NBA Business

Der Fall Marcin Gortat

Von Christian Guse
 13.07.2009 |

Noch vor nicht allzu langer Zeit war der Name Gortat in Deutschland wohl mehr den eingefleischten BBL-Fans ein Begriff. Von 2003 bis 2007 streifte er sich als Center das Trikot von RheinEnergie Köln über. Zwischendurch wurde Gortat dann in der zweiten Runde des NBA Drafts 2005 von den Phoenix Suns an Position 57 gezogen. Die Rechte wurden allerdings sofort zu den Orlando Magic weitergereicht. Aufsehen erregte der 1984 in Łódź, Polen geborene Gortat dann zuletzt in den NBA Playoffs, in denen er als Backup für Superstar Dwight Howard agierte. Speziell als Howard im Erstrundenduell gegen die Philadelphia 76ers für das sechste Spiel gesperrt wurde, vertrat Gortat ihn so hervorragend, dass die Magic dennoch das Spiel in fremder Halle gewinnen konnten.

In der regulären Saison erzielte "The Polish Hammer" 3,8 Punkte und fing 4,5 Rebounds je Spiel. Keine wirklich sensationellen Werte, allerdings durfte er im Schnitt auch nur 12,6 Minuten das Parkett in 63 Spielen betreten. Hinter einem Dwight Howard bleibt eben nicht mehr viel Spielzeit übrig. Auffällig waren auf jeden Fall seine gute Wurfquote (57,2% in der regulären Saison, 65,4% in den Playoffs) und seine für einen 2,13-Meter-Spieler niedrige Anfälligkeit für Ballverluste. Gortat besitzt also das, was man "gute Hände" im Basketball nennt. Mit 25 Jahren ist er auch noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen und viele trauen ihm zu, seine Leistungen auch in 25 bis 30 Minuten je Spiel zu bringen. Das weckt natürlich Interessenten, vor allen Dingen deshalb, da Gortat Free Agent in diesem Sommer ist.

Allerdings ist er nicht ein typischer Free Agent, sondern "restricted" und als Zweitrundenpick fällt er mit Early-Bird-Rechten auch noch unter die "Gilbert-Arenas-Klausel". Damit kommen wir dann auch zum eigentlichen Thema, denn wie gut Gortat ist oder sein kann, wird hier nicht zu erfahren sein. Viel mehr sollen im Folgenden ein paar Begriffe erläutert werden, die im Sommer häufiger fallen, aber mit denen die meisten einfach nicht viel anfangen können.

Einige Free Agents sind gleicher als andere

Üblicherweise kann sich ein Free Agent das Team aussuchen, für das er spielen möchte. Bei einem "Restricted Free Agent" (RFA) sieht das etwas anders aus. Hierbei hat das Team, bei dem der Spieler zuvor unter Vertrag steht, die Möglichkeit frühzeitig durch Abgabe eines Angebots (Qualifying Offer, QO) sich die weiteren Rechte zu sichern. Das bedeutet nun aber nicht, dass der Spieler nicht mehr mit anderen Teams verhandeln darf. Findet der Spieler nun ein neues Team, welches ihn gern verpflichten möchte, kann eben jenes Team ein Vertragsangebot (Offer Sheet) abgeben. Unterzeichnet der Spieler dieses Angebot, dann muss er dieses dem Team, welches die Rechte an ihm besitzt, vorlegen. Am 8. Juli unterzeichnete Marcin Gortat das Offer Sheet der Dallas Mavericks. Die Orlando Magic haben seitdem Zeit, sich das Angebot anzuschauen und zu entscheiden, ob sie gleichziehen (matchen) wollen. Dafür bleiben ihnen insgesamt genau sieben Tage. Spätestens am 15. Juli um 23:59 ET (Eastern Standard Time) muss eine Entscheidung diesbezüglich gefallen sein, anderenfalls wird aus dem Offer Sheet ein offizieller Vertrag zwischen Marcin Gortat und den Dallas Mavericks. Zieht Orlando seine Option, steht der Pole wieder als Backup für Dwight Howard im Kader der Magic zur kommenden Saison. Soweit, so klar, hoffentlich.


