NBA Finals

Dallas triumphiert nach Aufholjagd

Die Dallas Mavericks haben die Finalserie gegen die Miami Heat zum 1-1 ausgeglichen. Sieben Minuten vor Schluss lagen die Texaner noch mit 15 Zählern in Rückstand, ehe sie eine Aufholjagd zu einem 95:93-Sieg starteten. Dirk Nowitzki traf den spielentscheidenden Korbleger.

Von Manuel Baraniak
 03.06.2011 |

Miami Heat gegen Dallas Mavericks 93:95 (1-1)

Dass Spieler nach einer sechs Monaten dauerenden Saison und rund 90 Spielen die ein oder andere Blessur mit sich herumschleppen und in die NBA Finals tragen, ist wenig verwunderlich. Die Verletzung von Dirk Nowitzki zu diesem Zeitpunkt ist dennoch ärgerlich.

Wie der Power Forward der Dallas Mavericks bereits auf der Pressekonferenz nach Spiel eins verkündet hatte, hat sich der Deutsche einen Riss einer Sehne im Mittelfinger seiner linken Hand zugezogen. Zwar handelt es sich dabei nicht um seine Wurfhand, dass die Verletzung Nowitzki aber doch beeinflussen könnte, beweist ein Kommentar Chris Boshs. Auf die Frage eines Journalisten, ob eine Verletzung an der Führhand einen Shooter beeinträchtige, antwortete der Heat-Forward mit einem Grinsen: „Wenn du ein-, zweimal darauf geschlagen wirst, beeinträchtigt dich es.“ Zudem ist bekannt, dass Nowitzki beim Zug zum Korb vom High Post eher die linke Seite bevorzugt. Es lässt sich also erahnen, wie die Heat mit Nowitzki in Spiel zwei umgehen würden.

Auch auf Seiten Miamis plagt sich ein Akteur mit Blessuren herum. Schon über die ganze Saison hin ist Mike Miller zwar nicht verletzungsfrei, doch nach der Auftaktpartie war er mit einer Schlinge zu sehen, als er sich erneut an seiner linken Schulter bzw. seinem linken Arm verletzte. Der Scharfschütze und überdurchschnittlich gute Rebounder für seine Position hat zudem noch andere Sorgen, da seine wenige Wochen alte Tochter mit einem sogenannten ventrikulären Septumdefekt (Jaelyn Miller haat vier Löcher in ihrem Herz) geboren wurde und erst kürzlich das Krankenhaus verlassen durfte.

Ob physisch oder psychisch, manch ein Spieler hat auf dem Höhepunkt der Saison einiges auszublenden, um dennoch seine Leistung zu bringen.

Die Offensivreihen erholen sich

Zeigten sich die Mavs in Spiel eins noch ziemlich ballsicher, verzeichneten sie zu Beginn der zweiten Partie früh zwei Ballverluste. Dennoch führten die Gäste nach zwei Dreiern von Jason Kidd und DeShawn Stevenson mit 12:6, als alle Starter bereits punkten konnten.

Auf der Gegenseite nahm Dwyane Wade das Heft in die Hand. An den ersten sechs Treffern aus dem Feld war der Shooting Guard direkt beteiligt (6 Pkt, 3 Ast). Sein Pass nach einem Drive zu LeBron James, der den Distanzwurf verwandelte, gab den Heat die 14:13-Führung.

Bereits nach fünf Minuten hatte Mavs-Coach Rick Carlisle Dirk Nowitzki auf die Bank beordert – die Heat gingen anschließend auf einen 7:0-Lauf. Die Führung wechselte schließlich bis zum Ende des ersten Abschnitts (28:28) hin und her, als sich beide Mannschaften diesmal viel treffsicherer präsentierten.

Das setzte sich für die Texaner auch zu Beginn des zweiten Viertels fort, als sie in den ersten fünf Angriffen jeweils punkten konnten (32:38). Dabei zeigte sich vor allem Juan Barea stärker als in seiner schwachen Auftaktbegegnung; der Guard machte das Spiel schnell und fand immer wieder den Zug zum Korb.

