NBA Playoffs

Endstation Rocky Mountains

Nach dem Erstrunden-Erfolg über San Antonio erwiesen sich die Denver Nuggets für die Dallas Mavericks als übermächtiger Gegner. Während sich die Texaner nach fünf emotionalen Spielen in den vorzeitigen Sommerurlaub verabschieden, stehen die Nuggets im Conference-Finale.

Von David Lorenz
 15.05.2009 |

Denver Nuggets gegen Dallas Mavericks (4-1)
(109:95, 117:105, 106:105, 117:119, 124:110)

Der Ausgang der Zweitrunden-Serie zwischen Denver und Dallas lässt sich mit einem Satz treffend formulieren: Das bessere Team hat gewonnen. Die Nuggets wussten gegen die Truppe aus Texas ihre Vorteile gnadenlos auszuspielen. Athletik, Schnelligkeit, Härte, die Tiefe des Kaders, viele Optionen im Angriff, überragende Trefferquoten aus dem Feld, der Heimvorteil – auf diese Faktoren hatte Dallas zu selten eine Antwort parat, um Denver im Verlauf des Duells ernsthaft gefährden zu können.

„Diese Mannschaft ist definitiv ein Anwärter auf die Meisterschaft“, lobte Mavs-Head-Coach Rick Carlisle den Gegner nach dem Ausscheiden seines Teams in höchsten Tönen. „Sie verfügen über alle nötigen Puzzleteile und stehen vor einer großen Möglichkeit.“

Die Mavericks mussten ihr Spiel gegen die Nuggets im Vergleich zum vorangegangenen Aufeinandertreffen mit San Antonio komplett umstellen. Hatte man es bei den Spurs noch mit einer alten und langsamen Truppe zu tun, die offensiv von Tony Parker und Tim Duncan abhängig war, erwiesen sich die Nuggets als genaues Gegenstück zum Rivalen aus Texas. Daneben sah sich Dallas mit einer komplett anderen Defense-Variante konfrontiert. Wurde Dirk Nowitzki (Foto) von San Antonio noch mit zwei bis drei Verteidigern in die Zange genommen, versuchte Denver den achtfachen All-Star ausschließlich im Eins gegen Eins zu stellen. Nowitzki, frisch ins All-NBA First Team berufen, wusste daraus mit 34,3 Punkten (neben 11,8 Rebounds und 4,0 Vorlagen) pro Begegnung zu profitieren, doch von seinen Nebenleuten kam daneben eindeutig zu wenig.

Von der Ausgeglichenheit im Kader, in Runde eins noch größte Stärke der Mavs, war gegen Denver nichts mehr zu sehen. Nowitzki, von Gerüchten um Probleme in seinem Privatleben völlig unbeeindruckt, war offensiv meist auf sich allein gestellt. Jason Terry avancierte dabei zur größten Enttäuschung im Team von Coach Carlisle. Der „Sixth Man of the Year“ konnte zu keinem Zeitpunkt der Serie an die guten Leistungen aus der regulären Saison anknüpfen. Sein Punkteschnitt lag mit 15,2 Zählern knapp fünf Zähler unter dem der abgelaufenen Spielzeit. Terrys Trefferquote von 39,7 Prozent aus dem Feld war daneben äußerst bescheiden.

Zudem hatte Josh Howard, viel beschworener X-Faktor im Spiel der Mavericks und dritte Scoring-Stütze im Team, über die komplette Serie mit Verletzungssorgen zu kämpfen. Bereits mit Problemen am linken Sprunggelenk in das Duell gegen Denver gestartet, verletzte er sich zu allem Überfluss während des ersten Aufeinandertreffens beider Teams auch noch am rechten Sprunggelenk und konnte in der Folge nur unter starken Schmerzen auflaufen.

Jason Kidd, gegen San Antonio mit Howard zusammen noch bester Spieler in Reihen der Mavs, zeigte währenddessen eine äußerst durchwachsene Vorstellung gegen die Nuggets. Unverhältnismäßig oft verlor der ansonsten so umsichtig agierende Spielmacher den Ball (3,4 TpG) und zeigte ungewohnte Schwächen beim schnellen Umschalten von Defensive in Offensive. Erick Dampier hatte daneben in Nene Hilario ein absolutes Albtraum-Matchup zu bewältigen, was ihm vor allem in den ersten beiden Partien der Serie überhaupt nicht gelingen sollte. Der Brasilianer war in jenen zwei Begegnung jeweils Topscorer seines Teams und überzeugte mit hervorragenden Wurfquoten (zusammen 17/25 FG). Brandon Bass zeigte eine insgesamt ordentliche Serie, wohingegen Jose Barea zu unbeständig agierte und offensiv selten Akzente zu setzen vermochte.

