NBA Playoffs
Favorit gegen Favoritenkiller
Bullen gegen Habichte. Zu einem tierischen Duell kommt es in der zweiten Playoff-Runde, in der im Osten die Chicago Bulls (Derrick Rose, Foto) auf die Atlanta Hawks treffen. Während die Bulls in der ersten Runde ihrer Favoritenrolle gerecht wurden, gelang Atlanta eine Überraschung.
Von Maximilian Selow |
02.05.2011 | |

1. Runde: Chicago Bulls (1) gegen Indiana Pacers (8) 4-1
(104:99, 96:90, 88:84, 84:89, 116:89)
Willkommen in der Favoritenrolle, Chicago Bulls. Nach einer grandiosen Spielzeit, die sie mit 62 Siegen an der Spitze der Eastern Conference abgeschlossen hatten, erwartete man im Playoff-Matchup mit den Indiana Pacers große Taten vom Team um den Head Coaches des Jahres, Tom Thibodeau. Was auf dem Papier nach einer klaren Angelegenheit aussah, sollte sich jedoch in der Realität schnell als hart umkämpfte Playoff-Serie herausstellen, an der die Bulls lange zu knabbern und zwischenzeitlich auch zu bangen hatten.
Bereits im ersten Spiel sahen sich die Bulls lange Zeit von einem ohne Druck aufspielenden Pacers-Team vor Herausforderungen gestellt. Fast das ganze Spiel über in Rückstand liegend, war es nur der starken Leistung des mutmaßlichen MVPs Derrick Rose (Foto oben, 39 Punkte) und einem Dreier von Kyle Korver 48 Sekunden vor Schluss zu verdanken, dass man den Heimvorteil nicht schon frühzeitig herschenkte.
Mit dem designierten Sidekick Carlos Boozer zum denkbar unpassendsten Zeitpunkt im Leistungstief (10 PpG, 35,8% FG), wurden auch die kommenden beiden Partien alles andere als ein Kinderspiel, reichten jedoch trotzdem zur 3-0-Führung in der Serie.
Die Zeichen standen auf „Sweep“, doch eine Knöchelverletzung von Derrick Rose früh in Spiel vier schien die Ambitionen der Chicago Bulls plötzlich ernsthaft in Frage zu stellen. Nach kurzer Behandlungszeit kehrte der Point Guard ins Spiel zurück, blieb aber unter seinen Möglichkeiten und musste am Ende zusehen, wie Boozers Dreier mit Ablauf der Spieluhr sein Ziel verfehlte und sich die Pacers mit einem längst überfälligen Sieg belohnten.
Der Anblick von Rose dick bandagiertem Knöchel bereitete einigen Fans der Chicago Bulls in den Folgetagen zwar Kopfschmerzen, doch statt zum Knöchel der Nation (oder zumindest des Staates Illinois), wurde Rose in Spiel fünf der Serie vielmehr zum Mann des Abends und sorgte mit seinen 25 Punkten für den 116:89-Sieg und damit die 4-1-Entscheidung in einer arg umkämpften Erstrundenserie.
Echte Unterstützung für Rose und Luol Deng (Foto links), der 18,6 Punkte auflegte und in jeder Partie fast durchspielte, war dabei eher rar gesät. Zwar lieferten Kyle Korver und Joakim Noah gute Rollenspielerleistungen ab, der Totalausfall von Carlos Boozer und dem Rest der Bank stimmen aber für den Rest der Playoffs zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht überaus positiv.

