NBA Playoffs
Keltische Ketten
Nach 2008 stehen die Boston Celtics erneut in den NBA Finals. Durch mitunter meisterliche Verteidigung und eine geschlossene Mannschaftsleistung bezwang das Team um Paul Pierce (Foto) die Orlando Magic mit 4-2 und wartet nun auf den Meister der Western Conference.
Von Manuel Baraniak |
29.05.2010 | |
Orlando Magic (2) gegen Boston Celtics (4) 2-4
(88:92, 92:95, 71:94, 96:92, 113:92, 84:96)
Wie sehr sich doch die Wahrnehmung gegenüber den Eastern Conference Finals wandeln kann. Nach einem Heimerfolg Bostons mit 23 Punkten Differenz in der dritten Partie herrschte in der Medienlandschaft weitestgehend die Meinung, die Orlando Magic stünden kurz davor, mit dem Besen aus den Playoffs gekehrt zu werden. Dies war unter anderem auch auf einem gehackten Twitter-Account Paul Pierces zu lesen. Zwei Spiele später, die die Magic jeweils gewinnen konnten, war Orlando als die Mannschaft im Gespräch, die als erste in der NBA-Playoff-Geschichte einen 0-3-Rückstand aufholen könne.
Vergleiche wurden vor allem mit den Boston Bruins und deren Ausscheiden knapp zwei Wochen zuvor herangezogen. Das NHL-Team hatte in den Eastern Conference Semifinals gegen die Philadelphia Flyers mit 3-0 geführt und die Serie letztlich doch nicht nach Hause retten können. Doch Basketball ist immer noch Basketball und auch der 94. Anlauf eines NBA-Teams, einen 0-3-Rückstand umzubiegen, sollte scheitern.
Was letztendlich auch geblieben ist, ist eine Celtics-Mannschaft, die mit ihrer Verteidigungsleistung und mannschaftlichen Geschlossenheit an das Meisterteam aus der Saison 2007/08 erinnert. Vergessen ist die mitunter schwache reguläre Saison. Doch Head Coach Doc Rivers (Foto) ist sich auch bewusst, dass solch eine erfahrene Mannschaft, wie er sie in Boston vorfindet, mit Beginn der Endrunde ihren Fokus zurechtzulegen weiß. Ein jeder Akteur ist das Glied in einer Kette, in der das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile.
Ein weiterer Grund für den erneuten Finals-Auftritt liegt laut Pierce auch in der eingespielten Startformation: „Man schaut auf Orlando: Sie haben ihre Starting Five verändert. Man blickt nach Cleveland: Auch sie haben eine andere Startformation. [Unsere Konstante] ist nun mal, dass wir die gleiche Starting Five, die eine Meisterschaft gewonnen hat, haben. Wenn die Playoffs beginnen, wissen wir letzten Endes, dass wir die Erfahrung haben, wie man in die Endrunde geht und dort Spiele gewinnt, da diese Mannschaft eben die letzten Jahre die gleiche geblieben ist.“
Eine weitere Konstante in der Endrunde ist dabei auch die Verteidigung: Während ihrer vier Siege hielten die Celtics die Magic bei Quoten von 40 Prozent aus dem Feld und 28 Prozent aus der Distanz. Dadurch wussten die Celtics auch die Partie zu kontrollieren und lagen während dieser insgesamt 192 Spielminuten weniger als fünf Minuten in Rückstand. Gerade Boston ist zudem unter anderem mit Kendrick Perkins imstande, Dwight Howard im Eins-gegen-eins zu verteidigen und ihn nicht nur so aus dem Konzept zu bringen, was sodann auch die Freiräume der Distanzschützen Orlandos beschneidet. Nichtsdestotrotz stellte Howard (Foto, 21,8 PpG, 10,8 RpG) den teaminternen Topscorer, auch wenn er sich in der ersten und dritten Partie, in denen er jeweils nur drei seiner zehn Feldwürfe verwandelte, merklich schwach präsentierte.
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| Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic) |
Seine beste Serie lieferte auch Rasheed Wallace ab, der in drei Partien zweistellig punktete und mit seinen 21 Zählern in der fünften Begegnung so häufig durch das Netz traf, wie seit über vier Monaten nicht mehr. Sorgenfalten könnten jedoch noch seine Rückenprobleme machen, die Wallace zuletzt sichtlich Schmerzen bereiteten. Von der Bank kam neben Glen Davis, der trotz einer Gehirnerschütterung (im Gegensatz zu Marquis Daniels) in Spiel sechs wieder einsatzfähig war, auch Unterstützung von Nate Robinson, wenn auch nur für eine Partie. Gab Doc Rivers noch im letzten Monat zu Protokoll, dass Robinson, obwohl nicht Bestandteil der Rotation, noch einmal ein Playoff-Spiele gewinnen würde, leistete der Combo-Guard in der letzten Partie auch einen entscheidenden Beitrag. Den verletzten Rondo ersetzend, lief Robinson im zweiten Viertel heiß, erzielte innerhalb von fünf Minuten 13 Zähler und sorge dafür, dass Boston seinen Vorsprung ausbauen konnte. Dies sollte dem 1,75 Meter kleinem Guard auch so viel Selbstvertrauen geben, um möglicherweise auch in den NBA-Finals erneut zum X-Faktor zu werden.
Den erneuten Auftritt auf der größten Bühne der nordamerikanischen Profiliga haben die Magic also verpasst. Nachdem Orlando in den ersten beiden Runden jeweils mit einem Sweep nicht wirklich herausgefordert wurde, war wahrscheinlich genau das das Problem. So konnte das Team aus Florida auch mit der Intensität Bostons nicht mithalten und sah sich darum schnell mit 0-3 in Rückstand. Als Sinnbild für die größere Bereitschaft und Aufopferung kann hierbei Rondos Sprung auf das Parkett in Spiel drei herhalten, als er Jason Williams einen scheinbar nicht mehr zu erreichenden Ball abnahm und per Korbleger vollendete.
