NBA 2k12
Ein Rendezvous von Rivalen
Die Boston Celtics gegen die Los Angeles Lakers – ein Duell, das schon mehrmals Geschichte geschrieben hat. Auch Magic Johnson und Larry Bird, trotz späterer Freundschaft, waren in dieser Rivalität verwurzelt. Mit NBA 2k12 lässt sich dieses Duell nun auf dem heimischen Monitor nachspielen.
Von Manuel Baraniak |
30.09.2011 | |

[Anzeige] 17 Meisterschaften. So viele Titel haben die Boston Celtics und Los Angeles Lakers nicht zusammen, sondern jeweils einzeln gewonnen. (rechnet man den einen NBL-Titel der Lakers dazu). Aus dieser Anhäufung an Erfolgen der beiden Traditions-Franchises hat sich fast schon zwangsläufig eine Rivalität zu entwickeln. Vergegenwärtigt man sich jedoch noch, dass die beiden Teams zwölf Mal in den NBA Finals direkt aufeinander trafen, verstärkt sich nur die Annahme, dass im Körper eines Basketballspielers nicht gold-violettes und grünes Blut gleichzeitig fließen könnte.
Während die Rivalität ihren Ausgang in den 19060er Jahren genommen hat, als sich die Lakers um u.a. Jerry West und Elgin Baylor der Ära um Red Auerbach, Bill Russell und Co. beugen mussten (alle sieben Finals-Duelle gewann Boston), flammte das neuenglisch-kalifornische Feuer in den 80er Jahren wieder auf. In jeder einzelnen Saison des Jahrzehnts sollte mindestens eines der beiden Teams in den Finals stehen; zusammen genommen acht Titel gingen nach Boston und Los Angeles.
Direkt trafen die Franchises in den Endspielserien von 1984, 1985 und 1987 gegeneinander an. Beim ersten Duell siegten noch die Kelten, in den beiden Paarungen danach ging die Larry O’Brien Trophy jeweils nach Kalifornien. Nach den für die NBA schwierigen 70er Jahren – bedingt durch die Fusion mit der ABA und der langsamen Angleichung oder der öffentlichen Wahrnehmung einer ruppigen Liga, mit dem negativen Höhepunkt von Kermit Washingtons Punch gegen Rudy Tomjanovich – ist es keineswegs eine Übertreibung, wenn man den Celtics und Lakers die Rettung der NBA attestiert. Verantwortlich waren dabei vor allem zwei Spieler, die auf den ersten Blick nicht gegensätzlicher hätten sein können (siehe unten):
Boston Celtics 1985/86
Die Mannschaft der Kelten anno 1986 wird als eine, wenn nicht die beste aller Zeiten angesehen. Mit fünf zukünftigen Hall of Famern ausgestattet, legten die Celtics eine Franchise-Bestmarke von 67 Siegen und 15 Niederlagen auf. Es war die dritte Spielzeit in Folge mit 60 Erfolgen oder mehr, allesamt unter der Regie von Head Coach K.C. Jones. Der ehemalige Spieler der Kelten hatte seinen Posten 1983 angetreten und führte Boston in vier seiner fünf Jahre andauernden Amtszeit in die Finals.
Im heimischen Boston Garden musste sich die Mannschaft während der Saison 1985/86 nur ein einziges Mal geschlagen geben – in insgesamt 51 Partien. Selbst „Gott, verkleidet als Michael Jordan“, so Larry Bird nach Spiel zwei der ersten Playoff-Runde und MJs 63 Punkten, konnte die Celtics auf dem Weg zu ihrem 16. Titel nicht aufhalten. In der Endspielserie bezwangen sie die Houston Rockets um Hakeem Olajuwon und Ralph Sampson mit 4-2.
Backcourt
Dennis Johnson (G, 1,93 Meter, Karriere: 14,1 PpG, 3,9 RpG, 5,0 ApG, 1,3 SpG, 5x All-Star)
Der Leitsatz „Defense wins championships“ traf in dieser Spielzeit, als die Celtics das defensiv effizienteste Team waren, nicht nur auf die Kelten zu, sondern vor allem auf Dennis Johnson. Seit Beginn seiner Karriere stellte der Combo-Guard die Verteidigung an erster Stelle. Über seine 14-jährige Laufbahn wurde Johnson neun Mal ins NBA All-Defensive First Team gewählt. „DJ“ brachte auf dem Parkett niemanden zum Tanzen, er legte eher Ketten an.
