Lockout
Die drohende Aussperrung
Nach 13 Jahren droht der NBA erneut ein Lockout. Die Verhandlungen zwischen der Liga (Commissioner David Stern, Foto) und Spielergewerkschaft verlaufen nur stockend, einen neuen Tarifmantelvertrag zu unterschreiben. Ein Rückblick auf den Lockout von 1998/99, eine Analyse der aktuellen Situation und ein Ausblick in die Zukunft.
Von Johannes Goedeking |
25.06.2011 | |
Erster Teil: ein Rückblick auf 1998/99
Das Resümee des Shaquille O'Neal ist gut bestückt: vier Meisterschaften, drei Auszeichnungen zum Finals-MVP und 15 Teilnahmen am All-Star Game. Doch eine Errungenschaft wird selten angesprochen: Shaq hat 1999 die NBA gerettet. Zusammen mit Big-Man-Kollege Hakeem Olajuwon entschloss sich der damals 26-Jährige, sich für die Liga einzusetzen. Die beiden riefen Billy Hunter, Chef der NBA-Spielergewerkschaft, an, und überzeugten ihn, schnell einen neuen Vertrag mit der NBA zu schließen. Ein paar Tage später, nach 191 Tagen „Lockout“, kam es zu einer Einigung zwischen Besitzern und Spielern, die Saison wurde verspätet gestartet.
Vor allem O'Neal (Foto) musste einiges opfern: Ohne nach oben hin begrenzte Verträge wäre er wohl in der kommenden Sommerpause zum höchstbezahlten Spieler aller Zeiten geworden. Doch der Hüne verzichtete auf das große Geld, um die Liga zu verbessern. Was wäre, wenn Shaq und Olajuwon sich nie zu Wort gemeldet hätten? Hätte es überhaupt 1999 eine NBA-Saison gegeben? Wäre die beste Basketballliga der Welt so beliebt, wie sie heute ist? Wären viele Franchises so reich, wie sie heute sind? Wohl kaum. Natürlich kann diese Fragen niemand genau beantworten, aber dass die beiden Center über Dollarscheine hinausgeblickt haben, um die richtige Entscheidung zu treffen, ist klar. Denn die NBA und deren Spielergewerkschaft waren weit davon entfernt, einen Kompromiss zu finden.
Nachdem 1998 der 21-jährige Kevin Garnett einen Riesenvertrag von 126 Millionen Dollar über sechs Jahre unterschrieben hatte, wollten die Besitzer einen Umschwung. Gehälter waren zu groß, neun Prozent aller Spieler bekamen ein Drittel aller Gehälter. Der Salary Cap, der das Geldausgeben regulieren sollte, hatte zu viele Ausnahmen, die es den reichen Franchises erlaubte, ihren Spielern zu viel zu zahlen – wie die „Larry Bird Exception“, die Mannschaften die Möglichkeit gibt, die Gehaltsgrenze zu überschreiten, um einen ihrer Veteranen erneut unter Vertrag zu nehmen. Es sollte ein Hard Cap her, der unter keinen Umständen überschritten werden kann. Die Eigentümer wollten weniger an Spieler, vor allem an Rookies, zahlen, aber auch mehr vom Gewinn abbekommen. Die Sportler bekamen 57 Prozent aller basketballverbundenen Gewinne – zu viel, befand die NBA.
