NBA Playoffs

Die Auferstehung

Die Dallas Mavericks sind wieder da. Nach einer durchwachsenen Saison mit vielen Höhen und Tiefen präsentiert sich das Team um Dirk Nowitzki (Foto) während der wichtigsten Phase der Saison in Topform. Daran konnte auch der alte Rivale aus San Antonio nichts ändern.

Von David Lorenz
 29.04.2009 |

San Antonio Spurs gegen Dallas Mavericks (1-4)
(97:105, 105:84, 67:88, 90:99, 93:106)

Nicht einmal Mark Cuban, Besitzer der Dallas Mavericks und bekennender Optimist, hätte sich vor der Erstrunden-Begegnung seiner Mannschaft mit den San Antonio Spurs dieses Ergebnis erträumen lassen: vier gewonnene Partien, eine Niederlage. Zum ersten Mal nach drei Jahren stehen die Mavs wieder in den Conference-Semifinals der NBA.

Dallas gelang es eindrucksvoll, den Schwung aus der regulären Spielzeit (sechs Siege in acht Begegnungen am Ende der Hauptrunde) mit in die Playoffs zu retten und sogar noch an Fahrt zu gewinnen.

Das Erfolgsrezept gegen den Erzrivalen aus San Antonio lag dabei in einem ganz einfachen mathematischen Gesetz: Fünf ist mehr als zwei. Während auf Seiten der Spurs die totale Abhängigkeit in der Offensive von Tony Parker und Tim Duncan herrschte, traten die Mavericks als geschlossene Einheit auf, bei der jeder Akteur sein Scherflein zum Erfolg der Mannschaft beitrug. Die Scoring-Last wurde gleichmäßig auf vielen Schultern verteilt, worauf sich San Antonio nie wirklich einstellen konnte.

Die Defensive des NBA Champions von 2007 zielte darauf ab, Dirk Nowitzki (Foto) bei jeder Ballberührung mit zwei oder drei Verteidigern in die Zange zu nehmen, während Bruce Bowen, bester Verteidiger der Spurs, Jason Terry an die Kette legen sollte. Dieser Plan wäre vor zwei bis drei Monaten vermutlich noch aufgegangen. Doch mittlerweile verfügen die Mavericks über eine Tiefe im eigenen Kader, von dessen Existenz sie lange Zeit selbst nichts wussten.

Josh Howard, häufig verletzungsgeplagt und immer noch nicht bei 100 Prozent, nutzte die Lücken, die Nowitzki und Terry in die Abwehrreihen der Spurs rissen, am effektivsten. „Josh war der MVP dieser Serie“, so Dallas’ Head Coach Rick Carlisle nach dem vierten Sieg über San Antonio. „Er hat einfach großartig gespielt.“ Mit 18,8 Punkten pro Partie präsentierte sich der 29-jährige Small Forward beinahe gleichauf mit Nowitzki, der durchschnittlich 19,0 Zähler gegen die Spurs verbuchen konnte.

Neben Howard sprangen Rollenspieler wie Jose Barea, Erick Dampier, Brandon Bass oder Antoine Wright in die Bresche, die durch fehlende Punkte Nowitzkis und Terrys im Angriff entstand. „Wir agieren als Einheit“, so Barea über die neu gewonnene Stärke seines Teams. „Wir wollen alle das Gleiche. Man kann es auf dem Parkett in Dirks Augen sehen. Egal wer punktet, er will einfach nur gewinnen. Wenn dein Anführer so denkt, beginnen alle Spieler so zu denken.“

„Ich spiele für den Erfolg der Mannschaft und nicht für meine persönlichen Statistiken. Ich spiele, um in den Playoffs weiterzukommen“, zeigte sich der Deutsche als mustergültiger Teamspieler.

Spätestens an dieser Stelle muss Jason Kidd (Foto) erwähnt werden. Der Spielgestalter der Mavericks entpuppte sich zum absoluten Anführer der Truppe und zeigte teilweise überragende Vorstellungen, die statistisch allerdings nur schwer zu erfassen sind. Doch ein Wert beschreibt die Leistung des 36-Jährigen am prägnantesten: In 186 Minuten auf dem Parkett unterliefen Kidd nur drei (!) Ballverluste gegen die Verteidigung der Spurs. Der achtfache All-Star gab jedem Mavs-Akteur auf dem Spielfeld die nötige Sicherheit einer stets präsenten Anspielstation und wusste zudem klug einzuschätzen, welcher Mitspieler wann und wo den Ball im Angriff benötigen würde.

