NBA Playoffs
Rache schmeckt süß
Nach einem 4-2 in den Western Conference Finals über die Phoenix Suns stehen die Los Angeles Lakers im Finale. Nachdem sich die Mannschaft um Kobe Bryant (Foto) bei der Franchise aus Arizona für das Erstrunden-Aus 2006 und 2007 revanchiert hat, wollen die Kalifornier nun gegen die Boston Celtics die Final-Niederlage von 2008 vergessen machen.
Von Manuel Baraniak |
30.05.2010 | |
Los Angeles Lakers (1) gegen Phoenix Suns (3) 4-2
(128:107, 124:112, 109:118, 106:115, 103:101, 111:103)
Man mag sich nur schwer vorstellen können, dass einem Head Coach zum Lächeln zu Mute ist, wenn der gegnerische Superstar gerade vor dessen Augen einen spielentscheidenden Sprungwurf getroffen hat, der sodann das Ende der Saison einläutet. Und doch konnte Suns-Coach Alvin Gentry nicht anders, nachdem Kobe Bryant in Spiel sechs 35 Sekunden vor Schluss über Grant Hill zum 107:100 einnetzte. Gentrys Ausruf „tolle Verteidigung“ konterte Bryant trocken mit dem Treffer und der Antwort „nicht gut genug“. Der Lakers-Star gab Gentry einen Klaps mit, als er sodann mit ausgestreckten Armen den Flug gen NBA Finals andeutete.
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| Finals-Einzug? Check. Zum dritten Mal in Folge stehen Kobe Bryant und Co. im Endspiel. Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic) |
Seitdem sich Bryant nach der vierten Begegnung der Erstrunden-Serie gegen die Oklahoma City Thunder an seinem lädierten, rechten Knie behandeln lassen hat, absolviert der 31-Jährige, so kann man durchaus argumentieren, die vielleicht beste Postseason seiner Karriere. In den sechs Partien gegen die Suns brannte Bryant durchschnittlich 33,7 Zähler, 8,3 Korbvorlagen und 7,2 Rebounds ab, garniert mit 52 Prozent aus dem Feld und 43 Prozent aus der Distanz. Dabei verdrängte er Jerry West als den besten Punktesammler in der Playoff-Geschichte der Lakers. Bereits 75 Mal hat Bryant in der Endrunde 30 Zähler oder mehr erzielt. Dass er jedoch nicht wie in der Vergangenheit Wurfgelegenheiten erzwingen muss, sondern sich mehr denn je bewusst ist, wann er selbst zu übernehmen hat, und ansonsten seine Teamkollegen sucht, davon zeugt beispielsweise seine Playoff-Karrierebestleistung von 13 Assists in Spiel zwei.
Und wenn Bryant dann doch einmal zeigt, dass er menschlich ist und einen „Airball“ wirft, dann ist immer noch Ron Artest (Foto) zur Stelle. So geschehen in Spiel fünf, als der Small Forward unbedacht in die Zone gesprintet war und den 103:101-Erfolg sichergestellt hatte. Parallelen taten sich zur Auftakt-Serie gegen die Thunder und Pau Gasols Siegtreffer auf. Für Artest selbst bedeutete jener Buzzerbeater auch Wiedergutmachung. 57 Sekunden vor Schluss, bei einer 101:98-Führung, nahm Artest einen Drei-Punkte-Wurf, obwohl die Lakers erst neue 24 Sekunden für ihren Angriff bekommen hatten. Wenn Phil Jacksons Blicke töten könnten, hätte Artest gar nicht auf das Feld zurückkehren können, um den entscheidenden Korbleger zu verwandeln. „Ron-Ron“ nahm derweil die Taktik der Suns, ihn von außen offen stehen zu lassen, persönlich und nannte diese Einstellung „respektlos“. So wacklig sich sein Distanzwurf auch immer noch zeigt, in der sechsten Partie hielt Artest Bryant den Rücken frei, verwandelte vier seiner sieben Distanzwürfe und beendete die Begegnung sogar mit einer persönlichen Saisonbestleistung von 25 Zählern.
Vor Beginn der Serie wurden den Lakers noch weitestgehend Größenvorteile bescheinigt, die die Kalifornier aber nur bedingt auszunutzen wussten. Unter anderem ließ Robin Lopez, zumindest zu Beginn der Serie, nicht erkennen, dass er von einer knapp zweimonatigen Verletzungspause zurückgekommen war. Zum anderen erschwerten die Suns den Lakers das Anspiel im Low-Post sowie den Zug zum Korb, als sie ab Spiel drei auf eine Zonenverteidigung umstellten. Wenigstens in den Heimpartien konnte Phoenix davon Profit schlagen und beide Spiele für sich entscheiden. Dabei nutzten sie vor allem ihren Vorteil an der Freiwurflinie, als die Suns über diese beiden Partien 42 Mal häufiger als die Kalifornier an die Linie treten durften.
