NBA Playoffs

Die gold-violette ABC-Waffe

Zum dritten Mal in Folge standen sich die Los Angeles Lakers und Utah Jazz in den Playoffs gegenüber. Zum dritten Mal entschieden die Lakers die Serie, bei der auch Phil Jacksons (Foto) Maßnahmen wie gewohnt griffen, für sich. Nach einem glatten 4-0 steht der amtierende Meister nun im Conference-Finale und trifft dort auf die Phoenix Suns.

Von Manuel Baraniak
 12.05.2010 |

Los Angeles Lakers (1) gegen Utah Jazz (5) 4-0
(104:99, 111:103, 111:110, 111:96)

Der Blick nach oben: Phil Jackson träumt wohl schon von einem neuen Meisterschafts-Banner.
Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Der Begriff des Zen-Meisters mag Phil Jackson selbst widerstreben, für seine außergewöhnlichen Motivationsmethoden ist und bleibt der Head Coach der Los Angeles Lakers aber immer noch berühmt. Der 64-Jährige schenkt seinen Spielern schon einmal spezielle Lektüren oder sieht mit ihnen Spielfilme an, um sie zu motivieren. Was seit seiner Ankunft in Kalifornien gleich geblieben ist, ist ein Ausschnitt aus „Glengarry Glen Ross“, den Jackson am Morgen vor Playoff-Partien, die den Gewinn der Serie bedeuten können, seinen Spielern zeigt. Dort ist einer der Hauptcharakteren mit folgenden Worten zu hören: „A-B-C. A-always, B-be, c-closing. Always be closing, always be closing.”

„Daran halten wir fest. ABC. Immer im Begriff sein, [die Serie] zu beenden. Das ist eine Sache, an der wir festhalten“, bekräftige Lamar Odom nach der entscheidenden vierten Partie Jacksons audiovisuelle Motivation. Doch wie die Lakers die Serie beendeten, war beeindruckend. Sie hoben sich ihre beste Vorstellung der Serie nicht nur für den Schluss auf, sondern kehrten die Jazz auch mit dem Besen aus der Endrunde – was die Gold-Violetten eigentlich nicht sehr häufig tun. In der Zeit nach Shaquille O'Neal gelang dies den Lakers nur ein weiteres Mal, in der ersten Playoff-Runde 2008 gegen die Denver Nuggets. Die Jazz wurden derweil zum ersten Mal überhaupt in ihrer Franchise-Geschichte in einer „Best of seven“-Serie ohne Sieg nach Hause geschickt. Damit haben die Lakers den Gewinn von vier Playoff-Serien in Folge auf fremden Parkett perfekt gemacht.

Ein Grund dieser Dominanz lag am Größenvorteil, den die Lakers gegenüber den Jazz hatten. Diese mussten nicht nur die gesamte Serie auf Mehmet Okur verzichten; auch Andrei Kirilenko, der nach einer langwierigen Wadenverletzung ab dem dritten Spiel wieder auflaufen konnte, war seine fehlende Spielpraxis anzusehen. Die Lakers griffen sich über die Serie vier Rebounds mehr im Schnitt und blockten als Mannschaft siebeneinhalb Würfe pro Partie. Vor allem in der zweiten Begegnung offenbarte sich diese Diskrepanz in der Zone, als das Trio um Andrew Bynum, Pau Gasol und Lamar Odom zusammen 44 Fehlwürfe abfing – und damit mehr als das gesamte Jazz-Team – und die Lakers als Team 13 Würfe blockten.

Während sich bei Bynum letztlich dessen Knieverletzung doch bemerkbar machte, war Gasol (Foto) umso weniger von den Jazz zu stoppen. In jedem Spiel ein Double-Double auflegend, krönte der Spanier seine starke Serie (23,5 PpG, 14,5 RpG, 2,8 BpG, 60,7% FG) im letzten Spiel mit einer seiner besten Playoff-Begegnungen für die Kalifornier überhaupt.

Die Längenvorteile L.A.s machten sich aber nicht nur direkt unter den Körben bemerkbar, sondern auch im Halbfeldangriff der Jazz. Das System von Head Coach Jerry Sloan basiert auf vielen Passfolgen; vor allem auf Akteure, die sich durch ballferne Blocks frei machen. Gegen eine derart lange Frontline, wie sie die Lakers aufbieten können, taten sich die Jazz umso schwerer, freie Würfe zu erarbeiten. Trafen sie in der ersten Runde gegen die Denver Nuggets noch rund 51 Prozent ihrer Würfe aus dem Feld, waren es jetzt nur noch 44 Prozent.

Ohne einen fitten Kirilenko hatten die Jazz zudem erst recht keine Antwort auf Kobe Bryant (Foto) parat. Dem Shooting Guard schienen seine vielen Blessuren nicht mehr so zu stören, wie noch gegen die Oklahoma City Thunder. So fand Bryant auch wieder zu seinem Wurf (52,3% FG) und markierte in jeder der vier Begegnungen mindestens 30 Zähler. Und wenn es einmal doch richtig eng wurde, so wie in der dritten Partie, wusste der amtierende Finals-MVP in der Schlussphase zu überzeugen.

