NBA 2k12
Ein Rendezvous von Rivalen
Die Boston Celtics gegen die Los Angeles Lakers – ein Duell, das schon mehrmals Geschichte geschrieben hat. Auch Magic Johnson und Larry Bird, trotz späterer Freundschaft, waren in dieser Rivalität verwurzelt. Mit NBA 2k12 lässt sich dieses Duell nun auf dem heimischen Monitor nachspielen.
Von Manuel Baraniak |
30.09.2011 | |
Los Angeles Lakers 1990/91
In der Saison 1990/91 standen die Los Angeles Lakers das erste und einzige Mal in den 90er Jahren in den Finals, als man sich dem Geburtsjahr der Bulls- und Jordan-Ära beugen musste. Jene Spielzeit ist als Zäsur in der kalifornischen Franchise-Geschichte anzusehen, da sie das Ende der erfolgreichen Showtime-Lakers der 80er Jahre bedeutet. Es war die letzte Spielzeit von Magic Johnson (Foto), der in der Offseason nach der Bekanntgabe seiner Erkrankung an AIDS seinen Rücktritt aus der NBA bekannt gegeben hatte, ehe er ein Comeback zur Spielzeit 1995/96 startete.
In der zweiten Saison ohne Kareem Abdul-Jabbar wurde die Vormachtstellung der Lakers in der Pacific Division (neun Jahre in Folge Erster) von den Portland Trail Blazers gebrochen. Unter Rookie-Coach Mike Dunleavy, der nach zwei Jahre unter dem Druck des Managements schon wieder gehen musste, reichte dies aber noch zu respektablen 58 Saisonsiegen. In den Conference-Finals konnten die Gold-Violetten dann sogar die Blazers nach sechs Spielen ausschalten. In den Finals gegen die Chicago Bulls, mitsamt Verletzungen von James Worthy und Byron Scot,t hatten die Lakers dann aber keine Chance mehr, ihren fünf Meistertiteln aus den 80er Jahren einen weiteren hinzuzufügen.
Backcourt
Magic Johnson (PG, 2,06 Meter, 19,5 PpG, 7,2 RpG, 11,2 ApG, 1,9 SpG, 12x All-Star)
Wenn ein Spieler den Spitznahmen „Magic“ trägt, scheint man erahnen zu können, dass man mit Worten nur schwer einen solchen Spieler und Menschen beschreiben kann. Magisch war nicht nur das Spiel des 2,06 Meter großen Point Guards, magisch waren auch seine Ausstrahlung und sein Charisma. Ein Photo von Magic Johnson, auf dem er nicht lächelt? Nur selten vorzufinden.
Diese Freude manifestierte sich allen voran auf dem Parkett. Der Showtime-Express der Lakers war in erster Linie ein magischer Express, die Fastbreaks initiiert von Magic Johnson, der mit No-Look-Pässen nicht nur die gegnerische Spieler, sondern oftmals auch die Zuschauer verwundern ließ und verwirrte. In der Saison 1990/91 gab Magic 12,5 direkte Pässe zu Korberfolgen. Ein überragender Wert? Nicht so für den Laker, der in vier Spielzeiten noch bessere Assist-Zahlen auflegen konnte.
Seinen persönlichen Bestwert markierte Magic in der Saison 1983/84 (13,1 ApG). Es war das Jahr nach dem Trade von Point Guard Norm Nixon für Byron Scott, als die Lakers die Zeit erkannt hatten, das Spiel ganz in die Hände dieses Magiers zu legen. Letztendlich schaffte es Magic, mit seiner Größe und seiner Spielweise die Point Guard-Position zu revolutionieren, was zahlreiche Nachahmer zur Folge hatte, die auch so magisch sein wollten. Dabei war Johnson nicht nur der uneigennützige Passzusteller; Magic traf stets hochprozentig (52% FG über seine Karriere) und legte konstant seine 17 bis 24 Punkte pro Partie auf. Dank seiner Größe war er auch variabel einsetzbar – wenn es sein muss als Center – und ein exzellenter Rebounder. Diese Vielseitigkeit schlug sich unter anderem in 138 Triple-Doubles über seine Laufbahn nieder.
