Legenden

Larry Bird - Vogel ohne Sinkflug (Teil 2)

Aller Anfang ist Bird. Unter der Führung des "Hick aus French Lick" geht es für die Boston Celtics zurück an die Spitze.

Von Stefan Meichsner
 09.12.2004 |

Trotz überragenden Leistungen am College begegnet man ihm in der Liga mit Skepsis. Bird ist zu langsam, zu weich, zu weiß. Als er im Sommer 1979 in Boston eintrifft, sieht er aus wie ein umherwandelndes Schwarz-Weiß-Schulfoto. Die Kmart-Klamotten passen nicht; das milchweiße Haar türmt und windet sich auf seinem Haupt. Er wirkt wie ein zu groß geratener Tankwart. Alles was fehlt ist ein Schild auf seiner Brust ?Hier letzte Gelegenheit zum Tanken?. Kaum jemand hält ihn nicht für einen etwas zurückgebliebenen und ungelenkigen Hinterwäldler, für den ?Hick aus French Lick?, der bei dem Anblick des ersten Hochhauses in Ohnmacht fällt. Soll er die Franchise, die in der Saison 1978/79 lediglich 29 Siege erringt, wieder an die Spitze führen? Die Mehrheit plädiert für ?nein?.

Bei seinem Debüt in der NBA verhilft Bird den Celtics zum Sieg über die Houston Rockets. Ein Double-Double gibt den Ton für die Kritiker an. Er startet in jedem Spiel, wird Woche für Woche stärker. Boston kann seine Bilanz auf 61:21 verbessern, Larry wird "Rookie of the Year". In seiner zweiten Spielzeit bekommt er einen Abend lang die bittere Seite der Liga zu spüren. Es ist der 2. Januar 1981, die Celtics sind zu Gast in Golden State. Bird erzielt nicht einen Punkt, Boston verliert mit 15. Seine 0:9-Vorstellung aus dem Feld geht als ?Acht Backsteine und ein Block? in die Geschichtsbücher ein. Doch weder Bird noch die Franchise der Kelten lassen sich davon beeindrucken. Boston wird im gleichen Jahr Meister. Es ist die erste von drei Championchips. Im ersten Spiel der Finals gegen Houston punktet Bird ungewohnt spektakulär. Nach einem verfehlten Jumper vom rechten Flügel hebt Bird ab, schnappt sich den eigenen Rebound, wechselt in der gleichen Bewegung den Ball von rechts auf links und legt ihn sicher für zwei ab, bevor er im Seitenaus landet. Der Vogel kann fliegen.

Nicht nur Birds Game ist etwas Besonderes. Auch die kleinen Tiefschläge, die er seinen Gegnern während eines Spiels versetzt. Pässe hinter dem Rücken, spielentscheidende Dreier, und dazu Trash-Talk aus dem Lehrbuch. Psychologische Kriegführung vom aller Feinsten. 1984 bekommt Charles Barkley sein Fett weg. Barkley spielt zu der Zeit in Philly; man führt mit einem Zähler gegen Birds Celtics. Auf der Uhr sind noch drei Sekunden. Timeout. Bird geht auf Barkley zu: ?Hör zu, ich werde dribbeln, zum Fadeaway ansetzten und das Spiel mit einem für uns entschieden.? Barkley verlässt das Feld als Verlierer. ?Na, wer von euch spielt um Platz Zwei??, fragt Bird seine Kontrahenten beim Dreierwettbewerb des All-Star-Weekends 1986. Den Shootout gewinnt er ohne seine Aufwärmjacke abzulegen. 1988, es ist Weihnachten, Celtics gegen Indiana, Larry gegen Reggie. Zwei große Spieler, zwei große Trash-Talker. Vor dem Spiel lächelt Bird seinem Gegner zu: ?Ich habe ein Geschenk für dich.? Das Spiel ist ausgeglichen, zwei Sekunden vor Ende der Partie liegen die Pacers mit zwei Punkten vorn. Einwurf Boston. Pass zu Bird an der Dreierlinie. Larry steigt hoch und wirft Miller mit den Worten ?Merry Chistmas, Reggie? ins Gesicht. Nur Netz, Spiel vorbei, Sieg Boston.

