Free Agents

Free Agency 2007

Die NBA-Saison 2006/07 beendet, der Meister steht fest und der mit Spannung erwartete Rookie Draft ist vorbei. Waren das schon alle Highlights dieses Sommers? Nein, denn nun steht die Free Agency an.

Von Moritz Schäffer
 02.07.2007 |

Egal ob verpasste Playoffs, frühzeitiges Ausscheiden, ernüchternde Finalniederlage oder souveräner Titelgewinn: Um für die kommende Spielzeit gerüstet zu sein, sollte sich jedes Team verstärken, denn Stagnation bedeutet bekanntlich Rückschritt. Obwohl in der Free Agency Class von 2007 im Vergleich zu 2008 die ganz großen Namen fehlen ? nächsten Sommer werden u.a. Tim Duncan, Jermaine O?Neal, Baron Davis, Dwight Howard, Gilbert Arenas oder Elton Brand Free Agent ? hält sie für jeden erdenklichen Bedarf und jede Position das passende Upgrade bereit. Zur Auswahl stehen mit dem ehemaligen Finals-MVP Chauncey Billups, Highflyer Vince Carter, Edelverteidiger Gerald Wallace oder Scorer Rashard Lewis einige Hochkaräter sowie jede Menge erfahrener Rollenspieler, die zu verhältnismäßig günstigen Preisen zu haben sein dürften. Einziges Probleme dabei ist die geringe Anzahl von Teams mit genügend Platz unter dem Salary Cap. Lediglich die Charlotte Bobcats, die Orlando Magic und die Milwaukee Bucks haben ausreichend Geld zur Verfügung, um den begehrtesten Free Agents angemessene Angebote unterbreiten zu können.

Point Guard dringend gesucht

Schon zur vergangenen Trading Deadline beherrschte die weitverbreitete Suche nach einem Point Guard die Medien. Egal ob Jason Kidd oder Mike Bibby, über beinahe jeden Chauncey BillupsSpielgestalter, der an seinem aktuellen Arbeitsplatz nicht hundertprozentig glücklich war, entwickelten sich zahlreiche Gerüchte. Nun stand mit Chauncey Billups (Foto) einem der besten Spielgestalter der Liga die Option offen aus seinem Vertrag auszusteigen, welche er auch wahrnahm. Mit 30 Jahren ist der ehemalige Wandervogel noch im besten Alter für einen Aufbauspieler und wird noch einige Jahre das Geschehen in der Liga mitbestimmen können. Ähnlich wie Kidd basiert sein Spiel nicht nur auf purer Athletik, sondern auf Spielverständnis und Führungsqualitäten. Diese Fähigkeiten wird er mit 35 Jahren wahrscheinlich noch ebenso besitzen wie jetzt. Trotz zuletzt mäßiger Wurfquoten in den Playoffs ist er nie um einen spielentscheidenden Wurf verlegen und in der Verteidigung eine echte Größe, nicht nur wegen seiner Körperlänge von 1,91 Meter. Joe Dumars (General Manager der Pistons) wird nun nichts unversucht lassen, seinen Top-Spieler zu halten, denn bereits vor einem Jahr verzockte er sich, als es darum ging Ben Wallace in der Motor City zu halten. Sein größter Bonus ist dabei wohl die Möglichkeit für Billups weiterhin mit den Pistons um den Titel zu spielen.

Was kann aber in Anbetracht dieser Vorraussetzungen dafür gesprochen haben, dass Billups seine Ausstiegsklausel in Anspruch nahm? Hauptsächlich wäre da sein bisher relativ niedriges Gehalt, denn verglichen mit dem NBA-Durchschnitt war er für seine Leistungen absolut unterbezahlt ? er befand sich nicht unter den 50 besten Verdienern der Liga. Zwar ist es möglich, dass er zu verbesserten Bezügen wieder bei den Pistons unterschreibt, eine ebenso realistischste Alternative jedoch stellen die Milwaukee Bucks dar: Sie haben ausreichend Platz unter dem Salary Cap und befinden sich auf der Suche nach einem potenten Point Guard. In der Bierstadt hätte Billups gute Chancen, eine neue Ära einzuleiten, in der um den Titel mitgespielt wird, denn mit All Star Michael Redd würde Billups einen brandgefährlichen Backcourt bilden, zu dessen Unterstützung mit Andrew Bogut, Charlie Villanueva und dem im Draft erworbenen Chinesen Yi Jianlian weiteres hochtalentiertes Spielermaterial parat steht.

