NBA-Saisonrückblick
Auf dem Weg nach oben
In der Northwest Division absolvierten die Denver Nuggets (Foto: Chauncey Billups) und Portland Trail Blazers jeweils die beste Spielzeit seit Jahren. Auch die sich im Wiederaufbau befindenden Minnesota Timberwolves und Oklahoma City Thunder verbesserten sich immerhin im Vergleich zum Vorjahr. Einzig die Utah Jazz mussten einen Rückschritt hinnehmen.
Von Manuel Baraniak (mb), Sebastian Eickhoff (sei), Christian Guse (cgu), Johannes Hübner (jh), Dennis Klammer (dk) |
18.06.2009 | |
Denver Nuggets (54-28): Höhenluft in Denver
(jh). Oktober 2008 in Denver: Die Nuggets scheinen, statt sich weiter zu entwickeln, einen großen Schritt in die falsche Richtung zu machen. Nicht für eine erstklassige Defensivleistung bekannt, gibt die Franchise aus Colorado den Verteidiger des Jahres 2007, Marcus Camby, für praktisch nichts (einzig die Möglichkeit, zukünftige Zweitrunden-Picks zu tauschen) zu den Los Angeles Clippers ab. Auch Eduardo Najera, der stets Energie von der Bank gebracht hatte, verlässt die Franchise. Dafür kommen Chris Andersen und Dahntay Jones in die Rocky Mountains.
In Colorado waren die Zeichen vor der Saison auf ein hartes Rennen um die Playoff-Teilnahme gestanden. Sieben Monate später befanden sich die Nuggets nicht nur in der Endrunde, sondern galten als eines der besten Playoff-Teams überhaupt. Die Nuggets hatten zudem eine historische Saison hingelegt, und Mark Warkentien, General Manager der Franchise, wurde zum Executive des Jahres gewählt. Was hat sich in etwas über einem halben Jahr getan?
Nach nur drei Spielen der Saison 2008/09 wurde das Management nach dem Camby-Trade erneut tätig. Diesmal wurde mit Allen Iverson einer der besten Scorer in der Geschichte der NBA nach Detroit verschifft. Im Gegenzug erhielten die Nuggets Chauncey Billups (Foto). Manche sogenannten Experten sahen die Pistons als Gewinner dieses Tausches an, da Iverson der bessere Einzelspieler und Scorer und die Franchise aus Michigan durch den auslaufenden Vertrag jetzt finanziell sehr variabel sei. Doch nach und nach stellte sich heraus, dass der deutliche Gewinner die Nuggets waren. Billups brachte ganz neue und wichtige Qualitäten mit nach Denver: Siegermentalität und Uneigennützigkeit. Der Point Guard legte den Fokus auch auf die Verteidigung. Billups war das Puzzle-Teilchen, welches der Franchise immer gefehlt hatte. Plötzlich passte das Mannschaftsgefüge zusammen und jeder hatte seine Aufgabe im Team.
Die professionelle Einstellung des Aufbauspielers hatte auch eine positive Wirkung auf Carmelo Anthony. „Melo“ rückte wieder vornehmlich durch seine Leistungen auf dem Platz, und nicht durch sein Fehlverhalten neben des Parketts, in die Schlagzeilen. Durchschnittlich 22,8 Punkte pro Spiel deuten zwar auf eine eher weniger spektakuläre, reguläre Saison des überragenden Scorers hin, doch der Small Forward agierte reifer, setzte seine Mitspieler besser in Szene und investierte mehr in die Verteidigung. Trotz leicht sinkendem Punkteschnitt in der Hauptrunde, setzte Anthony vielleicht den offensiven Höhepunkt der NBA-Spielzeit 2008/09. Im Spiel gegen die Minnesota Timberwolves kam er nach der Halbzeit aus der Kabine und lief sofort heiß. Im dritten Spielabschnitt erzielte „Melo“ 33 Punkte. Damit egalisierte der Forward den NBA-Rekord von George Gervin aus dem Jahr 1978. Zwölf von 15 Würfen fanden im dritten Viertel ihr Ziel, am Ende der Partie standen insgesamt 45 Zähler für Anthony zu Buche.