Auch die Suns konnten ihren vermeintlichen Vorteil bei den Bankspielern erst im Laufe der Serie umsetzen. Eng verknüpft war dieser Umschwung mit der Wiederbelebung von Channing Frye (Foto). Der Big Man stand kurz davor, mit 17 Fehlwürfen in Folge den Playoff-Negativrekord von Sam Cassell (2008, 20 Fehlwürfe in Folge) einzustellen. Dem 27-Jährigen war seine Unsicherheit deutlich anzumerken, als er des Öfteren beim Erhalten des Balles zögerte. Doch in Spiel vier war sein „Catch and Shoot“-Modus wieder aktiviert, sodass er sich mit vier Dreiern zurück in die Serie schoss. In jenem Spiel vier zeigte sich die Überlegenheit der Suns-Bank auch am deutlichsten, als die Reservisten Phoenix’ um Goran Dragic, Leandro Barbosa, Jared Dudley, Louis Amundson und eben Frye ganze 54 Zähler markierten.
Doch selbst bei dieser Überlegenheit sollte man die Reservisten der Lakers nicht ganz unerwähnt lassen. Lamar Odom antwortete nach einem „19/19“-Spiel zu Beginn auf die Kommentare Amare Stoudemires, dies sei nur Glück gewesen, in der darauffolgenden Partie mit einem weiteren Double-Double. Der vielseitige Forward stand in jeder Partie über 30 Minuten auf dem Feld und gab statt des angeschlagenen Andrew Bynums meist den Frontcourt-Partner von Pau Gasol. Bei Jordan Farmar mangelte es zwar an Konstanz, der Point Guard traf aber den ein oder anderen wichtigen Drei-Punkte-Wurf. Zudem gab Sasha Vujacic sein Playoff-Debüt, der auf Grund seiner Penetranz in der Verteidigung in den Finals gegen die Boston Celtics auch zum X-Faktor werden könnte. Jedoch sollte er sich nicht mehr dazu verleiten lassen, einen Ellenbogen auszuteilen, wie er das gegen seinen Landsmann Dragic in Spiel sechs getan hatte. Mit diesem Flagrant Foul brachte Vujacic die Suns samt Fans wieder ins Spiel und schwor damit auch das Unverständnis von Mannschaftskollege Bryant herauf, der im Interview nach der Partie meinte, er müsse Vujacic nun töten.
Dass es bei den am 3. Juni beginnenden NBA Finals auch zum Kampf um „Do or die“ kommen wird, ist bei der Geschichte der Franchises aus Boston und Los Angeles klar. Die letzte Niederlage der Lakers liegt zudem erst zwei Jahre zurück. Nachdem die Lakers mit den Suns schon bei einem Team Revanche genommen haben – die Kalifornier schieden 2006 und 2007 jeweils in der ersten Playoff-Runde aus –, sind die Lakers auf den Geschmack gekommen und wollen auch in den Finals die Süße der Rache spüren. In den kommenden Tagen wird es für die Gold-Violetten die Farbe grün also nicht geben. Derweil könnten in der Zwischenzeit auch wieder die Gerüchte um Phil Jacksons Zukunft aufkommen, der zuletzt mit Teams wie den Chicago Bulls oder Cleveland Cavaliers in Verbindung gebracht wurde. Doch selbst von solchen Gerüchten, sowie den Anzügen von TNTs Craig Sager, ließ sich Jackson nicht ablenken.
Während bei den Lakers noch dieser süße Geschmack auf der Zunge liegt, überwiegt bei den Suns die Bitterkeit. Jedoch kann die Franchise aus Arizona auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken. Wohl keiner hat damit gerechnet, dass sie den amtierenden Meister im Conference-Finale zu sechs Spielen zwingen würden. Der Kader der Suns mag (noch) nicht dem einer Meistermannschaft entsprechen, die Suns zeigten aber das Herz eines Champions. Allen voran Steve Nash (17,7 PpG, 11,8 ApG) bewies dies und ließ sich von Schlägen auf das Auge oder die Nase nicht beirren. Dem Kanadier ist es zu wünschen, dass er den traurigen Rekord von den meisten Playoff-Siegen ohne einen Finals-Einzug bald ablegen kann.
Wohin es für die Suns aber in der Zukunft geht, steht in den Sternen, da Amare Stoudemire (Foto, 25 PpG, 6 RpG) als Free Agent im Sommer die Franchise verlassen kann. Der 27-Jährige bewies unter anderem mit seiner 42-Punkte-Vorstellung in der dritten Partie, dass er einer der offensivstärksten Big Men der Liga ist. An Verteidigungs- und Rebound-Arbeit mangelte es aber.
Wie seine Entscheidung auch ausfallen mag, an seinen Mannschaftskollegen und dem gesamten Team der Suns würde ein Abschied nicht liegen. Schon kurz nach der Niederlage konnte Suns-Coach Gentry auf eine Saison zurückblicken, bei der er auch wieder lächeln sollte: „Dies ist das erfreulichste Jahr meiner Coaching-Laufbahn gewesen. Wir hatten Leute mit wirklich viel Charakter. Und wir haben wirklich hart gespielt. In meinen 22 Jahren in der Liga, bin ich noch nicht bei einem Team mit einem solchen Zusammenhalt gewesen. Es gibt nichts Negatives zu sagen.“







von xax 30.05.10 um 17:18:01
Lakers-Celtics also..