1. Runde: Orlando Magic (4) gegen Atlanta Hawks (5) 2-4
(93:103, 88:82, 84:88, 85:88, 101:76, 81:84)
„Welch bessere Möglichkeit, Wiedergutmachung zu betreiben, als noch einmal gegen sie anzutreten“, gab Hawks-Guard Jamal Crawford die Marschroute seines Teams gegen die Orlando Magic vor. Für das Team aus Georgia stand die Erstrundenserie der diesjährigen Playoffs unter dem Thema Revanche.
Die wollten die Hawks nach dem peinlichen Ausscheiden aus den Playoffs 2010 nämlich unter allen Umständen betreiben. Dort setzte es gegen die Orlando Magic eine 0-4-Schlappe, in der sie die Spiele mit einem Durchschnitt von 25 Punkten verloren hatten und die letztendlich auch zur Entlassung von Head Coach Mike Woodson geführt hatte.
Angeführt vom starken Backcourt-Duo Joe Johnson und Jamal Crawford (Foto links) setzten die Hawks schon in Spiel eins ein erstes Ausrufezeichen, dass trotz sechs Niederlagen zum Ausklang der regulären Saison noch mit ihnen zu rechnen sei. 46 Punkte und 19 Rebounds von Dwight Howard, der mit Ausnahme von Jameer Nelson keinerlei Unterstützung erhielt, waren nicht genug, um Atlanta vom ersten Sieg in der Serie und damit dem Erlangen des Heimvorteils abzuhalten.
Nach einer knappen Niederlage im zweiten Spiel hielten die Hawks ihr Heimparkett sauber, was nicht zuletzt an Jamal Crawford lag, der in Spiel drei nicht nur 23 Punkte ablieferte, sondern auch den entscheidenden Dreier wenige Sekunden vor Ende mit Hilfe des Bretts versenkte.
Ein weiterer Sieg der Hawks drängte die Magic an den Rand des Ausscheidens, doch das Finalteam von 2009 sollte noch einmal seine Klasse unter Beweis stellen und zurück in Florida ein 101:76-Ausrufezeichen setzen. Das veranlasste Dwight Howard dazu, den Sieg der Serie zu garantieren, würden sie auch das sechste Spiel siegreich gestalten können.
Unter der Führung von Joe Johnson kam es dazu jedoch nicht mehr. Der All-Star sicherte einen überaus wichtigen Offensivrebound zehn Sekunden vor Schluss und Teamkollege Josh Smith blockte Jason Richardsons letzten Distanzversuch und entschied Spiel sechs und damit die Serie zu Gunsten der Atlanta Hawks. Bei den Magic war die Liste der Totalausfälle lang; vor allem Jason Richardson (10 PpG, 33,3% FG) und Hedo Turkoglu (9,2 PpG, 29,4% FG) tauchten unter.
Rache schmeckt süß. Doch für die Hawks gilt es nun zu zeigen, dass der Zusatzschub an Motivation nicht allein aus dem Aufeinandertreffen mit den Orlando Magic herrührte.
Conference-Halbfinale: Chicago Bulls (1) gegen Atlanta Hawks (5)
Nimmt man die Ergebnisse der regulären Saison als Indikator, wird es für die Atlanta Hawks in Runde zwei um einiges schwieriger werden, eine erneute Sensation zu schaffen. Vor allem die letzte 81:114-Niederlage dürfte noch in den Köpfen der Habichte sitzen, die weder Derrick Rose (30 Punkte, 10 Assists) noch Luol Deng (27 Punkte) stoppen konnten und an der starken Verteidigung der Bulls phasenweise verzweifelten.
Verteidigung wird auch in dieser Playoff-Serie der Schlüssel zum Erfolg sein. Während die Atlanta Hawks einige Erkenntnisse aus der Art und Weise mitnehmen können, mit der die Indiana Pacers die Bulls teilweise lahm legten, wird Defensivfanatiker Tom Thibodeau akribisch darauf achten, die Schützen der Hawks aus dem Spiel zu nehmen.
Interessant wird vor allem der Kampf unter den Brettern werden, wo es Joakim Noah wohl mit Al Horford (Foto oben) aufnehmen wird, der einen großen Teil zum Erfolg der Hawks in Runde eins beitrug. Elementar zum Erfolg der Bulls beitragen könnte hingegen Carlos Boozer, der aus seiner Lethargie erwachen muss, um die stotternde Offensive seines Teams wieder zum Laufen zu bringen.
Gelingt dies, sollte der Vormarsch der Bulls weiter bis in die Conference Finals führen. Dass die Atlanta Hawks jedoch für die ein oder andere Sensation gut sind, haben sie bewiesen. Wahrscheinlich hatten sie gehofft, dass Roses ehemaliger Teamkollege Kirk Hinrich das ein oder andere Ass im Ärmel gehabt hätte, um den Superstar der Bulls zu stoppen. Jedoch wird Hinrich mit einer Knieverletzung wohl die gesamte Serie ausfallen.






von justuskoch 02.05.11 um 16:35:42
wenn hinrich wegfällt, machen es die bulls in 5-6...
von Suck My Diktiergerät 02.05.11 um 23:56:10
auch als hawksfan würd ich sagen, dass ohne hinrich wohl bulls sieg in 4, mit hawksglück 5, spielen realistisch ist. schade. aber wer soll rose stoppen?