NBA Playoffs
Wenig meisterlich
Die Los Angeles Lakers (Kobe Bryant, Foto) stehen nach einem 4-2 über die Oklahoma City Thunder in der zweiten Playoff-Runde, in der die Utah Jazz warten. Der amtierende Champion präsentierte sich dabei aber kaum meisterlich. Das junge Team aus Oklahoma kann trotz des Ausscheidens derweil auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken.
Von Manuel Baraniak |
02.05.2010 | |
Los Angeles Lakers (1) gegen Oklahoma City Thunder (8) 4-2
(87:79, 95:92, 96:101, 89:110, 111:87, 95:94)
Nur einen Defensiv-Rebound waren die Oklahoma City Thunder davon entfernt, die Los Angeles Lakers in ein alles entscheidendes, letztes Spiel zu zwingen. Mit 94:93 in der sechsten Partie in Führung liegend, sahen die Thunder mit an, wie Kobe Bryant wenige Sekunden vor Schluss zum möglichen Siegtreffer hochstieg. Zwar verfehlte der Shooting Guard diesen Wurf, das allgemeine Staunen ob einer erneuten Heldentat Bryants brachte Pau Gasol aber in die günstige Position, sich den Offensiv-Rebound zu sichern und nicht nur das Spiel, sondern letztlich auch die Serie zu entscheiden.
Vor Beginn der Erstrunden-Paarung mögen viele noch von einem Duell David gegen Goliath gesprochen haben: Auf der einen Seite das achtplatzierte, junge Team aus Oklahoma City, das zumeist noch grün hinter den Ohren war. Auf der andere Seite der amtierende, an Nummer eins gesetzte Meister aus Los Angeles samt Playoff-erfahrenen Akteuren wie Kobe Bryant oder Coach Phil Jackson. Doch statt des Größenvorteils standen sich die meiste Zeit zwei Gegner auf Augenhöhe gegenüber. Während beide Mannschaften zwei „Blowouts“ zu verzeichnen hatten – die Lakers gewannen Spiel fünf mit 24 Zählern Differenz; die Thunder die Partie davor mit 21 Punkten Vorsprung –, war in den restlichen Begegnungen nichts von einem Klassenunterschied auszumachen.
Ein Grund mag hier in den Matchups gelegen haben. Die Lakers sind bekannt dafür, gegen derart schnelle und athletische Mannschaften so ihre Probleme zu haben, vor allem, wenn auf der Aufbauposition ein flinker Akteur wie Russell Westbrook (Foto) aufläuft. Der 21-Jährige war der heimliche Star der Serie und deutete an, dass er in Zukunft zur Elite der Top-Point-Guards aufsteigen könnte. Seine Durchschnittswerte bei den Korbvorlagen und geblockten Würfen ausgenommen, steigerte sich Westbrook (20,5 PpG, 6 RpG, 6 ApG, 47,3% FG, 41,7% 3FG) noch einmal stark im Vergleich zur regulären Saison.
Der ehemalige UCLA Bruin war auch der Initiator der vielen Fastbreaks, die die Thunder starteten, und ließ seinen Gegenüber Derek Fisher alt aussehen. „Russell und seine Schnelligkeit – so haben sie uns am meisten geschadet”, musste Fisher schon nach der Auftaktbegegnung eingestehen. Über die gesamte Serie erzielten die Thunder 92 Punkte nach Schnellangriffen – 58 mehr als die Lakers. Einzig im fünften Aufeinandertreffen war Los Angeles in jener Statistik vorne. In jener Partie war es auch Bryant, der Westbrook verteidigte, als der Thunder-Aufbau acht Mal das orangefarbene Leder verlor.
Auch den vermeintlichen Größenvorteil – ausgehend aus einem Big-Men-Gespann um Andrew Bynum, Pau Gasol und Lamar Odom, das nur in der fünften Begegnung komplett seine Vorteile ausspielen konnte – kompensierten die Thunder mit ihrer Athletik. Beide Teams griffen sich letztlich auf den Rebound genau gleich viele Bälle von den Brettern. Nach Durant (7,7 RpG) schnappte sich auf Seiten der Thunder Serge Ibaka die meisten Fehlwürfe und stellte vor allem in Spiel zwei einen Abwehrturm in der Zone dar, als er sieben Würfe L.A.s zurückschickte.
Neben jenen athletischen Akteuren und einem Jeff Green ist natürlich noch Kevin Durant zu erwähnen. Der Topscorer der regulären Spielzeit war auch in dieser Serie mit durchschnittlich 25 Zählern der beste Punktesammler, jedoch musste der Forward für seine Körbe hart arbeiten. Die unterdurchschnittlichen Wurfquoten von 35 Prozent aus dem Feld und 28,6 Prozent aus der Distanz haben die Lakers dabei Ron Artest (Foto) zu verdanken. Auch wenn Artest in der Offensive immer noch nicht so recht weiß, wann er einen Wurf nehmen darf, so war seine Defensivarbeit gegen Durant doch ein entscheidender Beitrag für das Weiterkommen. Doch Durant wusste, auf andere Weise zu punkten: Immer wieder fand der 21-Jährige den Weg an die Freiwurflinie und kam in den sechs Spielen auf 62 Versuche vom Streifen – von denen er 54 verwandelte. Auf der Gegenseite bewies Durant auch, dass er ein kompletter Spieler sein kann, als er in der Verteidigung ein um das andere Mal Kobe Bryant entscheidend stören konnte.
