MVP Watch

Spannend sieht anders aus

Wie schon in den ersten drei Ausgaben des MVP Watches steht LeBron James (Foto) ganz vorn. Dahinter laufen aber gleich ein paar Akteure Kobe Bryant den Rang ab. Zudem konnte sich ein neuer Spieler unter die zehn Top-Kandidaten für die begehrteste Auszeichung der regulären Saison schieben.

Von Christian Guse
 14.03.2010 |

Es mag durchaus langweilig sein, in jedem Monat denselben Spitzenreiter zu haben. Dadurch wird mitunter auch verständlich, warum in früheren Jahren nicht immer Michael Jordan zum MVP gewählt wurde. Dass die Wahlberechtigten aber schon in diesem Jahr einfach mal einen anderen Spieler als Vorjahresgewinner LeBron James auszeichnen werden, darf nahezu ausgeschlossen werden. Zwar ist das Aufblühen von Kevin Durant eine gefundene "feel good"-Story, dennoch ist die Dominanz des "Auserwählten" doch zu offensichtlich, als dass sich da irgendeine Überraschung anbahnt. Beendet ist die Saison zwar noch nicht, allerdings ist der Abstand zwischen den ersten beiden Plätzen mit einem Wert von 5,7 schon so groß, wie zwischen Position zwei und Rang 17.

Wenigstens tut sich etwas auf den hinteren Plätzen. Neu dabei ist Carmelo Anthony, der Chris Paul mehr oder weniger verdrängte. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt aber Pauls Verletzung. Hinter dem Point Guard der New Orleans Hornets sind auch noch Deron Williams (Utah Jazz) und Josh Smith (Atlanta Hawks) zu finden. Zudem arbeitet sich Brandon Roy (Portland Trail Blazers) so langsam nach vorne.

Erneut sollte beim Betrachten der Rangliste bedacht werden, dass sich die Reihenfolge allein auf Basis der Zahlen des Statistikbogens ergibt.

 

10. (5.) Chris Bosh (Toronto Raptors) 15,6
PRA: 17,8 NetWins: 6,6 Bilanz: 32-32 SOS: 0.495
MpG: 36,3 PpG: 24,1 RpG: 11,2 ApG: 2,4 TS%: 59,1 TO%: 10,1



Bei Chris Bosh grüßt auch jedes Jahr das Murmeltier auf ein neues. Er schafft es regelmäßig, besonders motiviert und stark in die Saison zu gehen, um dann im Laufe des Jahres sowohl an Leistung als auch an Motivation abzubauen. Sicherlich ist das auch durch seinen verletztungsbedingten Ausfall begründet, aber auch hier muss festgestellt werden, dass dies nicht zum ersten Mal in seiner Karriere geschieht. Auch wenn er im März in den vier Spielen mit 18/ 9/ 3 Zahlen (Punkte/ Rebounds/ Assists) weit unterhalb seines Saisonschnittes auflegt, so darf er sich dennoch sicher sein, dass er im Sommer einen heiß begehrten Maximalvertrag angeboten bekommt. Ein Blick auf den Saisonverlauf seiner Raptors macht allerdings einen Abgang immer wahrscheinlicher. New York, Miami und Chicago dürften die möglichen Zielorte sein.

 

8. (7.) Tim Duncan (San Antonio Spurs) 15,7
PRA: 17,6 NetWins: 6,8 Bilanz: 39-25 SOS: 0.500
MpG: 31,8 PpG: 18,7 RpG: 10,4 ApG: 3,1 TS%: 55,7 TO%: 9,5



Auch Legenden werden älter. Vielleicht ist es bei Tim Duncan nicht ganz so auffällig, wie beim nahezu gleichaltrigen Kevin Garnett, der zahlentechnisch mittlerweile eher auf dem Niveau eines Rollenspielers in Boston agiert, dennoch sind die Zeichen der Zeit bei "Timmy" nicht mehr zu übersehen. Die 16/ 9/ 3 seit der Pause für das All-Star Spiel sehen wahrlich nicht mehr nach einem MVP-Kandidaten aus. Deshalb geht es in dieser Rangliste auch für Duncan weiterhin nach unten. In diesem Monat muss er sich den achten Platz auch noch mit Carmelo Anthony teilen. Aber nicht nur die nackten Zahlen sind nicht berauschend. Seine Stärke in der Defensive kann Tim Duncan immer seltener zeigen. Immerhin konnten die Spurs die letzten drei Spiele gewinnen. Das dürfte dem zweimaligen MVP-Gewinner im Endeffekt auch wesentlich wichtiger sein.

