Kobe Bryant
81: Für Kobe oder die Lakers?
Bei Kobe Bryants Wahnsinnssaison sind spätestens nach der 81-Punkte-Show letzte Woche alle Kinnladen nach unten geklappt. Aber bringt Kobes Spielweise die Lakers überhaupt nach vorne? Zwei Meinungen.
Von Markus Schmitt, Harald Mainka |
30.01.2006 | |
Der Beste Von Harald Mainka Egal, wie gut LeBron James jetzt schon ist. Egal, wie viel Punkte und Assists Allen Iverson in Philadelphia auflegt. Der beste Spieler der Gegenwart ist Pick Nummer 13 im Draft 1996. Der Beste Von Harald Mainka Egal, wie gut LeBron James jetzt schon ist. Egal, wie viel Punkte und Assists Allen Iverson in Philadelphia auflegt. Der beste Spieler der Gegenwart ist Pick Nummer 13 im Draft 1996. Kobe Bryant ist ruhig, als er die Umkleidekabine der Lakers während der Partie gegen die Raptors betritt. Es ist Halbzeit. Es läuft gut für ihn, bemerkenswerte 26 Punkte hat er bereits auf dem Konto. Das sind mehr, als Pape Sow, Sophomore der Raptors, bisher überhaupt in dieser Saison gemacht hat (er hat bislang 23 Punkte, Anm. d. Red.)! ???Als Kobe zu uns in die Kabine kam, war er so ruhig, dass es schon fast unheimlich war?, sagte Lamar Odom nach dem Spiel. Das Spiel gewinnen die Jungs aus dem ???La-La?-Land mit 122:104, das ist allerdings zur Nebensache degradiert worden. Die Lakers haben das Spiel gewonnen? Nein. Kobe ebnete diesen Weg. ???Wenn man sich das dritte Viertel betrachtet, denkt man, meine Spieler waren bei ihm. Wir stellten immer ein Double-Team gegen ihn. Wir haben alles versucht: Zone, sogar Box-and-1, welches ich seit meinen Collegetagen nicht mehr gespielt habe, und er traf seine Würfe trotzdem?, meinte der Head Coach der Raptors, Sam Mitchell, und fügt hinzu: ???Das Kranke an seiner Performance heute war, dass er selbst diese verrückten Würfe getroffen hat.? Kobe Bean Bryant hat in der zweiten Halbzeit 55 Punkte gemacht. 55! Damit liegt er vier Punkte unter dem Rekord von Wilt Chamberlain vom 2. März 1962, als Chamberlain insgesamt auf 100 Punkte kam. In der Abrechnung kommt ???The Closest Thing to MJ? auf 81 Punkte. Einundachtzig! ???Das habe ich mir nie erträumt, selbst in meiner Kindheit nicht?, beschreibt Kobe seine Gefühlslage. Wir haben den ???Next Jordan? gefunden! Oder doch nicht? ???Während meiner ganzen Karriere wurde ich so oft mit ihm verglichen. Er ist vielleicht der beste Spieler, den es je gab ? da gibt es keinen Vergleich. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass die Leute damit aufhören, mich mit ihm zu vergleichen?, fordert der 27-Jährige auf. ???Es ist einfach nicht fair.? Kobe hat oft geworfen, sehr oft. Ganze 46-mal, 13-mal von der Dreierlinie. Wenn man aber solch einen Tag erwischt, wie Bryant es tat und 60% aus dem Feld trifft, dann fügt es dem ???Schaden?, den diese Leistung anrichtet, nichts mehr hinzu. ???Es war natürlich nicht die Art, wie ich mir vorstelle, Siege einzufahren. Wenn man aber gewinnen muss und man hat solch eine Waffe hat, ist das aber natürlich toll. Ich habe viele Spiele gesehen. Aber solch eine Leistung von einem einzigen Spieler noch nie?, sagt kein geringerer als Phil Jackson, der gegen Wilt Chamberlain in seiner aktiven Karriere spielte und Michael Jordan trainierte. Wer 81 Punkte bei 46 Versuchen und zwei Assists hört, der denkt sicherlich schnell, Mr. Bryant ist ein Egozocker. Im Schnitt hält er 27-mal drauf und findet 12-mal Nylon. Bei seiner 62-Punkte-Performance gegen Dallas knapp einem Monat vor seiner 81-Punkte-Partie hielt er 31-mal auf den Korb. Null Vorlagen verteilte er dabei. Trotzdem gab es Siege. Im dritten Viertel gegen die Raptors spielte er 14 Punkte mehr ein als das gesamte Raptors-Team. Warum hält Bryant so ungewissenhaft oft