Denn das Spiel des Hall of Famer und Finals-MVP von 1979 (Titel mit den Seattle Supersonics) war trotz seiner vorhandenen Athletik nicht von Highlights geprägt, sein Sprungwurf zu Beginn seiner Laufbahn noch sehr wacklig. Als er in Spiel sieben der Finals 1978 jeden seiner 14 Feldwürfe daneben gesetzt hatte, nahm Johnson dies als Ansporn, an seinem Wurf zu arbeiten, was sich später durchaus auszahlen sollte. Letztendlich war Johnson, der in Boston die Aufbauposition besetzen musste, ein konstant spielender Akteur, der in den Playoffs im Vergleich zur regulären Saison stets noch eine Schippe drauf legen konnte. Larry Bird nannte ihn sogar den besten Mitspieler, den er je hatte.
Danny Ainge (G/F, 1,96 Meter, 11,5 PpG, 2,7 RpG, 4,0 ApG, 1,1 SpG, 1x All-Star)
Dass es als Gegner keine Freude war, gegen den keltischen Backcourt von damals zu spielen, lag auch an Danny Ainge. Der Swingman scheute keine (physische) Konfrontation. Aufsehen erregte dabei vor allem sein Disput mit Wayne „Tree“ Rollins in einem Playoff-Spiel gegen die Atlanta Hawks 1983. Rollins biss Ainge in den Mittelfinger, nachdem Ainge das ganze Spiel über Rollins als „sissy“ beschimpft hatte und es später zum Gerangel gekommen war. Der Boston Herald titelte tags darauf mit „Tree bites man“.
Auch wenn Ainge als einziger der 86er Starting Five Bostons nicht in die Ruhmeshalle von Springfield eingezogen ist, war er ein wichtiger Bestandteil des Erfolges der Kelten, da er genau seine Rolle auszufüllen wusste. Ainge fand seine Mitspieler (5,1 ApG in der Saison 1985/86), traf seine Würfe (50,4% FG) und war vor allem aus der Distanz eine Ernst zu nehmende Option. In der Folgesaison stellte der heutige Präsident der Celtics mit rund 44 Prozent von „Downtown“ eine persönliche Bestmarke auf.
Frontcourt
Larry Bird (SF, 2,06 Meter, 24,3 PpG, 10,0 RpG, 6,3 ApG, 1,7 SpG, 12x All-Star)
Zu einer Zeit, in der es viele Spezialisten in der NBA gab, präsentierte Larry Bird das ganze Paket auf dem Parkett. Der Small Forward vereinte den hart arbeitenden, kratzenden Spieler mit einem gewissen Flair, trotz seines unscheinbaren Aussehens. Er war ein Meister des Trash-Talks, ließ aber dabei stets Taten folgen. Er reboundete wie ein Big Man und hatte die Übersicht eines Point Guards samt No-Look-Pässen. Bird war zudem der erste Superstar, der wirklich von der Drei-Punkte-Linie Gebrauch machte. Von 1984 bis 1988 verwandelte er in vier Spielzeiten in Folge stets mindestens 40 Prozent seiner Wurfversuche von außen. Die ersten drei Drei-Punkt-Wettbewerbe im Zuge des All-Star Wochenende gingen stets an den Celtic.
Birds Vielseitigkeit wird unter anderem dadurch ausgedrückt, dass er in der Bestenliste bezüglich Triple-Doubles mit 59 Stück auf dem fünften Platz rangiert. In den Finals 1986 markierte er mit 24 Punkten, 9,7 Rebounds und 9,5 Assists pro Partie fast ein Triple-Double im Schnitt. Im sechsten und entscheidenden Spiel der Serie gelang „the Hick from French Lick“ ein solches statistisches Kunststück. Folgerichtig heimste Bird die Auszeichnung des Finals-MVP ein, nachdem er schon in der regulären Saison den Threepeat bezüglich MVP-Titeln perfekt gemacht hatte. In der Saison 1985/86 war Bird der beste Spieler der Liga, als er in fünf Kategorien in den Top Ten landete, und womöglich auch auf dem Höhepunkt seiner Karriere.
Kevin McHale (F/C, 2,08 Meter, 17,9 PpG, 7,3 RpG, 1,7 ApG, 1,7 BpG, 7x All-Star)
Auch wenn Ainge keine Konfrontation gescheut haben mag, so stand am ehesten auf Kevin McHales Brust und Fäusten das Etikett des Enforcers. Wie stark der Big Man ausstecken konnte, musste beispielsweise Kurt Rambis während der Finals 1984 am eigenen Leib erfahren, als er beim Korblegerversuch nach einem Fastbreak aus der Luft gepflückt wurde. Doch McHale als Rambo zu umschreiben, würde dem Spiel des Nummer-drei-Picks von 1980 nicht gerecht werden.