Die Spielergewerkschaft, geleitet von Billy Hunter und Patrick Ewing (Foto), sah das ganz anders. Die „Bird Exception“ und der flexible Salary Cap sollten unberührt bleiben. Eine Maximalgrenze bei Verträgen sollte es nicht geben, außerdem waren die Minimalverträge von 272.250 Dollar zu gering. Doch die Glaubwürdigkeit der Aktiven erlitt einen schweren Schlag auch aufgrund einiger dummer Kommentare. Kenny Anderson, Aufbau der Boston Celtics, meinte, er müsse „sein Geld zusammenhalten“ und deshalb eines seiner acht Autos verkaufen. Auch Gewerkschaftspräsident Patrick Ewing half sich nicht, als er erklärte, dass „professionelle Sportler zwar viel Geld machen, aber auch viel ausgeben.“ Phil Taylor von der Sports Illustrated schrieb kurz nach Ende des Lockouts: „Die Besitzer wussten, dass sie nichts sagen und Stern arbeiten lassen mussten. Aber die Spieler versauten es sich mit zu vielen dummen Kommentaren, die zeigten, wie realitätsfremd sie sind.“
Empörte Fans konnten gerne auf solche arroganten NBA-Stars verzichten: In den nächsten zwei Jahren verlor die Liga zwei Prozent ihrer Fans, die sie in der Michael Jordan-Ära gewonnen hatte. Auch Spieler hatten ihre Geduld verloren, sodass manche nach Europa zogen, um dort kurzzeitig Geld zu verdienen. Michael Olowokandi entschied sich für Italien, wo er zwei Tage vor dem Ende des Lockouts bei Kinder Bologna für sechs Wochen unterschrieb. Der erste Pick des Drafts 1998 verpasste deshalb die erste Woche der regulären Saison seiner Los Angeles Clippers.
Olowokandis Wechsel kam nicht überraschend: Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand, wie lange die Aussperrung der Spieler noch anhalten würde. Commissioner David Stern blieb hart, da er eines wusste: Je länger der Lockout anhält, desto mehr würde die Gewerkschaft klein beigeben. „Die Spieler begannen, sich über eine verlorene Saison zu beschweren, und viele Agenten erhöhten den Druck auf Billy Hunter“, erläuterte Taylor. „Stern wartete geduldig, und Zeit hat ihm geholfen.“
Eine der beiden Seiten musste die Initiative ergreifen und einen Schritt nach vorne machen, um die Gespräche ins Rollen zu bringen. Wenige Fortschritte wurden seit der Sommerpause gemacht, als Sterns damaliger Vize Russ Granik noch meinte, dass es „sogar unmöglich sein könnte, ein Übereinkommen zu finden“ – so weit waren die beiden Parteien voneinander entfernt. Die Spieler waren bereit, die Gewerkschaft auf den Kopf zu stellen, um eine Lösung zu finden. Es meldeten sich also einige Stars bei Hunter und baten ihn, sich schnellstmöglich mit Stern zu einigen.
In der Nacht zum 6. Januar 1999 arbeiteten Stern (Foto) und Hunter zusammen, um die NBA zurückzubringen. Am Morgen konnten sie endlich händeschüttelnd ein neues CBA präsentieren: Maximalverträge durften nur an Veteranen abgegeben werden, der NBA-Mindestlohn wurde auf 350.000 Dollar pro Jahr angehoben und auf den Hard Cap wurde verzichtet. Die „Bird Exception“ benötigte nur geringfügige Änderungen.
Seit 1999 gab es eine Erneuerung des CBA, 2005 wurde der Vertrag optimiert und bis 2011 verlängert. Das neue CBA verhinderte zwar einen neuen Streit, staute aber eher alle Probleme auf, bis 2011, als Probleme dann nicht zu vermeiden sein würden.
| Teil 1: Die drohende Aussperrung |
| Teil 2: Zweiter Teil: die aktuelle Situation |
| Teil 3: Dritter Teil: die Zukunft |






von Suck My Diktiergerät 25.06.11 um 14:55:12
schöner informativer artikel.
von xax 25.06.11 um 15:21:24
Fazit: Reiche und Superreiche streiten über zuviel geld der noch reicheren tv-anstalten auf dem rücken von fans und "kleinen" angestellten der klubs.
wenns nicht so tragisch wäre (für die kleinen Angestellten), dann müsste man darüber lachen
von UNDERKANTER 25.06.11 um 15:40:19
sowas darf einfach nicht passieren
von EvgenyF 25.06.11 um 16:02:50
wenn man guckt was die Spieler früher und jetzt verdienen. heute will doch jeder spieler eine villa und deren agent einen porsche haben. sowie die besitzer die den spielern viel zu viel geld andrehen (joe Johnson), als auch die spieler, die immer mehr wollen (agent hat auch eine familie zu ernähren) haben schuld an dieser situation. sieht aber ganz danach aus dass man sich auf eine lange zeit ohne basketball einstellen muss. david stern war früher anwalt und weiß wie man gewinnt.