Dwight Howard und JaVale McGee (Washington Wizards) beim Kampf um den Rebound. (Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic))

Nun bleibt also noch die Frage zu klären, was Early-Bird-Rechte sind. Üblicherweise bekommt ein Zweitrundenpick einen Zwei-Jahres-Vertrag, wobei das zweite Jahr eine Teamoption ist, also das Team kann, aber muss ihn nicht ein zweites Jahr halten. Nach Ablauf des zweiten Vertragsjahres, und sollte der Spieler nicht getradet oder entlassen worden sein, wird aus dem Spieler ein "Early Qualifying Veteran", also ein Spieler, an dem ein Team die Early-Bird-Rechte besitzt. Wirksam werden diese Rechte aber erst, wenn ein Team mehr als den Salary Cap (aktuell 57,7 Millionen US-Dollar) für alle seine Spieler ausgibt. Liegt ein Team oberhalb des Caps, werden ihnen Ausnahmen zugestanden, um den Cap zu umgehen. Eine davon ist eben die Early-Bird-Exception. Dazu muss auf jeden Fall festgestellt werden, dass die NBA keine tatsächlich feste Grenze für das Gesamtgehalt eines Kaders hat (Hard Cap), sondern ein Team auch mehr ausgeben kann (Soft Cap), allerdings ab einem bestimmten Betrag (für diese Saison 69,92 Millionen) die so genannte Luxussteuer (Luxury Tax) an die NBA überweisen muss. Die Orlando Magic liegen nun mit 68,56 Millionen (nach dem Trade für Vince Carter und vor dem Vertrag für Brandon Bass) auf ihrer Gehaltsliste deutlich über der Gehaltsobergrenze. Sie können also die Early-Bird-Exception in Anspruch nehmen, da Marcin Gortat im August 2007 einen Vertrag über zwei Jahre bei den Orlando Magic für das Minimum (427.163 US-Dollar im ersten Jahr und 711.517 US-Dollar im zweiten Jahr) unterschrieb. Offensichtlich zogen die Magic im letzten Jahr die Teamoption, obwohl Gortat im ersten Jahr gerade einmal 41 Minuten in der regulären Saison und 48 Minuten in den Playoffs spielte.

Die Early-Bird-Rechte bieten den Orlando Magic nun die Möglichkeit, Gortat für maximal 175% seines vorherigen Gehalts oder, sollte das niedriger sein als das Durchschnittsgehalt, eben für jenes Durchschnittsgehalt weiterzupflichten. Seit dem 8. Juli steht fest, dass das Durchschnittsgehalt eines NBA-Spielers bei 5,854 Millionen US-Dollar liegt. Das ist nun offensichtlich größer als 0.711517*1,75 = 1,24515475 Millionen. Zusätzlich dürfen die Magic ihm einen Vertrag anbieten, der maximal fünf Jahre lang ist und eine jährliche Steigerung von 10,5% beinhaltet. Das höchstmögliche Angebot wäre demnach über fünf Jahre und 36,1 Millionen.

Early Bird/MLE vs. Agent Zero

Ein Team wie die Dallas Mavericks, das nun ebenso mehr als die Gehaltsobergrenze auf ihrer Payroll stehen hat, kann Gortat nun maximal einen Vertrag mit Start in Höhe der Mid-Level-Exception (MLE), das Durchschnittsgehalt, bieten. Es sind ebenso maximal fünf Jahre möglich, allerdings nur 8% Steigerung je Jahr. Das ergibt dann 34,3 Millionen für die nächsten fünf Jahre, genau das, was die Mavericks auch Gortat anbieten. Nun könnte ein Team wie beispielsweise die Portland Trail Blazers auf die Idee kommen, ihren gesamten Capspace (Betrag zwischen Gehaltsobergrenze und Summe der aktuellen Gehaltsliste), immerhin ca. 8,9 Millionen, einzusetzen. Und hier tritt jetzt die "Gilbert-Arenas-Provision" in Kraft. Da es den Orlando Magic nicht möglich wäre, dieses Angebot zu matchen, ist es den Teams nicht erlaubt, mehr als das zu bieten, was dem Team, was die Early-Bird-Rechte besitzt, möglich ist. Diese Regel wurde eingeführt, nachdem die Washington Wizards 2003 Gilbert Arenas, Spitzname Agent Zero, einen Vertrag anboten, der über den Möglichkeiten der Golden State Warriors lag. Dadurch wird zwar auch der Spieler in seinen Gehaltsforderungen eingeschränkt, allerdings bleibt diesem immer noch die Möglichkeit, nur für die Qualifying Offer zu unterschreiben, um dann ein Jahr später nicht mehr den Status "restricted" sondern "unrestricted" Free Agent (UFA) zu haben. Zudem gibt es nach drei Jahren die Möglichkeit, die Bird-Exception in Anspruch zu nehmen, damit kann dann das Maximalgehalt über sechs Jahre mit einer 10,5%-igen Steigerung durch das Team des Spielers angeboten werden. Der Spieler muss also nur ein Jahr auf ein höheres Gehalt verzichten. Einen ähnlichen Weg nahm beispielsweise Ben Gordon. Mehr zum Thema Gordon kann hier nachgelesen werden.


