NBA-Saisonrückblick

Aufgeschoben, nicht aufgehoben

Den Sacramento Kings wurde in den letzten Monaten ein großes mediales Interesse beschert. Doch hatte dieses vielmehr wirtschaftliche denn sportliche Gründe. Die Gerüchte über einen möglichen Umzug der Franchise sorgten für mehr Furore als die Ergebnisse auf dem Feld. Dass die Kings den Erwartungen aus der Vorsaison hinterher hinkten, hatte verschiedene Gründe.

Von Sebastian Eickhoff
 11.05.2011 |

Bilanz 2010/11: 24 Siege, 58 Niederlagen (Siegquote: 29,3 Prozent)
5. der Pacific Division; 14. der Western Conference; keine Playoffs

Sichtlich erleichtert präsentierte Sacramentos Bürgermeister Kevin Johnson die Entscheidung, dass das NBA-Team der Sacramento Kings ein weiteres Jahr in der Stadt verweilen werde. Die Zeit möchte man nutzen, um einen überzeugenden (Finanz-)Plan auf die Beine zu stellen, der den Verantwortlichen einen langfristigen Verbleib der Franchise schmackhaft machen soll. Johnson, der selbst ein gestandener NBA-Profi gewesen ist, möchte dieser Kampagne wie schon in den vergangenen Wochen sein Gesicht verleihen und erklärte in politischer Manier das Projekt zur Chefsache.

Man mag beim langwierigen Prozedere kaum glauben, dass im Königreich auch noch Basketball gespielt wurde. Allerdings konnten auch auf dem Parkett kaum entscheidende Entwicklungen vorangetrieben werden. Fast rückschrittlich erscheint die eine Niederlage mehr als noch im Vorjahr auf der Jahresabrechnung.

Die Kings sind das fünftjüngste Team der Liga gewesen, und Head Coach Paul Westphal hatte streckenweise gute Mühen, seine Bande im Zaum zu halten. Auf Jungstar und Point Guard Tyreke Evans (Foto oben) konnte Westphal nur wenig, und wenn, dann unregelmäßig, setzen. Diesen plagte im gesamten Saisonverlauf eine Entzündung im Fersenbereich, so dass eine Wiederholung seiner „Rookie of the Year“-Leistung kaum möglich war. So verpasste es Evans auch, seiner Entwicklung als neuer Franchise-Spieler neue Aspekte zu verleihen. Nach wie vor lassen sein Spiel aus der Mitteldistanz und in der Verteidigung Raum für enorme Verbesserungen.

Die Verletzung von Evans ließ die Scheinwerfer auf Neuankömmling DeMarcus Cousins (Foto links) richten, und der Big Man hielt alles, was über ihn im Vorfeld prophezeit wurde. Cousins gab sowohl sein reiches Talent als auch seinen wohl temperierten Hitzkopf zum Besten. Er wies die beste Rebound-Saison (8,6 im Schnitt, welche auch der zweitbeste Wert hinter Blake Griffin bei den NBA-Anfängern bedeutete) eines Kings-Rookies auf und scheute nicht davor, seinem Frust lauthals freien Lauf zu lassen, wenn ein entscheidender Spielzug mal nicht über ihn lief. Unter den Liganeulingen war er der zweitbeste Scorer (14,1 PpG), debattierte aber auch gerne mal mit dem Coaching-Stab über die Interpretation von körperlicher Ertüchtigung in den Übungseinheiten.

Cousins’ Spielübersicht kam vor allem seinen Mitspielern oft zugute, und so belegte der Kentucky-Absolvent den vierten Platz bei den Assists hinter den anderen Rookies John Wall, Blake Griffin und Eric Bledsoe. Die Vergleiche mit dem ehemaligen Kings-Star Chris Webber drängen sich angesichts dieser Zahlen unverblümt auf. Die charakterlichen Schwierigkeiten sollten eine Frage der Zeit und des damit verbundenen Erwachsenwerden sein, so dass Cousins schon in kürzester Zeit zur Big-Man-Elite der Liga gehören sollte.

Kleine Probleme hatte Westphal allerdings auch mit anderen Spielern. So beschwerte sich Sophomore Omri Casspi öffentlich über willkürliche Einsatzzeiten und zog sogar einen Trade-Wunsch in Erwägung. Dem Forward sollte jedoch etwas Geduld gewünscht werden, da auch hier die Verletzung Evans’ Einfluss auf Casspis Spielanteile hatte. Kam Evans’ Vorbereitungen dem europäischen Spiel von Casspi während ihrer Premierensaison noch zugute, so war Westphal in diesem Jahr gezwungen, den amerikanischen Weg über Cousins wieder laufen zu lassen.

Auch die Ankunft von Marcus Thornton via Tauschgeschäft mit den New Orleans Hornets spielte hier bei eine Rolle. Der Guard nutze die ihm gegebene Zeit und war im restlichen Saisonverlauf Topscorer der Kings (21,4 PpG). Einen kleinen Frühling erlebte Center Samuel Dalembert, der dem jungen Team vor allem in der Defensive Leben einhauchte und dann auch den Vorzug in der Starting Five gegenüber Forward Jason Thompson erhielt.

General Manager Geoff Petrie und die Gebrüder Maloof sind sportlich endlich auf einen Nenner gekommen. In den vergangen zwei Jahren konnte in finanzieller Hinsicht Entlastung geschaffen werden, indem sich die Franchise von Kevin Martin, Kenny Thomas, Andres Nocioni, Mikki Moore und schließlich Carl Landry trennen konnte. Auch im Draft hat das Front Office seinen Hausaufgaben gemacht und mit den Picks von Evans, Cousins und auch Casspi Grundlagen für Morgen geschaffen. Mit Jason Thompson und Marcus Thornton hat man auf den restlichen Positionen noch weitere, junge Puzzleteile gebastelt.

Der vermeintliche Rückschritt entpuppt sich also bei näherer Betrachtung als Basissicherung. Kann das bestehende Potenzial von den Spielern auf dem Parkett in Taten umgesetzt werden, sollte die nächste Saison das erhoffte Plus vorweisen. Die Playoffs dürften dann in den nächsten zwei Saisons unabhängig vom Standort ein ernst zu nehmendes Thema für den jungen Kader sein. Was Seatt…, äh Oklahoma City vorgemacht hat, wird in Anah…, äh Sacramento viel versprechend nachgeahmt.

Team-MVP: Paul Westphal




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von Crossover 30.05.2012 um 11:14:52


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