NBA Draft
Kluge Könige und wirre Wölfe
Der NBA Draft 2010 ist Geschichte – nun beginnen die Bewertungen. Welche Manager haben das meiste aus ihren Picks herausgeholt, welche eine Chance vertan? Und welche Talente wurden bei der Ziehung überschätzt oder übersehen? Drei Crossover-Redakteure wählen für euch ihre Gewinner, Verlierer, Busts und Steals.
Von Björn Lehmkühler, Florian Lindemann, Dennis Spillmann |
25.06.2010 | |
Beste Team-Leistung
Björn: Sacramento Kings
DeMarcus Cousins an #5 und Hassan Whiteside an #33 – die Kings sind ohne Zweifel einige Risiken eingegangen. Doch wenn man in der Western Conference den Schritt vom Lottery-Team zum Contender schaffen möchte, lässt sich dies nicht mit einer Ansammlung von Rollenspielern realisieren. Deshalb liegen die Kings meiner Ansicht nach richtig, wenn sie mit Cousins einen potentiellen Allstar-Center wählen. Cousins ist zwar unreif, doch dies hat ihn bereits in Kentucky nicht davon abgehalten hervorragende Leistungen abzuliefern. Hinzu kommt in der zweiten Runde mit Hassan Whiteside ein Spieler, der zwar roh wie Sushi ist, sich mit viel Glück jedoch zu einem der besten Shot-Blocker der NBA entwickeln könnte.
Florian: Sacramento Kings
Mit DeMarcus Cousins haben die Kings das zweitgrößte Talent des Draft an #5 bekommen. Zudem konnten sie Hassan Whiteside an #33 verpflichten. Der Centerspieler von Marshall galt lange Zeit sogar als potentieller Lottery-Pick. Mit diesem Draft verstärken die Kings ihren Frontcourt immens.
Dennis: Oklahoma City Thunder
Die Sacramento Kings haben an #5 und #33 den Best Player Available gezogen. Das ist sicherlich nicht zu unterschätzen, nicht jedes Team trifft die richtige Wahl. Was ich aber an Sam Presti schätze, ist, dass er aus einer schlechteren Position heraus einen Deal zustande gebracht hat, der den Thunder einen Lottery-Pick zuspielt, wo sie auch noch ihr größtes Loch, die Centerposition, stopfen können. Cole Aldrich für den Preis von Craig Brackins und Quincy Pondexter (und dem auslaufenden Vertrag von Morris Peterson) klingt für mich nach einer eleganten Lösung, dem Thunder-Frontcourt eine defensive Präsenz hinzuzufügen, die an #18, #21 oder #28 nicht mehr zur Verfügung gestanden hätte, wenn man nicht mit Hassan Whiteside geliebäugelt hätte. Presti musste zudem keinen Rotationsspieler wie Jeff Green oder James Harden abgeben.
Schlechteste Team-Leistung
Björn: Minnesota Timberwolves
Die konservative Entscheidung für Johnson und gegen Cousins könnten die Wolves noch bereuen. Zwar ist Wes Johnson ein charakterlich einwandfreier Kerl, der dem Team schon jetzt helfen und einen guten Starter darstellen dürfte, doch im Gegensatz zu Cousins besitzt er meiner Meinung nach deutlich weniger Star-Potential. Ansonsten fiel Minnesota vor allem durch undurchsichtige Trades auf: Zunächst wurde der talentierte Luke Babbitt an #16 für Martell Webster nach Portland verschifft und tauschte man den 23. Pick gegen #30 und #35. Dann zog man mit Lazar Hayward an #30 einen Spieler, der eigentlich am Ende der zweiten Runde erwartet worden war. Ach ja: Alle Neuzugänge sind Small Forwards!
Florian: Golden State Warriors
Mit Epke Udoh an #6 lassen sich die Warriors einen variablen Big Man in Greg Monroe entgehen. Ein Fehler!