Auf dem Papier entschied Parker das Spielmacher-Duell mit Kidd deutlich zu seinen Gunsten. Doch die Nummer 2 der Mavericks wusste die detaillierten Akzente im Spiel seiner Mannschaft zu setzen, die letztendlich über Erfolg oder Niederlage eines Teams entscheiden können.

San Antonio fand auf das geschlossene Auftreten der Mavericks lediglich im zweiten Aufeinandertreffen beider Mannschaften eine Antwort. Es sollte der einzige Sieg von Gregg Popovichs Team bleiben. Ansonsten präsentierte sich die Verteidigung der Spurs, ehemals ganzer Stolz der Truppe, ohne Antwort auf die Dallas-Offensive (46,3% FG; 38,2% 3FG). „Die Mavs haben im Angriff deutlich mehr Waffen als wir. Unser Fokus ist limitiert auf Dirk und Jason Terry. Mit denen kommen wir auch ganz gut zurecht. Aber die anderen Jungs bringen uns um“, so Parker nach dem vierten Spiel der Serie über die offensive Vielfalt der Mavs.

Von einer ähnlichen Ausgeglichenheit konnten die Spurs nur träumen, da deren Arsenal im Angriff auf zwei Waffen beschränkt war: Parker (Foto) und Duncan. Während der Point Guard durchschnittlich 28,6 Punkte (54,6% FG) gegen die Mavericks verbuchte und Duncan ihm mit 19,8 Zählern pro Partie zur Seite stand, vermochte kein anderer Akteur in Reihen San Antonios durchschnittlich eine zweistellige Punkteausbeute abzuliefern. Die einstmals so gefürchteten Distanzschützen der Spurs hatten lediglich vor der ersten Begegnung mit Dallas ihr Zielwasser getrunken, als sie elf von 14 Drei-Punkte-Versuchen versenkten. Im anschließenden Verlauf der Serie kam dann gar keine Unterstützung mehr von außen. Michael Finley beendete das Duell gegen seinen Ex-Club mit 8,0 Zählern pro Partie, Roger Mason verbuchte derer durchschnittlich nur 6,6. Matt Bonner, einer der erfolgreichsten Drei-Punkte-Schützen der abgelaufenen Spielzeit, entwickelte sich zum Totalausfall. Mit 3,0 Zählern pro Begegnung und einer Dreierquote von 23,1 Prozent war er der schwächste Akteur der Serie.

Nach dem Weiterkommen der Mavericks beschrieb Carlisle auf der anschließenden Pressekonferenz die Entwicklung seiner Mannschaft treffend wie folgt: „Es war ein turbulentes Jahr, aber uns sind einfach viele gute Dinge zum richtigen Zeitpunkt widerfahren. Das Team ist in den vergangenen Wochen zu einer verschworenen Einheit zusammengeschmolzen.“

Während Carlisle den Blick noch in die Vergangenheit richtete, hatte Jason Terry schon das nächste Ziel vor Augen: „Wir sind noch lange nicht fertig.“

Für Dallas geht es in der nächsten Runde gegen die Denver Nuggets, die sich als genaues Gegenteil der Spurs präsentieren: jung, ausgeglichen, athletisch. Dann wird sich zeigen, ob die Mavericks – während der regulären Spielzeit viermal erfolglos gegen die Franchise aus Colorado – abermals einem favorisierten Team ein Bein stellen können.

San Antonio steht unterdessen wohl eine Zäsur bevor. Der vierfache NBA-Champion benötigt dringend frisches Blut, damit der Mannschaftskern um Parker, Duncan und Manu Ginobili erneut im Titelrennen mitmischen kann.




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Kommentare

(14 Kommentare bisher)

von xax 30.04.09 um 00:21:58


Habe recht behalten, ich habe auf Dallas gesetzt!!!

Doch mittlerweile verfügen die Mavericks über eine Tiefe im eigenen Kader, von dessen Existenz sie lange Zeit selbst nichts wussten.--> Schöner Satz.

