NBA Playoffs
Ein chancenloser Champion
Dynastien gab es nicht viele in der NBA. Die der Bulls, der Lakers oder der Celtics. Der dritte Titel in Folge hätte die nächste Dynastie in Gold und Violett eingeläutet. Stattdessen ließen die Dallas Mavericks diesen Traum platzen. Das eigene Denkmal wurde aber von den Lakers selbst eingerissen. Und dies auf championunwürdige Art und Weise.
Von Jens Nolting |
10.05.2011 | |

Western Conference Semifinals:
Los Angeles Lakers (2) gegen Dallas Mavericks (3) 0-4
(94:96, 81:93, 92:98, 86:122)
Die Chronik der Demütigung
Nicht nur in Deutschland wurde das allererste Playoff-Duell von Dirk Nowitzki und Kobe Bryant mit Spannung erwartet. Die Favoritenrolle wurde dabei deutlich in Richtung der Lakers verteilt. Zu oft hatten sie bewiesen, was es heißt, das Herz eines Champions zu haben. Auf der anderen Seite hatten die Mavericks viel zu oft gezeigt, wie es aussieht, wenn einer Mannschaft der unbändige Wille und der Killerinstinkt fehlen. Das die Lakers 2011 jedoch nicht mehr viel mit der Meistermannschaft der letzten beiden Jahre gemeinsam haben, wurde schon in Spiel eins der Serie deutlich.
Zu Beginn der zweiten Hälfte hatte sich die Mannschaft von Coach Phil Jackson bereits einen 16-Punkte-Vorsprung erarbeitet. Durch individuelle Fehler, besonders in den letzten Minuten des Spiels, brachte Los Angeles das Kunststuck fertig, die Partie zuhause noch zu her zu schenken. Absolut Lakers-untypisch. Dirk Nowitzki (Foto) überzeugte mit 28 Punkten und 14 Rebounds. Kobe Bryant stemmte sich mit allem was er hatte gegen die Niederlage (36 Punkte), bekam jedoch zu wenig Unterstützung von seinen Kollegen. Auf Dallas’ Seite erwischte die Bank einen besseren Tag und gewann das Reservistenduell mit 40:25. In den Schlussminuten verteidigte der 38-jährige Jason Kidd – ja, richtig gelesen – hervorragend gegen „KB 24“. Allerorts wurde der Sieg als faustdicke Überraschung gesehen.
Auch gegen die New Orleans Hornets verlor L.A. das Auftaktspiel der Serie daheim, fand allerdings die richtigen Antworten, um die Serie letztendlich noch für sich zu entscheiden. Doch auch in Spiel zwei stellten die Mavs Kobe und Co. vor unlösbare Probleme. Wieder überragte die Dallas-Bank die Reserve der Lakers (30:12), und auch von draußen lief nichts zusammen für Los Angeles. Dallas traf acht Dreier, die Lakers nur zwei bei 20 Versuchen. Doch besonders die konzentrierte Verteidigung der Mavs wurde zum entscheidenden Faktor und brachte sogar die eigenen Fans gegen die Lakers auf. Zunächst wurde nur der unterirdisch spielende Spanier Pau Gasol ausgebuht. Später traf es alle. „Jeder Spieler von uns zweifelt nun an sich. Das Selbstvertrauen ist weg“, erklärte Andrew Bynum nach der 81:93-Schlappe, der von fehlendem Vertrauen unter den Mannschaftskollegen sprach. Die Lakers wurden ihrer größten Stärken beraubt: dem Selbstvertrauen, der Routine und der Gelassenheit einer titelerprobten Spitzenmannschaft.
Während die Mavs den Killerinstinkt der Lakers im Keim erstickten, entwickelten sie ihren eigenen bereits in der Serie gegen Portland. So kann die Niederlage in Spiel vier nach einem 23-Punkte-Vorsprung gegen die Trail Blazers im Nachhinein als heilend und lehrreich eingestuft werden. Das Team ist daran gewachsen und entschied so auch Spiel drei zuhause für sich. Die Vorentscheidung fiel erneut durch ein starkes viertes Viertel. Wieder sollte die Bank ein entscheidender Faktor werden. Peja Stojakovic erzielte elf Punkte im letzten Viertel und offenbarte deutlich die Probleme der Lakers bei der Verteidigung der Distanzschützen, die erneut Dirk Nowitzki (32 Punkte) nicht in den Griff bekamen. Pau Gasol und Coach Jackson gerieten sogar in zwei Auszeiten heftig aneinander. Mit den Fäusten trommelte „Jax“ Gasol auf die Brust und versuchte ihn wachzurütteln. Auch in Spiel drei wirkte der Spanier wie ausgewechselt. In der Presse wurden vermeintliche Beziehungspprobleme hoch gekocht. Hinzu kamen die Buh-Rufe der eigenen Fans und ein nie zu kontrollierender Gegenspieler mit Dirk Nowitzki, die aus dem Bruder von Marc Gasol eine schlappe Karikatur seines Selbst machten. Doch für alle Lakers sollte es noch schlimmer kommen.