drauf? Hat er kein Vertrauen in seine Mitspieler? Oder ist er einfach ???allein zu Haus?? Das Wichtigste ist, was dabei rauskommt. Die Lakers haben bisher 22 Siege eingefahren. Damit belegen sie Platz sieben in der starken Western Conference. Sie trotzen jeder Prognose vor der Saison. Und das alles ohne? Shaquille O?Neal! Dabei war der Abgang des ???Diesels? aus Los Angeles für viele schmerzhaft. Nicht wenige hätten es lieber gesehen, wenn der Co-Star Kobe aus Hollywood verbannt worden sei. Der Präsident Jerry Buss sagte ???Nix da? und verschiffte O?Neal nach Miami. An die Westküste zogen der beste Heat-Spieler Lamar Odom (wer hätte denn gedacht, dass Dwyane Wade so explodiert), Caron Butler und Brian Grant. Odom wird sofort zum Co-Kapitän, Butler erarbeitet sich während der Saison einen Startplatz auf der Drei und Grant? braucht sich nach dem Spiel theoretisch nie duschen, so wenig, wie er spielte. Das Trio Bryant/Odom/Butler bringt 56 PpG, vor allem Odom entlastet den neuen Kapitän mit seinen Allround-Stats von 10,2 RpG, 3,7 ApG und 1,02 BpG sehr. Doch der Hauptschuldige am Versagen der Lakers, die ein Jahr nach dem Erreichen der Finals letzter in ihrer Pacific Division werden, ist die Nummer acht. Aber er wollte es so! Er wollte ein Team führen! Das hat er jetzt davon! Die Kritik der Medien prasselt auf ihn ein, doch Kobe lässt das kalt. Im Sommer arbeitet er hart an sich, vor allem seinem Ballhandling (letztes Jahr 4,09 TpG) widmet er viel Zeit. Dazu bekommt sein Sprungwurf Feinschliff, denn nur 43,3% bei insgesamt 1.324 Wurfversuchen fanden in der letzten Saison ihr Ziel. Zu wenig für einen Shooting Guard, der vor allem auch in der Crunch Time zu den Besten gehören will. Und es zahlt sich aus. In den ersten zehn Spielen wird Bryant neunmal Topscorer. Er erspielt sich 31,3 Punkte bei einer 45%-igen Trefferquote. Doch dem Team bringt es wenig. Vier Siege stehen sechs Niederlagen gegenüber. Dass die Lakers die Playoffs nicht erreichen, auch wenn Kobe großartige Partien spielt, wird immer wahrscheinlicher. Kobe ist alleine in einem Team, indem außer ihm und Odom jeder andere bei einem anderen Team auf der Bank seine Brötchen verdienen würde. Die Nummer sieben (Odom) bringt täglich 14 Punkte und elf Rebounds auf den Statistikzettel, aber zu zweit ist man nicht unbedingt stärker. Doch nach 25 Spielen stehen die Lakers mit 14 Siegen da, jener 14. Erfolg wird vor allem für Bryant ein ganz besonderer. Auch wenn kein anderer außer ihm zweistellig punktet, steht es in der ganz eigenen Partie von Bryant gegen die Mavs nach drei Vierteln 95:61 für die Jungs in gelb und lila. Dann verlässt Kobe das Parkett ? mit den 62 Punkten auf der Habenseite, mehr als das gesamte Team der Mavericks. Er ist der 19. Spieler der NBA-Geschichte, der mehr als 60 Zähler auflegt. Doch was noch wichtiger ist als seine Performance, ist der 112:90-Sieg über Dirk Nowitzki und die Mavericks. Das Jahr endet mit einer Bilanz von 15-14. Sie liegt über den Erwartungen, machen wir uns nichts vor. Nach dem letzten Spiel anno 2005 wird Bryant für zwei Spiele gesperrt, weil sich die Nummer acht der Lakers mit Mike Miller von den Memphis Grizzlies in die Haaren gekriegt hatte. Die zwei Spiele, beide jeweils gegen die Utah Jazz, werden prompt verloren. Dann kommt Bryant zurück: Die Lakers erspielen sich eine 7:3-Serie, mit ihm als Zugpferd und zehnmaligem Topscorer mit unglaublichen 45,5 Punkten bei 48,7%-iger Sicherheit. Spiel zehn ist dieses eine. Dieses Spiel, das in die Geschichte eingeht. Es sind die 81 Punkte von Kobe Bryant, die die Marketingabteilung der National Basketball Association veranlassen, eine limitierte Ausgabe eines T-Shirts mit seinem Kopf und der ???81? auf dem Rücken herauszugeben. Es ist Kobes Killerinstinkt, er will jedem beweisen, dass er ???der Beste? ist. ???Ich will da raus gehen und den Leuten zeigen, wie gut ich bin?, meinte Bryant in einem Interview. Und auch, wenn es zu Anfang eines Spiels nicht ganz so gut läuft, vertraut er seinem Game. Wie im Spiel gegen die Warriors, seinem ersten nach dem 81-Punkte-Hammer, als er nach drei Vierteln nur bei 14 Punkten liegt und reihenweise auch einfachere Würfe daneben semmelt. Doch dann erwacht er und vollendet das Schlussviertel mit 16 Punkten bei fünf von zehn aus dem Feld. Davor brachte er lediglich zwei aus zwölf im Korb unter. Und selbstredend gab es einen, wenn auch sehr knappen 106:105-Sieg über die Warriors, bei dem er die Offiziellen am Anschreibetisch dazu zwingt, ebenfalls fünf Rebounds und acht Assists hinter seinen Namen zu notieren. Hin und wieder hört man noch, er sei ein Egozocker. Doch das ist er ganz und gar nicht! Als Beispiel muss mal wieder seine geschichtsträchtige Performance vom 22. Januar herhalten. Er hat 81 Punkte gemacht. Er ist DER Mann des Abends. Was sagt Kobe selber zur Gewichtung seines Auftritts? ???Es ging mir die ganze Zeit nur um den Sieg.? Na dann? Zum Abschluss sollte man sich noch einmal Kobe Bryants sensationelle bisherige Saison in Zahlen auf der Zunge zergehen lassen. Ein herzliches Dankeschön geht von unserer Seite an Ronnie Bakowskie, der ???neben dem Lernen mal Abwechslung brauchte? und uns mit seinen Stats zu Kobe inspirierte: - 20+ Spiele: 37 - 30+ Spiele: 27 - 40+ Spiele: 13, davon fünf in Folge - 50+ Spiele: 4 - 60+ Spiele: 1 - 80+ Spiele: 1 | Illusion und Wirklichkeit Von Markus Schmitt Kobe Bryant beschäftigt in diesen Tagen die Basketball-Szene weltweit. Sind seine 81 Punkte gegen Toronto Fluch oder Segen für die Lakers und letztlich auch für ihn? Ohne Zweifel, beim 122:104-Erfolg der Los Angeles Lakers über Toronto vor gut einer Woche hat Kobe Bryant eine Punktzahl erzielt und eine Marke aufgestellt (Platz zwei in der ewigen Bestenliste), die im Basketball des 21. Jahrhunderts nicht mehr für möglich gehalten wurde. Wenn man es positiv ausdrückt, muss man ihm für diese Energieleistung einfach Respekt zollen. Ist schon Wahnsinn, was der Kerl drauf, und wie er in jüngster Vergangenheit eine für ihn persönlich schwierige Phase gemeistert hat - der Ärger mit Shaq und der Prozess in Colorado. Wie auch immer: Auf dem Court ist er einfach einer der prägendsten Figuren der nordamerikanischen Profiliga. Böse Zungen sprechen von Bryant jedoch als Egomanen, der einfach das Gefühl gesteigerter Aufmerksamkeit braucht. Ist ja noch nicht lange her, da hat ihn sein damaliger und jetziger Coach Phil Jackson als "untrainierbar" bezeichnet. Muss man also zwangsläufig ein Egozocker sein, um Annerkennung zu erlangen? Vielleicht ist da was dran, obwohl die Detroit Pistons als Team ein fundamentales Gegenbeispiel sind, was sie auch in der letzten Nacht wieder bewiesen haben, als sie die Lakers mit 102:93 bezwangen. Besonders die Team-Stats gaben da viel Aufschluss, in welchen Bereichen das Team von der Westküste zulegen muss. Auch wenn man natürlich bedenken sollte, dass die Qualität der Mannschaften nicht wirklich vergleichbar ist. Hier spielte ein potenzieller NBA-Champion - und die Rede ist nicht von den Lakers - gegen einen Playoffanwärter. Ob man von Bryant als Superstar aber erwarten sollte, sein Team auf eine andere Art und Weise zu führen, ist eine Frage, die hier nicht beantwortet werden soll und kann. Vielleicht suchen und brauchen große Athleten - und Kobe ist dies sicherlich - einfach eine große Bühne, um ihr Können zu demonstrieren. Andere große Basketballlegenden kann man davon auch