Neben dem Small Forward und Billups komplettierten Nene Hilario, Kenyon Martin und Dahntay Jones die Starting Five. Tatkräftige Unterstützung erhielt die ersten Fünf immer durch Denvers Edelreservisten: Chris Andersen, J.R. Smith, Linas Kleiza und Anthony Carter leisteten wichtige Beiträge zum Erfolg der Franchise. Vor allem „The Birdman“ und Smith übernahmen Schlüsselrollen von der Bank. Andersen stärkte die Verteidigung unter anderem mit durchschnittlich 2,5 Blocks pro Begegnung, während „J.R.“ für Punkte sorgte. Der Shooting Guard brachte es im Schnitt auf einen persönlichen Karrierebestwert von 15,2 Zählern (39,7% 3FG) und netzte am vorletzten Spieltag gegen die Sacramento Kings hervorragende 45 Punkte ein. Dabei fanden sensationelle elf Drei-Punkte-Würfe ihr Ziel – ein Franchise-Rekord. Bei der Wahl zum besten Bankspieler landete der 23-Jährige somit hinter Jason Terry auf dem zweiten Platz.
Angeführt von Billups rollten die Nuggets mit einer sehr guten Bilanz durch die Saison. Gegen Ende der Spielzeit kristallisierte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Portland Trail Blazers um die Division-Krone heraus. Ein Lauf von acht Siegen in Serie, der Anfang April sein Ende fand, bescherte der Mannschaft von Head Coach George Karl den entscheidenden Vorteil. Schlussendlich wiesen die Nuggets und die Blazers nach der Hauptrunde die identische Bilanz (54-28) auf, was für die Nuggets einen neuen Franchise-Rekord bedeutete. Da die Colorado-Truppe mehr Siege gegen Mannschaften des Westens einfahren konnte, gewann Denver den Nordwesten und sicherte sich damit den zweiten Platz in der Western Conference.
In den Playoffs hatten es die Nuggets in der ersten Runde mit den siebtplatzierten New Orleans Hornets zu tun. Nach fünf Erstrunden-Niederlagen in Folge gewannen die Nuggets die erste Serie mit Anthony in ihren Reihen. Der Playoff-Fluch kann jetzt als vertrieben betrachtet werden. Mit einem deutlichen 4-1 zogen die Nuggets in die zweite Runde ein. Besonders hervorzuheben ist der Sieg in Spiel vier, indem die Nuggets die Hornets mit einer Differenz von 59 Zählern demütigten.
In der zweiten Runde der Postseason warteten die Dallas Mavericks auf die Franchise aus der „Mile-High-City“. Auch hier ließ die Mannschaft keinen Zweifel aufkommen, wer in die nächste Runde einziehen würde. Erneut kamen die Nuggets durch ein 4-1 weiter. „Melo“, bei dem in seiner bisherigen Karriere die Leistungskurve in den Playoffs immer stark nach unten zeigte, überzeugte nicht nur mit 41 Punkten in Spiel vier, sondern traf auch den spielentscheidenden Wurf in der dritten Partie.
In den Conference Finals fand Denver letztendlich in den Los Angeles Lakers ihren Meister. Die Lakers beendeten die Saison der Nuggets mit einem 4-2. Abermals war es Anthony (Foto), der durch gute Leistungen (27,5 PpG in den Playoffs) seinen Status als NBA-Star festigte. In drei Partien erzielte der Forward über 30 Punkte und verteidigte des Öfteren auch Kobe Bryant recht ordentlich. Am Ende war es aber eben Bryant und die vielen Ballverluste, die das Ausscheiden der Mannschaft besiegelten. „Sogar Jesus hätte Probleme, Kobe zu verteidigen“, meinte George Karl nach Spiel drei über eine Phase, in der Bryant überaus schwierige Würfe traf.
Nach der Niederlage im sechsten Spiel endete eine historische Saison aus Sicht der Nuggets. Mit Billups scheint die Mannschaft aus Colorado genau den richtigen Mitspieler für Carmelo Anthony gefunden zu haben, und auch die restlichen Akteure passen sehr gut zusammen. Die gesamte Startformation, bis auf Dahntay Jones, ist mindestens noch zwei Jahre unter Vertrag. In der Offseason laufen aber einige Verträge von wichtigen Rollenspielern aus. Andersen, Jones, Kleiza und Anthony Carter werden Free Agents. Vor allem die zwei Erstgenannten sollten vom Management dringend gehalten werden, da sie die Verteidigung der Nuggets zusammenhalten. Wenn das Team in der Besetzung zusammen bleibt, wie es derzeit aussieht, kann es in den nächsten Jahren noch einmal ganz oben angreifen und vielleicht sogar um den Titel spielen.
Team-MVP: Chauncey Billups (17,4 PpG, 6,4 ApG, 1,2 SpG)






von mkay 18.06.09 um 14:18:48
"16,5 Punkte, 6,7 Rebounds, 2,0 Assists und 1,0 Steals pro Spiel ließen die Vergleiche zu einem Scottie Pippen nicht abwegig erscheinen." (..) - das hab ich auch schon einmal irgendwo gelesen ;)