NBA Playoffs

Clark Kent gegen brave Luchse

Mit den Charlotte Bobcats führte Head Coach Larry Brown sein achtes Team in die Playoffs. Der erste Auftritt der noch jungen Franchise in der Endrunde wurde aber nur eine kurze Premiere. Gegen die Orlando Magic unterlag die Franchise nach Spielen klar mit 0-4 – obwohl diese nicht auf die gewohnten Leistungen des Dwight Howards (Foto) zurückgreifen konnten – und war somit das erste Team, das die Urlaubsplanungen aufnehmen konnte.

Von Sebastian Eickhoff
 28.04.2010 |

Orlando Magic (2) gegen Charlotte Bobcats (7) 4-0
(98:89, 92:77, 90:86, 99:90)

Die vier Begegnungen der beiden Teams dienten nicht der großen Unterhaltung. Zum einen hatten die Orlando Magic die Charlotte Bobcats zu jeder Zeit unter Kontrolle, zum anderen war Orlandos Superstar Dwight Howard durchschnittlich nur 26 Minuten in Aktion. Die anhaltenden Foul-Probleme ließen Howard eher wir Clark Kent aussehen als sein Alter Ego Superman. Lediglich in der ersten Hälfte der Auftaktbegegnung dominierte Howard nach Belieben und blockte acht Würfe in Richtung des eigenen Korbes (neun wurden es in der Endabrechnung).

Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Danach begann die lange Odyssee gemixt aus Pfiffen und Diskussionen, die auch im Verlauf der weiteren Serie keinen Abbruch fand. Die große Debatte, dass Bobcats-Coach Larry Brown eine neue „Hack-a-Howard“-Strategie auffuhr, und die Schiedsrichter oftmals strittig ihre Pfeife benutzten, rief sogar Commissioner David Stern auf den Plan. Dieser erklärte auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz, dass jede Kritik an den Offiziellen mit empfindlichen Strafen belegt werden würde. Der sonst nicht so wortkarge Head Coach der Magic, Stan Van Gundy, entgegnete diesem Politikum wie folgt: „Ich hab eh schon alles zu diesem Thema gesagt.“

Die „Leiden“ des jungen Howard (Foto) gingen jedoch weiter und führten zu dem wenig beeindruckenden Leistungsnachweis von 9,8 Punkten und 9,3 Rebounds pro Spiel. Die fünf Blocks pro Begegnung waren dem gegenüber eine gute Bestätigung dafür, dass Howard erneut zum „Defensive Player of the Year“ gewählt wurde.

Die Foul-bedingten Sitzpausen des Center – der von seinen Mannschaftskollegen sodann den Spitznamen „Foul on you“ verpasst bekam – und die Möglichkeiten, zumindest ein Minimum von mindestens einem Sieg zu erreichen, wurden von den Bobcats nur begrenzt, und letztendlich gar nicht, genutzt. Die entstandenen Räume vor allem unter dem Korb wusste das junge Team nur kaum in Zählbares umzusetzen. Einzig Gerald Wallace (Foto, 17,5 PpG, 9,0 RpG, 45,5% 3FG) und Stephen Jackson (18,0 PpG, 5,0 RpG, 3,8 RpG, 35,8% FG), der sich in Spiel eins eine Knieverletzung zugezogen hatte, hielten die Bobcats in allen vier Begegnungen in Schlagdistanz.

Der Rest des Teams entpuppte sich als Totalausfall. Forward Boris Diaw verbuchte zusammengerechnet nur 17 Punkte im Verlauf der ersten drei Spiele und enttäuschte als die erhoffte Unterstützung für sein Team. Das Center-Gespann aus Tyson Chandler, Theo Ratliff und Nazr Mohammed konnten zu keinem Zeitpunkt effektiv glänzen. Der junge Tyrus Thomas war der einzige Big Man, der für Charlotte ein um das andere Mal die Fahnen hochhielt. Im letzten Spiel der Serie gelangen ihm 21 Punkte von der Bank. Auch Raymond Felton konnte nur streckenweise die Erwartungen des Coaches erfüllen und wurde vorrangig von seinem Gegenüber Jameer Nelson in die Schranken gewiesen.

Nelson (Foto), der in der vergangenen Saison verletzungsbedingt nur zuschauen konnte, erlebte auf Seiten der Magic einen wahren Playoff-Frühling. Mit Karrierebestleistungen in den Spielen eins und drei, in denen er jeweils 32 Punkte auflegte, sorgte er maßgeblich für die Kompensation Howards und erzielte im Schnitt 23,8 Zähler. Die offensive Breite der Magic, bestimmt durch die Treffer von jenseits der Drei-Punkte-Linie (insgesamt 45 Treffer bei einer Quote von 37,5 %), wurde vor allem in der zweiten Partie deutlich, als alle fünf Starter im zweistelligen Bereich punkteten. Charlotte wurde in dieser Begegnung bis zur Halbzeit bei nur 30 Punkten gehalten und konnte auch hier keinen Anschluss mehr finden. Die letzte Begegnung verlief nicht viel anders, als die Magic, durch Vince Carter mit 21 Punkten angeführt, mit einem 99:90-Sieg alles klar machten.

