NBA Playoffs

Den Meister entzaubert

Zum ersten Mal seit 13 Jahren stehen die Orlando Magic wieder im Conference-Finale. Nach sieben Spielen setzte sich die Franchise aus Florida (Foto: Dwight Howard) gegen die Boston Celtics durch. Der amtierende Meister wird seinen Titel somit nicht verteidigen können.

Von Manuel Baraniak
 20.05.2009 |

Boston Celtics gegen Orlando Magic (3-4)
(90:95, 112:94, 96:117, 95:94, 92:88, 75:83, 82:101)

Wie schon in der ersten Playoff-Runde mussten die Boston Celtics auch in der Serie gegen die Orlando Magic über sieben Spiele gehen. War der keltische Endrunden-Auftakt gegen die Chicago Bulls noch von hoch spannenden Partien mit vielen Emotionen, Nickligkeiten, Gamewinnern und Verlängerungen geprägt, waren derartige Höhepunkte diesmal eher rar gesät. Dass sich hier zwei der besten Teams der regulären Saison gegenüber standen, die beide mindestens 59 Siege eingefahren hatten, war nicht immer zu erkennen. Jedoch mussten beide Mannschaften auf wichtige Akteure verzichten (Kevin Garnett in Reihen der Celtics; Jameer Nelson in Diensten Orlandos).


Dwight Howard blickt Richtung Titel. Nächster Stopp: Cleveland
Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Dass es mitunter in manchen Partien doch noch einmal eng wurde, lag unter anderem auch an den Magic bzw. an deren Unvermögen. Wie schon in deren Auftakt-Serie gegen die Philadelphia 76ers verspielte die Franchise aus Florida ein ums andere Mal komfortable Führungen. Ging dies in der ersten und dritten Begegnung noch gut, ließen sich die Magic im fünften Aufeinandertreffen mit den Celtics eine Zehn-Punkte-Führung gut fünf Minuten vor Schluss noch nehmen, als sie ihre letzten acht Würfe aus dem Feld verfehlten.

Mit dem Aus vor Augen – Orlando lag nach jenem Spiel fünf in der Serie mit 2-3 in Rückstand – bewiesen die Magic aber Nervenstärke, Standvermögen und Disziplin. Beendeten sie die sechste Begegnung mit einem 8:0-Lauf, lag die Mannschaft von Head Coach Stan Van Gundy im alles entscheidenden siebten Spiel insgesamt nur 24 Sekunden in Rückstand. Damit lösten die Magic Assistant Coach Patrick Ewings (Foto) Versprechen vor der Partie ein – dessen derartige Vorhersagen während seiner Karriere als Spieler ja eher nach hinten los gingen –, als er voller Vertrauen in seine Mannschaft gesagt hatte: „Jeder hat in einem Spiel sieben energisch aufzutreten und sein Bestes zu geben. Man geht dort raus, spielt mit vollem Herzen und geht mit einem Sieg. Auch wenn ich selbst nicht spiele, garantiere ich einen Erfolg.“

Ewing sollte recht behalten. Nicht nur bezüglich seiner Vorhersage eines Magic-Sieges, auch wie dieser eingefahren wurde. Die Gäste schienen einfach den Sieg mehr zu wollen, wie man so sagt, und hatten auf jeden Zwischenspurt der Celtics eine Antwort parat. Hatten sie in den drei Partien zuvor noch mit einer Abschlussschwäche von „Downtown“ zu kämpfen, ließen die Magic im Endspiel auch wieder Dreier regnen. Nicht nur in der Offensive klappte es, auch verteidigten die Magic intensiv, als es darauf ankam: In den beiden letzten Partien hielten sie die Kelten bei einer Feldwurfquote von 40,4 Prozent und einer Dreipunktequote von 20,6 Prozent. Dwight Howard machte das Ausschlaggebende nach dem siebten Spiel noch einmal deutlich: „Jeder sprach über Erfahrung. Der entscheidendste Punkt war aber Einsatz und Energie. Das Team, das am härtesten spielte, würde auch gewinnen.“