Auf der Gegenseite übernahm erneut Wade (Foto), der acht Punkte Miamis in Folge erzielte. 5:24 Minuten vor der Pause stand er an der Linie – es waren die ersten Freiwürfe für Miami überhaupt, die der Shooting Guard jedoch beide vergab.

Fortan hatten die Heat Probleme, zum Abschluss zu kommen. Dallas beherrschte das defensive Brett und konnte daraus auf 42:51 davonziehen. Da die Gäste die Mannschaftsfoulgrenze erreicht hatten, kamen die Heat in der Folge von der Linie zu ein paar Punkten und konnten die Partie zur Pause noch ausgleichen. Durch einen 9:0-Lauf, bei dem James auf Grund drei Fouls auf der Bank Platz nehmen mussten, gingen die Hausherren mit dem Momentum in die Kabine.

Auf Ballverluste...

Nach der Pause leisteten sich die Mavs erneut früh Ballverluste, was die Heat mit Schnellangriffen nutzen konnten. Die Unkonzentrierten Dallas' setzten sich weiter fort, sodass die Heat ihre Führung behaupten konnten. Während sich in Reihen der Mavs Shawn Marion weiter gut präsentierte, traf auf Seiten Miamis Mike Bibby seinen zweiten Dreier im Viertel und vierten Distanzwurf des Spiels zum 69:61.

Die Heat hatten vier Angriffe in Folge gepunktet, sodass Carlisle gezwungen war, eine Auszeit zu nehmen. Davor kam für kurze Zeit der bisher kaum eingesetzte Brian Cardinal für Nowitzki ins Spiel, da Peja Stojakovic in der ersten Hälfte erneut kein Faktor gewesen war.

In der Schlussphase des dritten Abschnitts präsentierten sich die Gäste ein Stück aggressiver. Die letzten drei Angriffe konnten die Mavs erfolgreich abschließen und somit ihren Rückstand auf vier Zähler Differenz verkürzen.

Einen Wermutstropfen musste Dallas zum Auftakt des Schlussviertels hinnehmen, als Brendan Haywood mit einer Hüftverletzung in die Kabine ging. Zudem setzten sich die Ballverluste Dallas' weiter fort; allen voran Jason Terry präsentierte sich äußerst unkonzentriert.

Carlisle schickte dann ein kleine Formation auf das Feld, sodass Kidd Chris Bosh verteidigen musste. Nach einem Putback-Dunk von Bosh, Freiwürfen sowie einem Dreier aus der Ecke von Wade hatten die Heat die höchste Führung der Partie inne: Ein 13:0-Lauf gab Miami eine 88:73-Führung bei noch gut sieben Minuten zu spielen.

... folgt die Aufholjagd

Die Mavs waren über vier Minuten ohne Korberfolg geblieben, ehe Terry vier schnelle Punkte erzielen konnte. Die Texaner schienen sich anschließend wieder gefangen zu haben, als sie viereinhalb Minuten vor Schluss auf sieben Zähler, knapp drei Minuten vor Ende sogar auf zwei Punkte dran waren. Während dieses 13:2-Laufs markierte allein Terry (Foto) acht Punkte. Doch das sollte es für die Mavs noch nicht gewesen sein.

Nach zwei Fehlwürfen James' kamen die Texaner ins Laufen; Nowitzki besorgte im Fastbreak den 90:90-Ausgleich bei noch 57 Sekunden zu spielen. Die Texaner hatten die Intensität in der Verteidigung erhöht, die Heat sich in Form von James oftmals darauf beschränkt, die Uhr herunter laufen zu lassen und Würfe aus dem Eins-gegen-eins zu nehmen. Während Wade ebenso einen Distanzwurf vergab, schloss Nowitzki nach einer Reihe von Blocks von Downtown ab: Der Deutsche brachte seine Mannschaft 26 Sekunden vor Schluss mit 93:90 in Front.