Neben drei Nominierungen ins All-Defensive First Team war es der Offensivspieler McHale, der die Gegner zu beschäftigen wusste. Mit einem Arsenal an Wurftäuschungen, exzellenter Fußarbeit, seinem berüchtigten „Up-and-under“ oder seinen Optionen inklusive Hakenwurf oder Fadeaway, er zwang seine Kontrahenten zur Reaktion. Zunächst noch als Edelreservist von der Bank eingesetzt, lief McHale nach dem Trade von Cedric Maxwell im September 1985 von Beginn an auf und legte prompt in fünf Spielzeiten in Folge einen Schnitt von 20 Zählern oder mehr auf. Neben seinem sehr guten Touch wusste McHale auch immer wieder Fouls zu ziehen. Bei einer Trefferquote von 80 Prozent von der Linie war der Power Forward in der Offensive nur schwer zu stoppen. Seine Punktausbeute von 98 Zählern in zwei aufeinanderfolgenden Spielen (März 1985) bedeutet heute einen Franchise-Rekord.
Robert Parish (C, 2,13 Meter, 14,5 PpG, 9,1 RpG, 1,4 ApG, 1,5 BpG, 9x All-Star)
Kevin Love sorgte in der vergangenen Spielzeit mit seinem „30/30“-Spiel für große Aufmerksamkeit. Einer, der dieses Kunststück einst auch vollbrachte, ist Robert Parish. Der Spieler mit der Doppel-Null legte im März 1979 gegen die New York Knicks 30 Zähler und 32 Rebounds auf. Und auch wenn diese Werte anderes vermuten lassen, ein wirklicher Scorer mit vielseitigen Offensivwaffen war Parish nicht.
Sein Repertoire im Angriff war überschaubar, bemerkenswert war sein überdurchschnittlicher Touch für einen Big Man seiner Größe. Mit einer hohen Flugkurve ausgestattet, gingen Parishs Feldwurfversuche in 14 Spielzeiten in Folge mit einer Quote von stets mindestens 50 Prozent durch die Netze US-amerikanischer Arenen. Der „Chief“, mit wenigen Emotionen und meist stoisch agierend, war die Konstanz in Person. 21 Spielzeiten überdauerte der Center in der Liga; seine 1.611 regulären Saisonspiele sind NBA-Rekord.
Bank
Von einer solchen Beständigkeit konnte Bill Walton nur träumen. Mit etwa 30 Operationen über seiner Karriere geplagt, absolvierte der Big-Man nur sechs Spielzeiten, in denen er mindestens die Hälfte der Partien auf dem Feld stand. Vor der Saison 1985/86 kam der damals der 33-Jährige per Trade von den Los Angeles Clippers. Als Backup von McHale und Parish durfte der Rotschopf von der Bank aus in die Spiele starten, konnte sich somit schonen und legte ein Career-High von 80 absolvierten Begegnungen in seiner Debütsaison für die Kelten auf. Walton trug immerhin noch 7,6 Punkte und 6,8 Rebounds in rund 20-minütiger Einsatzzeit zum Erfolg bei. Mit dem Titel des besten sechsten Mannes ausgezeichnet, ist Walton der einzige Spieler der Geschichte, der jenen Titel sowie die beiden MVP-Auszeichnungen einstreichen konnte.
Neben Walton beendete auch Scott Wedman seine Karriere im Trikot der Celtics nach der Spielzeit 1986/87. Wedman galt als guter Shooter und mag vor allem bei den Celtics-Fans auf Grund seiner Leistung beim „Memorial Day Massacre“ in Erinnerung behalten werden: Der Swingman traf bei 148:114-Demontage über die Lakers jeden seiner elf Würfe. Jerry Sichting gab in der Spielzeit 1985/86 sein Debüt in Massachusetts. Der Point Guard ordnete sich als solider Rollenspieler ein und verwandelte in seiner ersten Saison überragende 57 Prozent seiner Feldwürfe – als 1,85-Meter-Mann. Bekannt mag er für seinen Clinch mit Ralph Sampson in Spiel fünf der 86er Finals sein, der zum Feldverweis Sampsons geführt hatte. Die Rollenspieler Rick Carlisle, David Thirdkill, Sam Vincent, Sly Williams und Greg Kite komplettierten den keltischen Kader in dieser Spielzeit.



von alex15 01.10.11 um 13:44:34
Genau mit diesen Mannschaften konnte man bei 2k11 auch schon spielen.
Und Kareem ist nicht dabei?
Im Trailer von 2k12 ist er aber dabei, genauso wie z.B. Run TMC und andere?!
von oxymoron (x-over) 03.10.11 um 12:55:03
Im Team der Lakers von 90/91, das für diesen Artikel ausgewählt wurde, stand Kareem nicht mehr im Kader.
Bei NBA 2k12 kann man im Legendenmodus ihn und die 85/86er Lakers aber auswählen.