Kobe Bryant
Drama, Baby!
Alle Jahre wieder bieten uns die Los Angeles Lakers den Stoff an, aus dem Hollywood-Filme gedreht werden und die Goethe und Shakespeare alt aussehen lassen. Der neueste Teil: Die Kobe-Kontroverse.
Von Maximilian Selow |
06.06.2007 | |
Seattles Guard Ray Allen hat es schon im Oktober 2004 kommen sehen. Einen Tag nachdem Kobe Bryant ihm in seinem ersten Preseason-Spiel ohne Ex-Partner Shaquille O?Neal 35 Punkte eingeschenkt hatte, die Lakers aber trotzdem nicht zum Sieg führen konnte, wusste Allen, dass dies den Anfang vom Ende darstellte: ?Wenn Kobe nicht einsieht, dass man zweieinhalb gute Spieler braucht, um ernsthaft um den Titel mitzuspielen, oder sogar Champion zu werden, wird er in ein oder zwei Jahren zu [Lakers-Besitzer] Jerry Buss sagen ?Wir brauchen hier Hilfe? oder ?Trade Me? und wir alle werden sagen ?Ich hab?s dir ja gesagt?."
Eine erschütternd genaue Einschätzung der Situation, die für Lakers-Fans und die Verantwortlichen der Franchise um Besitzer Jerry Buss nun zur bitteren Realität geworden ist.
Die Krise hatte sich nach dem erneuten Erstrunden-Aus der Lakers bereits angekündigt. In seinem letzten Pflichtinterview der Saison stellte sich ein sichtlich frustrierter Kobe Bryant der Presse und forderte Veränderungen. Waren diese Forderungen zunächst noch als Ausbruch von Kobes Frustrationen direkt nach dem Playoff-Aus gesehen worden, bewies Bryant wenige Wochen später, dass es ihm mehr als ernst war mit der Aufforderung an die Verantwortlichen der Franchise, endlich etwas zu tun, um die Lakers zu verbessern und ihre Versprechungen, das Team wieder zum Titelanwärter zu machen, einzuhalten.Kobe Bryant" hspace="6" src="/img/headshots/kobe_bryant.jpg" align="left" vspace="4" border="0" />Doch es sollte nur das Vorspiel von Kobes dreitägiger Medienkampagne sein. In einem Interview mit ESPNs Ric Bucher verlangte Bryant die Wiedereinstellung von Jerry West, der Bryant 1996 in der Draft-Nacht nach Los Angeles holte und bis zu seinem Wechsel nach Memphis im Jahr 2000 als General Manager der Lakers fungierte. Sollte dies nicht passieren, so behauptete zu der Zeit zumindest Bucher, würde Bryant einen Trade fordern. Alles Unsinn berichtete der Superstar einen Tag später in der heimischen Presse. Ja, er würde West gerne wieder in der Organisation haben, würde aber sicherlich keinen Trade fordern, sollte dies nicht geschehen.
Hatte Bryant bis jetzt nur versteckte Kritik am Management der Franchise geäußert, ging er am nächsten Morgen in die Vollen. Es war ein Artikel in der LA Times, der Kobe aufgebracht hatte. Times-Journalist Mark Heisler zitierte in seinem Artikel rückblickend auf den Abgang von Shaquille O?Neal im Sommer 2004 einen ?Lakers-Insider?, der behauptete, dass Kobes Beharren darauf, ohne O?Neal zu spielen, die Lakers erst in ihr derzeitiges Dilemma gebracht hätte. Behauptungen, die die Medien im Grunde genommen seit nunmehr drei Jahren aufstellen, und die Jerry Buss ebenso wie die Verantwortlichen des Managements bereits mehrfach dementiert hatte. Auf seiner Website berichtete Bryant ?die wahre Geschichte? hinter dem Shaq-Trade, verriet, dass Jerry Buss ihm selbst gesagt hätte, dass die Lakers O?Neal traden werden, unabhängig davon, ob Bryant bleiben oder nicht bleiben würde. Zudem meldete Bryant erstmals Zweifel an seiner Entscheidung an, ob seine Vertragsverlängerung bei den Lakers wirklich der beste Schritt für ihn gewesen sei. Lügen warf er Buss vor. Dieser hätte ihm im Sommer 2004 versprochen, die Lakers sofort zum Titelanwärter umzugestalten, doch stattdessen hegte das Team einen Plan, um langfristig Platz unter dem Salary Cap zu schaffen. Bryants Freunde, darunter Baron Davis, Carlos Boozer und Ron Artest, wären aufgrund genau dieses Planes nicht geholt worden, obwohl sie ihn angerufen und ihm ihren Wunsch, bei den Lakers zu spielen, mitgeteilt hätten.
