur vierten Saison mit 50 Siegen oder mehr und musste aber mit ansehen, wie seine Spieler einmal mehr in den entscheidenden Momenten den Anschluss an ihre Leistungen verpasst haben.

Wenn die Magic Dwight Howard im nächsten Sommer nicht verlieren möchten, gilt es jetzt, ein Hintertürchen zu finden, um nicht in der besagten Sackgasse zu landen. Die Bedingungen gestalten sich momentan jedoch sehr schwierig, da die Magic weder über brauchbare Draft-Picks (Nummer 53 in diesem Jahr) noch über für andere Teams interessante Tradeware verfügen. Es muss als schon mit Magie zugehen, wenn es wieder voran gehen soll.

Team-MVP: Dwight Howard (22,9 PpG, 14,1 RpG, 2,4 BpG, 59,3% FG)




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Kommentare

(4 Kommentare bisher)

von Eastcoast 31.05.11 um 11:18:56


Als Magic-Fan blutet mir natürlich nach dieser Saison das Herz! Und ich stimme dem Artikel des Inhalts völlig zu - mit dem Fazit: Howard hui, der Rest Pfui!!! Ganz verstehe ich das miese Spiel der Akteure nicht: Alles sehr gute Spieler, die aber derzeit katastrophal drauf sind! Turkoglu, Arenas, Richardson....alles nur Schatten ihrer selbst! Sie können es, das weiss jeder, nur es will einfach nicht klappen! Hatte jedes Spiel die Hoffnung, dass endlich mal der Knoten platzt, aber es wurde immer schlimmer! Hoffe sehr, dass da im Sommer ordentlich geschuftet und Selbstvertrauen getankt wird! Vor allem hoffe ich ganz ganz stark auf Arenas, er kann es garantiert immer noch und könnte die zweite Macht neben Howard werden!! Aber ob der jemals wieder der Alte wird...naja, abwarten und hoffen! Aber Meisterschaft gewinnt DIESES Team leider garantiert keine!



von Durant44 31.05.11 um 23:11:16


Die Magic waren in den Playoffs sicherlich die größte Entäuschung. Howard hat in einem kürzlich gegbenen Interview gesagt, er wolle in Orlando bleiben, er brauche aber andere Spieler um sich herum, um Erfolgreich zu sein. Er wolle es nicht wie Shaq damals machen. Ob diese Worte ernstgemeint sind, darf mal sicherlich dahin gestellt sein. Trademäßig haben sie nicht viel Spielraum, sie müssen aber was ändern, ansonsten ist D-12 ,denke ich, doch weg. Einzige Alternative wäre doch dann, mal einen neuen Trainer zu holen um zu schauen ob er aus dem Vorhanden Kader nicht noch etwas mehr Rauskitzeln kann. (auch wenn ich kein Freund bin von schnellen Trainer-Entlassungen bin). Aber bei van Gundy wurde doch immer mal wieder ein schwieriges Verhältniss zu seinen Spielern Nachgesagt. Vllt. könte da z.B. ein Rick Adelman noch was reißen!?



von Mt.Mutombo 01.06.11 um 09:45:56


Adelman wäre eine super Wahl; wenn sie DAS schaffen, ist mit dem Team viel drin. Aber abwarten was kommt... und wen sie holen KÖNNEN!



von BC_Fan 03.06.11 um 13:22:57


Ich mag Stan van Gundy als Trainer ja überhaupt nicht, aber mit dem Kader wird's wirklich nicht einfach groß was auf die Beine zu stellen. Adelman ist auf jedenfall en guter Trainer, der aus dem vorhanden mMn das maximale rausholt (siehe Houston ohne Yao). Von den Spielern kann ich mir nur von Arenas ne Steigerung vorstellen, Turkoglu ist einfach nur overrated, Richardson wird vielleicht nicht verlängert, Nelson wird sich auch nich steigern können und nen Big Man Ersatz für D12 zu finden (nachdem Gortat weg is) wird extrem schwer...



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