NBA 2k12

Böse Buben gegen Bullen

Als hart austeilende „Bad Boys“ machten die Detroit Pistons um Isiah Thomas Ende der 80er Jahre von sich reden. Es brauchte einige Zeit, bis die Chicago Bulls und Michael Jordan die Franchise aus Michigan überwinden und ihre Dynastie beginnen konnte. Ein Rückblick auf die legendären Teams der Pistons von 1988/89 und der Bulls anno 1992/93.

Von Manuel Baraniak
 21.10.2011 |



[Anzeige] Rivalen für die „Bad Boys“ der Detroit Pistons zu finden, war nicht schwer. Die Mannschaft, die Ende der 1980er Jahre eine Blaupause für einschüchternde Härte und Verteidigung gezeichnet hat, war die vielleicht meist gehasste Franchise außerhalb Detroits.

In einem NBA-geschichtlichen Zusammenhang gesehen, war an den Pistons noch deren Status als „Lückenfüller“ zwischen Dynastien interessant. Zwischen den legendären Teams der Boston Celtics und Los Angeles Lakers in den 80er Jahren und der Bulls-Jordan-Ära in den 90er Jahren gewann das Team aus Michigan dazwischen zwei Meistertitel.

Auch wenn die Schlachten zwischen den Bulls und Pistons ihr ganz eigenes, dickes Kapitel in der Ligahistorie geschrieben haben, so stachen dabei, nicht nur wegen ihrer individuellen Leistungen, vor allem zwei Spieler heraus: Michael Jordan und Isiah Thomas. Deren Fehde hatte damit begonnen, dass Thomas beim All-Star Game 1985 seine Mitspieler des Ostens angehalten haben soll, dem Rookie Jordan den Ball zu verwehren. „MJ“ kam in 22-minütiger Einsatzzeit zu neun Wurfversuchen. Der aus Chicago stammende Thomas schien Jordans Beliebtheit in der „Windy City“ zudem nicht wirklich zu gönnen. Dass hingegen Thomas nicht zum Kader des Dream Teams 1992 in Barcelona gehört hat, soll Gerüchten zufolge an Jordan gelegen haben, der Thomas nicht im Team haben wollte – und das, obwohl Pistons-Coach Chuck Daly die Verantwortung an der Seitenlinie der US-amerikanischen Nationalmannschaft getragen hatte.


Detroit Pistons 1988/89

„Wir sind eine hart ausgerichtete Gruppe von Individuen. Und alles, was uns an Talent fehlt, haben durch Entschlossenheit und einfach puren Willen wettgemacht“, erinnerte sich Isiah Thomas einst an die Erfolgszeiten der Detroit Pistons. Unter der Regie des Head Coaches Chuck „Daddy Rich“ Daly hatten die Pistons ihr Hauptaugenmerk auf Einsatz und Verteidigung gelegt. Oftmals mit Mitteln, die in der Grauzone lagen bzw. schon darüber hinaus.



Doch das Detroiter Kollektiv, aus welchem außer Dennis Rodman (zweimaliger Verteidiger des Jahres) kein Akteur eine individuelle Auszeichnung einstreichen konnte, hatte auf diese einschüchternde Art und Weise Erfolg. In der Saison 1988/89, der ersten in ihrer neuen Heimspielstätte des Palace of Auburn Hills, stellten die Pistons mit 63 Siegen bei 19 Niederlagen einen damaligen Franchise-Rekord auf. Erst ein neues Kollektiv verbesserte jene Bestleistung in der Spielzeit 2005/06 um einen Sieg mehr. Auf dem Weg zum Titel mussten die Pistons einzig in den Eastern Conference Finals gegen die Chicago Bulls zwei Niederlagen hinnehmen, ansonsten kehrten sie ihre Gegner mit dem Besen aus der Endrunde – selbst in den Finals die Los Angeles Lakers. Ihre 92,9 kassierten Punkte pro Partie waren der niedrigste Wert in den Playoffs seit Einführung der 24-Sekunden-Wurfuhr.

