NBA-Saisonrückblick
Auf dem Weg nach oben
In der Northwest Division absolvierten die Denver Nuggets (Foto: Chauncey Billups) und Portland Trail Blazers jeweils die beste Spielzeit seit Jahren. Auch die sich im Wiederaufbau befindenden Minnesota Timberwolves und Oklahoma City Thunder verbesserten sich immerhin im Vergleich zum Vorjahr. Einzig die Utah Jazz mussten einen Rückschritt hinnehmen.
Von Manuel Baraniak (mb), Sebastian Eickhoff (sei), Christian Guse (cgu), Johannes Hübner (jh), Dennis Klammer (dk) |
18.06.2009 | |
Oklahoma City Thunder (23-59): Aller Anfang ist gut
(sei). Die erste Saison der Oklahoma City Thunder verlief wie eine Aufmunterung, nachdem viel böses Blut im Prozess des Umzuges der vielbeliebten Seattle Supersonics nach Oklahoma geflossen war. Das Pseudo-Expansion-Team zeigte eine ganze Spur von Hoffnung auf eine vielversprechende Zukunft um eine Ansammlung junger Talente.
Der Start im neuen Gewand und an neuer Wirkungsstätte gestaltete sich für die Oklahoma City Thunder alles andere als rosig. Die heftige Kritik, die die Franchise einstecken musste, fand in den Resultaten der ersten Spiele ihre Bestätigung. Eine Bilanz von zwölf Niederlagen aus den ersten 13 Partien sorgte dann auch für das erste Handeln seitens des Managements, indem dieses Head Coach P.J. Carlesimo die Papiere aushändigte und mit Scott Brooks eine Unbekannte auf der Bank installierte.
Die letzte Handlung dieser Art sollte dies aber nicht gewesen sein. Im Dezember verpflichteten die Thunder Center Nenad Krstic, den man aus dem russischen Exil holte, nachdem dieser in den letzten Jahren erfolgreich für die New Jersey Nets seine Leistung zutage gebracht hatte. Ähnliche Arbeitskraft erhofften sich die Thunder vom 2,13 Meter großen Serben vor allem an den Brettern, wo es der jungen Truppe bis dato erheblich an Unterstützung fehlte.
Vor allem Power Forward Chris Wilcox enttäuschte diesbezüglich auf ganzer Linie und glänzte zumeist durch Teilnahmslosigkeit, obwohl er sich im letzten Jahr seines Vertrages befand und dies zumeist der Anlass für eher gegenteilige Darbietungen ist. Wilcox wurde zur Trading Deadline dann auch zu den New York Knicks verschifft, von denen man im Gegenzug Malik Rose verpflichtete. Mit einem weiteren Trade zur Wechselfrist sicherten sich die Thunder die Rechte an Shooting Guard Thabo Sefolosha, der von den Chicago Bulls kam. Dieser schaffte sofort den Sprung in die Startaufstellung und mit durchschnittlich 8,5 Punkten, 5,2 Rebounds und für einen Shooting Guard beachtlichenen 1,1 Blocks unterstützte er vor allem in der Defensive die Spielverläufe der Thunder. Mit 1,7 Steals pro Partie führte er sogar das Team in dieser Kategorie an.
Eine außergewöhnliche Handlung ging von General Manager Sam Presti aus, in dem er einen Trade mit den Hornets annulierte und den schon angereisten Tyson Chandler postwendend zurückschickte, nachdem dieser die medizinischen Tests unzureichend abschloss. Nichtsdestotrotz verliefen die Wochen nach Ende der Tauschgeschäfte mehr als gut, konnten die Thunder doch neun der restlichen 24 Partien für sich entscheiden und den Ausblick schaffen, schon in naher Zukunft um die Playoffs mitspielen zu können.