Für Teams, die diesen Sommer sparen müssen, gibt es alternativ zu Billups Maurice, genannt Mo, Williams. Der Combo-Guard ist zum einen mit seinen 24 Jahren noch jung und hat sich zum anderen in der abgelaufenen Spielzeit mit seiner Schnelligkeit und Ballgewandtheit zu einer guten Partie gemausert. Seine 17 Punkte und sechs Assists im Schnitt deuten darauf hin, dass er ebenso passen wie selbst den Abschluss suchen kann. Aufgrund des schlechten Abschneidens seines bisherigen Teams aus Milwaukee ist er offenbar nicht wirklich zufrieden. Sollte der Deal der Bucks mit Billups klappen, wären Williams? Tage in Milwaukee gezählt. Für interessierte Teams könnte er durchaus per Mid-Level Exception zu holen sein. So wären z.B. die Cleveland Cavaliers mit ihm und Larry Hughes im Backcourt exzellent besetzt und könnten einen neuen Angriff auf den Titel starten, nachdem sie in diesem Jahr erst im Finale scheiterten.

Als noch günstigere Alternative auf der Spielmacher-Position bietet sich Steve Blake an. Der 26-Jährige hat nach harten Jahren in Portland und Milwaukee zuletzt in Denver eine gute Figur gemacht. Für Mannschaften, die hauptsächlich nach einem soliden Ballvorträger suchen, kann er eine billig zu habende Lösung darstellen.

Highflyer oder Defender? Oder beides?

Sind wir mal ehrlich: Der schon als Weichei abgestempelte Vince Carter (Foto) hat eine richtig starke Saison gespielt. Er war bei den New Jersey Nets der wichtigste Mann neben Vince CarterJason Kidd sowie Dreh- und Angelpunkt in deren Offensive. Kaum ein Spiel, in dem er nicht bester Punktesammler war und seine gewohnt spektakulären Aktionen zu zeigen vermochte. In New Jersey ist man deshalb hoch bemüht, Carter zu versichern, dass mit diesem Team noch viel zu erreichen ist. Grund genug für den 30-Jährigen, nur einen Tag nach dem Ausstieg aus seinem Vertrag gleich eine Verlängerung mit den Nets zu fixieren. Über die nächsten vier Jahre wird Ex-?Air Canada? nun knapp 62 Millionen Dollar verdienen. Kein schlechter Deal für einen Scorer, der hauptsächlich von seiner Athletik und Sprungkraft lebt.

Angesichts Carters Entscheidung passt es ganz gut, dass sich die Charlotte Bobcats bereits anderweitig umgesehen haben. Ursprünglich war die Position des Shooting Guard diejenige, auf der in Charlotte das größte Loch klaffte, sodass zu vermuten war, die Bobcats würden mit ihren freien Millionen um seine Dienste buhlen. Nun ist es im Zuge eines Trades beim Draft mit Jason Richardson eher eine Light-Version von Carter geworden. Der ehemalige Golden State Warrior ist ein ähnlicher Spielertyp, jedoch mit 26 Jahren gerade erst dabei, sein Zenit zu erreichen.

Trotz Richardsons Vertrag über elf Millionen Dollar Gehalt in der Saison 2007/08 hat Bobcats-Manager Michael Jordan noch etwa 20 Millionen Dollar übrig, die er wohl dazu einsetzen wird, um Gerald Wallace zum Bleiben zu überreden. Wallace, ebenfalls erst 24 Jahre alt und seines Zeichens einer der besten Verteidiger der NBA, hat mit seinen Leistungen in den letzten Jahren für Aufsehen gesorgt. Glaubt man den zahlreichen Gerüchten, würden ihn auch Titelanwärter wie die Dallas Mavericks gerne verpflichten. Ob dafür die jedem Team zur Verfügung stehende Mid Level Exception ausreicht oder ob ein Sign-and-Trade-Handel zwischen den Mavs und den Bobcats ausgearbeitet werden muss, hängt von Wallace? Prioritäten ab.