Trotzdem sollte der Kader der Mavs umgebaut werden. Derr Spurs Kader ist nicht schlecht, mit Manu sind die absolute Spitze!Ich plädiere für Mr. Wallace, super Verteidiger u. Rebounder und zieht mit seinen 3ern Leute aus der Zone für Parker u. Manu, nur ist er noch motiviert?

Eins ist scheisse, je weiter Dirk kommt desto unwahrscheinlicher ist sein em-einsatz...Damm

Gegen Denver habe sie alle Chancen, von den Matchups her sehe ich es ausgeglichen.

Merin Tipp: 4-3 Dallas und dann gegen die Lakers...



von Patrick.Quach 30.04.09 um 06:35:26


wallace in san antonio wäre schon geil, allerdings würde ich mir wegen seinem charakter sorgen machen, mit Nick Van Exel hatten sich die spurs schon mal ein faules ei ins nest gelegt...

und mich nerven die leute die tatsächlich glauben das die Mavs meister werden -.- ^^

King James wird es machen.. (obwohl ich es lieber den lakers wünschen würde...)



von Skateboard_P 30.04.09 um 07:11:51


Es ist schön zu sehen, das die Mavericks wieder einmal die zweite Runde erreicht haben. Und das ausgerechnet gegen den Erzfeind aus San Antonio. Es wird sich zeigen, wie viel Potenzial noch in ihnen steckt.

Ich persönliche traue ihnen die Conference Finals zu. Danach sollte wohl schluss sein.

PS: Schöne Zusammenfassung der Serie DAL - SAS. :)



von Webocat 30.04.09 um 09:10:51


ja mit denver wartet ein deutlich schwerer gegner auf die mavs.
die mavs hatten auch glück, dass duncan, der ja an sich auch ordentlich spielte, diese saison nicht bei 100 % ist. mit einem fiten duncan + manu wäre es eine sehr interessante serie geworden.



von schlund 30.04.09 um 13:01:31


"Auf dem Papier entschied Parker das Spielmacher-Duell mit Kidd deutlich zu seinen Gunsten. Doch die Nummer 5 der Mavericks wusste die detaillierten Akzente im Spiel seiner Mannschaft zu setzen,..."

Hmm ist hier josh howard gemeint, eher nich oder...Kidd hatte in NJ die 5, jetzt die 2...

Ansonsten sehr schöner artikel...vielleicht hätte man noch 2 worte mehr über barea und hollins verlieren können



von David Lorenz 30.04.09 um 13:40:38


Dank Dir, wird korrigiert.



von mr.chrizaco 30.04.09 um 15:08:07


nie im leben gewinnt dallas gegen denver... weil billups kidd fertig macht...und alles von draußen trifft...(75%3pFG!!!) und howard kann carmelo nicht verteidigen...sorry dirk... obwohl vllt gewinnt er dannn mit Team Germany die EM...=)



von flashgun 30.04.09 um 16:55:47


Zu billups quote möchte ich anmerken, dass die Hornets aus meiner Sicht gegen ihn absolut schlecht verteidigt haben. Daher konnte er auch schalten und walten wie er wollte. Ob die Mavs das zulassen werden, wird sich zeigen.
Mello wird sicher schwer zu verteidigen sein, aber er alleine macht den Unterschied nicht aus. Ich sehe den großen Nachteil für Dallas eher auf der Center-Position (Nene vs. Dampier).
Wenn der Rest der Mannschaften aber so gut spielt wegen New Orleans bzw. San Antonio, dann wird das ein sehr heißes Duell. Ich tippe auch auf 4-3 für Dallas, weil ich es Dirk gönnen würde. Echte Titelchancen sehe ich momentan aber nicht wirklich, so dass die Mavs wohl die Runde drauf rausfliegen.



von xax 30.04.09 um 18:19:50


@ flashgun
Endlich mal jemand mit Ahnung *g*



von Nik#7 30.04.09 um 19:18:41


[youtube.com]
Video zum Miami - Hawks Spiel
Könnte man ja vllt hier( [crossover-online.de] ) einfügen?



von BigSmutje 30.04.09 um 19:46:37


Ich sehe es auch so dass gegen Denver jetzt wohl endgültig Schluss sein wird.
Die Spurs gg die Dallas zugegebenermaßen sominiert hat, waren ja auch keine championchip Spurs, dafür fehlte ihnen manu vielzusehr und TD war ebenfalls nicht bei 100 % (und hat dafür sehr ordentlich gespielt).

