Jul
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NBA Playoffs

Deron demontiert Denver

Es sollte eine richtig spannende Serie werden, doch am Ende war der Sieg der Utah Jazz gegen die Denver Nuggets relativ deutlich. Deron Williams (Foto) zeigte, warum er ein absoluter Superstar ist und führte seine Jazz in die nächste Runde. Dort warten jetzt die Los Angeles Lakers.

Von Johannes Hübner
 01.05.2010 |

Denver Nuggets (4) gegen Utah Jazz (5) 2-4
(126:113, 111:114, 93:105, 106:117, 116:102, 104:112)

Es ist wieder passiert. Carmelo Anthony und seine Denver Nuggets sind in der ersten Playoff-Runde gescheitert. Nachdem letzte Saison der Fluch besiegt wurde und die Nuggets bis in die Western Conference Finals vorgestoßen waren, ist diese Saison wieder ein Rückschritt auszumachen. In sechs Spielen gegen die Utah Jazz waren sie insgesamt schlichtweg das schlechtere Team.

Vor Beginn der Endrunde war noch eine sehr spannende Serie erwartet worden. Beide Teams gingen mit der gleichen Bilanz in die Postseason. Durch die Verletzung von Jazz-Forward Andrei Kirilenko ging die Franchise aus Colorado vielleicht sogar als Favorit in die Serie, auch wenn diese weiterhin auf Head Coach George Karl verzichten musste, der auf Grund seiner Krebsbehandlung von Adrian Dantley ersetzt wurde. Doch was dann folgte, war über weite Strecken eine Demonstration von Stärke der Jazz. Selbst ein erneuter Rückschlag durch die Achillessehnenverletzung von Mehmet Okur warf das Gesamtkonzept von Head Coach Jerry Sloan nicht aus der Bahn. Warum sind also die Nuggets wieder da, wo sie vor der letzten Saison waren und die Jazz im Halbfinale der Western Conference gegen die Los Angeles Lakers?

Es gab gleich mehrere rote Fäden in dieser Serie. Einer war das überragende Spiel des Deron Williams (Foto). Was sich während der regulären Spielzeit für einige angedeutete hatte, hat sich eventuell durch diese Serie noch verfestigt. Williams wird von immer mehr Fans und Experten als der beste Point Guard der NBA angesehen. Was der Aufbauspieler gegen die Nuggets ablieferte, war erste Sahne: 25,8 Punkte (49,4% FG, 48,1% 3FG), 11,3 Assists und 2,7 Rebounds lauten die nackten Zahlen in den Playoffs. Williams hatte diese Serie fast immer im Griff und für jede Aktion die passende Antwort parat: ob es die präzise Vorlage für die Mitspieler war, der Drei-Punkte-Wurf aus dem Dribbling oder die vielen System durchzulaufen.

Seine statistischen Werte sind sogar historisch. Bisher hat es noch kein Spieler geschafft, in den ersten fünf Partien einer Serie jeweils über 20 Punkte und zehn Vorlagen aufzulegen. 24 Zähler in der dritten bzw. vierten Begegnung waren der niedrigste Wert in den ersten fünf Partien. In Spiel zwei klauten seine Jazz hinter Williams’ 33 Punkten und 14 Vorlagen den Heimvorteil von den Nuggets. Zu Beginn der Serie versuchte sich noch Aaron Afflalo daran, Williams in Zaum zu halten, ehe die Nuggets im Verlauf der ersten Runde wechselten und Chauncey Billups den Elite-Aufbau verteidigte – doch auch das klappte nicht. Die Nuggets-Verteidigung hatte schlichtweg keine Antwort auf „D-Will“. Allgemein war die Defensivleistung der Nuggets einfach zu schlecht, um eine Runde weiter zu kommen: 110,5 Punkte pro Partie kassierte die Mannschaft – einfach zu viele in den Playoffs.

Ein andere roter Faden war die fehlende Unterstützung für Carmelo Anthony (Foto). Oftmals kam die Entlastung noch von Billups, aber der Rest des Teams konnte einfach zu selten sein Potential abrufen. Im ersten Spiel legte Anthony 42 Punkte auf; J.R. Smith erzielte zu einem Zeitpunkt elf Zähler in Folge. Das Resultat war ein Sieg. Doch in Spiel drei legten „Melo“ und Billups jeweils 25 Zähler auf, während kein anderer Nugget-Akteur zweistellig punktete. Die Nuggets gingen mit 93:105 in den Salzseen von Utah unter. Auch in Spiel vier kam zu wenig von den Rollenspielern. Anthony, der 30,7 Punkte und 8,7 Rebounds im Schnitt markierte, war mit 39 Zählern wieder einmal die überragende Figur.

