NBA 2k12
Böse Buben gegen Bullen
Als hart austeilende „Bad Boys“ machten die Detroit Pistons um Isiah Thomas Ende der 80er Jahre von sich reden. Es brauchte einige Zeit, bis die Chicago Bulls und Michael Jordan die Franchise aus Michigan überwinden und ihre Dynastie beginnen konnte. Ein Rückblick auf die legendären Teams der Pistons von 1988/89 und der Bulls anno 1992/93.
Von Manuel Baraniak |
21.10.2011 | |
Chicago Bulls 1992/93
Der Erfolg gibt Phil Jackson Recht. Nach nur vier Spielzeiten kann der damals 48-jährige Head Coach bereits drei Titel aufweisen. In der Spielzeit 1992/93 gelingt den Bulls der Threepeat. Zum ersten Mal seit den Boston Celtics der 60er Jahre kann eine Franchise wieder drei Meisterschaften in Folge feiern. Zwar müssen sie sich im Vergleich zur Vorsaison mit zehn regulären Saisonsiegen weniger zufrieden geben, dennoch geben die Bulls auf dem Weg zur Meisterschaft nur vier Spiele ab. In den Anfangsjahren noch gegen das System von Tex Winter wetternd, hatte auch Michael Jordan die Vorteile der Triangle Offense erkannt.
Backcourt
B.J. Armstrong (PG, 1,88 Meter, 9,8 PpG, 1,8 RpG, 3,3 ApG, 1x All-Star)
Verteidigung, eine Gefahr von außen und eine gewisse Führungspersönlichkeit auf dem Parkett. Das sind Attribute, die ein Rollenspieler neben Michael Jordan idealerweise aufweisen sollte. Und diese Attribute hatte auch B.J. Armstrong im petto. In seinen ersten drei Jahren in Chicago noch von der Bank ins Spiel kommend, startete der 18. Draft-Pick von 1989 in seinem vierten Jahr neben Jordan. Der Distanzexperte führte in jener Spielzeit die Liga bei der Drei-Punkte-Quote (45,3% 3FG) an und profitierte auch sonst von seiner neuen Rolle. Seine Wurfquote von 49,9 Prozent bedeutete eine persönliche Karrierebestmarke.
Durch seine Schnelligkeit und Hartnäckigkeit war Armstrong ein überdurchschnittlicher Verteidiger, der auch für die Pressverteidigung der Bulls wie geschaffen schien. Es ist vor allem dem Aufbauspieler zu verdanken, dass in den Finals 1993 auf Seiten der Phoenix Suns Kevin Johnson nur 42 Prozent seiner Wurfversuche versenken konnte. In eben jener Endspielserie bewies Armstrong erneut seine Stärke von „Downtown“: In der alles entscheidenden sechsten Partie traf er einige wichtige Dreier (4/5 3FG). Schon in den Eastern Conference Finals davor war Armstrong mit einem Distanzwurf und einem Korbleger mit der Schlusssirene der Sieggarant für den Bulls-Erfolg in der fünften Begegnung.
Michael Jordan (SG, 1,98 Meter, 30,1 PpG, 6,2 RpG, 5,3 ApG, 2,3 SpG, 14x All-Star)
Ein jeder großer Spieler hat wohl erst durch ein Tal von Niederlagen zu schreiten und Dämonen zu begegnen, um am Ende dieses Weges diese hinter sich zu lassen und als Sieger hervorzugehen. Für Michael Jordan bestanden jene Dämonen in Form der „Bad Boys“. Es sind auch die Playoff-Niederlagen gegen Detroit, bei denen Jordan (siehe unten) hart angegangen wird, die die Erkenntnis bringen, dass er alleine die Pistons nicht besiege könne und dass er Vertrauen in sein Mitspieler und seinen Head Coach Phil Jackson samt seiner Triangle-Offense entwickeln müsse.
