Legenden
Der Botschafter des Basketballs
Basketball ist eine wunderschöne Sportart. Viele verschiedene Facetten des Spiels machen ihn oftmals zu einer wahren Kunstform. Dies haben wir vor allem einen Mann zu verdanken: Julius Erving (Foto). Crossover stellt den Evolutionär des Basketballs vor.
Von Dennis Klammer |
09.10.2009 | |
Geburt einer Legende
Es sind wenige Augenblicke, die alles ändern. Kurze Momente, die aus guten Spielern Stars machen, und in denen Stars zu Legenden werden. Momente für die Ewigkeit. Julius Erving (Foto) erlebte diesen Augenblick im vierten Spiel der Finalserie gegen die Los Angeles Lakers am 11. Mai 1980. Es steht 89:84 für Philadelphia im vierten Viertel, als Erving den Ball bekommt. Noch Jahre später sagt Aufbau-Legende Earvin „Magic“ Johnson: „Da stand ich nun, wollte eine Meisterschaft gewinnen, als mir plötzlich die Kinnlade runterfiel. Ich dachte nur: Hat er das gerade tatsächlich getan? Was sollen wir tun? Sollen wir weiterspielen oder ihm den Ball geben, damit er es noch einmal tut? Es ist der beste Move, den ich je gesehen habe. Jemals!“
Dass dies geschehen konnte, liegt in erster Linie an einer Frau: Callie Mae Lindsay. Sie legte mit ihrer Erziehung den Grundstein für die herausragende menschliche und sportliche Entwicklung des Julius Winfield Erving Jr.
In einer Zeit, in der Schwarze in den USA für ihre Rechte kämpfen, wird der kleine Julius am 22. Februar 1950 in Hempstead, Long Island, geboren. Bereits früh vermittelt Callie Mae dem Jungen christliche Werte und die nötige Arbeitsmoral, um in einer von Weißen dominierten Welt zu bestehen. Julius lebt mit seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern in einer Sozialwohnung; der Vater hat die Familie verlassen, als Julius drei Jahre alt war. Im Laufe der Zeit begeistert sich Erving für die verschiedensten Dinge, neben Literatur und diversen Biographien seiner Helden wie Malcom X steht Basketball bei ihm hoch im Kurs. Seinen ersten Ball bekommt er im Alter von acht Jahren zu Weihnachten geschenkt; bereits zwei Jahre später spielt er für das örtliche Team der Heilsarmee und erzielt elf Punkte im Schnitt. Der kleine Anfang einer großen Karriere.
Der Doktor beginnt zu operieren
Nachdem seine Mutter erneut geheiratet hat, zieht die Familie nach Roosevelt. Erste Überlegungen kommen auf, was er in seinem Leben erreichen will. Mit 14 Jahren verkündet er seiner Familie stolz, dass er einmal den Pulitzer Preis gewinnen werde. Sein Ziel ist es, die Welt zu einem besseren Ort zu machen und seine persönliche Nische zu finden, in der er glücklich und erfolgreich werden kann. In Roosevelt besucht Julius die örtliche Highschool und spielt in der Schulmannschaft. Dort bekommt er von seinem Freund Leon Saunders den Spitznamen „Doctor“, der ihn ein Leben lang begleiten wird.
Der damalige Trainer des Schulteams ist Ray Wilson. Obwohl Erving früher als „durchschnittlich begabt“ eingestuft wurde, entdeckt Wilson früh Julius‘ enormes Potenzial. Nach einem Entwicklungs- und Wachstumsschub verfügt Erving über riesige Hände, eine abnormale Sprungkraft und beginnt auf eine nie da gewesenen Eleganz, sich und den Ball zu bewegen. Bobby Jones, einer der besten Flügelverteidiger aller Zeiten, sagt später: „Das Problem ist, du weißt genau, dass er punkten wird. Du weißt nur nicht wie. Ich genieße es, ihm zuzusehen, denn ich weiß, dass ich sowas möglicherweise nie wieder sehen werde“.
