NBA Playoffs

Jekyll und Hyde

Die Los Angeles Lakers stehen nach einem 4-3 über die Houston Rockets im Conference-Finale. Dabei zeigte die Franchise aus Kalifornien jedoch oft zwei Gesichter und konnte nicht wirklich überzeugen. Vor allem, da die Texaner am Ende auf Yao Ming verzichten mussten.

Von Manuel Baraniak
 18.05.2009 |

Los Angeles Lakers gegen Houston Rockets (4-3)
(92:100, 111:98, 108:94, 87:99, 118:78, 80:95, 89:70)

„Diese Mannschaft hat einen Jekyll und Hyde in sich. Ein wenig, das gebe ich zu“, beschrieb Phil Jackson sein Team nach deren deutlichen Niederlage in Spiel vier. Diese zwei unterschiedlichen Gesichter offenbarten die Lakers vor allem in den beiden Auswärtspartien, in denen die Rockets auf Yao Ming verzichten mussten. Nach der dritten Partie stellte sich nämlich heraus, dass sich der Chinese einen Ermüdungsbruch im linken Bein zugezogen hatte – mal wieder. Schon in der vergangenen Spielzeit musste der 2,29-Meter-Mann seine Saison auf Grund der gleichen Verletzung vorzeitig, damals im Februar, beenden. In der Saison 2005/06 brach sich Yao bereits nach vier Spielen seinen linken Fuß. Eine unendliche Geschichte?

Neben Yao Ming (Foto) standen den Rockets zudem weiterhin Tracy McGrady und Dikembe Mutomboder nach seiner Knieverletzung in der ersten Runde zurückgetreten war – nicht zur Verfügung, sodass sich Head Coach Rick Adelman fortan mit einem Ensemble aus hauptsächlich Rollenspielern, die gerade einmal die Hälfte des Gehaltsgefüges beanspruchen, begnügen musste. Doch damit wusste die Franchise schon in der Vergangenheit öfter umzugehen, und Adelman gelang es wieder, seine Mannen richtig einzustellen und zu motivieren. Bei ihren beiden Erfolgen ohne Ming konnten die Raketen vor allem jeweils durch einen guten Start und einer höheren Intensität als ihr Gegenüber überzeugen. Selbst US-Präsident Barack Obama ließ es sich nicht nehmen, den Rockets für ihre Vorstellung in Spiel vier zu gratulieren, als der bekennende Basketballfan Shane Battier – der die Personifikation des intensiven Verteidigungsspezialisten ist – seine Glückwünsche zukommen ließ.

Die Lakers müssen sich derweil die Kritik gefallen lassen, eben nicht immer mit der nötigen Aggressivität und Einstellung in die Begegnungen gegangen zu sein. Von einer Mannschaft um einen Anführer namens Kobe Bryant und einer Coaching-Legende wie Phil Jackson sollte man so etwas eigentlich nicht bemängeln müssen. Spätestens jetzt im Conference-Finale gegen die Denver Nuggets sollten sie dies abstellen. Im fünften und siebten Aufeinandertreffen hingegen zeigte der amtierende Vizemeister genau die Leistung, die viele von den Lakers auch erwartet hatten. Durch überdurchschnittliche Defensivleistungen hielten sie die Rockets in jenen beiden Partien bei einer Feldwurfquote von 34,5 Prozent und entschieden auch das Rebound-Duell für sich. Führt man sich vor Augen, dass die Texaner ohne Ming und Mutombo keinen Akteur über 2,06 Meter in ihren Reihen hatten, hätten die Lakers davon in Form von Pau Gasol und Andrew Bynum öfter profitieren müssen.

Während der Spanier (Foto) immerhin fünf Double-Doubles über die Serie hinweg markierte und letztendlich aus seiner Sicht gewohnt gute Zahlen auflegte (18,6 PpG, 12,0 RpG, 53,1% FG), schien Bynum, wie die gesamten Playoffs, noch überhaupt nicht zu seiner Form zu finden und wirkte oft fehl am Platz und einfach unsicher. Während der beiden letzten Siege der Lakers ließ der junge Center aber wieder seine Präsenz unter den Körben erkennen, was seine Mannschaft sicherlich für die restlichen Playoffs hoffen lässt. Ob dann er oder Lamar Odom starten wird, wird sich zeigen.

