Free Agents
Das Einmaleins der Free Agency
Die Free Agent-Verhandlungen sind im vollen Gange. Welche Position ein Free Agent am Verhandlungstisch einnimmt, soll euch kurz erklärt werden.
Von Dennis Amedovski |
15.07.2007 | |
Es ist die Zeit, in der sich Lottery-Teams zu Playoff-Kandidaten entwickeln, Geheimtipps zu Meisterschaftsanwärtern avancieren oder sich komplette Franchises in den Rebuild begeben. Die Free Agency ist eröffnet, doch welche Rechte hat ein Free Agent?
Nach dem Lockout 1999 akzeptierte die Spielergewerkschaft (NBPA) und die NBA einen neuen Tarifvertrag, der 2005 angepasst wurde. Darin wurde festgelegt, wie viel ein Free Agent verdienen kann und darf. Wie so oft gibt es allerdings auch Ausnahmen, die die Regeln bestätigen.
Minimum / Maximum
Prinzipiell bekommt jeder Spieler ein Minimalgehalt, welches sich nach der NBA-Zugehörigkeit richtet. Ein Neuling beispielsweise bekommt für die Saison 2007/08 mindestens 427.163 Dollar. Je länger der Spieler in der NBA ist, desto größer ist dieses Gehalt (10 Jahre: 1.219.590 Dollar).
Ähnlich verhält es sich auch mit dem maximal möglichen Betrag. Entweder bekommt der Spieler einen Fixbetrag oder 25 bzw. 30 Prozent des Caps (in Abhängigkeit zu seiner Dauer in der Liga). In den ersten sechs Jahren beläuft sich dieser Betrag auf neun Millionen, in den Jahren 7-9 auf elf Millionen und ab zehn Jahren NBA-Dasein auf 14 Millionen Dollar.
Rookies, die im NBA-Draft gezogen werden, verfügen über positionsabhängige Gehälter. So wird z.B. das Startgehalt von Greg Oden (Foto), der beim Draft als Erster gewählt wurde, 3,9 Millionen Dollar betragen. Der in der ersten Runde zuletzt gewählte Rookie (Petteri Koponen) bekommt zu Beginn seiner Karriere 771.000 Dollar. Zurück jedoch zur Free Agency: Der Gehaltsrahmen ist festgelegt, doch das Interessante sind die Ausnahmen, die der Salary Cap mit sich bringt und die dem Free Agent mehr Rechte einräumen.
Larry Bird Exception
Die bekannteste, weil am meisten verbreitete Ausnahme ist die "Larry Bird Exception". Mithilfe dieser Ausnahmeregelung will man für mehr Kontinuität auf dem Spielermarkt sorgen. Das Team kann damit ihrem Free Agent ein Angebot machen - unabhängig von der Situation bezüglich des Salary Caps.
Wichtigstes Kriterium ist dabei, dass der Spieler drei Jahre lang durchgehend in einem Roster eines NBA-Teams auftaucht, ohne als Free Agent zu wechseln. So gehen die so genannten Bird-Rechte bei einem Trade mit dem Spieler mit. Ein Vertrag mit dieser Exception kann bis zu sechs Jahre laufen, wobei der Spieler Gehaltssteigerungen von bis zu 10,5 Prozent erhalten darf. Benannt wurde diese Ausnahme nach dem Superstar der Boston Celtics, mit dem die "Grünen" den Vertrag verlängerten, obwohl sie bereits über dem damaligen Salary Cap lagen. Per Ausnahmeregelung durfte Bird damals in Boston bleiben.
Early Bird Exception
Ähnlich wie bei der Larry Bird Excpetion verhält es sich mit der "Early Bird Exception". Diese betrifft nur die Spieler, die zwei Saisons lang in der NBA spielten, ohne entlassen zu werden. Das Team kann dem Free Agent eine Gehaltserhöhung von 175 Prozent gegenüber dem alten Gehalt anbieten, jedoch nicht mehr. Für die Spieler selbst ist die Art der Vertragsverlängerung eher weniger beliebt. Meistens wird die Laufzeit um ein Jahr verlängert, sodass der Spieler dann einen Kontrakt unter den Larry-Bird-Exception-Konditionen fordern kann.
Non-Bird Exception
Diese Regelung betrifft Spieler, die die Bedingungen der oben genannten Ausnahmen nicht erfüllen. Maximal kann der Free Agent mit einer Gehaltssteigerung von 120 Prozent rechnen, jedoch darf eine Steigerung nicht höher als acht Prozent gegenüber seinem ersten Gehalt liegen.
Mid-Level Salary Exception
Mit dieser Möglichkeit darf ein Team jeden Free Agent für ein Durchschnittsgehalt verpflichten. Das Durchschnittsgehalt liegt in dieser Saison bei 5,36 Millionen Dollar und berechnet sich aus den Gesamtgehältern aller Teams geteilt durch Teamanzahl und weiteren Faktoren. Das Interessante an dieser Ausnahme ist die Tatsache, dass die General Manager die Möglichkeit haben, den Betrag aufzuteilen. So können die 5,36 Millionen Dollar für mehrere Spieler eingesetzt werden. Die maximale Vertragslänge liegt hier bei fünf
Jahren, wobei eine Gehaltssteigerung von acht Prozent möglich ist. Diese Exception steht den NBA-Teams jedes Jahr zur Verfügung.