Gilbert Arenas im Retro-Trikot der Chicago Zephyrs, einem Vorgänger der Washington Wizards, beim Spiel gegen die Cleveland Cavaliers im April 2009. (Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic))

Aber kommen wir zurück zu Marcin Gortat, den Orlando Magic und den Dallas Mavericks. Bisher hat Otis Smith, seines Zeichens der General Manager der Orlando Magic, seine Option nicht genutzt. Er hatte auch frühzeitig angekündigt, sich für die Entscheidung Zeit zu nehmen. Die Magic brauchen definitiv einen Backup-Center, der die zehn Minuten, die Dwight Howard mal nicht spielt, auffüllt. Gortat wäre ein perfekter Backup, der immer mit Einsatz spielte, den die Magic dann quasi als Versicherung auch für einen eventuellen Ausfall Howards in der Hinterhand hätten. Allerdings möchte sich Gortat weiterentwickeln, und dafür benötigt es nun mal auch mehr Spielzeit. Zudem sind die Magic, nachdem sie Brandon Bass unter Vertrag nahmen, oberhalb der Luxury-Tax-Grenze gerutscht. Das bedeutet nun, dass für jeden weiteren Dollar Gehalt, ein Dollar an die NBA in Form der Luxussteuer überwiesen werden muss. Da die Mavericks nun die volle MLE anbieten, würden die Magic quasi zweimal 5,854 Millionen für Gortat bezahlen müssen. Das ist dann doch etwas sehr viel für zehn bis zwölf Minuten je Spiel. Orlando hat zudem noch die Stelle des Ersatzspielers für Point Guard Jameer Nelson zu vergeben. Nachdem Rafer Alston im Trade für Vince Carter nach New Jersey ging, steht dafür nur noch Anthony Johnson zur Verfügung. Außerdem müssen insgesamt für jedes Spiel zwölf Spieler als aktiv gemeldet sein. Momentan besteht der Orlando-Kader aus gerade zehn Spielern.

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Teil 1: Der Fall Marcin Gortat
Teil 2: Matchen und was dann?



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Kommentare

(14 Kommentare bisher)

von YAM 13.07.09 um 16:28:44


Props



von eightch 13.07.09 um 16:44:27


auch wenns sehr viel text ist, ist alles sehr verständlich erklärt
vielen dank und bigup für deine mühe!



von D-One 13.07.09 um 19:34:34


Sehr detaillierter und kompetenter Artikel. Ich frage mich, wer sich im deutschen Sprachraum noch annähernd so gut in der CBA auskennt wie du.

Weitermachen.



von Ana.Lyzer 13.07.09 um 23:30:39


Da hat aber jemand entweder krasse langweile oder fährt voll auf das Thema ab :D

Aber interessant war's alle mal!



von mailman-1 13.07.09 um 23:39:49


Gortat für die Miidlevel Exception nach Dallas? Dreht der Cuban jetzt komplett frei? Hoffentlich matchen die Magic die Offer! Für die Midlevel Exception bekommt man in Zeiten der Finanzkrise schon hochkarätigere Kaliber wie Ariza, Parker oder David Lee. Ich sag nur Damp²



von mystic (x-over) 14.07.09 um 00:38:42


Die Orlando Magic haben ihre Option wahrgenommen, damit ist Gortat jetzt bei den Orlando Magic unter Vertrag.