Backcourt

Isiah Thomas (PG, 1,85 Meter, Karriere: 19,2 PpG, 3,6 RpG, 9,3 ApG, 1,9 SpG, 12x All-Star)


Im Alten Testament stellt der israelitische Prophet und Priester Ezechiel eine äußert moralische Figur dar. Unter anderem von Mitmenschlichkeit predigte und vor einer sozialen Gottlosigkeit wie Gewalt warnte Ezechiel. Jene Tugenden konnte man den „Zeke“ (als Kurzform von Ezechiel) genannten Isiah Thomas während seiner Karriere kaum bescheinigen. Der unbändige Sieges- und Einsatzwille des Point Guards, der auf seiner nicht leichten Kindheit wurzeln mag, ließ kein Mitgefühl mit seinen Gegenspielern zu. Auch schreckte der 1,85 Meter kleine Thomas vor keiner Konfrontation gegen Big Men zurück. Ob per Karatestil gegen Doc Rivers, ein Sprung auf Kevin Willis’ Rücken, um ihn nieder zu wrestlen, oder gar ein Schlag gegen den Kopf von Teamkollege Bill Laimbeer im Training, bei dem sich Thomas selbst die Hand brach – Thomas ging als Anführer der „Bad Boys“ mit gutem bzw. im Sinne des Spitznamens schlechtem Beispiel voran.

Ihn als Rüpel abzustempeln, würde dem zweiten Draft-Pick von 1981 aber nicht gerecht werden, denn Thomas war ein exzellenter Basketballspieler, der auf Grund jenes Siegeswillens in den Playoffs und entscheidenden Partien stets noch ein Stück mehr zu leisten wusste. In Spiel sechs der Finals von 1988 markierte Thomas 25 Punkte im dritten Viertel, obwohl er währenddessen eine Sprunggelenksverletzung davongetragen hatte. Jene Punkteausbeute in einem Spielabschnitt ist heute noch ein Finals-Rekord.

Sein schneller erster Schritt, sein exzellentes Ballhandling sowie seine Athletik erlaubten es ihm, per Zug zum Korb in der Zone auch gegen größere Spieler mit einer Bandbreite an Korblegern abzuschließen. Er besaß einen sicheren Sprungwurf, allerdings nur innerhalb der 7,24-Meter-Linie. Seine Wurfquote aus der Distanz schwankte meist um die 30-Prozent-Marke. Eine Ausnahme bildeten hierbei die Playoffs 1989/90 (32/68 3FG in 20 Spielen). Neben dem Scoring müssen aber vor allem seine Passfertigkeiten und Defensive herausgehoben werden. Mit durchschnittlich 13,9 Assists führte Thomas die Liga in der Spielzeit 1984/85 nicht nur an, dieser Wert bedeutete einen neuen Ligarekord, ehe John Stockton diesen zweimal überbieten konnte.

In der Saison 1988/89 war Thomas’ Einfluss, zumindest statistisch, nicht mehr ganz so stark, was auch an der Ankunft seines Backcourt-Partners Joe Dumars gelegen haben mag. Während Dumars den Finals-MVP-Titel in jenem Jahr einstreichen konnte, wurde im darauffolgenden Jahr Thomas diese Ehre zuteil. Bis auf sein letztes Jahr in der Liga wurde Thomas stets zum All-Star ernannt. Er steht bei den Punkten, Assists und Steals auf Platz eins der Franchise-internen Bestenliste Detroits.



Joe Dumars (SG, 1,91 Meter, 16,1 PpG, 2,2 RpG, 4,5 ApG, 0,9 SpG, 6x All-Star)

Als weißes Schaf in einer schwarzen Herde darf Joe Dumar gelten, passte er doch so gar nicht in die Ansammlung von „Bad Boys“. Passenderweise bekam der Shooting Guard als einziger Akteur Detroits keinen Spitznamen von seinen Teamkollegen verpasst. Dumars wurde von Mitspielern und Kontrahenten gleichermaßen respektiert. Ein Beweis für Dumars’ Respekt und seine Andersartigkeit im Kader Detroits sind unter anderem die Conference Finals 1991. Nachdem sich die Pistons den Bulls geschlagen geben mussten, verlassen die „Bad Boys“ das Parkett, ohne Chicago zu gratulieren, wie es Sportsmänner nun einmal tun sollten – so wie eben Dumars als einziger Piston. Als erster Gewinner des „Sportmanship Awards“ wird jene Auszeichnung ein paar Jahre später sogar nach Dumars benannt.