 

8. (-) Carmelo Anthony (Denver Nuggets) 15,7
PRA: 15,8 NetWins: 7,9 Bilanz: 45-21 SOS: 0.499
MpG: 37,9 PpG: 28,5 RpG: 6,3 ApG: 3,5 TS%: 55,8 TO%: 10,9



In vielen Spieler-Ranglisten findet sich Carmelo Anthony durchaus immer im Bereich der besten fünf Akteure der Saison. Es mag daher dem einen oder anderen merkwürdig erscheinen, warum er sich seit der Erstausgabe im Dezember erst jetzt wieder unter die ersten Zehn schmuggeln kann. Immerhin sind die 28,5 Punkte, die Anthony im Schnitt pro Begegnung erzielt, die drittmeisten der gesamten Liga. Hierbei muss aber der Verweis auf seine nicht sonderlich hohe Effizienz erfolgen, die durch seine TS% repräsentiert wird. So ist es am Ende auch gar nicht mal so verblüffend, dass Anthonys Einfluss auf das Spiel der Nuggets nicht sonderlich groß ist. Mit -0,1 in der angepasste Plus-Minus-Statistik steht er im Mittelfeld und nicht an der Spitze.

 

7. (8.) Steve Nash (Phoenix Suns) 16,3
PRA: 16,5 NetWins: 7,1 Bilanz: 40-26 SOS: 0.509
MpG: 33,6 PpG: 16,9 RpG: 3,2 ApG: 11,1 TS%: 61,3 TO%: 21,5



Bei der Eröffnung der olympischen Winterspiele in Vancouver durfte Steve Nash als erster NBA-Spieler überhaupt die olympische Flamme entzünden. Eine große Ehre, die dem zweimaligen MVP dort zuteil wurde. In der Liga strauchelt der Kanadier in den letzten Spielen. Nur elf Punkte im Durchschnitt in den letzten fünf Spielen, die er auch noch alles andere als Nash-esque mit einer Feldwurfquote von nur 41,5 Prozent erzielte. Erst kürzlich ernannte ESPNs Stats-Guru John Hollinger Steve Nash zum besten Werfer seit Einführung der Dreierlinie. Kein Spieler in der Geschichte traf in der Kombination Zwei-Punkte-Wurf, Drei-Punkte-Wurf und Freiwurf so exakt wie Steve Nash. Es ist also davon auszugehen, dass er aus seinem momentanen "Shooting-Slump" auch schnell wieder herausfindet.

 

6. (9.) Dirk Nowitzki (Dallas Mavericks) 16,6
PRA: 16,0 NetWins: 9,5 Bilanz: 45-22 SOS: 0.499
MpG: 37,9 PpG: 25,0 RpG: 7,7 ApG: 2,6 TS%: 56,8 TO%: 7,5



Es waren bis gestern Abend 13 Siege in Folge, die die Mavericks um Dirk Nowitzki einfahren konnten. Dann kamen die New York Knicks in das American Airlines Center nach Dallas und verprügelten die Mavericks nach Strich und Faden. Auch Nowitzki machte trotz 20/ 12 keine gute Figur. Seine zu Saisonbeginn doch verbesserte Defense ist zuletzt auch nicht mehr gesehen worden. Dennoch geht es für Nowitzki aufgrund seiner Leistungen seit dem All-Star Break wieder etwas nach oben. Durchschnittlich 26/ 8/ 3 und eine fast 95-prozentige Freiwurfquote kann er in den 15 Spielen verbuchen. Trotz des gestrigen Debakels bleibt die Bilanz mit 13-2 doch beeindruckend gut. Können Nowitzki und seine Mavs bis zum Saisonende an die Siegesserie anknüpfen, sollte der Deutsche auch im MVP-Rennen noch ein paar Plätze gutmachen können.

 

5. (3.) Kobe Bryant (Los Angeles Lakers) 17,7
PRA: 16,3 NetWins: 10,4 Bilanz: 48-18 SOS: 0.512
MpG: 38,9 PpG: 27,7 RpG: 5,4 ApG: 4,9 TS%: 54,6 TO%: 10,6



So weit abgeschlagen hatte wohl niemand Kobe Bryant zum Saisonstart im Kampf um den MVP Award gesehen. Bryant startete auch furios, bevor er von kleinen Verletzungen zurückgeworfen wurde. Nach seiner kurzen Pause von fünf Spielen sucht er aber immer noch nach konstanter Form. Speziell sein Dreier bereitet dem MVP der Saison 2008 und letztjährigem Finals-MVP größere Sorgen. Die 22,2% von Downtown in den letzten zehn Spielen sind prinzipiell nicht akzeptabel. Seine Lakers haben sich aber nach drei Niederlagen in Folge jetzt wieder gefangen. Sie sollten am Ende der Saison als bestes Team im Westen dastehen. Das dürfte dann wohl auch Bryant mehr Stimmen bei der Wahl einbringen, als sich jetzt vermuten lässt.