Nur im vom Drama dominierten Los Angeles kann eine Franchise mehr Aufmerksamkeit für sich beanspruchen als die zeitgleich stattfindenden NBA Conference Finals.
Die Heldentaten des LeBron James sollten am darauffolgenden Morgen jedoch komplett ins Hintertreffen geraten. In der Dramaturgie spricht man von der Peripetie, dem Höhepunkt und Umschlag der Handlung, der auf die vorangegangene Exposition (Bryants Pressekonferenz) und das erregende Moment (Bryants Entscheidung, seinen Konflikt weiterhin öffentlich auszutragen) folgt. Einen solchen Höhepunkt sollte er seinen Fans und den Lakers liefern. In einer Radio-Talkshow bei ESPNs Stephen A. Smith verkündete Bryant mit einer traurigen und tiefen Stimme seine Entscheidung, die Lakers verlassen zu wollen. Einen Trade hatte er bereits wenige Stunden zuvor bei Mitch Kupchak verlangt. Seine Entscheidung werde er nicht ändern, versicherte er gegenüber Smith entschlossen.
Aber was bedeuten heute schon offiziell verkündete Entscheidungen, in Zeiten in denen selbst ältere und - zumindest annehmbar - reifere Head-Coaches sich nach einer Vertragsunterzeichnung entschließen, ihren neuen Job doch nicht anzutreten.
So war sich auch ein offensichtlich zwiegespaltener Bryant ob seiner Entscheidung nicht mehr sicher und ruderte wenige Minuten später im zweiten Teil seines Radio-Interview-Marathons wieder zurück. Er wolle für kein anderes Team spielen, er wolle den Rest seiner Karriere bei den Lakers verbringen und sie als Laker beenden, sagte Bryant nun im Gespräch bei Dan Patrick. Irgendeine Lösung der Situation müsse gefunden werden, war er sich sicher. Auf seiner Website erklärte Bryant noch mal seinen Standpunkt, bedankte sich für die Unterstützung der Fans und gab mit seiner Bemerkung, ihm würden nun neue Wege bevorstehen, wieder eine klare Andeutung zum Wunsch eines Trades ab. In einem darauf
folgenden Interview hingegen, diesmal beim Heimatsender der Lakers, bekräftigte er ein weiteres Mal, dass er die Lakers nicht verlassen wolle, dass er mit Phil Jackson geredet habe und beide einen Ausweg aus der Situation sehen würden. Selbst Magic Johnson hatte Kobe auf die Mailbox gequatscht, in der Hoffnung, er würde seinen Trade-Wunsch noch einmal überdenken.
Eine Nation atmete auf. Kobe, der Laker-for-Life, sollte seine ?Goldene Rüstung?, wie er die Jerseys der Lakers über die Jahre immer wieder bezeichnete, doch nicht verlieren. Einen Abend lang hatte er die Fans der Lakers, die Fans der NBA und die zahlreichen General Manager der Liga durch ein Wechselbad der Gefühle geschickt. Nun schien alles ausgestanden.
Bis zum nächsten Tag natürlich. Bryant fühlte sich missverstanden. An seinem Trade-Wunsch habe sich nichts verändert. Zwar würde er unheimlich gerne bleiben, aber er habe keine andere Wahl. Ein Trade sei unumgänglich, berichtete er der LA Times. Und zurück ging es ins Tal der Tränen.
Lakers-Besitzer Jerry Buss zeigte sich entschieden. Ein Bryant-Trade würde nicht stattfinden, stattdessen erbarmte sich der millionenschwere Lakers-Boss, der ein paar Tage zuvor noch betrunken am Steuer auf der falschen Fahrbahnseite fahrend von der Polizei angehalten und in Gewahrsam genommen worden war, zu einem Gespräch mit seinem Superstar, der seitdem zumindest entschieden hat, seinen Konflikt mit dem Management der Franchise nicht weiter über die Presse auszutragen.