Auf dem Parkett war Dumars aber vielmehr Wolf als Schaf, nimmt man seine defensive Intensität zur Grundlage. Auf dem College an der McNeese State University noch als Scorer auf sich aufmerksam machend, legte Dumars bei den Profis zunächst sein Augenmerk auf die andere Seite des Parketts. Als er 1985 zu den Pistons stieß, standen dort im Backcourt immerhin mit Thomas und Kelly Tripucka zwei 20-Punkte-Scorer im Kader. Doch bereits in seiner Rookie-Saison konnte sich Dumars in die Startformation arbeiten. Michael Jordan selbst gab zu Protokoll, dass kein anderer Spieler ihn so gut verteidigte wie Dumars. Dass der Shooting Guard das scoren nicht verlernt hatte, bewiesen beispielsweise die Finals 1989. Im dritten Viertel des dritten Spiels markierte er 17 Punkte in Folge; beim „Sweep“ über die Los Angeles Lakers erzielte er durchschnittlich 27,3 Punkte, traf 58 Prozent seiner Feldwürfe und erhielt die Auszeichnung des wertvollsten Spielers. „Ich habe nur zufällig diesen Zustand erreicht, in dem man so heiß ist, dass einige Würfe reinfallen“, gab Dumars zu Protokoll. Eben ganz der tiefstapelnde Sportsmann.

Frontcourt

Mark Aguirre (SF, 1,98 Meter, 20,0 PpG, 5,0 RpG, 3,1 ApG, 3x All-Star)


„Alles, was ich über dich gehört habe, ist nicht wirklich gut“, soll Bill Laimbeer den für Adrian Dantley verpflichteten Mark Aguirre bei einem ersten Abendessen gesagt haben. Aber auch: „Aber ich bin bereit, dir eine Chance zu geben, weil Isiah für dich bürgt.“ Auch von der Anhängerschaft Detroits wurde jener Trade im Laufe der Saison 1988/89 zunächst mit Argwohn betrachtet, war „The Teacher“ Dantley doch ein wichtiges, effektives Puzzleteil der Pistons. Aguirre hingegen hatte sich in Dallas einen Namen als erstklassiger Scorer gemacht, aber auch als etwas eigensinnig und schwer zu handhabender Charakter.

Aguirre selbst gab zu Protokoll, dass jenes erstes Treffen auf ihn einen starken Eindruck gemacht habe, was das Leben als Piston bedeutet. Und so fügte sich der Nummer-eins-Pick von 1981 gut in den Kader ein und war bei einer Wurfquote von 48 Prozent immer noch für knapp 16 Punkte gut. Dass die Franchise aus den letzten 51 Saisonspielen (inklusive Playoffs) 45 Mal als Sieger vom Parkett gegangen war, gab den Entscheidungsträgern um General Manager Jack McCloskey und/ oder Head Coach Chuck Daly (der mit Dantley nicht mehr gut zurecht gekommen sein soll) und/ oder Isiah Thomas (der ein enger Freund Aguirres ist) recht. Auch fielen so mehr Minuten für Dennis Rodman ab.

Rick Mahorn (F/C, 2,08 Meter, 6,9 PpG, 6,2 RpG, 1,0 ApG, 0,9 BpG)

Lediglich vier Spielzeiten während der 1980er Jahren (sowie zwei Jahre Ende der 90er Jahre) verbrachte Rick Mahorn bei den Pistons, und das bei einer Karriere, die 18 Spielzeiten lang andauerte. Und dennoch ist der Big Man ein integraler Bestandteil der „Bad Boys“ und deren Erfolg gewesen. Auch die nackten Zahlen von 10,7 Punkten und 8,4 Rebounds in der Saison 1987/88 sowie 7,3 Zähler und 6,9 Rebounds in der darauffolgenden Spielzeit sowie die Tatsache, dass er nach dem Trade von Washington erst noch Eingewöhnungszeit und ein Programm zu abnehmen brauchte, deuten nicht darauf hin.

Doch Mahorn war letztlich wohl der schlimmste unter den „Bad Boys“. Er war der einschüchternde Enforcer, der auch dank seiner Statur jeden zum Korb ziehenden Gegenspieler auf den Boden der Tatsachen schicken konnte und sich mit Tricks wie „pull-the-chair“ einen Vorteil verschaffte. Mahorn besaß diese geistige Stärke, die große Mannschaften von einem ihren Spieler brauchen, um großartiges zu leisten. General Manager Jack McCloskey wusste um die Bedeutung des einschüchternden Duos um Mahorn und Bill Laimbeer: „Er und Laimbeer... Ich weiß nicht, ob es im ganzen Basketballsport überhaupt je zwei toughere Typen in einer Mannschaft waren.“ Von daher ist es nicht verwunderlich, dass Mahorn und Laimbeer bei der Studie des FreeDarko-Kollektivs von Kämpfen und Auseinandersetzungen zwischen 1980 und 2009 die Liste der häufigsten Konfrontationen anführen...