Statt noch einmal alles zu geben und sich gegen die Demütigung des „Sweeps“ zu stellen, brachen die Lakers in Spiel vier komplett auseinander und wurden von den Texanern aus dem American Airlines Center gefegt. Während Dallas NBA-Rekorde sowohl individuell (Jason Terry (Foto) mit neun verwandelten Dreiern) als auch als Team (20 Dreier in einem Playoff-Spiel) einstellte, offenbarten die Lakers das schmutzigste aller Gesichter: das des schlechten Verlierers. Während die Mavericks ein fast perfektes Basketballspiel als Team ablieferten und erneut auf ihre Bank zählen konnten (die drei besten Scorer der Mavs waren Bankspieler), wird man sich bei L.A. nur an die hässlichen Szenen aus diesem Spiel erinnern. Zunächst versetzt Lamar Odom Dirk Nowitzki einen frustrierten Ellbogenstoß. Anschließend verübte Andrew Bynum einen regelrechten Anschlag auf die Gesundheit von Jose Barea, indem er ihn mit voller Wucht den Ellbogen in die Rippen prügelt, als sich dieser beim Korbabschluss in der Luft befindet.
Das große „Warum?“
Viele Fans und Experten fragen sich nun, wie es zu dieser Niederlage kommen konnte. Die Vermutungen sind vielfältig und reichen von mangelndem Zusammenspiel, schlechter Defensive bis hin zu fehlender Motivation. Aber waren die Lakers wirklich satt von zwei Titeln in Folge?
Fest steht, dass schon in der Auftaktserie gegen die Hornets und den letzten Spielen der regulären Saison deutlich zusehen war, dass es Probleme gibt. Doch nie wirkten die Champs von 2009 und 2010 so frustriert, ratlos und überfordert. In den letzten drei Jahren hat sich kein Lakers-Team mit so wenig Teamspirit und Zusammenhalt präsentiert. Nimmt man Kobe Bryant und Andrew Bynum (dessen sportliche Leistung durch sein Faux-pas gegen Barea wohl kaum in Erinnerung bleiben wird) mal außen vor, hat jeder Spieler im Kader der Lakers versagt.
Lamar Odom konnte zu keinem Zeitpunkt seinen „Best Sixth Man“-Award rechtfertigen. Schlüsselspieler wie Ron Artest oder Gasol (Foto) konnten kaum Akzente setzen, und die gesamten Ersatzspieler wurden von der Mavericks-Bank zur absoluten Bedeutungslosigkeit degradiert. In Spiel vier erzielte die Mavs-Bank mit 86 Punkten exakt genau so viele Punkte wie das gesamte Laker-Team! Mit einer Wurfquote von fast 50 Prozent von „Downtown“ folterte Dallas seinen Kontrahenten, der selbst keine Scheunentor von außen traf (15/67 3FG). Auch die sonst starke Help-Defense versagte und erlaubte Barea und Co. häufig einfache Penetrationen und Korbleger.
Auf der anderen Seite ist kein Ausfall im Team von Coach Rick Carlisle auszumachen. Zu den unglaublich starken Bankspielern kam mit Dirk Nowitzki ein absoluter Superstar, der sein Team in kritischen Phasen immer wieder auf seine Schultern nahm (elf Punkte in vierten Viertel von Spiel eins beispielsweise). Viel wichtiger ist aber der Teamzusammenhalt und das nun wohl endgültig abgelegte Loser-Image. Sollten die Mavericks ansatzweise die Form dieser Serie halten, kann sich der Sieger der Serie der Memphis Grizzlies und Oklahoma City Thunder auf eine echte Mammutaufgabe einstellen.
„The time is now“
Dieses Motto stand schon auf den gratis verteilten Shirts der Mavericks Fans in Spiel drei. Dallas kann nun regenerieren und sich voll auf das Conference-Finale konzentrieren. Die wohl lange Pause könnte aber auch zum Nachteil werden, wenn man sich vor Augen führt, auf welcher Welle sich die Mavs derzeit befinden. Zudem haben sie gegen Memphis oder OKC auch noch Heimrecht. Ein entscheidender Vorteil. Zuhause stehen die Mavs in diesen Playoffs bei einer Bilanz von 5-0.
Doch auch in Los Angeles wird eine neue Zeitrechung anbrechen. Mit Head Coach Phil Jackson verlässt der erfolgreichste Coach aller Zeiten sehr wahrscheinlich die Franchise aus der Stadt der Engel. Mit dem ersten „Sweep“ seiner bemerkenswerten Coaching-Karriere hat seine Mannschaft ihm einen alles andere als würdigen Abschied beschert. Der neue Coach (eventuell der derzeitige Assistant Brian Shaw) könnte einen identischen Kader vorfinden. Die Verträge mit Gasol, Bryant, Odom, Artest oder Bynum gelten auch für die kommende Saison oder darüber hinaus. Was nicht bedeutet, dass sich das Team nicht verändern wird. Die Gerüchteküche dürfte nun alle paar Tage neue Namen ausspucken, die bei den Lakers gehandelt werden. Chris Paul und Dwight Howard machen schon jetzt den Anfang, auch wenn dies sehr unrealistisch erscheint. Die Lakers könnten also ein neues Gesicht bekommen, damit die hässliche Grimasse des schlechten Verlierers so schnell wie möglich verschwindet.