Diese Zukunft hat auch einen Namen: Kevin Durant (Foto). In seiner zweiten Saison zeigte der spindeldürre Scorer, dass er in den elitären All-Star-Kreis dieser Liga gehört. Zur Nominierung zum Show-Auflaufen am Sonntag hatte es zwar nicht gereicht, aber das sollte in den nächsten Jahren nicht weiter vorkommen. Durant verbuchte mit 25,3 Punkte im Schnitt den sechstbesten Wert aller Ligaakteure und unterstrich einmal mehr, dass er das Gesicht dieser Franchise ist. Vor allem bei den Wurfquoten (47,6% FG, 42,2% 3FG) steigerte sich der Small Forward enorm (2007/08: 43,0% FG, 28,8% 3FG). Bei der Wahl zum meistverbesserten Spieler landete Durant so auch auf einem dritten Platz.
An seiner Seite wusste Durant mit Jeff Green einen vielseitigen Forward, der in seiner ebenfalls zweiten Spielzeit einen mehr als beeindruckenden Stempel in den Spielanleitungen gegnerischer Coaches hinterließ. 16,5 Punkte, 6,7 Rebounds, 2,0 Assists und 1,0 Steals pro Spiel ließen die Vergleiche zu einem Scottie Pippen nicht abwegig erscheinen.
Head Coach Scott Brooks verstand es, die Komponenten Durant und Green so einzusetzen, dass beide mit ihren athletischen Anlagen verstärkte Verteidigung spielten und so weite Räume für eine schnelle Offensive schufen. Gelenkt wurde diese Spielweise durch Rookie Russell Westbrook (Foto), der im Laufe der Saison in den engen Kandidatenkreis um den besten Neuling des Jahres immer mehr Wort fand. Ein guter Zug zum Korb bei 15,3 Punkten, beständige Verteidigung bei 1,3 Steals und eine verlässliche Spielübersicht, bei der er 5,3 Assists hinterließ, machten Westbrook zu einem weiteren Baustein der positiven Perspektive.
In der Offseason wird sich das Management vor allem im Draft mit dem dritten Pick und 25. Pick bemühen, die fehlende Elemente unter dem Korb (beispielsweise durch Hasheem Thabeet) und eine Schützen für die Distanz zu finden, sind dies doch die größten Baustellen. Dass es an Erfahrung fehlte, war auch naheliegend, denn Veteranen wie Joe Smith wurden entlassen, mussten wie im Falle von Desmond Mason verletzungsbedingt den kürzeren ziehen oder wurden nicht ins aktive Geschehen mit eingebunden. So geschehen bei Chucky Atkins, der im Trade für Johan Petro aus Denver geholt wurde. Die Aussicht auf lukrative Free Agents mit entsprechenden Erfahrungsschatz ist eher gering, sodass die Thunder den Weg über die Jugendarbeit gehen wird.
Eine Bilanz von 23 Siegen bei 59 Niederlagen ist sicher nicht gerade ein großes Werk, doch in der Premierensaison der Thunder wurden die Grundlagen geschaffen, optimistisch nach vorne zu schauen. Das Team aus Oklahoma City schaffte es, die Kritiker mit attraktiven Basketball zu begeistern und in Anbetracht der Vorgeschichte wenigstens etwas verstummen zu lassen. Aller Anfang ist üblicherweise schwer, doch birgt er oft etwas gutes, so auch für die Oklahoma City Thunder.
Team-MVP: Kevin Durant (25,3 PpG, 6,5 RpG, 2,8 ApG)
| Teil 1: Auf dem Weg nach oben |
| Teil 2: Portland Trail Blazers: Schritt für Schritt |
| Teil 3: Utah Jazz: Ein verlustreiches Jahr |
| Teil 4: Minnesota Timberwolves: Mehr Schatten als Licht |
| Teil 5: Oklahoma City Thunder: Aller Anfang ist gut |






von mkay 18.06.09 um 14:18:48
"16,5 Punkte, 6,7 Rebounds, 2,0 Assists und 1,0 Steals pro Spiel ließen die Vergleiche zu einem Scottie Pippen nicht abwegig erscheinen." (..) - das hab ich auch schon einmal irgendwo gelesen ;)