Denver ist mE tiefer besetzt, jung und aggressiv - Sie sind wohl das Team dass bisher den Gegner am meisten unter Kontrolle hatte. Auch wenn der Gegner nur Chris Paul war - die anderen 4 Spieler hatten ja eher Statistenrollen....;)

Mein Tipp: 4-2 für Denver, es sei denn Dirk wächst in der Serie über sich hinaus und kann 30 PPG und 10 RPG erreichen. Dann ist mehr drin - sonst glaube ich das Chauncey "on a mission" ist..;)



von DeShawn_Lübbenson 01.05.09 um 00:57:18


die nuggets hatten auch schwächephasen während der regular season. Die Mavs werden nicht so komplett abhängig von Kidd sein, wie die Hornets von Paul. Das heißt es wird nicht reichen, wenn Dahntay Jones hart verteidigt, sonder der Rest muss mitziehen.

Der Schlüßel zum Erfolg ist es, an der 3erlinie zu verteidigen. Billups und JR werden nicht noch einmal so treffen wie gegen NO.. hoffe ich zumindest.



von boober 02.05.09 um 00:14:04


Ich finde die Match-ups sehr interessant. Sehe auch leichte Vorteile bei den Nuggets: Nene hat einen klaren Schnelligkeits- bzw. Beweglichkeitsvorteil gegenüber Dampier, bei gleicher Kraft (wie flashgun schon schrieb). Billups jedoch kann von Kidd denke ich besser verteidigt werden als Paul das konnte, wobei es trotzdem schwer für Kidd werden wird. Kenyon Martin wird gegen Nowe zwar seine Ellbogen spitzen, ihn aber nicht effektiv verteidigen können. Doch vielleicht kommt ja der birdman von der Seite angeflogen. :) Anthony wird sich gegen Howard auf alle Fälle auch schwerer tun als gegen New Orleans. Dallas könnte Probleme mit J.R. Smith bekommen. Da sehe ich niemanden im Roster er Mavs, der ihn verteidigen könnte. Der Jet könnte mit Dahntay Jones vielleicht auch seine Problemchen bekommen. Klingt doch alles nach echtem Playoff-Basketball!

Wird sicher eine spannende und enge Serie! Denke jedoch dass Denver am Ende als Sieger dastehen wird.



von Bundy 03.05.09 um 07:46:29


Erste fundierte Aussagen zu der Serie wird man auch erst heute Nacht nach dem Spiel machen können, zumindest diejenigen die es gesehen haben. Denn wie schon erwähnt reichte es bei NOR Paul und West zu verteidigen, und bei SA Duncan und Parker. Das wird sich jetz für beide Teams ändern. Und nur weil DEN die Saison Serie mit 4-0 gewinnt (davon 3x mit 3 oder 2 Punkten, und ohne Dallas in "Topform"), gewinnen sie noch lange nich die Playoff Serie. Bis auf Billups hat da auch keiner richtig große Erfahrung, und den Faktor sollte man ebenfalls nicht vernachlässigen wie man erneut in der Portland Serie sehen konnte.
Objektiv würde ich sagen:
Beide Teams sind stark, und zwar auch in der Breite.
Billups dürfte Kidd eher liegen als Paul Parker etc..
Melo wird schwer zu verteidigen sein, allerdings ist Howard anders als in der Saison, jetzt mal fit.
Ich sehe aber auch niemanden der Dirk davon auf Dauer abhalten wird.

Und was mich vor allem optimistisch stimmt, ist der oben beschriebene Teamgeist. Denn während ich in der Saison sehen mußte wie Dallas in Cleveland eine 20 Punkte Führung verspielt, oder in LA im 4. bei 7 Punkte Führung nen 13-0 run kassiert, hatte man gegen SA immer das Gefühl das sie an den Sieg glauben, und auch Leute wie Dampier gegen Duncan scoren. Von Bass und Barea kennt man sowas ja schon,aber Dampier.. Von dem war ich am meisten überrascht. Dallas und Deutschland sind meist an der One Dirk Show gescheitert, die Angst hatte ich gegen SA nicht, aber warten wir heute das Spiel ab.

Ich hoffe sie gehen mit 1-1 nach Dallas und entscheiden die Serie dann durch ihre Heimstärke.



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