In den Playoffs 1991 bezwangen „MJ“ und die Bulls nicht nur die „Bad Boys“, es bedeutet auch der Auftakt ihres ersten Threepeats. Und Jordans Vertrauen in seine Mitspieler wird durch Plays für John Paxson oder Pässe auf B.J. Armstrong in entscheidenden Phasen deutlich. Für den Shooting Guard selbst bedeutet jene Spielzeit die vorerst letzte vor seinem ersten Rücktritt. Mit durchschnittlich 32,6 Zählern stellt er zum siebten Mal in Folge den besten Punktesammler der Liga. Seine 2,8 Ballgewinne sind auch ein Ligabestwert. Zudem fällt auch sein Drei-Punkte-Wurf sicherer als in der Vergangenheit. Dass Jordan seine Leistung und seine Zahlen in der Postseason noch einmal steigert, muss wohl kaum erwähnt werden. Nachdem er zwar nicht den Threepeat des regulären Saison-MVPs meistern kann, gewinnt Jordan aber zum dritten Mal in Folge die Auszeichnung des Finals-MVPs. Seine beeindrucken Zahlen in den sechs Spielen gegen die Suns: 41,0 Punkte, 8,5 Rebounds, 6,3 Assists und 1,7 Steals bei einer Drei-Punkte-Quote von 40 Prozent. Kein Spieler erreichte in einer Endrundenserie je einen besseren Punkteschnitt als Jordan. In Spiel vier markierte er gar 55 Punkte. Nur Elgin Baylor gelang in einer Finals-Begegnung ein höherer Punktewert.
Auf dem Höhepunkt mag zu jener Zeit auch die Popularität Jordans gewesen sein, war er doch im Sommer vor Beginn der Spielzeit Teil des Dream Teams bei den Olympischen Spielen in Barcelona. Vielleicht war es auch die Tatsache, dass jeder ein Stück vom Jordan-Kuchen abschneiden wollte, ein Grund für seinen Rücktritt. Was jene Saison auch gezeigt hatte, war Jordans Liebe für das Glücksspiel. Mit einem 0-1-Rückstand in den Eastern Conference Finals gegen die New York Knicks fuhr Jordan nach Atlantic City, zockte bis in die Nacht und verlor mit den Bulls tags darauf auch die zweite Partie. Letztendlich sollte die meisten nach den vier Siege Chicagos in Folge über diesen Vorfall hinwegsehen.
Frontcourt
Scottie Pippen (SF, 2,03 Meter, 16,1 PpG, 6,4 RpG, 5,2 ApG, 2,0 SpG, 7x All-Star)
Auch Scottie Pippens Dämonen kann man mit den Pistons gleichsetzen. Denn wie sehr Gegner in den Kopf eines Spielers gelangen können, beweist der Small Forward. In der alles entscheidenden Begegnung der Conference Finals 1990 suchte der Small Forward auf Grund von Migräne den Weg auf die Bank. Manch einer hatte die Schwere dieser Kopfschmerzen angezweifelt und eher mit Selbstaufgabe gegenüber diesen Pistons gleichgesetzt. Denn auch Pippen hatte die Härte der „Bad Boys“ zu spüren bekommen, als er beispielsweise in Spiel sechs der Eastern Conference Finals 1989 mit einer Gehirnerschütterung die Parte frühzeitig beenden musste, nachdem er beim Kampf um den Rebound vom Ellbogen Bill Laimbeers zu Boden gebracht worden war.
Nachdem die Bulls 1991 aber die Pistons per „Sweep“ zu Boden gerungen hatten, konnte auch Pippen seine Dämonen besiegen und sich letztendlich zum besten „Helfer“ aller Zeiten entwickeln. Auch wenn seine Wurfquoten nicht sonderlich berauschend waren, stellte Pippen in den Finals 1993 mit Stats von 21,2 Zählern, 9,2 Rebounds, 7,7 Assists, zwei Steals und einem Block pro Partie seine Vielseitigkeit erneut eindrucksvoll unter Beweis. In Spiel zwei blockte er den letzten Wurf Danny Ainges, der das Spiel ausgeglichen und in die Verlängerung geschickt hätte. In der dritten Partie hätte er um eine Korbvorlage mehr ein Triple-Double markiert.
