Endspurt in der NBA

Vom Schatten ins Licht

In der Schlussphase der Saison bekommen regelmäßig Spieler eine Bewährungs-Chance, die in der laufenden Spielzeit aus verschiedenen Gründen eher im Hintergrund agierten. Crossover zeigt auf, um wen es sich dabei handeln könnte.

Von David Lorenz
 06.04.2009 |

Die heiße Phase der NBA ist in vollem Gange. Wer beendet die reguläre Saison als beste Mannschaft der Liga? Welches Team rutscht noch in die Playoff-Ränge und wer sichert sich das Heimrecht für die ersten Begegnungen der Endrunde? Doch daneben gibt es weitere spannende Fragen zu beantworten. Beispielsweise die, welche Spieler die Schlussphase der regulären Saison dazu nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen oder um eventuell eine Empfehlung für die kommende Spielzeit abzugeben.

Zu nennen wären dabei einige Akteure. Sei es, weil sie nach längeren Verletzungspausen wieder einsatzbereit sind, vom Verletzungspech eines Mitspielers profitieren, Nebenleute für die Playoffs geschont werden oder einfach nur, weil sie einen Leistungssprung vollzogen haben.

Kirk Hinrich, Chicago Bulls

Die Mannschaft aus Illinois befindet sich in einer aussichtsreichen Position im Kampf um den siebten Platz der Eastern Conference. Und dabei können die Bulls endlich wieder auf einen formstarken Kirk Hinrich zurückgreifen, der den kompletten November und Dezember wegen einer Daumenverletzung pausieren musste. Anschließend dauerte es eine ganze Weile, bis der 28-Jährige wieder zu seiner alten Stärke fand. Doch inzwischen zeigt die Formkurve steil nach oben. In den vergangenen fünf Partien verwandelte er elf von 22 Dreiern und kam im Schnitt auf 15 Punkte pro Partie. Zeitweise vertrat er dabei Rookie Derrick Rose auf der Position des startenden Point-Guards, der seinerseits mit einer Verletzung am Handgelenk zu kämpfen hatte.

Monta Ellis, Golden State Warriors

Nachdem sich Monta Ellis während der laufenden Saison wahrlich keine Freunde in Oakland gemacht hat, zeigte er zuletzt eindrucksvoll, zu welchen außergewöhnlichen Leistungen er in einem gesunden Zustand fähig ist. Nach seiner unsäglichen Vertuschungsaktion im vergangenen Sommer, als er die Folgen eines Motorradunfalls für eine Trainingsverletzung verkaufen wollte, sowie öffentlich geäußerten Abwanderungsgedanken, konzentriert sich Ellis mittlerweile wieder auf sein Spiel. Mit Erfolg. Letzten Dienstag erzielte der Guard mit 42 Punkten beim 143:141-Sieg nach Verlängerung über die Sacramento Kings eine neue Karriere-Bestleistung. In den vergangenen zehn Partien verbuchte Ellis daneben 25,2 Zähler im Schnitt.

Glen Davis, Boston Celtics

Glen Davis hätte nichts Besseres als die Verletzungen seiner Team-Kollegen Kevin Garnett (Knie) und Leon Powe (ebenfalls Knie) passieren können. Seit die Spielzeit des massigen Power Forwards, durch die Ausfälle seiner Kameraden bedingt, kräftig zunahm, zeigt der 23-Jährige, wie viel Potential in ihm schlummert. Egal ob am Brett oder per Jump Shot aus der Mitteldistanz - Davis bewies zuletzt sein äußerst vielseitiges Talent im Angriff des Meisters. In den letzten Wochen erzielte er bei Bostons Siegen gegen Oklahoma City, Atlanta und Memphis zweimal 19 und einmal 24 Punkte (Karriere-Bestleistung). Auch beim Rebound präsentiert sich der 2,06-Meter-Mann stark verbessert: Über die vergangenen vier Partien fischte sich Davis im Schnitt 9,5 Abpraller.

Gilbert Arenas, Washington Wizards

Arenas ist hier die vielleicht eindeutigste Wahl. Doch stößt seine Rückkehr aufs Parkett bei vielen Experten zum größten Teil auf Kopfschütteln. Wieso riskiert der exzentrische Star eine erneute Verletzung, wenn es für die Wizards in der laufenden Saison doch um nichts mehr geht? Nach drei Knie-Operationen hatte Arenas in den vergangenen beiden Spielzeiten nur 13 Partien bestritten und gab bei seinem Comeback gegen die Detroit Pistons (96:98-Niederlage Washingtons) unverhohlen zu, dass er noch den direkten Körperkontakt während einer Partie scheue. Sein Können blitzte dennoch sowohl gegen die Pistons als auch im Hass-Duell mit den Cleveland Cavaliers auf: Arenas erzielte in beiden Partien zusammengerechnet 26 Punkte und starke 20 Assists. Vielleicht wollte der Guard einfach beweisen, dass sein mit 111 Millionen US-Dollar dotierter Vertrag für Washington keine Fehlinvestition bedeutet.

Pops Mensah-Bonsu, Toronto Raptors

Pops Mensah-Bonsu scheint endlich ein sportliches Zuhause gefunden zu haben. Nach einem Kurzeinsatz in Dallas während der Saison 2006/2007 und lediglich drei Spielen bei den San Antonio Spurs in der laufenden Spielzeit steht der athletische Center nun in Toronto bei den Raptors vor seinem Durchbruch. Nachdem sich die Kanadier per Trade von Jermaine O'Neal trennten, wurden viele Minuten Einsatzzeit auf der Center-Position frei. Und Mensah-Bonsu weiß seine Chance bisher zu nutzen: Hinter Andrea Bargnani von der Bank kommend erzielt der 26-Jährige aktuell 6,1 Punkte und 5,9 Rebounds im Schnitt - Tendenz steigend. Durch spektakuläre Dunkings und Blocks avancierte er daneben innerhalb kürzester Zeit zum Publikumsliebling in Toronto.

Wem es von den genannten Akteuren gelingt, sich endgültig zurück ins Rampenlicht zu spielen oder nachhaltig die Rolle im eigenen Team zu verbessern, darf mit Spannung beobachtet werden.

Die Erwartungshaltungen sind derweil bei jedem Spieler unterschiedlich. Arenas will den Ruhm vergangener Tage zurückerlangen, Hinrich sein Team in die Playoffs befördern. „Big Baby“ Davis möchte sich als eine verlässliche Alternative zu Garnett anbieten, Ellis seinen Fehler aus dem vergangenen Sommer wieder gutmachen. Für Mensah-Bonsu geht es dabei schlicht und einfach um die Existenz in der besten Basketball Liga der Welt.

Mehr Geschichten über die NBA gibt es im Blog des Autors.




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Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von David Lorenz 08.04.09 um 09:33:21


Kirk Hinrich letzte Nacht gegen New York: 25 Punkte (9/16 aus dem Feld, 3/6 Dreier).



von Cabalios 10.04.09 um 18:37:39


thematisch guter artikel



von David Lorenz 11.04.09 um 10:56:57


Anscheinend hat man sich in Washington besonnen und es bei den zwei Einsätzen für Arenas belassen.

Schade für die Fans, sicherer für den Verein.



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