Auch ein anderer junger Akteur der Gold-Violetten konnte sich im Verlauf dieser Serie wieder in den Vordergrund spielen. Wurde Jordan Farmar in der ersten Runde gegen die Utah Jazz kaum eingesetzt, stand der Point Guard über die sieben Begegnungen gegen die Rockets fast 20 Minuten auf dem Feld. Dies lag auch darin begründet, dass Veteran Derek Fisher so seine Probleme mit dem schnellen Aufbau der Rockets, in Person von Aaron Brooks, hatte. Da der 35-Jährige auch offensiv völlig blass blieb (30,8% FG, 6,7% 3FG), griffen die Lakers immer wieder auf die athletischeren Farmar und Shannon Brown zurück, die unter anderem Fishers Distanzschwäche kompensierten. Dennoch hätte ein anderer Head Coach wohl viel früher die Rotation verändert und Fisher gar aus der Startformation genommen – Jackson tat dies nicht.

Der 1,83 Meter kleine und schmächtige Aaron Brooks (Foto) verstand es immer wieder, dank seines schnellen Antritts in die Zone der Lakers zu ziehen und Löcher in die Verteidigung zu reißen, um seinen Mitspielern so offene Würfe zu ermöglichen. Sank Brooks Gegenspieler ab, bestrafte der 24-Jährige dies per Distanzwurf (40,0% 3FG). Yao Ming ausgenommen, stellte Brooks (18,0 PpG) sogar den Topscorer seiner Mannschaft. „Wir haben Aaron Brooks raus zu den Wölfen geworfen. Er übernahm Verantwortung, als wir sie von ihm benötigten“, zollte Adelman seinem Schützling Respekt.

Respekt haben auch die Big Men der Rockets verdient, die trotz ihres Größennachteils ihren Mann standen. Während ein Chuck Hayes einen Gasol oder Bynum gut verteidigte oder ein Carl Landry unter den Körben wühlte und hochprozentig abschloss, traf Luis Scola immer wieder per Mitteldistanzwurf und zeigte einige guten Bewegungen im Lowpost. Großen Respekt muss man auch Shane Battier zollen. Der Small Forward verteidigte Lakers-Topscorer Kobe Bryant ungemein gut, zwang ihn – zusammen mit der guten Team-Verteidigung der Rockets – zu Würfen außerhalb der Zone und verlieh der Umschreibung „in your face“ eine neue Bedeutung: Statt zu versuchen, Bryants Wurf zu blocken, streckte Battier seine Hand immer vor Bryants Gesicht aus, um ihn am Blick zum Korb zu hindern. Bryants Statistiken von durchschnittlich 27,4 Punkten, bei einer Feldwurfquote von 45,3 Prozent, spiegeln Battiers gute Verteidigung dabei gar nicht wider. Es schien nämlich, als wüsste der Rocket stets genau, welche Position sich Bryant für seinen Wurf aussuchen würde. Dass der Lakers-Star im NBA-Defensive-First-Team steht und Battier nur in der zweiten Fünf, ist spätestens nach dieser Serie unverständlich.

Neben dem Duell Bryant gegen Battier, das hauptsächlich im sportlichen Bereich ausgetragen wurde, lieferten sich zudem Ron Artest (Foto) und der Shooting Guard der Kalifornier immer wieder den ein oder anderen Schlagabtausch – sowohl verbal als auch physisch. Allen voran das zweite Spiel bleibt hier wohl noch länger in Erinnerung, bei dem Artest und Fisher des Feldes verwiesen wurden. Der Point Guard der Lakers beging dabei eine klare Unsportlichkeit, als er den zum Blockstellen laufenden Scola bewusst per Bodycheck auf das Parkett legte. Artest musste derweil vorzeitig zum Duschen, nachdem er sich mit einem Foul-Pfiff gegen ihn – da Bryant ihm einen Ellbogenschlag an den Hals mitgab, der ungeahndet blieb – nicht zufrieden gab und er Bryant daraufhin so nahe kam, als würde er ihn gleich in Oliver-Kahn-Manier am Hals knabbern.