Byron Scott (SG, 1,91 Meter, 14,1 PpG, 2,8 RpG, 2,5 ApG, 1,1 SpG)
Stets an der Seite Magic Johnsons im Backcourt Los Angeles’ (ausgenommen 1995/96) war Byron Scott. Neben der Spielweise Magics hat sein Guard-Kollege fast zwangsläufig zu verblassen; Scott war aber ein überaus solider Rollenspieler. Eigentlich mehr noch, führte der Shooting Guard die Mannschaft in der Spielzeit 1987/88 sogar im Scoring an.
In erster Linie galt Scott als überdurchschnittlicher Verteidiger, der statt Magic die gegnerischen Aufbauspieler verteidigte, und guter Schütze. Zwar bedeutete die Saison 1990/91 eines der schwächeren Jahre für Scott von „Downtown“ (32,4% 3FG), in seinem zweiten Jahr in der Liga führte er die Liga in jener Kategorie jedoch sogar an.
Frontcourt
James Worthy (SF, 2,06 Meter, 17,6 PpG, 5,1 RpG, 3,0 ApG, 7x All-Star)
Trotz seines Status als Nummer-eins-Pick von 1982 und dem vorangegangenen Titel des „Most Outstanding Player“ im NCAA-Finalspiel mit den North Carolina Tar Heels sowie seiner Aufnahme in die Hall of Fame im Jahr 2003 ist James Worthy wohl einer der meisten unterschätzten Spieler der NBA-Historie. Dies mag dem Umstand geschuldet sein, dass er die meiste Zeit während seiner Laufbahn bei den Lakers die dritte Geige hinter Magic Johnson und Kareem Abdul-Jabbar zu spielen hatte.
Dabei war es aber auch sein einhändiger Slam oder seine geschmeidigen Fingerrolls, die neben Magics No-Look-Pässen oder Kareems Sky-Hook eines der Markenzeichen der Showtime-Lakers gewesen sind. Der Small Forward mit einer für seiner Position stattlichen Größe von 2,06 Meter war in der Offensive nur schwer zu stoppen. Sein schneller erster Schritt und seine guten Fußarbeit stellten jeden Verteidiger vor Probleme. Worthy hatte dabei nicht nur Flair, sondern agierte äußerst effektiv: Seine Trefferquote von 49,2 Prozent aus dem Feld in der Saison 1990/91 mag beachtlich sein, für Worthy selbst aber nicht wirklich erwähnenswert, da er in seinen acht NBA-Spielzeiten davor stets mindestens jeden zweiten seiner Würfe hatte verwandeln können.
Wie wertvoll Worthy war, weiß der einstige Lakers-Coach Pat Riley: So spiele Worthy desto besser, je wichtiger die Partie oder die jeweilige Situation eines Spiels gerade gewesen sei. Ein Beispiel für diese These: Das einzige Triple-Double seiner Karriere erzielt Worthy im letzten Spiel der Finals 1988, als er danach auch zum Finals-MVP ernannt wird. Dies zeigt auch, warum er den Spitznamen „Big Game James“ verliehen bekommt. Diesen athletischen Worthy bekommen die Zuschauer in Inglewood zuletzt in der Saison 1990/91 zu sehen, in der Worthy eine persönliche Bestleistung von 21,4 Punkten pro Partie auflegt. Im darauffolgenden Jahr musste Worthy seine Saison auf Grund einer Knieoperation vorzeitig beenden; 1994 war für den Small Forward dann Schluss.
Sam Perkins (F/C, 2,06 Meter, 11,9 PpG, 6,0 RpG, 1,5 ApG)
Auch wenn Sam Perkins in der Spielzeit 1990/91 sein Debüt für die Lakers gab (er unterschrieb als Free Agent), traf er auf einen alten Bekannten: Mit James Worthy spielte er zusammen zwei Jahre auf dem College und holte mit den Tar Heels 1982 den NCAA-Titel. Mit seinen lediglich 2,06 Meter war Perkins unter den Big Men alles andere als eine Riese; im Laufe seiner Karriere suchte er daher immer mehr den Weg nach außen, schließlich traf er in seinen 17 Jahren in der Liga rund 36 Prozent seiner Würfe von „Downtown“.
In seinem ersten Jahr bei den Lakers war diese Liebe für den Distanzwurf (oder Hass für die Zone, wie man will) noch nicht so ausgeprägt. Durchschnittlich einmal pro Partie schickte Perkins während seiner Zeit in Kalifornien einen Wurf von jenseits der 7,24 Meter auf die Reise. Dabei traf er dennoch bereits wichtige Würfe, wie in der Auftaktbegegnung der Finals zum vorentscheidenden 92:91 gegen die Chicago Bulls 14 Sekunden vor Schluss. Der kleine Big Man wusste aber auch generell zu punkten. Nach 13,5 Zählern im ersten Jahr stellte Perkins in seiner zweiten Saison in Los Angeles ein persönliches Career-High von 16,5 Punkten auf. In den Finals 1991 war er sogar in drei von fünf Spielen teaminterner Topscorer.