Im November 1984 kommt es zur legendären Rauferei mit Julius Erving aka ?Dr. J?. Bird hält den Dunkingkönig mit sechs Punkten in Schach und legt selber 42 auf. Im dritten Spielabschnitt platzt Erving der Kragen. Er geht auf Bird los. Beide werden nach ein paar ausgeteilten Schlägen der Feldes verwiesen.

Mit den Jahren wird aus Larry Bird ?Larry Legend?. Jahr für Jahr räumt er Auszeichnungen ab: 3-mal MVP, 12-mal All-Star, Olympiasieger mit dem Dream Team 1992, dazu unzählige Rekorde. 1984 und 1986 kommen zwei weitere Ringe hinzu. Bird bleibt auf dem Boden. Starallüren? Braucht er nicht. Larry weiß, dass er gut ist. Während andere Profis Tausende von Dollar in Casinos über die Tische werfen, schießt Bird mit Reportern oder Balljungen Dreier. Wetteinsatz fünf Dollar. Als ihm ein Barkeeper in einem spanischen Hotel ein Bier für sieben Dollar anbietet, lehnt Bird ab. ?Du kannst dein 7-Dollar-Bier behalten.? Bird weiß, woher er kommt. Er bleibt Hinterwäldler. Warum etwas ändern? Es läuft ja gut. Als in einer Bar in Dallas Hunderte kreischender Teenies auftauchen, um Bruce Springsteen anzuhimmeln, fragt Larry nur: ?Wer ist das?? Ein Reporter liefert die Antwort: ?Er ist du, Larry, nur als Rockstar!? Ein kurzes Achselzucken bei Bird, ein Lächeln: ?Dann muss er gut sein.?

Larry Bird legt in seiner Zeit als Spieler in 897 Partien 21791 Punkte, 8974 Rebounds und 5695 Assists auf. Kurze Zeit nach dem Gewinn der Goldmedaille in Barcelona gibt er seinen Rücktritt bekannt. Den Celtics bleibt nichts anderes übrig, als sein Trikot mit der Nummer 33 unter die Hallendecke zu hängen. Das Ende einer Ära. 1998 wartet die Hall of Fame mit offenen Armen auf den Mann, dem 17 Jahre zuvor niemand zugetraut hätte, einer der Besten aller Zeiten zu werden. Mit seinem Spiel war er der Vorreiter für Spieler wie Kevin Garnett, Tim Duncan und Dirk Nowitzki. Und jeder von ihnen würde das gleiche tun ? den Hut ziehen vor Larry Joe Bird.





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Kommentare

(10 Kommentare bisher)

von ms 10.12.04 um 11:08:55


super artikel! unvergessen auch sein duell mit dominique wilkins! er war einfach einer der besten drei spieler der neuzeit!! (mj und magic sind natürlich die anderen beiden)



von Coranor 10.12.04 um 21:35:14


Immerhin eine Steigerung zum ersten Teil, wobei mir irgendwie ein Link zu diesem fehlt.
Auch der Übergang von Teil eins zu zwei ist nicht so berauschend, er bekommt den bis dahin größten Rookievertrag (Teil 1) obwohl man skeptisch war, dass er in der Liga auch erfolgreich sein wird (Teil 2)? Wieso wird ihm dann soviel Geld zugeworfen?
Dann das alte Problem mit der zeitlichen Abfolge: Shootout 88, dann Duell 84 mit Dr. J. => Kein wirklicher roter Faden.
Und irgendwie vermisse ich eh die alte Rivalität zwischen Bird und Magic?
Wie gesagt, eine Steigerung zum ersten Teil ja, aber es hätte auch besser sein können.