Bei den Celtics hatte es derweil nicht nur in Spiel sieben den Anschein, als sei bei ihnen ein wenig die Luft raus – nach der Auftakt-Serie gegen die Bulls auch kein Wunder. So bestätigte Paul Pierce (Foto) auch nach dem Aus, dass seine Mannschaft an jenem Abend am Ende die Puste ausging. Der amtierende Finals-MVP selbst machte dabei – Spiel zwei ausgenommen, bei dem er auf Grund von Foul-Belastung nur 16 Minuten absolviert hatte – die schwächste Begegnung der Serie. Schon in der Partie zuvor hatte er in der Schlussphase nicht überzeugen können, als er unter anderem zwei wichtige Freiwürfe vergeben hatte. Im entscheidenden siebten Spiel kam der Small Forward nicht über 16 Punkte (4/13 FG, 1/5 3FG) hinaus. Seine auf den ersten Blick respektablen Werte von durchschnittlich 18,9 Punkten (43,3% FG), 4,7 Rebounds und 4,1 Assists sprechen also nicht die ganze Wahrheit.

Nichtsdestotrotz war Pierce einer der besseren Akteure seiner Mannschaft. Dies kann man von Ray Allen hingegen nicht behaupten. In drei Partien der Serie kam der Shooting Guard lediglich auf eine einstellige Punkteausbeute. In jenen drei Spielen, die die Celtics allesamt verloren, traf der 33-Jährige nur einen seiner insgesamt 19 Drei-Punkte-Würfe. Ein Grund für Allens Abschlussschwäche lag auch an der guten Verteidigung von J.J. Redick, dennoch kann man von einem erfahrenen Akteur wie Allen mehr erwarten als 13,1 Zähler im Schnitt bei desolaten Quoten von 34,4 Prozent aus dem Feld und 19,0 Prozent von jenseits der Drei-Punkte-Linie. Immerhin gelang es Allen, in der entscheidenden Begegnung aus seiner Wurfmisere auszubrechen, den Celtics half es letztendlich jedoch nichts.

Wie erwähnt muss man J.J. Redick (Foto) für seine Defensivleistung gegen Allen Respekt zollen. Der Shooting Guard fand selbst zwar kaum zu einem Offensivrhythmus, er verfolgte seinen Gegenüber bei dessen Bewegungen durch eine Unmenge von Blocks und erschwerte es Allen so entscheidend, seinen Wurf zu finden.

Um bei der Shooting-Guard-Position zu bleiben, erhielten die Magic hierbei große Unterstützung. Zum einen kam Courtney Lee nach seiner Verletzungspause zurück, nachdem er die ersten beiden Partien noch aussetzen musste. Er nahm die Rolle der Eddie-House-Klette an. Sinnbild für Lees gute Leistung ist hierbei auch Spiel sieben, als er zwischen Ende des dritten Viertels und Mitte des Schlussabschnitts den Scharfschützen der Celtics nicht nur ohne Punkte hielt, House kam kein einziges Mal überhaupt zu einem Wurfversuch. Dieser konnte somit nicht an Spiel zwei anknüpfen, als er – noch ohne den Sonderbewacher Lee – mit 31 Zählern eine Playoff-Bestleistung markiert und den „Ausfall“ von Pierce kompensiert hatte.

Zum anderen steuerte Swingman Mickael Pietrus von der Bank oftmals einige Zähler bei. In drei Begegnungen markierte der Franzose jeweils 17 Punkte. Pietrus kam dabei nicht nur des Öfteren von außen zum Abschluss, sondern erarbeitete sich auch einige Auftritte an der Freiwurflinie. Die Magic genossen generell einen Vorteil bezüglich der Produktion ihrer Bankspieler. In Reihen der Celtics erhielten die Ersatzakteure aber dennoch mehr Einsatzzeit, als sie dies noch bei der Serie gegen Chicago der Fall war. Eddie Houses Leistung in der zweiten Begegnung schon angesprochen, war Brian Scalabrine immer wieder für den ein oder anderen Distanzwurf gut, während Stephon Marbury der Serie zwar nicht in einer Partie, aber immerhin in einem Viertel den Stempel aufdrückte. In der fünften Begegnung hielt er seine Mannschaft mit zwölf Zählern in sechs Minuten im Spiel.

