NBA Playoffs

Knapp und doch klar

Alle Augen richteten sich wie gebannt nach Boston, wo sich zwischen den Celtics und den Bulls ein Drama in sieben Akten abspielte. Dabei geriet beinahe in Vergessenheit, dass auch die Serie zwischen Miami und Atlanta erst im allerletzten Spiel ihren Sieger fand.

Von Conrad Ziesch
 04.05.2009 |

Atlanta Hawks gegen Miami Heat (4-3)
(90:64, 93:108, 78:107, 81:71, 106:91, 72:98, 91:78)

Warum sich niemand wirklich für die Serie zwischen den Miami Heat und Atlanta Hawks interessierte? Es schien, als habe eine Unbekannte im Serien-Drehbuch kurzerhand alle dramatischen Elemente verpfuscht, gekürzt oder ganz gestrichen. Keine Verlängerung, keine Buzzerbeater, keine vor Begeisterung schreienden Kommentatoren, nichts.

Beweis gefällig? In den sieben Spielen zwischen den Heat und den Hawks wechselte die Führung gerade einmal 15 Mal! Nie musste eines der beiden Teams seine Führung nach dem ersten Viertel wieder abgeben. Alle sieben Begegnungen endeten mit einer zweistelligen Führung, drei Partien mit mehr als zwanzig Punkten Unterschied.

Der Rücken des Dwyane W.

Was nicht heißen soll, die Spieler hätten es an der nötigen Einstellung vermissen lassen. Dwyane Wade (Foto) betrat nach einem schmerzhaften Frontalzusammenprall mit Josh Smith im fünften Spiel bereits nach wenigen Minuten wieder das Parkett. Hawks-Center Al Horford ließ sich von einer Knöchelverletzung, die er sich ebenfalls in der fünften Partie zugezogen hatte, nicht schrecken und kehrte im entscheidenden Duell der Serie in die Starting Five seines Teams zurück.

Marvin Williams fiel mit einer Handgelenksprellung aus. Jermaine O'Neal (16,0 PpG in der Serie) musste nach einer Gehirnerschütterung die letzten beiden Spiele fast ausnahmslos von der Bank verfolgen. Im siebten und entscheidenden Aufeinandertreffen wankte der Center, der zuvor zweitbester Spieler seines Teams gewesen war, für ganze 42 Sekunden aufs Feld, fand sich jedoch zwei Fouls und einen Airball später erneut auf den Stühlen der Heat an der Seitenlinie wider. Joel Anthony (1,6 PpG) konnte ihn ebenso wenig ersetzen, wie Jamaal Magloire (0,4 PpG).

Am schwersten wog für die Miami Heat jedoch die Verletzung Dwyane Wades. „Flash“ plagten Rückenprobleme, die ihn mal mehr, mal weniger behinderten.

Wade allein zu Haus

Schon im ersten Spiel zeigte sich, wie abhängig die Miami Heat von ihrem Starspieler waren. Spielte Wade schlecht (8/21 FG), wie in der Auftaktpartie, gingen die Heat kläglich unter. Bei den drei Siegen jedoch streute „Flash“ 34,3 Punkte im Schnitt ein und traf genau jeden zweiten seiner Feldwürfe.

Die Atlanta Hawks konnten es verkraften, dass ihr Topscorer Joe Johnson (Foto, 15,5 PpG) bis zur letzten Begegnung unter seinen Möglichkeiten agierte. Der Shooting Guard traf nur 26,7 Prozent seiner Drei-Punkte-Versuche und fabrizierte durchschnittlich mehr als drei Ballverluste. Erst zum Schluss zeigte Johnson mit seinen 27 Punkten im siebten Spiel ansteigende Form. Es ging aber auch ohne ihn. Für Johnson sprangen wahlweise Josh Smith (15,5 PpG, 8,8 RpG), Ronald Murray (11,8 PpG), Mike Bibby (15,5 PpG) oder Zaza Pachulia (7,5 PpG, 7,7 RpG) in die Bresche.

Miamis jungen Spielern wie Mario Chalmers, Michael Beasley und Daequan Cook fehlte es in den entscheidenden Playoff-Momenten an der Konstanz, mit der sie ihr Team nach der desaströsen letzten Saison überraschend wieder in die Playoffs geführt hatten. Sowohl Cook (5,8 PpG, 31,7% FG), Beasley (11,3 PpG, 35,5% FG), als auch Chalmers (7,8 PpG) konnten aber nicht an ihre Saisonleistungen anknüpfen. Ein Wade war nicht genug: Mit dem Guard schied der siebte Scoring-Champion der letzten acht Jahre aus dem Titelrennen aus, ohne eine Playoff-Serie gewonnen zu haben.

LeBron wartet auf seinen großen Auftritt

Das haben die Atlanta Hawks nun endlich wieder geschafft. Es war das erste Mal seit 1999, dass die Hawks eine Playoff-Serie für sich entschieden. Das Team von Head Coach Mike Woodson wirkte gereifter als vor einem Jahr, als es gegen die Boston Celtics spielte und im letzten Spiel auswärts in Boston den Kürzeren zog. Diesmal hatte Atlanta Heimrecht und schickte Miami in den mehr oder weniger verdienten Urlaub.

Dass die Hawks auch ihren nächsten Playoff-Gegner, LeBron James und seine Cleveland Cavaliers, in ein siebtes Spiel zwingen könnten, glaubt eigentlich niemand so recht. Zu klar scheint die Rollenverteilung zwischen Cleveland und Atlanta. Dennoch sollte man nie „nie“ sagen bei dem Team aus Georgia. Wer weiß, wer wieder seine Hände im Drehbuch hat. 




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Kommentare

(1 Kommentar bisher)

von Suck My Diktiergerät 06.05.09 um 03:17:06


gegen boston letztes jahr glaubte auch niemand an ein 7.spiel :P



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