Ray Wilson ist es auch, der seinen talentierten Schützling Jack Leaman, Coach der Universität von Massachusetts, vorstellt. Obwohl „UMass“ nicht als Sportuni bekannt ist, entscheidet sich der Doktor nach der Highschool für ein Stipendium an dieser Bildungsstätte.
Von seiner Mutter geprägt, versucht Erving, aus allem das Beste herauszuholen und immer hundertprozentigen Einsatz zu geben. Das stellt er in seinem ersten Spiel am College eindrucksvoll unter Beweis: Der Doktor erzielt 27 Punkte und greift sich 28 Rebounds. „Ich war nicht sonderlich groß, aber wenn ich eins konnte, dann war es rebounden. Und so stellte ich gleich einen neuen Schulrekord auf“, erzählt Erving stolz.
Langsam dämmert es ihm, dass nicht die Wissenschaft, sondern Basketball sein ersehnter Weg aus der Armut sein könnte; dass Basketball seine Nische sein könnte. Erving selbst erkennt darin seine Berufung. „Der Basketball hat eher mich ausgesucht als ich ihn. Meine großen Hände, meine großen Füße, generell meine körperlichen Voraussetzungen machten Basketball einfach zum idealen Sport für mich“.
Von da an nimmt der Auserkorene sein Schicksal in die eigenen Hände. Der „Doktor“ bricht auf Anhieb die Rekorde in den Kategorien Punkten und Rebounds. Bereits im zweiten Jahr wird er zweitbester Rebounder des Landes. Trotz geringer Körpergröße weiß er sich stets durchzusetzen und dominiert mit 26,3 Punkten und 20,2 Rebounds.
Als er sich entscheidet, das College nach zwei Jahren ohne Abschluss in Richtung Profilager zu verlassen, verabschieden ihn 150 Fans bei seiner Abschlussfeier. „Ich habe noch niemals so viele Leute gesehen, die so viel von einem jungen Mann gehalten haben. Es lag ihnen eine Menge an Julius, nicht nur wegen seines außergewöhnlichen Spiels, sondern vor allem aufgrund seines Wesens“, berichtet Al Bianchi.
Ohne Uniabschluss darf Erving jedoch nicht direkt in die NBA wechseln. Daher unterschreibt er einen 500.000 Dollar-Vertrag über vier Jahre bei den Virginia Squires, deren Head Coach Al Bianchi zu der Zeit ist. Die Squires spielen in der ABA, der American Basketball Association, dem „kleinen“ Bruder der NBA. Die Liga ringt seit ihrer Gründung 1967 um Aufmerksamkeit und sorgt durch Drogenexzesse der Spieler eher abseits des Spielfeldes als darauf für Schlagzeilen. Das Damoklesschwert der Ligazusammenführung schwebt über der ABA, weshalb sie ihr Image aufpolieren möchte. Der charismatische Julius Erving ist der perfekte Mann dafür.



von Gerald Wallace-Fan 10.10.09 um 18:17:19
Eine super Spieler, hat den Basketball sehr verändert mit seinen Flügen!!!
von mariofour 11.10.09 um 21:07:57
Heutzutage wird jeder Dunk in einem Preseason-Spiel auf Video festgehalten...damals war das leider nicht ganz so. Ich möchte mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wieviele großartige Moves und Dunks vom Doctor, aber auch von anderen Klassikern wie dem Skywalker, George McGinnis oder Spencer Haywood auf ewig verloren sind...
Wenigstens hat uns der Doc noch ein paar gut dokumentierte Jahre in der NBA geschenkt.
von Gnarf 16.10.09 um 02:23:01
Ein sehr geiler Bericht! 2 Daumen hoch!!! Dr. J ist einer meiner absoluten Lieblingsspieler gewesen.
von HoopBallerrr 04.03.10 um 22:42:41
macht einfach lust auf mehr basketball wenn man dies liest und sieht!!! super beitrag DR.J IS AMAZING