von Fler 10.12.04 um 21:50:53


alda, es gibt auch artikel, die ihren roten faden nicht an banaler chronologie festmachen. comicfigur, alda...



von Come and get it 12.12.04 um 17:55:11


Der Artikel ist einfach viel zu kurz, da kann man gar nicht alles reinbringen. Wie Coranor schon sagte, wenigstens die Rivalität zwischen Bird und Magic hätte man reinbringen können



von Coranor 12.12.04 um 20:11:08


Mag ja sein, aber da ist kein roter Faden vorhanden, weder chronologisch noch sonst einer.
Der Autor geht von einem Thema zum anderen, die einzelnen Themen mögen zwar ihren eigenen roten Faden haben, aber in der ganzen Story ist nichts vorhanden. Ganz schlimm und typisch für diesen Stil finde ich folgende Sätze:

"Jahr für Jahr räumt er Auszeichnungen ab: 3-mal MVP, 12-mal All-Star, Olympiasieger mit dem Dream Team 1992, dazu unzählige Rekorde. 1984 und 1986 kommen zwei weitere Ringe hinzu."
Da wird von Dream Team 92 zurück zu 84/86 gesprungen. Das hätte man besser in die Geschichte einbauen können. Was danach kommt ist auch nicht das Gelbe vom Ei in Sachen Erzählstil. Aber wie gesagt, im ersten war es ja noch schlimmer. Aber die heutigen PC-Kiddies verstehen von sowas ja eh nichts.
Beim zweiten Mal durchlesen kommt es mir sogar noch schlimmer vor als beim ersten. Wie gesagt ich sehe da keinen roten Faden und das macht das ganze ein wenig fad zum durchlesen und nach wirklich viel Mühe beim Schreiben sieht es halt auch nicht aus (vielleicht beim Zusammensammeln aller Daten und Ereignisse ja, aber das sind zwei Paar Schuhe)



von sb 12.12.04 um 23:28:32


es gibt leute, die wollen mit ihrer kritik zur verbesserung beitragen. und es gibt leute, die wollen mit ihrer kritik einfach nur meckern, andere schlecht und sich selbst besonders gut aussehen lassen.



von Come and get it 13.12.04 um 14:41:51


Es gibt aber auch Leute die die Kritik anderer einfach nicht raffen...



von sb 13.12.04 um 15:06:02


hier hat sich noch keiner außer mir über coranors kommentare beschwert, der xover-staff hat sich noch nicht mal zu wort gemeldet...



von Phleggenheimer 13.12.04 um 15:27:54


Ein roter Faden.Mein Gott, wir solten doch froh sein dass sich ein paar Freaks um Basketball kümmern und ehrenamtlich am Start sind aus Liebe zum Spiel.
Der Bird-Artikel ist sehr interessant aber jetzt eine super duper Chronologie zu erwarten mit allen Facts und Insiderkram ist doch ein bisserl zu viel erwartet.Ich bin froh dass es so ne Seite wie Crossover gibt die jedem seine Meinung lässt und nich immer perfekt ist.
Pro bono!! macht weiter so!



von Stefan (x-over) 13.12.04 um 16:30:19


Da der Artikel von mir ist, werde ich mal das ein oder andere dazu sagen. Zunächst ist natürlich jede Form von Kritik gern gesehen, egal ob es um Stil, Form oder Inhalt geht. Mit jeder Kritik kann man sich verbessern, man weiß halt, woran man arbeiten könnte. Desweiteren möchte ich darauf hinweisen, dass über Mr. Larry bird mehr als ein Buch geschrieben wurde, mir ist also durchaus bewusst, dass man wesentlich mehr hätte schreiben können (z.B. über die Bird-Magic-Rivalität). Dennoch habe ich mich auf einige spezifische Merkmale und Themen fixiert, Dinge, die vielleicht nicht jeder schon X-mal im Fernsehen gesehen oder in Zeitschriften gelesen hat. Bleibt dem Spiel treu!



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