Kobe ist in Gala-Form, wie er Spiele entscheidet, dass ist Jordan-Like. LBJ war mit Abstand de beste Spieler der Saison, aber in den PO ist Kobe eine Klasse für sich.
Daher mein Tipp: 4-2 Lakers
Kleinen Schreibfehler entdeckt:
"Doch selbst von solchen Gerüchte, sowie den Anzüge (Ansagen?) von TNTs Craig Sager, ließ sich Jackson nicht ablenken."
von Minty 30.05.10 um 17:57:41
naja, du scheinst craig sager nicht zu kennen...er hat den schlechtesten geschmack überhaupt, zumindest was die zusammenstellung seiner anzüge hat.
von oxymoron (x-over) 30.05.10 um 19:22:57
Wie Minty schon geantwortet hat, geht es wirklich um die Anzüge Craig Sagers. Während den Interviews in den Viertelpausen war Jackson sein Unverständnis gegenüber der Anzug- und Krawattenwahl Sagers stets anzusehen. In Spiel eins, beispielsweise, hielt Jax die Krawatte Sagers in die Kamera (LINK: [youtube.com]), während er in Spiel drei Sager als "The Good Humor Ice Cream Man" bezeichnete (LINK: [youtube.com]).
von xax 30.05.10 um 22:34:38
@ oky § Minty
Danke, den kannte ich nicht. Gebt mal Tipps fürs Final ab
von Tomrock 30.05.10 um 22:44:14
Lakers vs. Celtics 2:4
von ChainBlinger 31.05.10 um 00:09:34
Das Duell um den besten Craig Sager diss hat ganz klar Boston gewonnen :D
[youtube.com]
von Treffnix 31.05.10 um 09:34:12
Oh Mann, wieder zwei Teams im Finale, die ich nicht abhaben kann. Egal, die Lakers, insbesondere Bryant haben meinen Respekt verdient. Großartige Vorstellung von Kobe, ob man ihn mag oder nicht, Hut ab ! Das Vujacic ein Esel ist, darüber lasse ich mich jetzt nicht weiter aus, sondern widme meinen Kommentar lieber seinem Gegenpart. Dragic hat in meinen Augen streckenweise deutlich souveräner gespielt als Nash. Meiner Meinung nach sollte er die Rolle des Starters auch ab kommender Saison übernehmen. Nash wird älter, das war in der Serie streckenweise nicht zu übersehen. Auch Hill fand ich teilweise sehr bescheiden, auch hier konnte der Ersatzmann (Dudley) überzeugen. Ansonsten ne tolle Serie mit spannenden Partien. Mein Tipp für die Finals : Lakers - Celtics 3:4
von Gee-Man 31.05.10 um 10:14:57
ich sag mal so...in den WCFs hat kobe einmal mehr gezeigt das er der beste baller der welt ist..sicher hat lebron über die saison hinweg besser gespielt aber wenn es drauf ankommt..wie in den playoffs..ist kobe einfach eine nummer für sich...
zu den kommenden finals...hatte mir cavs gegen lakers bzw. lebron vs. kobe gewünscht...jetzt bekomme ich boston vs. L.A. und ich kann mich damit ganz gut abfinden das die übertraditionmannschaften aufeinandertreffen...tendenz lakers 4-2
finals MVP fisher...^^ *hust* kobe obwohl ichs den alten racker fish auch gönnen würde ;)
von almaen 31.05.10 um 15:44:36
Erstens: Ich hoffe, die Finals gehen über sieben Spiele. (Ich hatte mir diese Saison so spannende POs versprochen, und dann war das meiste doch recht klar...)
Zweitens: Kompliment an die Suns! Wie die vor der Saison abgeschrieben worden und was die dann geleistet haben, das nötigt Respekt ab. Nicht vorzustellen, was wäre, wenn die noch den einen oder anderen echten Hochkaräter hätten. Aber so zeigen sie, dass Basketball eben auch ein Teamsport ist.
von ca$hmoney 31.05.10 um 22:01:02
@treffnix: Hauptsache Vujacic hatte die Haare schön lol. Ob Dragic das Niveau bei 30min+ halten kann? Sein coming out gefiel mir aber auch. Nash spielt immer noch auf nem verdammt hohen Niveau, halt ohne Defense;). Wann wird Amare endlich Defense spielen? Trotzdem Respekt an die Suns. Finals Time, watch out 4 the Black Mamba!
von Treffnix 01.06.10 um 13:33:09
Er hatte sie früher schöner ! :-)
Ich fand aber das Nash zu vielen Fehlpässen in den entscheidenden Phasen geneigt hat. ch denke das Dragic schon das Potential hat Starter bei den Suns zu werden. Ob er das Niveau halten kann, bleibt klar die Frage, aber er hat zumindest das Zeug dazu.
von iggy#9 02.06.10 um 13:36:15
wohl noch nie craig sager gesehn ^^
ein beispiel:[thesportshernia.typepad.com]