Unerwartete Unterstützung in der Offensive erhielt das Kobe-Pau-Gespann von Ron Artest, zumindest in den Spielen zwei und drei. Vor allem im Letzteren konnte der Small Forward überzeugen, als er zu Beginn des vierten Viertels die ersten neun Punkte seines Teams erzielte. Und auch sein Wurf meldete sich, immerhin für eine Partie, aus dem verletzungsbedingten Urlaub zurück und bekräftigte mit vier erfolgreichen Dreiern, dass er noch nicht emigriert sei. Kurze Aufregung gab es hingegen zwischen Spiel zwei und drei, als Artest in Chris-Bosh-Manier aus dem Nähkästchen zwitscherte und auf seiner Twitter-Seite Kritik an der Kritik Jacksons zu seiner Person äußerte. Sowohl Jackson als auch der Rest der Lakers räumten diesem Vorfall aber nicht sehr viel Bedeutung ein.

Die Jazz konnten derweil nicht wie gewohnt auf die Stärken ihres Top-Duos zurückgreifen. Zwar war Deron Williams erneut der beste Punktesammler seiner Mannschaft, der Point Guard hatte aber auch seine Probleme gegen die Verteidigung der Lakers (22 PpG, 38,7% FG, 29,2% 3FG). Carlos Boozer (Foto) teilte sich mit dem stark auftretenden C.J. Miles hinter Paul Millsap die Position des drittbesten Werfers, mit lediglich sieben Freiwurfversuchen über die Serie muss man aber seine mangelnde Durchsetzungskraft unter den Körben bemängeln. Auch diese Serie zeigte, dass die Franchise aus Salt Lake City mit Millsap einen gleichwertigen Ersatz aufbieten kann. Insofern wird es interessant zu sehen sein, wie das Management die Offseason gestaltet. Neben Boozer wird auch Kyle Korver Free Agent.

Zum dritten Mal in Folge stehen die Lakers nun im Conference-Finale des Westens. Dort wartet mit den Phoenix Suns eine Mannschaft, mit der die Lakers noch eine Rechnung zu begleichen haben. Man könnte meinen, eine Meisterschaft würde es relativieren, doch Bryant, Odom und Co. haben die beiden Erstrunden-Niederlagen 2006 und 2007 nicht vergessen. „Ich bin wie ein Elefant. Ich vergesse nicht viel“, antwortete Odom mit einem Lächeln bezüglich einer Revanche. Gefragt, ob auch er sich revanchieren wolle, gab Bryant nur zurück: „Was denken Sie? Sie wissen [die Antwort] schon.“

Mut machen sollte den Lakers erneut der vermeintliche Größenvorteil im Frontcourt sowie der fehlende Kettenhund, der auf Bryant angehetzt werden könnte. Die Suns werden derweil auf die Rückkehr von Center Robin Lopez hoffen, der auf Grund von Bandscheibenproblemen zuletzt am 26. März auf dem Parkett stand. Ob und wann Lopez in die Serie eingreifen und inwiefern er dann auch einen entscheidenden Beitrag leisten könnte, bleibt fraglich. Auch bei den Lakers kehrt womöglich ein verletzter Akteur zurück: Sasha Vujacic steht nach einer Pause von rund einem Monat vor seinem Playoff-Debüt. Dessen Saison war zwar über weite Strecken enttäuschend, in den letzten Wochen der regulären Saison deutete er aber seine Bedeutung für das Team in Form von Gefahr aus der Distanz und nervender Verteidigung an.

Zwischenzeitlich werden sich beide Teams zum einen regenerieren können, da die Auftaktbegegnung erst am Montag, den 17. Mai stattfindet. Zum anderen bietet diese Pause beiden Coaching-Stäben Zeit, sich ausreichend vorzubereiten. Es ist zu hoffen, dass dadurch die Serie auch spannender wird als der Großteil der Conference-Halbfinals.




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Kommentare

(2 Kommentare bisher)

von xax 12.05.10 um 13:13:53


Beeindruckende Leistung der Lakers. Heart of a Champion.

Ich denke die Lakkers kommen in die Finals, obwohl ich es Steve Nash echt gönnen würde, aber ich denke die Suns werden als Team max. 3 RPG holen und somit verlieren.

Wenn Phoenix gewinnen will muss Amare die Körbe DOMINIEREN und Gasol auch...



von KingCrunch 14.05.10 um 09:05:04


Wenn es bisher keiner schreibt, will ich es mal tun:

Sehr genialer Serien-Rückblick, hat wirklich Spaß gemacht den zu lesen. Toll aufgezogen, beide Daumen und einen großen Zeh hoch. ;)

Hoffe, dass die Suns die Oberhand behalten im WCF!



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