Änderungen bei den Lakers stehen bevor, ganz egal ob diese nun aus Bryants Medienzirkus resultieren oder ob sie schon seit Saisonende vom Management der Lakers geplant waren. Änderungen, die höchstwahrscheinlich nicht den Trade von Kobe Bryant beinhalten werden. Laut diversen Medienberichten wollen die Lakers u.a. Lamar Odom und Andrew Bynum für Jermaine O?Neal eintauschen. Auch Center Marcus Camby von den Denver Nuggets, sowie Forward Ron Artest von den Sacramento Kings stehen weiterhin auf der Wunschliste der Lakers. Um diese zu bekommen, wären weitere Trades unumgänglich.
Mittlerweile meldete übrigens auch Lamar Odom laut ESPNs Marc Stein an, dass er für kein anderes Team als die Lakers spielen werde, solange er nicht von seinem neuen Team eine Vertragsverlängerung um drei Jahre erhält. Genug Stoff also für ein weiterer Teil der niemals endenden Dramen um die Hollywood Lakers?.






von TimmyD21 06.06.07 um 22:33:55
vielleicht sollte sich bryant seine eigene franchise kaufen.dann kann er sich sein team zusammenstellen mit dem er meister werden möchte.mit einem co investor und seiner eigenen kohle(sollte ja genug da sein) dürfte das möglich sein.laut nba regeln ist das aber wohl nicht erlaubt.zum glück :)nee aber mal im ernst,kobe bryants wunsch nach einem stärkeren team kann man ja verstehen.das aber auf eine öffentliche art und weise zu bewerkstelligen zu wollen ist peinlich und fies gegenüber den lakers.ich denke jordan war damals auch eine "drecksau"und hat alles in seiner macht stehende unternommen damit er ein starkes team um sich bekommt,nur war er etwas geschickter als bryant und hat dies intern geregelt.er wollte sich ja nicht seinen guten ruf versauen so wie es jetzt bryant seit jahren fleissig tut.
von FLip FLaVa 07.06.07 um 00:15:28
Ist doch klar das ein Macker vom Kaliber Bryant das rebiellieren anfängt wenn sich 3 Jahre nix tut.... jetzt wird sich eben doch zeigen ob er für die Franchise spielt oder für Geld und Erfolg....
von all eyez on me 07.06.07 um 15:46:45
Keiner in der NBA spielt für eine Franchise sondern jeder spielt für Gled und Erfolg, so auch Kobe.
Das Geld kriegt er bei den Lakers aber für den Erfolg müsste noch einiges passiern. Allerdings sollte er nicht alles so in die Öffentlichkeit tragen
von Jam3000 07.06.07 um 22:42:33
Kobe is einfach Kobe, der wirds einfach nie kapieren dass auch wenn man der womöglich beste Spieler des Planeten is, das genau dieser sich eben nicht um Kobe selbst dreht. Irgendwann wird er wie KG aufwachen, jahrelang ohne playoff erfolg, und eben mit dem blöden nebeneffekt das nicht so wie bei KG, der bekanntlich echt zu den Wolves steht, jeder weiß das kobe einfach nur ne Bitch is.
von Pete Air 08.06.07 um 22:47:24
Tja und man kann sagen das er auch noch selber schuld ich meine hätte er damals bus gesagt shaq soll bleiben wäre der wohl kaum getradet worden oder ?
von dabigticket21 08.06.07 um 23:57:15
Ich würde Kobe hier gar nicht so viel vorwerfen. Klar, er hat sich etwas dümmlich angestellt mit den Medien, doch solche Diskussionen sind meist nicht von den Spielern geplant, so wie es die Medien ihnen jedoch vorwerfen. Man gibt ein ungeschicktes Statement aus Unüberlegtheit ab und schon wird das von den Medien in alle Welt getragen und man wird wieder und wieder danach gefragt. So verstrickt sich das ganze weiter zu einer großen Geschichte.
Bei Iverson dürfte es letztes Jahr ähnlich gewesen sein.
Jordan stellte sich damals wohl geschickter an, die Medien waren allerdings auch noch nicht so sensationsgeil und korrupt wie heute.