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Bryant und seine Lakers hatten die Serie selten zu lachen – es war harte Arbeit. |
Apropos Freiwürfe: Dort offenbarten die Gold-Violetten hingegen eine große Schwäche, die sie in der nächsten Runde gegen die Utah Jazz, welche gern einmal foulen und den Gegner somit an die Linie schicken, abstellen sollten. Bis auf Jordan Farmar lag jeder Lakers-Akteur aus der Rotation, zum Teil deutlich, unter seiner Freiwurfquote aus der regulären Spielzeit.
Vor allem mit Bryant und Bynum sowie mit Ron Artest und Lamar Odom mögen einige wichtige Akteure aus der Rotation so ihre Blessuren in die zweite Runde tragen, was bei den Jazz aber nicht anders aussieht. Während Mehmet Okur mit einem Achillessehnenriss in dieser Saison nicht mehr zurückkehren wird, hofft Andrei Kirilenko (Wadenverletzung) zumindest zu Spiel drei wieder fit zu sein. Hinter dem Einsatz von Deron Williams zur heutigen Auftaktpartie steht ebenso ein Fragezeichen, wie auf Seiten der Lakers hinter Andrew Bynum.
Doch die beiden Übungsleiter Phil Jackson und Jerry Sloan wissen auf der großen Playoff-Bühne zu improvisieren. Ohnehin kennen sich beide Mannschaft gut: Im vergangenen Jahr schalteten die Kalifornier die Jazz ohne Probleme in der ersten Runde aus, im Jahr davor war für das Team aus Salt Lake City nach der zweiten Runde Endstation. Damit dies den Lakers nun erneut gelingt, muss sich der amtierende Meister aber steigern und kontinuierlich die Leistung wie aus den letzten beiden Spielen abrufen. Dies gab auch Ron Artest nach der entscheidenden, sechsten Partie zu Protokoll: „Jeder erwartete von uns, dass wir das größte Team seit Erfindung der Bratkartoffel seien, aber so spielen wir nicht. Genau genommen, haben wir noch einiges zu tun.“
Einiges geleistet haben in dieser Saison auch die Oklahoma City Thunder: 27 Siege im Vergleich zu Vorsaison, der erste Playoff-Basketball in Oklahoma City – die Fans im Ford Center feierten diese Premiere und umhüllten das Parkett stets mit lautem Blau – und eine erneute Steigerung der jungen Mannschaft, honoriert mit der Auszeichnung zum Head Coach des Jahres für Scott Brooks – die Saison 2009/10 ist ein großer Erfolg für die Thunder. Auch Kevin Durant wusste dies trotz des Schmerzes des Ausscheidens kurz nach Ende der sechsten Partie und rief seine Mannschaftskollegen zum Huddle, als er ihnen mitgab: „Die neue Saison startet jetzt.“







von Durant44 02.05.10 um 16:29:03
Guter Bericht! OKC hat wirklich überragend gekämpft, doch in den Entscheidenen Phasen hat man einfach gemerkt, wie jung und unerfahren diese Talentierte Truppe ist!! Jetzt im Sommer noch einen guten BigMen holen der Defensivstark ist ala Dalembert, Haywood oder Horford und die Zukunft gehört OKC! OKC RULES!
Also L.A. wird in der nächsten Runde eine schippe drauflegen müssen, ansonsten wird es schwer!! Die Jazz haben eine hohe Trefferqoute, Deron macht Derek nass und am Korb müssen sich Boozer, Milsap und Co. nicht vor L.A. verstecken!!
von criscross 02.05.10 um 17:09:51
Die Lakers brauchen unbedingt einen jüngeren und schnelleren PG, Fisher sollte so langsam ans Aufhören denken oder in zweite Glied rücken.
von Äneas 03.05.10 um 22:39:50
Damals wäre ja Kirk Hinrich zu haben gewesen... aber die Lakers haben eh schon den teuersten Kader der Liga. Da zudem für die "Tri-Angel" kein wirklich toller Passer gebraucht wird, kann man die Low Budget-Lösung auch wieder verstehen.
Aber wie mies bzw. faul Farmar sein muss, kann man sich nun auch vorstellen, wenn er nicht an Fish vorbeikommt,
von ca$hmoney 03.05.10 um 23:59:14
Oklahoma hat zwar so viel Flair wie Buxtehude und ein ebenso marketing-taugliches Logo... Aber der Mannschaft mal dicken Respekt für das Geleistete und das wussten auch die Fans zu schätzen, like March Madness. Diese Truppe(Durant, Westbrook, Green, Sefo, Harden, Ibaka) hat meiner Meinung nach ernsthaft das Zeug dazu die nächste Dekade zu dominieren.
PS.Ich mag Fish, stiller Leader mit Clutch-Gen. Sicher nicht mehr der schnellste, aber immer noch verdammt wertvoll, gerade jetzt. You can't teach oldskool;)