Nach einer Auszeit schlief Dallas in Form von Terry beim Einwurf, sodass Mario Chalmers per Distanzwurf die Partie wieder ausglich. Auf der Gegenseite bekam Nowitzki den Ball an der Dreierlinie, zog gegen Bosh über seine linke Seite und legte bei noch drei Sekunden zu spielen mit der linken Hand den Ball über das Brett durch den Ring. Die Heat hatten noch ein Foul, ehe sie die Grenze überschritten hätten, doch nutzten es nicht. Miami hatte keine Auszeit mehr zur Verfügung, sodass Wade einen Dreier von weit hinter der Drei-Punkte-Linie nehmen musste und vergab. Damit beendeten die Gäste das Spiel mit einem 22:5-Lauf.

Nowitzki markierte die letzten neun Punkte Dallas', nachdem er über weite Strecken des Spiels nicht seinen Wurfrhythmus gefunden hatte. Der Power Forward beendete die Begegnung mit 24 Punkten, elf Rebounds, vier Assists und fünf Ballverlusten. Unterstützung erhielt er vor allem von Shawn Marion (Foto, 20 Pkt, 8 Reb) und Jason Terry (16 Pkt, 5 Ast); Tyson Chandler markierte 13 Punkte und sieben Rebounds.

Auf Seiten Miamis war Dwyane Wade der überragende Spieler: Der Shooting Guard kam auf 36 Zähler (13/20 FG), fünf Rebounds, sechs Assists und drei Steals. LeBron James erzielte 20 Punkte sowie acht Rebounds und je vier Assists und Steals; Mike Bibby markierte eine persönliche Playoff-Bestleistung dieser Endrunde mit 14 Zählern.

Die Heat markierten mit 31 Punkten nach Ballverlusten einen neuen Franchise-Playoff-Rekord, als Dallas 18 Mal den Ball verlor. Doch in der Schlussphase hatten die Texaner nur noch einen Ballverlust zu verzeichnen, während sie acht ihrer letzten neun Feldwürfe verwanden und bei zehn der letzten zwölf Ballbesitze punkten konnten. Die Mavericks entschieden über das Spiel das Rebound-Duell klar für sich (41:30), als die Heat lediglich sechs Bälle am offensiven Brett ergattern konnten. Beide Teams präsentierten sich viel treffsicherer aus dem Feld als noch in der Auftaktbegegnung, wobei sich die Heat zu 30 Versuchen (neun Treffer; 30% 3FG) aus der Distanz hinreißen ließen.

Zuletzt war es den Chicago Bulls 1992 gegen die Portland Trail Blazers gelungen, in einem Spiel der Finals einen Rückstand von 15 Punkten oder mehr im Schlussviertel noch in einen Sieg umzumünzen. Die Mavs bewiesen bereits in den Western Conference Finals gegen die Oklahoma City Thunder, dass sie zu solchen Aufholjagden imstande sind. Und auch in den beiden Serien zuvor holten sie einen zweistelligen Rückstand auf des Gegners Parkett noch auf.

Mit dem Ausgleich der Serie zum 1-1 wechselt das Duell nun nach Dallas, wo es in der Nacht von Sonntag auf Montag (2 Uhr MEZ) zu Spiel drei kommt.

Bestleistungen der zweiten Finalspiels

Punkte:
36 (Dwyane Wade, MIA)
Rebounds: 11 (Dirk Nowitzki, DAL)
Assists: 6 (Dwyane Wade, DAL)
Steals: 4 (Mike Bibby, MIA; LeBron James, MIA)
Blocks: 3 (Joel Anthony, MIA)
Dreier: 4 (Mike Bibby, MIA)