Beispiel: Antonio McDyess (Foto) unterschrieb 2004/05 einen Vier-Jahres-Vertrag über 23 Millionen Dollar.
Bi-Annual Exception
Diese Ausnahmeregelung wurde einst "One-Million-Dollar-Exception" genannt, doch der Name war irreführend, denn Spieler können weitaus mehr als ?nur? eine Million Dollar verdienen. Durch eine prozentuale Steigerung veränderte sich der Betrag auf nunmehr 1,75 Millionen Dollar (2006/07). Die maximale Vertragslänge liegt in diesem Fall bei zwei Jahren, mit einer Gehaltssteigerung von acht Prozent. Wie die Mid-Level Salary Exception kann diese Regelung auch für mehrere Spieler genutzt werden, jedoch steht sie den General Managern nur alle zwei Jahre zur Verfügung.
Beispiel: Karl Malone unterschrieb 2003/04 einen Ein-Jahres-Vertrag über gut eine Million Dollar.
Minimum Player Salary Exception
Unabhängig von ihrer Situation bezüglich des Salary Caps können NBA-Teams dem Free Agent immer das Minimalgehalt anbieten. Die maximale Vertragslänge liegt hierbei bei zwei Jahren. Die Ausnahme verändert sich in ihrem Wert je länger die Saison dauert. Dauert eine Saison beispielsweise 180 Tage, so verringert sich das Grundgehalt täglich um 1/180.
Verpflichtet also ein Team einen Spieler nach 90 Tagen, so beträgt sein Gehalt nur die Hälfte des Minimumsgehalts (1/90).
Beispiel: Grant Hill (Foto) unterschrieb einen Zwei-Jahres-Vertrag für 1,2 Millionen Dollar (2007).
Disabled Player Exception
Mithilfe dieser Exception darf ein Team - unabhängig von der Situation des Salary Caps - einen Free Agent verpflichten, wenn ein Spieler aufgrund einer Verletzung kein Spiel mehr in der Saison absolvieren kann. Diese Ausnahme kann nur einmalig benutzt werden. Dabei darf das Gehalt bis zu 50 Prozent des Gehalts des verletzten Spielers betragen. Im Gegensatz zu anderen Exceptions wird in diesem Fall eine Erlaubnis der NBA benötigt und - ein weiterer gravierender Unterschied - das Gehalt des neu verpflichteten Spielers zählt gegen den Cap. Die Ausnahme soll für die Teams die Möglichkeit darstellen, einen Ersatz für den verletzten Spieler zu holen.
Restricted Free Agent
Der Status als "Restricted Free Agent" besagt, dass das Originalteam gegenüber "seinem" Free Agent ein besonderes Recht hat. Es hat 15 Tage Zeit, mit dem Offer Sheet gleichzuziehen und kann so den Spieler zu den ihm angebotenen Konditionen behalten. Lässt das Originalteam die 15-Tages-Frist jedoch verstreichen, so wechselt der Free Agent zu dem Team, welches ihm das Offer Sheet unterbreitet hat.
Um den Status als "Unrestricted Free Agent" zu erhalten, kann der Spieler ein so genanntes "Qualifying Offer" unterschreiben. Dieses berechnet sich aus der Draft-Position sowie dem bekommenden Gehalt und beschränkt sich immer auf ein Jahr.
Beispiele: Jason Terry (Foto) unterschrieb 2003 ein Offer Sheet von den Utah Jazz über 22,5 Millionen Dollar; Atlanta Hawks zogen mit dem Angebot gleich und behielten Terry (2003). Die Washington Wizards gingen nicht mit dem Angebot der New York Knicks mit und ließen Jared Jeffries 2006 nach New York ziehen.
Unrestricted Free Agent
Hierbei hat der Free Agent keinerlei Abhängigkeit und ist in seiner Entscheidungsfreiheit uneingeschränkt.
Vertragsoptionen
Ein gängiges Mittel, um einem Free Agent den Vertrag schmackhaft zu machen, sind Spieleroptionen. Nutzt der Free Agent diese Option, hat er die Möglichkeit, den Vertrag zu einem vorgegebenen Gehalt um ein Jahr zu verlängern, unabhängig davon, ob sein Team mit ihm plant oder nicht.
Was für den Spieler gilt, gilt auch die General Manager. Per Team Option kann der Vertrag eines Spielers um ein weiteres Jahr verlängert werden, unabhängig davon, ob der Spieler im Team bleiben will oder nicht.



von Skateboard_P 16.07.07 um 00:29:48
Super gemacht mit der Übersicht und Erklärungen, das man mal einen klaren Durchblick kriegt im Free Agency-Dschungel. Bitte mehr davon. :)
von KingCrunch 16.07.07 um 00:38:29
Wie mehr davon? Das reicht dir noch nicht? ;-)
von stevie10 16.07.07 um 13:54:58
eine frage hätte ich noch! wie kommt es zustande dass man entweder restricted FA bzw unrestricted FA wird? wird das im vertrag den der jeweilige spieler unterschreibt geregelt?
von G-Star2410 18.07.07 um 23:01:00
sehr gut erklärt, jetzt blick ich endlich auch mal durch