Die Verantwortlichen Orlandos werden sich über die Offseason hinweg überlegen, inwieweit sie den Kader verstärken müssen. Die Serie zeigte deutlich, wie sehr der Offensivmotor stottert, wenn Howard nicht gedoppelt wird und somit keine Freiräume entstehen. Das Front Office hatte sicherlich gehofft, Vince Carter (Foto) könne auf dem Flügel für Abhilfe schaffen und für sich selbst kreieren. Doch der Shooting Guard (13,8 PpG, 36,7% FG, 21,1% 3FG) enttäuschte ebenso wie Rashard Lewis (8,2 PpG, 33,9% FG, 17,4% 3FG), der erst zu Spiel vier zu begreifen schien, dass er sich gerade in den Conference Finals befindet. Neben Howard und Jameer Nelson konnte einzig J.J. Redick überzeugen, der noch am meisten Einsatz und sich enorm treffsicher zeigte (50,0% 3FG; 23/24 FT).
Die Celtics haben nun knapp eine Woche Zeit, um sich auf die Finals vorzubereiten und zu regenerieren. Am Donnerstag, den 3. Juni, werden die Kelten dann auswärts, entweder in Los Angeles oder Phoenix, zur Auftaktbegegnung antreten. Dass sie einen Heimvorteil gar nicht nötig haben, bewies Boston neben der Serie gegen die Magic bereits beim Aufeinandertreffen gegen die Cleveland Cavaliers. Welchen Gegner die Celtics-Fans gerne in den Finals sehen möchten, konnte man schon während Spiel drei vernehmen, als bereits Beat L.A.-Sprechchöre durch den TD Garden gingen.







von sev da chef 29.05.10 um 19:14:26
ich finds nicht gut, jetzt muss ich den Lakers die Daumen drücken, damit Boston nicht Champ wird.
Hätte so gerne Phoenix gegen Orlando in den Finals gesehen
von stef@n 29.05.10 um 19:57:12
ich bin für Phoenix gegen Orlando: schnellste Offense gegen stärkste Defense..
naja, wir werden heute Nacht sehen, ob sie überhaupt ein Game 7 erzwingen.
Übrigens: wie wärs mal wieder mit nem Liveblog zum Start der Finals?
von Hurricane 29.05.10 um 21:19:56
Du meinst wohl Bosten vs Phoenix oder ?
von schlund 30.05.10 um 21:17:59
zum glück ist die wurst howard nich weitergekommen, is echt peinlich wenn der sich an einfachsten centermoves probiert
von Mani 30.05.10 um 21:28:16
Also ich denke an Howard hat es nicht gelegen, man siehe die unterirdischen Leistungen von Lewis über die ganze Serie und Jameer Nelson jeweils bei den Niederlagen: Hier liegen die "wahren" Würste.
Natürlich, es weiss jeder, dass Howard einige Moves fehlen, seine Leistungen waren jedoch stark.
von schlund 31.05.10 um 00:13:49
aber wieso sind lewis und konsorten nicht auf dem level wie sonst? Weil es mMn auch nur relativ eindimensionale schützen sind und die brauchen freiraum den howard halt nicht schafft. Wenn er so dominat wäre, wie viele immer schreien, würde es sich boston nich erlauben können ihn 1vs1 zu verteidigen. Von wegen so dominatn wie shaq..never
von schlund 31.05.10 um 00:15:23
aber wieso sind lewis und konsorten nicht auf dem level wie sonst? Weil es mMn auch nur relativ eindimensionale schützen sind und die brauchen freiraum den howard halt nicht schafft. Wenn er so dominat wäre, wie viele immer schreien, würde es sich boston nich erlauben können ihn 1vs1 zu verteidigen. Von wegen so dominatn wie shaq..never
ich will ihn nich madig machen, aber dominante center gibt es momentan nicht. Genauso wenig wie orlando ein hartes team war in dieser serie. Oder lewis ein max-vertrag verdient, aber das sind andere sachen
von ca$hmoney 31.05.10 um 21:41:13
@schlund: Etwas mehr Contenance bitte. Carter z.B., offensiv zu selten ein Faktor gewesen, aber eindimensional? Von der Physis/Athletik her ist Howard der dominanteste Center den die Liga hat. Sonst würden ihn ja andere Center daran hindern 2* in Folge bester Blocker und Rebounder zu sein. Offensiv ist er dagegen im Post(noch) limitiert, weil es bis dato immer gereicht hat seine Gegner zu überpowern/überspringen;). Im Vergleich zu Shaq im Ganzen gesehen nicht so dominant wie der alte Supermann in den Neunzigern, aber für die heutige Liga reicht's, außerdem gib ich ihm noch genug Luft nach oben bei gerade 24 Jahren und gerade wegem dem diesjährigen Ausscheiden als Motivation. Wobei auch erwähnt sein sollte, das Perkins einer der wenigen Center ist, die Howard ausbremsen können. Bitter das Boston in den Finals steht, aber verdient weil sie von anfang an Gas gegeben haben.
von thetruth 02.06.10 um 23:13:55
Hier spricht zwar auch der Celtics-Fan in mir, aber wie kann man eine Suns-Magic-Serie der mit Abstand traditionsreichsten Fehde im Profibasketball vorziehen? Ich bin froh, dass es genau die beiden Teams in die Finals geschafft haben, das wird eine spannende Serie.
von sev da chef 02.06.10 um 23:30:42
ganz einfach, es wäre einfach mal was anderes und die Überraschung der Playoffs noch größer als der Finaleinzug der Celtics