Nach der Partie krachte es in der Kabine der Nuggets richtig. Die Spieler gerieten aneinander. Anthony und Chris Andersen sollen sich ein Wortgefecht geliefert haben. Smith krönte die Auseinandersetzung mit einem Kommentar auf seiner Twitter-Seite: „Wenn du eigennützig spielst, verlierst du eigennützig. Das ist alles, was ich zu dem Spiel sage.“ Smith, der selber dafür bekannt ist, locker den Abzug zu drücken, zeigte sich auch von seiner unbeständigen Seite. In der letzten Begegnung, in der es für die Nuggets um alles ging, konnte J.R. nur drei magere Punkte verbuchen.

Während die Nuggets-Stars nicht genug Unterstützung erhielten, sprangen gleich mehrere Jazz-Akteure für die Verletzten in die Bresche. Dass Okur und Kirilenko nicht zur Verfügung standen, merkte der aufmerksame Beobachter am Auftreten oder den Ergebnissen fast nicht. Okur zog sich im ersten Spiel eine Verletzung an der Achillessehne zu und wurde unter dem Korb vor allem von Paul Millsap (Foto) ersetzt. Dieser steigerte seinen Punkteschnitt von 11,6 in der regulären Spielzeit auf 17,3 in den Playoffs. In Spiel drei zeigte der Big Man, was in ihm steckt: 22 Zähler und 19 Rebounds standen nach der Begegnung im Statistikbogen. In der ersten Halbzeit traf der Power Forward jeden seiner neun Wurfversuche.

Allgemein brachte jeder Jazz-Akteur mehr, um die Ausfälle zu kompensieren. Williams spielte wie von einem anderen Stern, Boozer (22 PpG, 13,3 RpG) legte ebenso noch eine Schippe drauf. Auch die Rollenspieler auf dem Flügel wirkten richtig beflügelt. Rookie Wes Matthews (13,8 PpG) und C.J. Miles (13,7 PpG) lieferten nicht nur in der Offensive Entlastung, sondern kämpften auch in der Verteidigung mit Carmelo Anthony um jeden Zentimeter.

Was einen Erstrundensieg der Nuggets ebenso fast unmöglich machte, war die Auswärtsschwäche. Schon in der regulären Saison konnte die Mannschaft aus Denver keine positive Bilanz in fremden Hallen aufweisen. Auch in der Serie gegen die Jazz zeigte sich die Schwäche in der Fremde. Das Team um Carmelo Anthony konnte keinen einzigen Sieg aus Utah entführen. Auswärts markierten die Nuggets im Schnitt 101 Punkte pro Spiel, daheim waren es starke 117,6 Zähler.

Auch die Nuggets blieben während der Serie nicht von Verletzungen verschont. Nene Hilario zog sich in Spiel fünf eine Blessur am Knie zu. Erst wurde vermutet, dass sich der Brasilianer sogar das vordere Kreuzband gerissen hat, doch mittlerweile wird in Colorado von einer leichteren Verletzung ausgegangen.

In der nächsten Runde wartet auf die Franchise aus Salt Lake City jetzt der amtierende Meister, nachdem die Los Angeles Lakers mit 4-2 gegen die Oklahoma City Thunder weitergekommen sind. Das Lazarett der Jazz wurde dabei durch Deron Williams noch erweitert. Der Point Guard verletzte sich circa 20 Sekunden vor Ende der Serie an seinem linken Ellbogen. Momentan wird seine Verletzungen jedoch nicht als schwerwiegend eingestuft. Andrei Kirilenko (Foto) dürfte nach seiner Wadenverletzung auch wieder zum Team stoßen; Okur wird hingegen auf keinen Fall mehr in der Postseason eingreifen können.

Favorit sind sicherlich die Lakers, doch die Jazz gelten als Geheimtipp im Westen. Für die Lakers spricht sicherlich auch der Heimvorteil, aber gegen die Thunder zeigte die Truppe aus Kalifornien auch, dass sie verwundbar ist. Wenn Williams, Boozer, Millsap und die Rollenspieler der Jazz weiter auf einem so hohen Niveau agieren können, ist die Überraschung möglich.




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von Crossover 26.05.2012 um 18:03:23


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