Dennis: Minnesota Timberwolves
Die Timberwolves gingen mit fünf Picks in diesen Draft und hatten damit das Rüstzeug, sowohl talentierte Spieler mit viel Upside als auch grundsolide, sichere Rollenspieler zu picken. Das Teamneed der Wolves war vorrangig der Wing, allerdings gab es in diesem Draftjahrgang weder einen Dwyane Wade noch einen LeBron James. Selbst Evan Turner an #2 wird nicht von allen Experten eine All-Star-Karriere bescheinigt. Die Wolves draften in der ersten Runde dann wirklich nur Small Forwards. Wesley Johnson, Luke Babbitt (dieser wird gedealt und man erhält wen zurück? Richtig, mit Martell Webster einen Small Forward) und Lazar Hayward werden alle auf dem Flügel angesiedelt. Das sind alles (gute) Rollenspieler, die Wolves benötigen allerdings einen potentiellen All-Star, den sie mit DeMarcus Cousins durchrutschen lassen.
Potentieller Lottery-Bust
Björn: Ekpe Udoh, Golden State Warriors, #6
Udoh kann ein sicherlich ein sehr guter Verteidiger werden. Um berechtigterweise an #6 – vor Greg Monroe, Al-Farouq Aminu und weiteren – gezogen zu werden, fehlt ihm jedoch das (offensive) Potential.
Florian: Epke Udoh, Golden State Warriors, #6
Ich halte es für einen Fehler einen Defensiv-Spezialisten bereits an #6 zu wählen. Offensiv ist Udoh sehr limitiert. In einem Work-Out gegen die Hornets ließ er sich von deren Coach Monty Williams im Lowpost herumschubsen. Star-Potential hat er meiner Meinung nach nicht, Greg Monroe wäre hier vielleicht die bessere Wahl gewesen.
Dennis: Ekpe Udoh, Golden State Warriors, #6
Udoh galt als sicherer Lottery-Pick und saß auch zu Recht im Green Room, aber dass die Warriors ihn bereits an #6 ziehen, ist schlichtweg unverständlich. In den Top-10 hätte ihn niemand gezogen. Wenn die Warriors so überzeugt von ihm wären, wieso tradet man nicht herunter oder pickt an #6 mit Greg Monroe den Best Player Available, um dann einen Trade mit dem Team einzufädeln, das Udoh draftet. Der Pick erinnert mich an ein wenig an die Knicks-Picks David Lee und Wilson Chandler: Udoh kann spielen und Udoh wird auch seine Rolle finden. Aber ihn in einer Region zu picken, in der niemand sonst ihn vermutet, ist strategisch schlichtweg falsch.
Größter Steal in der ersten Runde
Björn: James Anderson, San Antonio Spurs, #20
Nach DeJuan Blair im letzten Jahr können sich die Spurs im Draft erneut mit begrenzten Mitteln gut verstärken. Der wurfstarke Shooting Guard hat zwar wenig Star-Potential, wird San Antonio aber sofort helfen. Trost für die Mavs-Fans: Dominique Jones ist ebenfalls ein solider Pick.
Florian: James Anderson, San Antonio Spurs, #20
Ein sehr offensiver Spieler, der in der NBA sofort Fuß fassen könnte. Für San Antonio könnte er sofort im ersten Jahr zweistellige Zahlen auflegen.
Dennis: James Anderson, San Antonio Spurs, #20
Die Spurs mal wieder. Ein Geheimnis ihres Erfolges ist alljährlich das Kunststück, aus tiefen Picks gute Rotationsspieler zu ziehen. Letztes Jahr war dies DeJuan Blair, in diesem könnte sich mit James Anderson der nächste Steal andeuten. Bei James Anderson wissen die Spurs genau, was sie bekommen und diese Planungssicherheit schlägt dann meist auch in den Erfolgen am Ende eines NBA-Jahrs zu Buche. Anderson ist ein Spot-Up-Shooter und guter Verteidiger auf dem Flügel und kann direkt produzieren. Dies ist etwas, was tendenziell jedes Team gebrauchen kann. Die Spurs fügen ihrem Kader also einen Spieler hinzu, der die Rotation knacken kann und dem Team hilft.
Größter Steal in der zweiten Runde
Björn: Solomon Alabi, Toronto Raptors, #50
Kein Spieler fiel weiter im Draft als der 2,16-Meter-Hüne. Grund sollen Fragen bezüglich seiner Gesundheit gewesen sein. Erweisen sich diese als unberechtigt, könnte sich Alabi an #50 als Glücksgriff erweisen.