 

4. (4.) Dwyane Wade (Miami Heat) 18,1
PRA: 18,4 NetWins: 9,4 Bilanz: 34-32 SOS: 0.509
MpG: 35,9 PpG: 26,3 RpG: 4,6 ApG: 6,6 TS%: 55,2 TO%: 12,0



Was Dwyane Wade im März bisher auf das Parkett legt, erinnert wieder an seine letztjährigen Leistungen. Die 29/ 5/ 9 schauen nicht nur beeindruckend aus, sondern verhalfen den Miami Heat auch zu einer 5-1-Bilanz. Aus seiner Pause Ende Februar ist Wade gestärkt zurückgekommen. Und die Miami Heat brauchen einen starken Dwyane Wade, um im engen Kampf um die Playoff-Plätze im Osten mithalten zu können. Für einen Angriff auf den Spitzenplatz im MVP-Rennen kommt das aber wohl deutlich zu spät.

 

3. (6.) Dwight Howard (Orlando Magic) 18,2
PRA: 18,0 NetWins: 10,0 Bilanz: 47-20 SOS: 0.495
MpG: 34,9 PpG: 18,6 RpG: 13,2 ApG: 1,7 TS%: 63,3 TO%: 19,0



Die längste Siegesserie der Liga gehört aktuell Dwight Howard und den Orlando Magic. Zuletzt verließen sie achtmal in Folge den Platz als Gewinner. Howard selbst konnte vor allen Dinge in der Offensive zulegen. In den letzten 13 Partien erzielte er 21,3 Punkte im Schnitt, mit einer hervorragenden TS% von 65,1. Beide Werte liegen schon deutlich über seinem bisherigen Saisonschnitt. Auf der anderen Seite des Feldes verrichtet er auch weiterhin seine Arbeit herausragend. An der Spitze bei den Rebounds und Blocks ist er seit zwei Jahren sowieso nicht mehr wegzudenken.

 

2. (2.) Kevin Durant (Oklahoma City Thunder) 18,5
PRA: 18,4 NetWins: 11,1 Bilanz: 40-24 SOS: 0.499
MpG: 39,6 PpG: 29,7 RpG: 7,6 ApG: 2,8 TS%: 60,1 TO%: 12,4



Auch wenn seine Zahlen im März gegenüber den beiden Vormonaten gesunken sind, kann er den zweiten Platz verteidigen. Die Thunder gewinnen ihre Spiele weiterhin dank "Durantula", seit der All-Star-Pause sind sie bei einer 10-3-Bilanz. KD zaubert 29/ 8/ 2 auf den Statistikbogen, und Oklahoma sollte den Platz in den Playoffs fast schon sicher haben. Mittlerweile trennen Memphis auf Rang neun und die Thunder auf Position fünf im Westen 6,5 Spiele. Auch wenn Durant mit Sicherheit gewichtige Argumente dafür vorweisen kann, dass er der MVP der NBA Saison 2009/10 ist, so ist der Abstand nach vorn unüberbrückbar.

 

1. (1.) LeBron James (Cleveland Cavaliers) 24,3
PRA: 23,5 NetWins: 17,6 Bilanz: 51-15 SOS: 0.491
MpG: 39,1 PpG: 29,9 RpG: 7,2 ApG: 8,5 TS%: 60,9 TO%: 12,3



Viermal wurde bisher die Auszeichnung zum Spieler des Monats vergeben. Während im Westen sich mit Carlos Boozer (Februar), Chris Paul (Januar), Kobe Bryant (Dezember) und Carmelo Anthony (November) gleich vier verschiedene Akteure damit schmücken durften, ging die Trophäe im Osten jedes Mal an LeBron James. Warum sollte es da auch verwundern, dass James nun erneut ganz vorn im MVP-Rennen erscheint. Seine Zahlen seit dem All-Star Break sind beeindruckend. In zehn Spielen erzielte er 30,1 Punkte, schnappte sich 7,6 Rebounds und verteilte 9,8 Vorlagen im Schnitt. Ja, richtig, 9,8, das ist kein Tippfehler. Im Prinzip können die Glückwünsche schon nach Cleveland geschickt werden. Wie viel Wert dieser Award hat, wenn am Ende nicht die Meisterschaft dabei herausspringt, ist allerdings fraglich. Zuletzt konnte Tim Duncan im Jahre 2003 den MVP-Award und den Finals-MVP-Award gewinnen. Genau das sollte auch das Ziel des Königs der NBA sein.