Horace Grant (F/C, 2,08 Meter, 11,2 PpG, 8,1 RpG, 2,2 ApG, 1,0 SpG, 1,0 BpG, 1x All-Star)
Bei der Frage, welchen der Bulls-Vierer der beiden Threepeats sie vorziehen würden, würde viele wohl ohne überlegen Dennis Rodman wählen. Letzterer mag vielleicht der bessere Verteidiger und Rebounder gewesen sein, doch wusste Grant in mehr Aspekten des Spiels einen mehr als ordentlichen Job zu machen. Grant selbst war ein unterschätzter Verteidiger, der es immerhin vier Jahre in Folge (beginnend mit der Saison 1992/93) in das NBA All-Defensive Second Team geschafft hat. Auch die Rebound-Arbeit gestaltete der Big Man erfolgreich; in den Finals 1993 legte er in zwei Partien 16 respektive 17 Rebounds auf. Vor allem am offensiven Brett wusste der zehnte Draft-Pick von 1987 zu überzeugen.
Entgegen Rodman hatte Grant auch das Würfeblocken im Repertoire. Kevin Johnsons letzten Wurf in der Finalserie 1993 schickte der 2,08-Meter-Mann an den Absender zurück. Den größten Unterschied machte aber die Offensive. Mit einem verlässlichen Jumper aus der Mitteldistanz ausgestattet, gab Grant hinter Jordan und Pippen die dritte Option in Chicago. Auf Grund seiner Entwicklung befand es das Bulls-Management auch für gerechtfertigt an, Charles Oakley in der Offseason 1988 an die New York Knicks abzugeben, für Bill Cartwright.
Bill Cartwright (C, 2,16 Meter, 13,2 PpG, 6,3 RpG, 1,4 ApG, 1x All-Star)
Der Center ging in der Saison 1992/93 in seine 13. und drittletzte Spielzeit und gab einer noch jungen Bulls-Startformation einiges an Erfahrung. In seinen ersten beiden Jahren in der Liga bei den Knicks hatte Cartwright sogar als 20-Punkte-Scorer von sich reden gemacht, bei den Bulls war eher seine Defensive gefragt. Mit seinen 2,16 Metern sollte er Chicago eine Präsenz unter den Körben geben, um gegen Ost-Center wie Patrick Ewing oder James Edwards zu bestehen. Zwar war Cartwright nicht der beweglichste Big Men und auch für seine Größe kein guter Shot-Blocker, aber allein seine Statur und spitzen Ellenbogen machten ihn zu einem ordentlichen Verteidiger.
Cartwrights Offensiv-Output war in den Jahren rückläufig, in der Saison 1992/93 waren es nur noch 5,6 Zähler, bei einer extrem schwachen Feldwurfquote von 41 Prozent. Dabei verwandelte der Big Man über seine Karriere noch mehr als jeden zweiten seiner Versuche und war für seine Größe auch ein guter Freiwerfer. Nichtsdestotrotz gab er den Bulls eine Post-Präsenz, die auch für den Spielaufbau Chicagos relevant war.
Bank
Cartwrights Minuten übernahm von der Bank vor allem Scott Williams. Der damals 25-jährige, ungedraftete Akteur war der athletischste Big Man unter den Bulls und konnte auf Grund eben jener Athletik auch in der Defensive und am Brett Akzente setzen. In Spiel drei der Finals durfte Williams ganze 46 Minuten ran und dankte dieses Vertrauen Phil Jacksons mit 14 Rebounds. Über die Spielzeit war er für 5,9 Punkte und 6,4 Rebounds gut.
Den Statistikbogen füllte John Paxson über seine Karriere nicht sehr stark. Der Shooting Guard machte hauptsächlich das, was von seiner Position erwartet: werfen. Der Distanzexperte war für die wichtige Würfe zuständig, wie vor allem sein Dreier zum 99:96 gegen die Suns im sechsten Finals-Spiel bewies. In jener Saison legte der damals 33-Jährige Karrierebestwerte von 46,3 Prozent aus dem Drei-Punkte-Land auf; in den Playoffs steigerte Paxson diesen Wert gar auf 62,5 Prozent.