nicht frei sprechen. Man will ja schließlich etwas hinterlassen. Und Kobes Team bietet ihm einfach die Möglichkeit, mangels Klasse, viele Würfe zu nehmen. Allerdings gab es in der Folge von Bryants 81-Punkte-Performance weltweit, allen voran in Deutschland, Medienreaktionen, die objektiv nicht nachvollziehbar sind. Da wird nach einem Spiel sofort der Jordan-Bryant-Vergleich gezogen und ESPN-Reporter vermuten, er werde innerhalb eines Monats noch den Chamberlain-Rekord brechen (100 Punkte). Da fragt man sich, ob es darum im Basketball gehen soll? Ob es wirklich entscheidend ist, dass ein Spieler gegen das Team mit den zweitmeisten Punkten gegen sich (102 Punkte kassieren die Raptors im Schnitt) eine Karrierebestleistung aufstellt, auch wenn diese zweifelsohne eindrucksvoll ist? Andernorts kommt man zu dem Schluss - Basketball ist wohlgemerkt selten das Zugpferd einer deutschen Tageszeitung und dies entspricht zumeist auch der Kompetenz - dass Bryants Spiel in der Offensive viel variabler sei, als es das von Michael Jordan je gewesen ist. Grundsätzlich sollte man die offensiven Fähigkeiten von Bryant besonders nach dieser Gala nicht anzweifeln, aber wenn man im Basketball ein Ende des Platzes im Blick hat, dann muss man auch das andere Ende berücksichtigen. Und Bryant ist nunmal kein erstklassiger Verteidiger, wie es Jordan mit neun Berufungen in das "All-Defensive First Team" bewiesen hat. Von dem "Defensive Player of the Year"-Award, den Jordan 1988 gewann, ist Bryant ohnehin meilenweit entfernt. Aber im Grunde sind solche Diskussionen doch nebensächlich. Die Fragen, die am Ende des Tages (oder der Saison) von Kobe Bryant selbst beantwortet werden müssen, sind ganz einfach: Habe ich es geschafft, aus meiner Mannschaft ein Siegerteam zu formen, bzw. entscheidend dazu beigetragen oder nicht? In diesem Fall hatte Bryant Glück - sein Team gewann ja gegen Toronto. Wird dieser Sieg dem Team weiterhelfen? Eine klare Antwort: Nein! Isolation hilft in den seltensten Fällen. Belege dafür sind die Statistiken des "Supporting Cast" nicht nur in den letzten Begegnungen. Lediglich Smush Parker und Lamar Odom geben Bryant hin und wieder die nötige Unterstützung. Oder anders formuliert: Ihnen ist es erlaubt, Schüsse zu nehmen... Eine auf den Abschluss bedachte Spielwiese des Lakers-Stars, wie sie auch schon Allen Iverson über ganze Spielzeiten hinweg in Philadelphia pflegte, wird nur zur Folge haben, dass seine Kollegen das Selbstvertrauen verlieren werden, und der Zusammenhalt im Team gefährdet wird. Beides führt nicht zu einem gerechtfertigten Anspruch Bryants als Teamleader. Der Trainerphilosophie von "Zen-Meister" Phil Jackson entspricht dies ebenfalls nicht. Da prallen im Grunde zwei Güterzüge aufeinander. In ein ähnliches Horn blies diese Woche Ex-Bull Scottie Pippen: Er sprach dem Lakers-Star die Führungsrolle im Team ab und bezweifelte, ob Coach Jackson mit diesem Basketball glücklich ist. Mit knapp 36 Punkten pro Spiel führt der Star der Lakers die NBA in dieser Kategorie an, sein Team steht allerdings nur auf Platz sieben im Westen und fightet mit vier, fünf anderen Teams um die Playoff-Teilnahme. Selbst wenn diese gelingt, wird es höchstwahrscheinlich nicht über die erste Runde hinausgehen, dafür spielen die Topteams aus San Antonio, Dallas, Phoenix und Memphis - auf Denver möchte ich mich da trotz eines aktuell guten Laufs noch nicht so festlegen - einfach zu stark und kompakt. Dennoch: Eine Werbung für den Basketball waren Kobes 81 Punkte schon. Und seine Leistung wird man nicht vergessen. Die Lakers-Saison 2005/2006 jedoch sehr schnell. |






von Crossover 30.05.2012 um 11:05:59
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