Konnten mit Pierce und Allen die All-Stars und erfahrensten Akteure in Reihen der Celtics nicht überzeugen, so lieferten die restlichen Starter doch eine gute Serie ab. Rajon Rondo (Foto, 14,3 PpG, 10,1 RpG, 8,0 ApG) kratzte wiederum an einem Triple-Double im Schnitt, Kendrick Perkins machte Dwight Howard so gut wie möglich das Leben schwer, und Glen Davis bewies vor allem mit seinem spielentscheidenden Wurf mit der Schlusssirene in der vierten Partie, dass er mehr als nur ein guter Rollenspieler sein kann.

Diese konnten, wie schon angesprochen, in Reihen Orlandos durchaus überzeugen. Von den vermeintlichen Top-Akteuren kam hingegen nicht immer eine, vor allem sportlich, ansprechende Leistung. Während sich Rafer Alston in Spiel zwei zu einem Schlag auf Eddie Houses Hinterkopf hinreißen ließ, somit für eine Partie gesperrt wurde und über die Serie gegen Rondo das Nachsehen hatte, übte Dwight Howard Kritik an Head Coach Stan Van Gundy. Nach dem dritten Celtics-Sieg fragte sich der Center, warum er nicht mehr Würfe bekommen würde. Dass er im Lowpost gegen Perkins nicht ganz so effektiv war und hauptsächlich nach Offensiv-Rebounds, die eben durch Fehlwürfe seiner Mitspieler zustande kommen, erfolgreich zum Abschluss kam, berücksichtige Howard nicht.

Dies sollte im Endeffekt aber nicht negativ ins Gewicht fallen. Die Magic legten eine Schippe nach, als es darauf ankam. Hedo Turkoglu machte im siebten Spiel seine bisher beste Partie der Endrunde, und dass, obwohl er noch in der Kabine vor dem Tipoff eine Pizza verzehrt hatte. Howard markierte auch im entscheidenden Aufeinandertreffen ein Double-Double, wie in jeder Partie, und verzeichnete über die Serie imposante Statistiken (16,4 PpG, 17,1 RpG, 2,7 BpG). Die vielleicht konstanteste Leistung lieferte Rashard Lewis (Foto) ab, der letztendlich die meisten Zähler aller Akteure erzielte (20,4 PpG) und immer wieder für den ein oder anderen erfolgreichen Dreier gut war.

Dass die Startformation konstant ihre Leistung bringt, wäre im nun anstehenden Conference-Finale gegen die Cleveland Cavaliers enorm wichtig. Die Franchise aus Ohio, die wieder den Heimvorteil genießen wird, ist bisher in den Playoffs ohne Niederlage und zudem ausgeruht. Ganze acht Tage konnte die Cavs pausieren, ehe in der heutige Nacht die Auftaktbegegnung der Serie stattfinden wird. Orlando gewann in der regulären Spielzeit zwar zwei der drei Begegnungen gegen die Cavs, diese Spiele sind aber längst Makulatur.

Ob die Celtics gegen die Cavs mehr Chancen gehabt hätten, ist zu bezweifeln, im Gegenteil. Durch den Ausfall von Kevin Garnett, die Tatsache, dass von der Bank nicht sehr viel kam, und zwei Serien über sieben Partien, wäre eine Titelverteidigung wohl eh nicht möglich gewesen. Das Management in Massachusetts wird sich in der nun anstehenden Offseason Gedanken machen müssen, inwieweit die Bank verstärkt werden muss. Ein Garnett, Pierce und Allen, die die 30 Jahre überschritten haben, benötigen für längere Playoff-Reisen sicherlich Unterstützung – wenn die eine Meisterschaft im vergangenen Jahr nicht die einzige bleiben soll.




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Kommentare

(1 Kommentar bisher)

von xax 20.05.09 um 19:11:49


Der Basketballgott hat eingegriffen, kein Ring für M. aus NY, mal gespannt was die Magic gegen die Cavs bringen, ich sage 4-2 Cavs



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