NBA Playoffs

Jährlich grüßt das Murmeltier

Nach dem Sieg in der Erstrundenserie im vergangenen Jahr zogen die Dallas Mavericks in dieser Saison gegen die San Antonio Spurs wieder den Kürzeren. Während die Spurs (Tim Duncan, Foto) in Richtung eines weiteren Ringes schielen, stehen die Mavs vor einer ungewissen Zukunft.

Von Johannes Käfer
 30.04.2010 |

Dallas Mavericks (2) gegen San Antonio Spurs (7) 2-4
(100:95, 88:102, 90:94, 89:92, 103:81, 87:97)

Ein neues Jahr, ein erneutes frühes Aus in den Playoffs. Die Dallas Mavericks werden das Image der ewigen Verlierer, sobald es Frühjahr wird, nicht los. Schrieb CROSSOVER noch in der Vorschau auf die Serie, dass bei defensiver Unkonstanz die Sommerpause bereits vor dem 1. Mai eingeläutet werden würde und Nowitzki theoretisch in Würzburg auf Maitour gehen könnte, ist dies nun Realität geworden. Die weiteren Optionen für die NBA-Karriere von Dirk Nowitzki werden allerdings in einem anderen Artikel beleuchtet.

In welche Richtung wird es für Tim Duncan und die Spurs nun gehen?
Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Wider Erwarten machte allerdings nicht die Defensive den Unterschied zwischen Sommerpause und zweiter Playoff-Runde aus. Vielmehr hatten die Dallas Mavericks den „Big Three“ aus Tim Duncan (18,2 PpG, 9,5 RpG), Manu Ginobili (19 PpG, 5 ApG) und Tony Parker (15,8 PpG, 5,7 ApG) (bzw. „Big Four“ mit Sophomore George Hill) nichts entgegen zu setzen. Gerade Hill stieg zur Schlüsselfigur auf, indem er nach zwei schwachen Spielen in Dallas das Team der Spurs von Sieg zu Sieg trug (14,3 PpG, 50% 3FG).

Auf der Gegenseite schafften es die Mavericks nicht, wie in der regulären Spielzeit auf das Tempo zu drücken und ihre Stärke im Fastbreak auszuspielen. Jason Kidd wirkte gegen die schnellen Guards der Spurs wie ein alter Mann und traf zudem die Dreier, die ihn in der regulären Saison so auszeichneten, nicht mehr hochprozentig (32,1% 3FG). Auch Shawn Marion konnte der Serie nie wie erhofft seinen Stempel aufdrücken, spielte jedoch auch nur 24 Minuten pro Partie.

Unterstützung bekam ein starker Dirk Nowitzki (Foto), der drei Mal über 30 Punkte erzielte und im Schnitt auf 26,7 Zähler bei sehr starken Quoten (54,7% FG; 57,1% 3FG; 95,2% FT) sowie 8,2 Rebounds kam, lediglich von „Robin“ Caron Butler (19,7 PpG). Nach einem schwachen Spiel drei, in welchem ihn Coach Rick Carlisle die gesamte zweite Halbzeit auf der Bank schmoren ließ, erzielte er in der fünften Begegnung eine persönliche Playoff-Bestmarke von 35 Punkten und war auch in der vergangenen Nacht mit 25 Zählern beinahe die einzige Konstante neben „Batman“ Nowitzki. Das zuvor ausgemachte Duell gegen den vermeintlichen X-Faktor der Spurs, Richard Jefferson, gewann Butler deutlich. Jefferson hingegen spielte im Schatten seiner vier Teamkollegen, die seine enttäuschenden Leistungen (nur 9,2 PpG) allerdings stark kompensieren konnten.

Auf ganzer Linie versagt hat bei Dallas hingegen Shooting Guard und sechster Mann Jason Terry. Wie jedes Jahr stellte die Symphathie-Figur in der Defensive ein Loch dar und konnte vorne die Schwächen mit mittelmäßigen bis sehr schwachen Vorstellungen nicht ausgleichen. Seine Werte von 12,7 Punkten pro Partie und einer Quote von deutlich unter 40 Prozent aus dem Feld sprechen genauso Bände, wie seine lediglich 16 Freiwurfversuche in sechs Spielen. So hatte er auch großen Anteil an der schwachen Penetration der Mavericks, die sich wie schon allzu oft zu sehr auf ihre Schüsse und Isolationen in der Offensive verließen und somit zu äußert wenigen einfachen Punkten kamen. Einer der wenigen Lichtblicke war hier Rookie Rodrigue Beaubois, der im letzten Saisonspiel der Mavericks sein Können unter Beweis stellen durfte und eine famose Aufholjagd von Dallas gemeinsam mit Nowitzki anführte, nur um im Schlussviertel nahezu keine Einsatzzeit mehr zu sehen. Überhaupt waren zahlreiche Rotationsentscheidungen von Coach Rick Carlisle (Foto), auch schon während der regulären Spielzeit, zumindest sehr fragwürdig, weshalb auch er trotz beruhigender Aussagen von Besitzer Mark Cuban nicht sicher im Sattel sitzen wird.