Die Orlando Magic warten nun auf den nächsten Gegenüber aus der Serie zwischen den Milwaukee Bucks und den Atlanta Hawks, nachdem sie den ersten Vier-Siege-Sweep ihrer Franchise-Geschichte in ihre Agenda eintragen konnten. Vorausschauend sollte die Konzentration darauf liegen, Center Dwight Howard wieder gewinnbringend in das Spiel zu integrieren, ohne wieder in eine Foul-Diskussion zu verfallen. Da die Serie zwischen den Hawks und den Bucks ausgeglichen ist, können die Magic in den nächsten Tagen noch ihre Energie-Reserven auffüllen. Dieser Situation begegnet Howard mit seiner humorvollen, aber auch leicht zynischen Art: „Wir werden sehr ausgeruht sein – ICH werde sehr ausgeruht sein.“




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Kommentare

(7 Kommentare bisher)

von xax 29.04.10 um 11:26:45


Bin von Orlando beeindruckt und v. Charlotte enttäuscht, da wäre aber echt mehr drin gewesen.

Soviel zum MVP-Kandidaten D. Howard, naja ich denke er wird sich noch fangen.
Was ist nur mit Diaw los, ich verstehe es nicht, für ihn als mannschaftsdienlichen Spieler müsste Charlotte doch das Paradies sein und mit Jackson u. Crash hat er doch auch brauchbare Mitspieler?



von eightch 29.04.10 um 13:07:47


diaw hat keinen biss mehr...

orlando muß sich am riemen reißen wenn sie in den ost-finals was reißen wollen (ich setze jetzt mal vorraus das sie atl schlagen bzw. die bucks - vor allem ohne bougut)
ich denke wenn shaq und big z sich die minuten und 10 fouls clever aufteilen können sie howard ganz gut kaltstellen vor allem shaq könnte ihn hier gut frustieren ich denke da an die zahlreichen opfer von rodman - der eine hat ja sogar seine karriere nach einer playoffserie gegen ihn an den nagel gehängt ;)



von ca$hmoney 29.04.10 um 13:51:45


@eightch
Big Z und Howard verteidigen:)... was Shaq angeht, bin ich gespannt ob der Diesel noch genug im Tank hat um D12 ne ganze Serie kaltzustellen. Bei einem Aufeinandertreffen in den East - Finals sehe ich zumindest den Backcourt(VC/ Pietrus, Nelson vs. West/ Parker, Williams) der Magic im Vorteil. Es kann nur einen Superman geben;), aber mal schauen was der King davon hält.



von eightch 29.04.10 um 14:52:27


ich habe nicht geschrieben da sie ihn verteidigen können... müssen/können sie aber auch nicht, es reicht wenn sie ihn frustieren und ihre fouls zur richtigen zeit einsetzen... und wenn dann shaq nochmal so nen powermove wie gegen noah ansetzt läufts auch ;)

ich tipp einfach mal 4:3 (mit shaqs powermove sogar 4:2) für die cavs ;)



von Mt.Mutombo 29.04.10 um 16:39:04


Ich wünsche mir auch auf jeden Fall die Cavs, glaube aber, dass die Magic da, wie letztes Jahr, ein wenig im Vorteil sind. Shaq und Big Z sind echt nicht mehr die Bringer, maximal wenn sie es schaffen, Howard vom Korb fern zu halten. Mit VC, Lewis und Nelson sowie Reddick (könnte ein X Faktor bei einem Spiel gegen die Cavs sein) haben die Magic genug potenzial von außen - die Cavs müssen sich schon anstrengen. Aber bei der Serie gegen die Bulls sah man ja schon, dass sie extrem fokussiert sind und sich nicht aufs Parolen dreschen einlassen. Erstmal müssen die Cavs auch noch gegen die Celtics ran, was auch nicht einfach sein wird, wohingegen die Magic mit Milwaukee oder Atlanta "machbare" Gegner haben (Hier sehe ich Atlanta als das unangenehmere Team für die Magic, ohne Bogut sind die Bucks nicht wirklich auf einer Höhe mit den Magic).



von xax 29.04.10 um 19:58:21


Ich glaube, dass die Bucks Atlanta raushauen und das wäre echt mal eine Steigerung von 100% zur letzten Saison, mal ehrlich, wer hätte geglaubt das Mil. so gut gegen atlanta mithält?

@eightch
Zu Diaw... gehts evt. ein wenig präziser... Habe kein spiel der Luchse gesehen



von Suck My Diktiergerät 30.04.10 um 02:36:56


gerade spiel 5 von atl vs bucks zuende geschaut...ich habe tränen in den augen, und diese nicht wegen der freude :(



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