[realgm.com]

Zudem Danke für das Lob. Selbstverständlich ist mir nur langweilig, das Thema an sich kann doch gar nicht interessant sein. :D



von Mantewka 14.07.09 um 01:39:48


ehre wem ehre gebürt !
ist wirklich gut von dir der artikel - ich mein es wird nicht jeden tag über gortat geschrieben.
aber es ist sehr sehr gut das du den ganzen verhandlungs wirr warr erklärt hat - so versteh ich die entscheidungen der teams besser.
neben bei freut es mich als fan von marcin gortat mal so ein langen artikel über ihn zu lesen - kannst gerne mehr schreiben ;)
nochmal viel lob für den artikel - sehr gute arbeit !
peace



von eightch 20.07.09 um 17:07:02


um das centerproblem der mavs mal anzusprechen... also als ich heut gesehen haben das die clippers evntl. kaman loswerden wollen, habe ich gleich an dallas denken müssen. ich finde die sind relativ gut besetzt, das problem das sie allerdings seit ewigkeiten haben ist die mangelnde präsenz an den Brettern. also warum nicht irgendwas irgendwie zu einem paket schnüren und nach clipperland verschippern um im gegenzug kamen zu bekommen?

c kaman
pf nowitzki
sf marion
sg terry
pg kidd

ist finde ich gar nicht mal sooooooo übel... und gern kann da auch howard gegen kaman getradet werden finde ich...



von wintermute19 20.07.09 um 17:26:15


Der NBA Trade Machine von ESPN zufolge würde Kaman gegen Howard in der Theorie funktionieren... Ein solcher Handel wäre sicher eine Überlegung wert, sofern Kaman gesundheitlich wiederhergestellt ist...



von Hurricane 20.07.09 um 19:39:46


Hmm, aber warum wollen die Clips kaman ziehen lassen haben den die noch einen Center oder spielt Camby noch dort ?



von eightch 21.07.09 um 08:51:10


die clips sind auf den großen positionen recht gut besetzt und howard würde da denke ich besser ins konzept passen wie ein backupcenter der eigentlich starter sein sollte...



von wintermute19 21.07.09 um 09:31:32


Vollkommen richtig. Team-need der Clippers ist ein athletischer Swingman, und in dieser Hinsicht wären sie mit Josh Howard ganz gut bedient. Zudem ist Chris Kaman als bloßer Back-up von Marcus Camby schlichtweg zu teuer und überqualifiziert (vgl. die Kirk Hinrich-Problematik in Chicago).



von eightch 21.07.09 um 14:24:06


und noch was zu damp, der ja gesetzt dem Falle kaman kommt bisserl arg teuer (12mio oder?) als bankspieler wäre:

damp hat einen ziemlich komplizierten vertrag der ihm die ganze kohle nur unter auflagen garantiert (allstar etc) ich denke die könnten da findig genug sein sich da was einfallen zu lassen?

zu dem thema vertrag: nash hat für zwei jahre und 23mio bei den suns unterschrieben wobe nur 6mio pro jahr gezahlt werden und noch mal je 3mio in den jahren nach dem der vertrag ausgelaufen ist ? also auch echt strange, deswegen denke ich das die da schon auf eine lösung kommen können?

vielleicht braucht ja jemand damp gerade wegen seinem vertrag (lange hat er glaub ich nicht mehr) und würde dafür 2-3 rollenspieler abgeben, dann wäre in maverland (< ist mir jetzt mal spontan eingefallen) wieder alles in ordnung?
aber das ist dann auch schon bisserl arg viel spekulation ;)



von wintermute19 21.07.09 um 14:49:17


Damp hat noch einen Vertrag bis zur Saison 2010/11. Diese Saison wird er ca. 10 Mio. $ verdienen, nächste Saison ca. 13 Mio. $. Allerdings sind diese Beträge wohl nur bis zur Hälfte garantiert. Unter [dallasbasketball.com] gibt es anscheinend das untimative Plädoyer dafür, Damp erst nächsten Sommer zu traden... hab ich selbst aber nur kurz mal überflogen.



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