Die San Antonio Spurs werden nach der überzeugenden Leistung in der ersten Runde nun ab kommenden Montag auf die Phoenix Suns treffen, die nur geringe Probleme gegen die stark verletzungsgeschwächten Portland Trail Blazers hatten. Der Ausgang dieser Serie wird sehr schwer vorauszusagen sein, da beide Teams momentan ihren besten Basketball spielen. In einem möglichen Finale der Western Conference können den Spurs allerdings gute Chancen eingeräumt werden. Sollte es dort gegen den amtierenden Meister aus Los Angeles kommen, muss man doch gerade den Spurs das größte Potential einräumen, den Lakers Probleme zu bereiten.

Die Offseason der Mavericks steht hingegen vor großen Fragezeichen: Bleibt Dirk Nowitzki oder zieht er seine Spieleroption und steigt aus seinem Vertrag aus? Kann mit dem Trade-Baustein Erick Dampier ein weiterer Star nach Dallas geholt werden? Wird es möglich sein, Entlastung für Jason Kidd in Form eines defensivstarken Guards mit Dreier im Repertoire nach Dallas zu locken? Was passiert mit Jason Terry, für den einmal mehr die Aufgaben der Playoffs eine Nummer zu groß waren? Wird Coach Rick Carlisle ersetzt? Die Dallas Mavericks stehen vor den Trümmern einer weiteren Saison und zahlreicher hochdotierter Verträge; Cuban und General Manager Donnie Nelson werden einen langen, arbeitsreichen Sommer vor sich haben!




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Kommentare

(4 Kommentare bisher)

von almaen 30.04.10 um 16:45:15


Die Spurs haben das einfach mal richtig abgebrüht runter gespielt. Sie standen in allen ihren drei Heimspielen auf der Kippe, Dallas führte in jedem (mit 9 im ersten, mit 15 im zweiten, und immerhin nach 22-Punkte-Comeback mit einem Punkt im dritten Spiel in San Antonio), aber als es drauf ankam, haben die Spurs die Pille einfach durch den Ring gekriegt...Dallas nicht.

In diesem Jahr ist der Westen extrem eng, auf die Serie Suns gegen Spurs freue ich mich schon, auch wenn ich lieber die Mavs dort gesehen hätte. Völlig offen, ob die Lakers, Thunder, Spurs, Suns oder doch die Jazz am Ende in die Finals gehen. (Um so bitterer für Dirk.)

Letztlich sind die Spurs nach einer problembeladenen Regular Season doch da, wo man sie vor der Saison wegen der Jefferson-Verpflichtung sah: Im Spitzenfeld. (Auch wenn es am wenigsten an Jefferson liegt.) Und Dallas ist auch an seiner Heimschwäche gescheitert... (Wieso genau hat man das zweite Spiel der Serie so abgeschenkt?)

Mein Tipp: Carlisle fliegt raus. Denn heute ist mein Eindruck, dass Tausende Fans anders rotiert hätten und "vorher wussten", wie die Spurs zu schlagen waren. Nur nicht der, der die Aufstellung macht...
Vielleicht sollte Cuban nicht nur Millionen für Spieler raushauen, sondern auch mal einen entsprechenden Meister-Trainer.



von PPP 30.04.10 um 19:47:14


Wichtiger wäre, dass Erika endlich gegangen wird. Allerdings bringt er ja in seinem letzten Vertragsjahr vielleicht wieder entsprechende Stats. Allein es fehlt der Glaube ;-)



von KingCrunch 30.04.10 um 20:37:01


@PPP:

Schonmal von dem Begriff "DUST-CHIP" im Zusammenhang mit Damp gehört? ;) Der wird in seinem letzten Vertragsjahr gar nix machen, der wird für die Mavs den Sommer rocken. ;)



von Clodewich 01.05.10 um 10:44:19


Ich denke, Mark Cuban hat mit seinem "Ich hasse San Antonio" seinem Team einen Bärendienst erwiesen. Das hat Duncan und Co. doch erst so richtig heiß gemacht, dem vorlauten Cuban zu zeigen, wer hier Championship-Ringe gesammelt hat. Ich stell mir vor, wie Popovich das Interview in der Kabine gezeigt hat, um sein Team einzustimmen. Diese Motivationsspritze hätte sich Cuban wirklich ersparen können!



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