Derartiger Probleme waren Denver auf der Gegenseite unbekannt. Chauncey Billups (Foto), unumstrittener Anführer der Truppe, wusste die enormen offensiven Kapazitäten seiner Mannschaft geschickt zu steuern und vor allem Carmelo Anthony und J.R. Smith immer wieder perfekt in Szene zu setzen. Für Billups bedeutet das Erreichen der nächsten Runde bereits die siebte Conference-Finals-Teilnahme in Folge. Ein Kunststück, das zuvor lediglich vier anderen Spielern in der Geschichte der NBA gelang. Jüngst erhielt der 32-Jährige von Magic Johnson persönlich den Ritterschlag. „Auf dem Basketball-Platz ist er der größte Anführer unserer Zeit“, so die Point-Guard-Legende über Billups.

Anthony zeigte daneben gegen Dallas mit 30,0 Zählern, 6,8 Rebounds und 2,2 Steals pro Partie – bei überdurchschnittlichen Wurfquoten (49,1% FG, 44,0% 3FG) – die vielleicht stärkste Playoff-Serie seiner Karriere. Höhepunkt seiner dominanten Auftritte markierte ein erfolgreich verwandelter Dreier eine Sekunde vor Spielende zum 106:105-Endstand im dritten Aufeinandertreffen beider Mannschaften. Die Szene sorgte danach für kontrovers geführte Diskussionen, da ihr ein nicht geahndetes taktisches Foul von Antoine Wright an Anthony vorangegangen war. Die Liga räumte im Nachhinein den Fehler ein, doch am Ausgang der Partie sollte das nichts mehr ändern.



Der Zwischenfall markierte dabei den Höhepunkt einer von mehreren technischen und unsportlichen Fouls geprägten Serie. Fortan erreichte das Duell eine persönliche Ebene, die teilweise die Grenze des guten Geschmacks überschreiten sollte. So bepöbelten die Zuschauer im American Airlines Center zu Dallas Familienmitglieder der Nuggets, allen voran Besitzer Mark Cuban, der Kenyon Martin (Foto) vor dessen Mutter als „Gangster“ und „Punk“ titulierte. Cuban entschuldigte sich später für seinen emotionalen Ausbruch, doch da hatte der den Denver-Akteuren bereits zusätzliche Motivation im Duell mit seiner Mannschaft geliefert.

„Dieser Sieg ist etwas ganz Spezielles für mich“, ließ Anthony derweil nach dem Weiterkommen seines Teams verlauten. „Wir haben hart dafür gearbeitet, immer zusammengestanden und jeder Widrigkeit getrotzt. Endlich wurden wir dafür belohnt.“

Die Nuggets treffen in den Western-Conference-Finals nun entweder auf die Los Angeles Lakers oder die Houston Rockets (Stand der Serie: 3-3). Laut Nowitzki hat Denver im weiteren Playoff-Verlauf „alle Chancen auf die Meisterschaft“. Zumindest in der nächsten Runde sind der Franchise aus Colorado sehr gute Chancen auszurechnen, auch, da sie nun einige Tage pausieren können.

Dallas verabschiedet sich währenddessen nach einer Saison voller Höhen und Tiefen trotz der Niederlage erhobenen Hauptes in den wohlverdienten Urlaub. Mit Spannung darf nun erwartet werden, was die Club-Führung um Besitzer Mark Cuban und General Manager Donnie Nelson im Sommer unternehmen wird, um dieses Team weiter zu verstärken. Optionen auf dem Spielermarkt sowie Talent in der eigenen Truppe sind durchaus vorhanden, und Cuban ließ in den vergangenen Monaten immer wieder durchklingen, auch das nötige Geld investieren zu wollen. Das wird auch von Nöten sein, um Dirk Nowitzki noch einmal eine ernsthafte Chance auf den Titelgewinn zu bieten.




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Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von jeans270 15.05.09 um 21:09:29


naja realistisch gesehen war nicht viel mehr zu erwarten, obwohl man in spiel 3 halt schon hoffnung hatte (als mavs fan^^)



von xax 16.05.09 um 14:52:31


34,3 Punkten (neben 11,8 Rebounds und 4,0 Vorlagen-->Das sind absolut beeindruckende Zahlen!Genützt hat es nichts, weil wieder mal folgende Spieler versagt haben-->Howard, TERRY (mal wieder), und Kidd (seine Zeit scheint wirklich abgelaufen, er war klar schlechter als B.)
Dallas muss nen Umbruch wagen, sonst spielen sie d. nächste Saison wieder gut, kommen in die erste o. zweite Runde und das wars dann.



von schlund 17.05.09 um 16:55:19


Nowe war der wahnsinn in dieser serie...hab eigentlich jedes spiel gesehen und mir is noch nie so krass aufgefallen, das im 1 gegen 1 ihn niemand stoppen kann. Er wurde ja von allen möglichen verteidigern versucht zu halten (Smith, Birdman, Nene, Martin, Kleiza). Dallas MUSS ein team um nowitzki bauen, daran führt kein weg vorbei. Howard, Dampier, Stack alle weg...frische, hungrige defensiv starke spieler ins team



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