Entscheidet sich der 25. Pick des Drafts 2001 für den Verbleib in Charlotte, könnten die Mavericks ihren Bedarf nach einem athletischen und defensivstarken Flügelspieler in Person von Desmond Mason erfüllen. Der 29 Jahre alte ehemalige Slam Dunk Champion führt eine Reihe von soliden Rollenspielern auf den Flügelpositionen an, deren Vertrag im Juni auslief: James Posey, Ruben Patterson, Mickael Pietrus, Andres Nocioni, Alexander Pavlovic, Jumaine Jones oder Travis Outlaw bieten für jeden Geschmack etwas und dürften angesichts der relativ schlechten Verhandlungsposition ? wir erinnern uns: nur drei Teams haben genügend Cap Space ? für wenig Geld zu haben sein.

Der Draft ist da und du musst weg

Der diesjährige Draft spülte eine große Menge an hochtalentierten Spielern in die Liga. Gut möglich, dass für einige Teams die große Suche nach Verstärkung bereits abgeschlossen ist und sie ihren neu erworbenen Jungstars volles Vertrauen schenken.

Am ehesten darunter leiden muss wohl Rashard Lewis (Foto). Er ist einer der besten Scorer Rashard Lewisder Liga und stellt mit seinen 2,08 Meter und einem starken Schuss ein klassisches Mismatch dar, welches gegnerischen Coaches die Sorgenfalten auf die Stirn treiben kann. Nachdem sich Seattle die Rechte an Kevin Durant gesichert hat und kaum weiter mit Lewis planen dürfte ? immerhin spielen er und Durant auf der selben Position ? wird er sich wohl nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Zudem gaben die Supersonics auch noch Ray Allen an die Boston Celtics im Tausch für die Rechte an Liga-Neuling Jeff Green ab. Alle Zeichen stehen also auf Umbruch im Staate Washington.

Ob dieser mit Lewis gestaltet wird, ist ungewiss bis fraglich, denn sowohl die finanziellen als auch die sportlichen Aspekte dürften sich für den 27-Jährigen außerhalb von Seattle vorteilhafter gestalten. Die Houston Rockets aus Lewis? Heimat Texas scheinen interessiert, könnten ihn jedoch nur per Sign-and-Trade verpflichten. Mit ausreichend Cap Space bleibt nur ein Team, das Lewis? Ansprüche direkt erfüllen könnte: die Orlando Magic.

In Florida liegt das Hauptaugenmerk jedoch auf Darko Milicic. Die Magic können Angebote anderer Teams an ihren 2,13 Meter großen Center mitgehen. Sollte dieser einen Wechsel wünschen, könnten sich beide auf halber Strecke treffen und Milicic im Sign-and-Trade für Lewis nach Seattle schicken.

Junggebliebener Mitdreißiger sucht Titelanwärter für gemeinsame Feierstunde

Anders als die meisten der bisher Genannten braucht sich Grant Hill (Foto) keine Hoffnungen mehr auf einen großen Vertrag machen. Der Forward der Orlando Magic ist zwar mittlerweile Grant Hill35 Jahre alt, würde aber seine Karriere gerne noch fortsetzen. Mehr als die Veteran Exception (etwas über eine Million Dollar pro Jahr) wird dabei kaum für ihn herausspringen. Neben seinem bisherigen Team bemühen sich auch die Phoenix Suns intensiv um ihn, um dem Meister aus San Antonio im kommenden Spieljahr die Stirn bieten zu können. Bei den Spurs hingegen steht eine Entscheidung zur Person Michael Finley an. Der ehemalige Teamkollege von Dirk Nowitzki hat einen wichtigen Beitrag zum Titelgewinn geleistet, ist jedoch einer von vielen Rollenspielern im hohen Sportleralter in San Antonio. Grund genug für Gregg Popovich, einem Jüngeren den Vorzug zu geben? Die Riege der großen Drei im Westen beschließen die Dallas Mavericks, die sich mit ihrem alternden Flügelflitzer Jerry Stackhouse über ein weiteres Engagement einigen müssen.