„Wer Geschichte schreiben will, muss historisches leisten“, hatte Kobe Bryant nach der Niederlage in Spiel zwei gesagt. Geschichte haben die Lakers ohne Frage geschrieben. Der euphorische und aufgrund des Ausmaßes der Champion-Demontage fast schon ungläubige Jubel der über 20.000 Mavericks-Fans wird noch eine Weile in den Köpfen der Spieler widerhallen und sie an diese Geschichte erinnern, die sie selbst geschrieben haben.






von MM_6NBA 10.05.11 um 14:25:06
Glückwunsch an Dallas, die das Unmögliche geschafft haben.
Odom und vor allem Bynum einfach nur traurig und niveaulos. Mal eine Frage: Bin ich der Einzige der es lächerlich findet das Kobe im Defensive First Team ist und Sefolosha nicht mal im Second Team.
von eightch 10.05.11 um 14:50:12
nö biste nicht... und wenn sollte kidd da auch stehen - fragt mal kobe...
von KB-24 10.05.11 um 15:35:23
verstehe garnich wieso man sich bei kobe so aufregt das er im first team gelandet is.er is einer der wenigen superstars der NBA die nich nur im angriff ihre qualitäten haben,sondern auch genauso effektiv in der defense sind.jedes verdammte mal wenn der alte fisher mit den jungen schnellen PG wie westbrook,dieses jahr speziell paul,oder letzte sjahr rondo nich klarkam nahm sich kobe ihrer an und medlete sie weitesgehend ab.
selbes galt für die goldmedaille in olympia wo er jeden starspieler des gegners komplett aus dem spiel nahm.
nat geh ich mit wenn jmd sagt die zeiten in denen er in der defense so erfolgreich war oder viel saft gelassen hat sind vorbei,aber selbst als nich lakersfan wär ich mit aktuellem voting mitgegangen.
am meisten freute mich jedenfalls das es Igoudala ins 2nd team geschafft hat.
von Bob!!! 10.05.11 um 19:04:54
Bei der Wahl des DPOY wurde Kobe Elfter, Tony Allen wurd Vierter.
Kobe ist der SG im All-Defense 1st Team, Allen jener im 2nd.
...
?
von PPP 10.05.11 um 20:18:56
Ich finds geil, wenn Leute den gleichen Scheiß in mehreren Foren hinterlassen!!!
von KB-24 10.05.11 um 21:13:45
ich auch,is voll sinnvoll wie du sich dann drüber aufzuregen!!! :-o
von PPP 11.05.11 um 07:10:18
hab eigentlich nur den usernamen gelesen
von eightch 11.05.11 um 08:34:42
ist ungefähr so wie die leute die sich nen artikel durchlesen um dann zu posten "das interessiert mich nicht"... ;)
von Mt.Mutombo 11.05.11 um 08:42:23
Glückwunsch an Dallas, hätte ich niemals für Möglich gehalten. Allerdings wundert mich, dass LA so ein Totalversagen fabriziert hat. Da war schon länger der "Psycho"-Wurm drin, vermutlich schon in der ersten PO-Serie gegen New Orleans.
Nun hoffe ich eher auf Memphis als OKC, als Con.Final Gegner. Gegen OKC sehe ich wenig Chancen für Dallas, da Westbrook einfach zu flott für Kidd sein wird und die einfach dynamischer sind, m.M., als LA. Wobei Memphis auch ein unangenehmer Gegner ist, man wird es sehen müssen. Der Meister kommt für mich aber immer noch dieses Jahr aus dem Osten; Wäre bitter für die Mavs, wenn sie es ins Finale schaffen und auf die Heat treffen. :(
von KB-24 11.05.11 um 10:23:06
ich sag mal wenns wirklich zum rematch von 2006 kommt is das doch wieder ne pure einseitige commercial serie bei der das officiating mehr über den ring entscheidet als die sportart selber
der kontrast is einfach zu groß!2 covermuttis der NBA treten dann plötzlich geg den "unbekannten" aus texas an...das wirdn fettes dejavu...
wenn ich an diese pfiffe von damals und die denke da wohl wieder kommen wird mir ganz schlecht!
von H@ntsch@ 11.05.11 um 21:49:56
Klasse Leistung von DALLAS und Dirk...
nur so nebenbei; Robert "Tractor" Traylor ist erst vor kurzem mit 34 Jahren an ner Herzattacke gestorben. Wenn man überlegt, dass der Kerl damals von Dallas gedraftet wurde und für Dirk nach Milwaukee getraded... Hat es leider nie wirklich in der NBA geschafft, trotz dem großen Potential.
[sports.espn.go.com]
von Suck My Diktiergerät 13.05.11 um 21:10:45
@MM_6NBA
DPOY wird von Journalisten gewählt, All-NBA-Defensive Team von Coaches. Daher der Unterschied.