 

Erläuterungen:
TS%: True Shooting Percentage; Wurfquote, die erzielte Drei-Punkte-Würfe und die Genauigkeit bei Freiwürfen berücksichtigt.
TO%: Turnover Percentage; Anfälligkeit für Ballverluste in Abhängigkeit vom Ballbesitz des Spielers.
In Klammern sind die Platzierungen des Vormonats angegeben. Stand der Statistiken: 13. März 2010




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Kommentare

(14 Kommentare bisher)

von eightch 15.03.10 um 15:37:40


a) bron hats verdient
b) wieso gerade gegen ny???
c) was ist das für ein foto von bosh - ist er das wirklich?



von ca$hmoney 15.03.10 um 22:50:53


@eightch:
Muss auch immer smilen beim rooky-pic von Bosh. Ein Update seines Predator-look wär seinen Stats angemessen;).



von Hurricane 16.03.10 um 13:00:19


Wurde doch schon mal erwähnt hier, dass man das Foto nicht ändern kann wegen den Rechten



von eightch 16.03.10 um 13:02:16


die machen sich immer unbeliebter... also die rechten ;)



von Hurricane 16.03.10 um 16:44:11


Da hat du Recht :D



von criscross 16.03.10 um 20:10:28


Wie kann einer MVP werden der nicht mal die Schrittregeln im Basketball beherrscht. Bin ich der einzige den es total störrt, dass Lebron regelmäßig 3-4 Schritte macht, da reicht noch nicht einmal die Regeländerung bezüglich der Schritte vor dem Dribbling.



von tamarindenpulpe 16.03.10 um 22:09:57


seh ich auch so! ich mag seine ganze spielweise sowieso nicht, auch wenn er regelmäßig für highlights sorgt und tolle stats auflegt, ich schaue ihm nicht wirklich gerne zu.
wenn ich ihn spielen sehe (das ist ab und zu mal) dann kommt es mir vor dass er ab der halbzeit 90% den ball hat und durchgehend nur in die zone rennt mit wievielen schritten auch immer und dann ständig "gefoult" wird. mag vllt gar nicht stimmen aber so kommt es mir vor!
will ihn deswegen nicht schlecht machen er ist trotzdem der klare mvp aber is halt nicht mein fall ;)



von Suck My Diktiergerät 16.03.10 um 22:59:14


zu den schritten.

vergesst nicht, dass es nicht nur lebron ist, der die schritte für sich ganz eigen auslegt.

achja, crabdribble!!!



von criscross 16.03.10 um 23:46:51


Aber Lebron bringt manchmal krasse Schrittfehler, besonders wenn er coast to coast geht. Die NBA ist da vielen mit ihrer zwei Schritte vor dem Dribbling Regel schon entgegen gekommen, weil die meisten ja den Schrittfehler vor dem Dribbling gemacht haben. Wenn aber ein MVP-Kanidat wie ein Footballspieler ohne zu dribbeln über den halben court sprintet, dann kannste die Schrittregeln in der NBA ja dierekt eintüten. Außerdem ist ein Spieler schon extrem im vorteil wenn er einfach drei anstatt zwei Schritte macht und dann noch bei jedem wildem Drive in die Zone ein Foul gepfiffen bekommt.



von criscross 16.03.10 um 23:54:10


sogar gegen Kinder [youtube.com]



von Cabalios 17.03.10 um 00:10:48


yuppie, der meister der zahlen ist zurück. danke mystic :)



von eightch 17.03.10 um 08:52:28


schließe mich da suckmydings an wenn es alle machen ist es dann so schlimm (fragt mal die radfahrer - tour-de-france...)
und es ist ja nicht erst seit lebron so das es einen superstarbonus gibt... unvergessen hier auch das travelling von denis rodman bei den bulls als er beim 1-0 den ball fängt 3-4 schritte macht und dann einhändig dunkt (kam damals sogar noch im free-tv) ich hab mich weggeschmissen...
sonst habt ihr natürlich alle recht und lebron spielt extrem scheiße ich frag mich wie er es in die nba schaffen konnte???



von sev da chef 17.03.10 um 11:15:21


Beziehungen und Geld, kann mir nichts anderes vorstellen...



von criscross 17.03.10 um 13:04:24


Die Schiedsrichter sollten es ihm einfach abpfeifen, dann würde er aufhören Schrittfehler zu machen. Behaupte nicht das Lebron ein schlechter Basketballer ist, aber es störrt mich halt wenn ich dem angeblich besten Basketballer der Welt zuschaue und der Aktionen macht die in jeder Kreisliga abgepfiffen werden. Jemand mit Lebrons Status als der ultimative Basketballer der Neuzeit sollte auch ein Vorbild sein, das mit einer perfekten Technik überzeugt.



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