Ebenfalls jede Menge Erfahrung, dafür jedoch nur wenig Talent steht für die Lücke unter dem Korb bereit. Unter den Power Forwards und Center-Spielern tummeln sich Namen wie P.J. Brown, Joe Smith, Jamaal Magloire, Fabricio Oberto, Antonio McDyess oder Brian Skinner. Keiner dieser Spieler wird sich im Spätsommer seiner Karriere zum Go-to Guy entwickeln, den soliden Ergänzungsspieler können diese Big Men jedoch allemal geben. Wie der Argentinier Oberto bewiesen hat, kann man sich im richtigen Team mit diesen Fähigkeiten sogar einen der begehrten Meisterschaftsringe erarbeiten. Da lässt sich ein Gehalt im Bereich der Mid Level oder gar nur Veteran Exception leichter verkraften, denn mehr wird für viele Free Agents diesen Sommer nicht herausspringen.

Zum Abschluss eine Übersicht der namhaftesten Free Agents 2007 auf jeder Position:

Point Guard
Chauncey Billups
Mo Williams
Earl Boykins
Steve Blake

Shooting Guard
Matt Carroll
Vince Carter (bereits mit New Jersey Nets einig)
Alexander Pavlovic
Ronald Murray
Eddie Jones
Jason Kapono (bereits mit Toronto Raptors einig)
Michael Finley
Jerry Stackhouse
Devin Brown
Jalen Rose

Small Forward
Gerald Wallace
James Posey
Ruben Patterson
Andres Nocioni
Mickael Pietrus
Desmond Mason
Bonzi Wells (bereits mit Houston Rockets einig)
Travis Outlaw
Luke Walton (bereits mit Los Angeles Lakers einig)
Rashard Lewis
Grant Hill
Jumaine Jones

Power Forward
P.J. Brown
Joe Smith
Anderson Varejao
Antonio McDyess
Chris Webber
Amir Johnson
Eduardo Najera
Michael Sweetney

Center
Chris Mihm
Brian Skinner
Jamaal Magloire
Micki Moore
Darko Milicic
Fabricio Oberto
Marc Jackson




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Kommentare

(5 Kommentare bisher)

von Skateboard_P 02.07.07 um 15:19:13


Gute Übersicht zur aktuellen Free Agency. Wenn Chauncey Billups wirklich ab der nächsten Saison bei den Milwaukee Bucks spielen sollte, dann werden die Playoffs wohl drin sein. Dann ist wie schon im Artikel erwähnt, Mo' Williams "übrig" und ich würde mich freuen wenn vielleicht die Mavs per Sign-And-Trade da was machen könnten. Denn wirklich gute Aufbauspieler in Dallas sind Mangelware. Finde ich zumindest. Grant Hill würde meiner Meinung nach auch gut zu den Mavericks passen. Er könnte Dirk Nowitzki vielleicht ein wenig entlasten. Wäre super, wenn vielleicht Ende des Monats, je nachdem wie es sich entwickelt auf dem Free Agent Markt, einen neuen Bericht zu schreiben, welche Spieler das Team gewechselt haben bzw. bei ihrem alten Team geblieben sind.



von Kent Brockman 02.07.07 um 15:29:34


Eine entsprechende Übersicht wird in nicht all zu langer Zeit erscheinen. Lasst euch überraschen :-)



von Skateboard_P 02.07.07 um 17:47:23


Super. Freu mich jetzt schon drauf.



von henph 03.07.07 um 21:42:40


am besten ab jetzt alle halbwegs normale rollenspieler, veterane und stars zu dallas ;-)



von Sugar Ray 07.07.07 um 10:49:55


sehr hochkarätige small forwards in diesem sommer... damn. finde es gut das rashard lewis endlich die sonics verlassen hat. in orlando ist für ihn endlich ein neuanfang möglich. er hat meiner meinung nach viel zu viel zeit in seattle versaut (ich sage das sogar als seattle fan) hoffe das gerald wallace weiterhin bei den bobcats bleibt, den das team um teilinhaber MJ hat sich mit unter anderem mit jason richardson recht gestärkt für die kommende saison. nach berichten zufolge passt richardson das umfeld in charlotte überhaupt nicht... aber hoffen wir das beste. aja und wegen chauncey billups: der bleibt wie es aussieht bei den pistons. hätte ich ehrlichgesagt nicht gedacht. war mir fast sicher das der nach dallas geht.



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