Vlade Divac (C, 2,16 Meter, 11,8 PpG, 8,2 RpG, 3,1 ApG, 1x All-Star)
Fußstapfen mit einer Last von 38.387 Karrierepunkten auszufüllen, ist wohl unmöglich. Damit sah sich auch Vlade Divac konfrontiert, der nach dem Karriereende von Kareem Abdul-Jabbar als Rookie zu den Lakers gestoßen war und schließlich im zweiten Jahr der Starting Center wurde. Schon früh war dem Serben anzumerken, dass er kein gewöhnlicher Big Men, sondern einfach ein guter Basketballer mit Grundlagenfertigkeiten war.
Divac verfügte über einen mehr als soliden Wurf und versenkte über seine Laufbahn 100 Dreier. In der Saison 1990/91, seinem zweiten Jahr in der Liga, stellte er eine persönliche Bestmarke bei der Wurfquote auf (56,5% FG). Schon in seiner Rookie-Saison konnte er den Statistikbogen mit mehr als einem Steal und Block füllen; seine Passfertigkeiten, als er sich zunehmend an das Spiel in der nordamerikanischen Profiliga gewöhnte, wurden Jahr für Jahr stärker.
Bank
Aus älteren, erfahrenen Spielern und Jungspunden setzte sich die Bank der Lakers in der Saison 1990/91 zusammen. Mit A.C. Green und Mychal Thompson begnügte sich das im Jahr zuvor startende Big Men-Duo mit der Reservistenrolle. Auf Green konnte sich Head Coach Mike Dunleavy verlassen, da der Power Forward nicht nur uneigennützig die Defensiv- und Rebound-Arbeit übernahm, sondern als „Iron Man“ 1.192 Spiele in Folge bestritten hatte. Thompson, ein ehemaliger Nummer-eins-Pick, war hauptsächlich noch auf Grund seiner Erfahrung zu gebrauchen, da er mit 36 Jahren in jener Saison seine letzte Spielzeit absolvierte.
Für Instant Scoring von der Bank war Terry Teagle zuständig. Auf 36 Minuten gerechnet, war der Shooting Guard der zweitbeste Punktesammler Los Angeles' hinter James Worthy. Dabei kam Teagle fast ganz ohne Distanzwurf aus. Seine letzte Spielzeit erlebte auch Larry Drew bei den Lakers. Der derzeitige Head Coach der Atlanta Hawks gab den Backup von Magic Johnson. Zusammen mit Rookie Tony Smith bildete Drew das Backcourt-Duo der Bank. Komplettiert wurde der 91er Kader der Lakers von Rookie Elden Campbell, der im letzten Finals-Duell mit den Bulls eine Saisonbestleistung von 21 Punkten aufstellte, Irving Thomas und Tony Brown.
Die Duelle Bird gegen Magic
Keine Rivalität zwischen Franchises kommt ohne Duelle seiner individuellen Einzelteile aus. Im Grunde sind diese Aufeinandertreffen der Stars erst der Nährboden, der medial und durch die jeweiligen Leistungen, zu denen sich die Akteure gegenseitig hoch schaukeln, eine Rivalität zwischen Franchises gedeihen lässt. Ehe Magic und Bird dies auf den NBA-Parketten tun konnten, standen sie sich schon davor gegenüber.
Im Endspiel der NCAA-Saison 1978/79 verfolgten 40 Millionen Zuschauer das meist gesehene College-Spiel aller Zeiten, als beim ersten und einzigen Aufeinandertreffen Birds und Magics auf College-Ebene Michigan State, von Magic Johnson angeführt, Larry Birds Indiana State University schlug. Auch sollen es 40 Millionen Zuschauer gewesen sein, als in den Finals 1984, dem ersten Duell der beiden Akteure während einer Endspielserie, sich die Lakers und Celtics gegenüber standen.