Florian: Stanley Robinson, Orlando Magic, #59
Das Abrutschen von Robinson auf den vorletzten Pick der zweiten Runde ist für mich nicht nachvollziehbar. Somit können sich die Orlando Magic über einen sehr athletischen Small Forward freuen, der vielleicht sogar Star-Potential besitzt.
Dennis: Luke Harangody, Boston Celtics, #52
Die Celtics draften mit ‘Gody einen Spieler, der NBA-ready ist und dessen Rebounding sich auf die NBA übertragen lässt. Er kann sicherlich eine gute Rolle als Bankspieler finden – mehr jedoch auch nicht. An #52 ist ein Rotationsspieler jedoch ein wertvoller Pick und demnach ein Steal der Celtics. Weitere Nennungen wären hier auch Hassan Whiteside an #33 oder Devin Ebanks an #43.






von Treffnix 25.06.10 um 13:48:52
Cousins für Sac-Town ist sicher ein echter Top-Pick. Aber auch die Pistons haben mit Monroe alles richtig gemacht. Ich denke auch das Ebanks noch besser werden wird, als es seine Draftposition es suggeriert.
von oxymoron (x-over) 25.06.10 um 14:34:46
Eine Einschätzung von den Experten, wie die Lakers gezogen haben, mit Devin Ebanks an #43 und Derrick Caracter an #58?
Ebanks ein guter Verteidiger, Slasher, aber ohne Wurf; ein Ariza-Typ, wie ihn Chad Ford kurz beschrieben hat?
Caracter auf den Weg zu den Nuggets?
von B-Jay 25.06.10 um 14:55:14
Ebanks war vor einem Jahr noch Top-10-Kandidat, hat sich aber offensiv nicht weiterentwickelt. Ist ein starker Athlet, der zumindest defensiv helfen kann und nachwievor Potential besitzt. Guter Pick hier!
Caracter hat als 15-Jähriger alles in Grund und Boden gespielt, sich seitdem aber nicht mehr groß entwickelt. Würde mich überraschen, wenn er in der NBA ne große Nummer wird.
von Treffnix 25.06.10 um 16:49:12
Im schlechtesten Fall hast Du auf 43 nen Typ wie Battier, Bowen oder Prince gedraftet, es könnte schlöchter laufen. Wenn er es schafft offensiv noch ne Schippe draufzupacken, sicher ein echter Steal, im Verhältnis zur Draftposition.
von florian.li 25.06.10 um 17:08:49
Ich denke auch, dass Devin Ebank ein sehr guter Pick für die Lakers ist. Hatte ihn im Mock-Draft sogar auf #29. Er dürfte es problemlos in den Kader schaffen und auch einige Minuten in der Rotation von Phil Jackson (oder einem anderen Coach) sehen.
von Treffnix 25.06.10 um 17:12:19
mehr zeit als morrisson dürfte er alle mal sehen.....
von oxymoron (x-over) 25.06.10 um 17:41:22
Danke euch.
Nachdem seit der Wahl Farmars 2006 bei den Draft-Picks der Lakers nicht viel ging, klingt das doch ganz zuversichtlich.
Morrison wird ja eh nicht nach L.A. zurückkehren. Eine "Qualifying offer" über 6,9 Millionen Dollar? Einen Pornobart können sich auch andere aufkleben. ;)
von Treffnix 25.06.10 um 17:51:20
Artest macht das sicher, dem sind nicht mal seine Youtubeinterviews peinlich......
von Hurricane 25.06.10 um 18:19:16
Hat der den nicht schon ? :D :D: D: :D :D :D
von Suck My Diktiergerät 25.06.10 um 18:54:55
nochmal thema kluge und dumme picks...natürlich schreit ihr nicht so laut wie andere nbaseiten....aber ich verweise trotzalledem gerne auf
[crossover-online.de]
obwohl ich solche analysen wie hier immer sehr begrüße :)
von knorke 26.06.10 um 15:16:17
Cousins und Evans zusammen in Sacramento ist monströs...