Sowohl Bryant als auch Artest betonten nach den Spielen jedoch stets den sportlichen Aspekt, von der eine Playoff-Serie nun mal auch intensiv geprägt ist. Auch wenn viele Partien nicht gerade spannend waren – über die gesamte Serie gab es nach den Halbzeitpausen nur zwei Führungswechsel –, so hatte man vor Serien-Beginn und erst recht nach Mings Ausfall sicherlich keine siebe Spiele erwartet.

Die Rockets können also wirklich stolz auf sich sein, trotz derartiger Ausfälle, das im Westen an Nummer eins gesetzte Team und den klaren Favoriten so viel abverlangt zu haben. Dennoch gehen die Texaner mit einigen Fragezeichen in die Offseason. Ist Yao Mings Körper wirklich für eine Spielzeit von über 82 Partien geschaffen? Was stellen die Rockets mit Tracy McGrady an, der in der kommenden Saison 22 Millionen Dollar verdienen, aber auch in sein letztes Jahr mit Houston gehen wird. Zudem wird Ron Artest schon in diesem Sommer zum Free Agent.

Bis zum Sommerurlaub werden die Lakers hingegen noch ein wenig Zeit haben. Mit den Denver Nuggets – die sich nach fünf Spielen gegen die Dallas Mavericks durchgesetzt hatten – wartet im Conference-Finale nun ein Team, das genauso intensiv auftreten kann wie die Rockets, selbst wenn sie nicht ganz so gut verteidigen. Auch wenn Dahntay Jones seine Stärken in der Defensive hat, mit einem Kaliber eines Shane Battier wird es Bryant (Foto) derweil nicht mehr zu tun haben. Auf die Frage hin, was sie von der Zweitrunden-Serie gelernt haben, antwortete Bryant nicht ganz ernst: „Dass wir zwei Seiten haben.“ Die Mannschaft wäre aber gut beraten, nicht mehr als Mr. Hyde, sondern konstant als Dr. Jekyll aufzutreten.




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Kommentare

(10 Kommentare bisher)

von xax 19.05.09 um 10:11:04


die lakers nehmen das alles ein bisschen sehr locker, der fluch des -vermeintlich- besten teams?
mal sehen ob sie den schalter umlegen können, den mit den cavs ist nicht zu spaßen, mit denver zwar auch nicht, aber ich denke die werden gegen la verlieren.



von Valdez 19.05.09 um 10:32:42


wäre dass team nicht besser beraten wie mr.hyde in den po aufzutreten..? (physisch, aggressiv, etc.)



von Suck My Diktiergerät 19.05.09 um 11:02:41


naja...wegen der defensive die kobe sehen wird...sollten die magic tatsächlich ins finale einziehen (was ich nicht glaube) möchte ich nicht sehen, was kobe gegen pietrus und vor allen courtney lee machen wird...was lee für eine unglaubliche defense gegen house gespielt hat war unglaublich. spiel 7, eddie house ist 14min im spiel und hat noch keinen wurf genommen. dann geht lee raus und sofort kommt house zum wurf...aber naja...wird ja dann eher gegen cleveland gehen... :(



von Webocat 19.05.09 um 13:03:19


naja würde sagen, dass kobe ein etwas anderes kaliber ist als unser socken-eddie



von KB81 19.05.09 um 14:57:49


Ja, House kann besser Dreier werfen...



von Hurricane 19.05.09 um 18:36:37


Das war auch alles :D



von jeans270 20.05.09 um 15:57:28


jo wenn er offen steht^^



von Suck My Diktiergerät 21.05.09 um 20:13:03


ja, aber habt ihr euch die spiele angekuckt? mir gehts um die off-the-ball-defense. "ball-denial"...house hat ja nichtmal ordentlich nen ball bekommen....



von Oxymoron 24.05.09 um 18:06:33


@ Valdez: Zieht man die Metapher des Dr. Jekyll und Mr. Hyde heran, geht es ja darum, die zwei Gesichter - positiv und negativ - jemanden herauszustellen. Treten die Lakers als Hyde auf, geht es darum, dass sie beispielsweise die Intensität in der Verteidigung vernachlässigen, den Ball in der Offense nicht rotieren lassen oder nicht mit der nötigen Einstellung in die Partie zu gehen.



von criscross 01.06.09 um 03:23:54


Seit wann ist es etwas besonderes eddie house zu verteidigen??



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