Diese erste der insgesamt drei Endspielpaarungen ging über die volle Distanz von sieben Partien. In einer der größten Schlappen der Playoff-Geschichte Bostons schlugen die Lakers die Celtics in Spiel drei zur zwischenzeitlichen 2-1-Führung, als Magic Johnson 21 Assists ausstreute. Die Celtics antworteten daraufhin mit einem Erfolg nach Verlängerung, bei dem auf Grund eines Fehlpasses in den Schlusssekunden von „Tragic Johnson“ die Rede war. Bird hingegen war für ein „20/20“-Spiel gut. Letztlich sollte der Small Forward Bostons seine MVP-Auszeichnung aus der regulären Saison auch in den Finals wiederholen.
In der darauffolgenden Saison sollten die Lakers die Gelegenheit zur Revanche haben. Zwar verlief der Start in die Finals aus kalifornischen Sicht mit dem sogenannten „Memorial Day Massacre“ (114:148-Niederlage) äußerst schlecht, letzten Endes sollten die Gold-Violetten mit 4-2 die Oberhand behalten, als Bird mit Rücken- und Ellenbogenproblemen sowie der Verteidigung von Michael Cooper kämpfend eine nicht ganz so gute Serie abliefern konnte.
Einen 4-2-Seriengewinn und damit die Meisterschaft sollten die Lakers auch 1987 davontragen. Den vorentscheidenden Sieg zum Stand von 3-1 gelang den Kaliforniern im Boston Garden, als Magic Johnson mit zwei Sekunden auf der Uhr einen famosen Hakenwurf über die Fingerspitzen von McHale und Parish zum Endstand traf. Larry Birds Wurf mit der Schlusssirene verfehlte sein Ziel.
Zwar agierten Bird und Magic kaum im Eins-gegen-Eins gegeneinander, dennoch waren die Partien der Lakers und Celtics auf Grund der herausragenden Fertigkeiten beider Akteure immer Duelle von Bird gegen Magic. Und auch wenn sich zwischen den beiden über die Jahre sogar so etwas wie eine Freundschaft oder zumindest Verbindung entwickelte [1], war es den beide eine Freude, diese keltisch-kalifornische Rivalität auf dem Parkett auszuleben. Dies ging sogar über direkte Aufeinandertreffen hinaus: Das erste, was die Beiden nach dem Aufstehen taten, war die Statistikbögen ob der Leistungen des anderen zu prüfen. So unterschiedlich Magic und Bird in ihrem Auftreten auch gewesen sein mögen, ihre Leidenschaft für das Basketballspiel war gleich stark. Dem Sportjournalisten Bryant Gumbel zufolge waren es Larry Bird und Magic Johnson, die die NBA gerettet hatten.
Dank NBA 2k12 kann diese Rivalität nun wieder aufgeflammt werden. Denn die neuste Version von 2kSports erlaubt es, mit 15 NBA-Legenden auf dem heimischen Monitor zu zocken. Damit es zum Duell zwischen Magic und Bird kommen kann, muss man erste beide Legenden frei schalten. Mit Larry Birds Boston Celtics aus dem Jahr 1985/86 geht es dabei gegen die Atlanta Hawks; Magic Johnsons Los Angeles Lakers aus der Saison 1990/91 haben es mit den Portland Trail Blazers zu tun.
Und auch wenn in der Realität die 86er Celtics mit ihrem starken Frontcourt der Kareem-losen Big Men-Riege der Lakers anno 1991 zu große Probleme bereiten würden, lässt sich per Videospiel Magie in ganz besonderer Form herstellen.

[1] Das erste Eis wurde durch eine gemeinsame Werbung für Converse in Birds Heimatstadt gebrochen. Zunächst sprachen die beiden auf dem Set gar nicht miteinander; als Magic dann aber zum Essen bei den Birds zuhause eingeladen und von Larrys Mutter willkommen geheißen wurde, war es um ihn bestellt. Magic rief einst auch Bird an, um ihn von seiner AIDS-Erkrankung zu erzählen, da er meinte, er habe Bird in jenem Moment gebraucht.



von alex15 01.10.11 um 13:44:34
Genau mit diesen Mannschaften konnte man bei 2k11 auch schon spielen.
Und Kareem ist nicht dabei?
Im Trailer von 2k12 ist er aber dabei, genauso wie z.B. Run TMC und andere?!
von oxymoron (x-over) 03.10.11 um 12:55:03
Im Team der Lakers von 90/91, das für diesen Artikel ausgewählt wurde, stand Kareem nicht mehr im Kader.
Bei NBA 2k12 kann man im Legendenmodus ihn und die 85/86er Lakers aber auswählen.