von franz 26.06.11 um 11:20:03
Echt ein super Artikel. Den Satz verstehe ich allerdings nur schwer, und ich weiß nicht, ob ich ihn richtig verstehe:
"Seit 1998 haben nie wieder annähernd so viele NBA-Franchises Verluste geschrieben wie vor und während des Lockouts – bis heute"
Da sind sehr viele unterschiedliche Zeitbezüge und doppelte Verneinungen drin. Vielleicht kannst du den Satz umschreiben und/oder mir helfen?
von knorke 26.06.11 um 12:53:13
2010 haben laut NBA 17 Franchises Geld verloren. So viele haben seit dem Lockout (in der Saison davor, 1997/98, und während der Ausschließung, also 1998/99) noch nie rote Zahlen geschrieben.
von UNDERKANTER 26.06.11 um 20:16:07
die nba ist die mit abstand beste sportliga der ganzen welt. aber wie kann man so dämlich sein und joe johnson ( und viele, zu viele andere) so überbezahlen?
das ist für uns fans scheiße, weil der lockout bevorsteht
das ist für die teamchefs scheiße, weil die ihr geld verschwendn
das ist für die anderen spieler scheiße.
warum verpissen die sich nicht hierhin nach europa?
von almaen 29.06.11 um 09:28:06
Für mich ist jedes Mal das Highlight, wenn ein NBA-Star nach Vertragsunzerzeichnung verkündet, er hätte das Angebot angenommen, weil es das beste für seine Familie ist, die er ja absichern muss. Ob die sich vorstellen können, dass man Kinder auch miut fünfstelligen Einkommen aufziehen kann?
In der NBA wird sehr gut verdient und ich finde es nachvollziehbar, wenn man da einen richtigen Deckel drauf macht, auch die Anfänger sind ja schon mit fast einer Million dabei... hmm... muss nicht sein. Wichtig ist letztlich nur, dass die NBA mit den Euro-Millionären konkurrieren kann, aber die Frage stellt sich bei den Franchise-Spielern ja eh nicht. Auch mit 15 Mio. Max-Gehalt wäre man als NBA-Star auf individueller Ebene einer der bestbezahlten Sportler der Welt.
Die Spieler sollten sich eher nötigen lassen, Gewinnbeteiligungen vom Clubbesitzer zu bekommen. Attraktives und/oder erfolgreiches Spiel lockt Zuschauer und würde das eigene Einkommen erhöhen. Das nennt man Anreiz-Setzung. (Das würde auch verhindern, dass die SPieler von den Besitzern über den Tisch gezogen werden.) Garantierte Verträge mit Fixgehältern ist das Gegenteil von Anreizsetzung. Man muss da nur einige Namen nennen, um zu verstehen, was ich meine... E. Curry, Dampier, Marbury,... Schade, dass die Leistungsgesellschaft ausgerechnet in einer der messbarsten Diziplinen, dem Sort, manchmal so mau funktioniert.
von Lewis 01.07.11 um 01:23:58
Erstmal: Richtig dicker Artikel!
Information ohne parteiisch zu sein at it's best!
Der Lockout ist ja nun offiziell. Hoffen wir mal, dass die schnell mal wieder alle klar kommen. Die Idee von diesem Ken Berger wär ja nicht schlecht. (Im Hangtime-Blog ist ein netter Verweis da drauf)
Ansonsten müssen wir halt wieder mehr BBL und Euro-League schauen und nachts zur Abwechslung mal wieder schlafen. Wobei mir der Sonnenaufgang nach ner geilen NBA-Nacht schon fehlen wird...
von Hurricane 02.07.11 um 13:15:50
Super Artikel muss ich auch sagen und Xax das was du gesagt hast spiegelt das geschen meiner Meinung sehr gut wieder.