Bill Laimbeer (C, 2,11 Meter, 12,9 PpG, 9,7 RpG, 2,0 ApG, 0,9 BpG, 4x All-Star)

... was Bill Laimbeer zum vielleicht meist gehassten Spieler der NBA-Geschichte gemacht hat. Die Beastie Boys sahen in ihrem Lied „Tough Guy“ die Zeit gekommen, dass Laimbeer sterbe. Das Maskottchen Chicagos, Benny the Bull, hatte dies einst an einer Laimbeer-Puppe auch beherzigt. Laimbeer war ein Meister der Provokation, der einige miese Tricks auf Lager hatte. Beispielsweise habe Laimbeer laut Bill Simmons während der Conference Finals 1987 gegen die Boston Celtics immer wieder absichtlich auf den gebrochenen Fuß Rick Mahorns getreten. Im Jahr 1991 erschien auf SNES gar ein futuristisches Videospiel namens „Bill Laimbeer's Combat Basketball“, bei dem es keinen Schiedsrichter gab und Tacklings und Bombenwürfe an der Tagesordnung waren.

Zwar wusste Laimbeer eine Vielzahl von Offensiv-Fouls zu ziehen, doch brachte ihn das auch das Etikett des Floppers ein. Feindseligkeiten seitens der Gegenspieler und Zuschauer schien der Center allerdings auch zu brauchen und zu suchen, um noch mehr Motivation daraus zu ziehen. Laut Coach Daly habe kein Spieler mehr aus seinem Talent gemacht als Laimbeer. Der 2,11-Meter-Mann konnte kaum springen, führte die Liga in der Saison 1985/86 dennoch mit 13,1 Rebounds an. Trotz seiner körperlichen Spielweise konnte Laimbeer eine äußerst langlebige Karriere sein Eigen nennen. Sein Lauf von 685 Spielen in Serie wurde, wie sollte es anders sein, auf Grund einer Spielsperre wegen eines Kampfes mit Brad Dougherty beendet. Mit einem für einen Center exzellenten Sprungwurf ausgestattet, traf Laimbeer über seine Karriere gar knapp ein Drittel seiner Versuche von „Downtown“. In den Playoffs 1989 waren es 35,7 Prozent. Das Pick-and-Roll von Thomas und Laimbeer war eine hervorragende Offensivwaffe Detroits.

Bank

Dass ein Spieler auf Grund seines heißen Händchens direkt aus der Mikrowelle kommt, kann man heute noch von Kommentator Frank Buschmann vernehmen. Den Spitznamen „Microwave“ bekam Vinnie Johnson auf Grund seiner Fähigkeit, innerhalb kürzester Zeit zu punkten, von Bostons Danny Ainge verpasst. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Johnson in der Saison 1988/89 innerhalb der Pistons-Rotation der beste Punktesammler Detroits auf 36 Minuten hochgerechnet war. In Spiel drei der Finals erzielte der Shooting Guard 13 seiner 17 Punkte im Schlussviertel. In der Endspielserie ein Jahr später machte er mit seinem siegbringenden Sprungwurf 0,7 Sekunden vor Schluss von sich reden, als dies die zweite Meisterschaft besiegelte.

Neben Johnson bekamen Dennis Rodman und John Salley die meisten Minuten von der Bank zugesprochen. „The Worm“ und „Spider“ waren athletische Akteure in ihrem zweiten Jahr, die wissbegierig das „Bad Boy2-Image aufsaugten. Vor allem Rodman übernahm die Attitüde des Defensivterrors und wurde in jener Saison zum besten Verteidiger gewählt. In der darauffolgenden Spielzeit sollte er den Gewinn dieser Auszeichnung wiederholen. Welch irrwitzige Rebound-Werte Rodman in den Folgejahren auflegen sollte, konnte man in der dritten Finals-Begegnung erahnen, als er für 19 Rebounds verantwortlich zeichnete.

Erfahrene Unterstützung kam in Form von James Edwards. Der Veteran war ein Low-Post-Scorer, auf den Verlass war. Auf Grund seiner stoischen Art und seiner Bartmode „Buddha“ genannt, stand der Center im darauffolgenden Jahr für Mahorn in der Startformation. Die Veteranen Darryl Dawkins und John Long, Rookie-Guard Micheal Williams und Forward-Liganeuling Fennis Dembo komplettierten den Kader.

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Teil 1: Böse Buben gegen Bullen
Teil 2: Chicago Bulls 1992/93, Duelle Chicago vs Detroit



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von Crossover 30.05.2012 um 11:10:01


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