In sein letztes Jahr ging in dieser Spielzeit Trent Tucker. Der Shooting Guard, der in Diensten der New York Knicks im Januar 1990 einmal einen Drei-Punkte-Wurf bei 0,1 Sekunden zu spielen verwandelt hatte, war neben Paxson und Rodney McCray der Distanzexperte von der Bank. In den Playoffs 1993 versenkte Tucker immerhin zwölf Dreier in 208 Minuten Einsatzzeit.
Mit Stacey King und Will Perdue hatten die Bulls zudem ein damals noch junges Center-Gespann zur Verfügung. Letzterer griff sich auf 36 Minuten hochgerechnet gar die zweitmeisten Rebounds aller Bulls-Akteure. Darrell Walker und Ed Nealy komplettierten den Kader.
Die Duelle Chicago gegen Detroit
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Von der Saison 1987/88 an gab es für die Chicago Bulls gegen die Detroit Pistons in drei Jahren nichts zu holen. Über diese drei Spielzeiten gewannen die Bulls von 17 regulären Saisonspielen gerade einmal drei Begegnungen. Und auch in den Playoffs setzte sich dieses Machtverhältnis durch. Entschieden die Pistons die Eastern Conferenc Semifinals 1988 noch mit 4-1 für sich, standen sich die beiden Franchises in den darauffolgenden Jahren schon in den Ost-Finals gegenüber. Erst zwei, dann drei Siege konnte Chicago verzeichnen, doch das änderte nichts daran, dass Detroit für die Bullen erneut die Endstation bedeutete.
Vor allem Michael Jordan hatte zu jener Zeit die Härte Detroits zu spüren bekommen. Im März 1987 und April 1988 noch 61 respektive 59 Punkte gegen die Pistons auflegend, schickte Detroit daraufhin Videomaterial zum Ligabüro, um zu monieren, dass der Bulls-Guard doch selbst bei leichten Kontakten Fouls gepfiffen bekomme. Scheinbar konnten die „Bad Boys“ daraufhin unbehelligt ihre sogenannten „Jordan Rules“ anwenden. Dabei sah sich „MJ“ mit unterschiedlichen Verteidigern konfrontiert, die ihn meist über die Mitte lockten, damit Jordan dort beim Zug zum Korb oftmals ungemein hart gestoppt wurde. „Sie tun wie mehr als nur gegen mich zu spielen, sie malträtieren mich“, urteilte Jordan über die Defensive Detroits einst.
Die Saison 1990/91 brachte dann die Wende zugunsten Chicagos. Schon in der regulären Saison entschieden Bulls die Duelle mit 3-2 für sich. Der Rat Jacksons, seine Mannen dürften sich nicht einschüchtern lassen und einstecken, sondern müssten selbst austeilen, schienen die Bulls zu beherzigen. Sowohl mental als auch physisch ließ sich Chicago einfach nicht mehr so schikanieren. Und so schickten die Bulls die Pistons in den Eastern Conference Finals nicht nur mit 4-0 noch Hause, sie schafften mit ihrem Meistertitel den Auftakt ihrer Dynastie, während sie gleichzeitig das Ende der „Bad Boys“-Ära einläuteten.

Mit NBA 2k12 lässt sich dieses Duell nun wieder aufleben. Wenn die Detroit Pistons von 1988/89 um Isiah Thomas die Chicago Bulls ausschalten sowie die Bulls anno 1992/93 um Michael Jordan die Charlotte Hornets eliminieren, steht einer Neuauflage der Bulls-Pistons-Schlachten nichts mehr im Weg. Ob mit schmutzigen Tricks sprich Fouls, bleibt dem Spieler überlassen.



von Crossover 30.05.2012 um 11:09:57
Bisher wurden keine Kommentare geschrieben.