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Kommentare

(8 Kommentare bisher)

von ca$hmoney 03.06.11 um 06:18:39


@crossover: ihr seid aber von der schnellen Sorte Jungs, 5 Minuten nach Abpfiff steht der Artikel schon, runde Sache:).
Noch bei Wade’s Corner 3 bei 7 min to go hätte ich mein Haus, Auto, Boot und Frau auf die Beachboys gesetzt... Danke Dirk, hast gezeigt dass man bis zur letzten Sekunde an sich glauben muss und aufgeben is nich im Vokabular.
Spiel war ganz große Klasse, highlights Miami(Wade) vs. (Nowe)ne alltime comebackstory haben sich bei mir im Gedächtnis eingebrannt.
C ya in Dallas



von almaen 03.06.11 um 08:18:27


NEIN, ICH IDIOT, ich stelle das Replay gerade nach dem Wade-Dreier ab, Dallas 15 hinten und wirken einfach nur ratlos, und jetzt lese ich, die haben gewonnen??? F*** F*** F***, ich könnte heulen...



von almaen 03.06.11 um 08:40:47


Ich kann nicht fassen, wie schlecht Miami das zu Ende gespielt hat. Dallas sah, nachdem man die 9-Punkte-Führung abgeschenkt hat, nicht wie ein möglicher Sieger. Da wird sogar der Hausmeister eingewechselt, weil Peja aktuell nur nutzlos ist.

Ich stehe übrignes total drauf, wie LeBron diese wilden dreier rauspielt, rumdribbeln bis die Uhr abläuft... großes Basketball. Schön, dass sowas heute bestraft wurde.

Wenn Dallas die Turnover einstellt und weiter halbwegs gescheit reboundet, dann haben sie Chancen.

Team-Basketball vs. Superstar-Basketball: 1:1.



von eightch 03.06.11 um 09:54:09


jetzt noch 2 von 3 daheim gewinen und dann den sack in spiel 6 bei den heat zumachen... i love this game ;)



von oxymoron (x-over) 03.06.11 um 12:34:40


Gerade noch einmal die Schlussphase gesehen. Wie Jeff Van Gundy sechs Minuten vor Schluss doch weise voraussagt, man solle sich an das Comeback gegen die Thunder erinnern.



von el_turco_1987 03.06.11 um 12:41:55


wie ich mich hasse!!genau nach der 15 pkt führung von den heat hab ich ausgeschalten und mich mit ner portion wut im bauch schlafen gelegt!!!hab jeden und alles verflucht und dementsprechend schlaflos war die nacht :D dann stehe ich auf und sehe bei den mavs die 95 und erwarte bei den heat minimum 100 plus x....und dann 93 :D :D :D

DÖRKIIIIIIIIIYE!!!ich gönns dem mann einfach mehr als drei "großen"



von nicoquanz 03.06.11 um 13:56:23


haha wo ich die kommentare lese mein facebook kommnetar zu nem kumpel : " na nik bist du bei 15 vor für miami pennen gegangen?" antwort heute morgen: ja ich kapiere nicht was passiert ist^^

ich glaub als mavs fan auszuschalten und zu sehen das sie gewonnen haben ist ein traum aber viel geiler find ich es doch für die heat fans die dachten sie hätten gewonnen wachen auf und sehen das HAHAHAHAHAHAHAHA



von RUN & GUN 03.06.11 um 16:10:27


nach dem cornerthree von wade war der drops für mich gelutscht! mein kumpel ist wutentbrannt aufgestanden und hat geschrien: "ich geh jetz pennen!! ich zieh mir das nicht länger rein!"

eigentlich wollte ich dann auch gehen, aber als sie 4 punkte ran waren hab ich meinen kumpel wieder aufgeweckt und gesagt, da geht noch was!!!

aufstehen hat sich gelohnt! danke dirk!! ganz starke vorstellung! und auch wenn van gundy es nicht so eindeutig sagen durfte/wollte... er hat an die mavs geglaubt und geahnt oder gar gewusst, dass sie zurück kommen! großartiger kommentator und bball-brain. ich werde in zukunft auch bis zum schluss glauben, und mein kumpel sollte das künftig auch tun, wenn er nicht wieder aufgeweckt werden will!

dirk for the ring!!!!



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