Nach dem Gewinn der Meisterschaft an der Seite von Kemba Walker ist Jeremy Lamb nun unumstrittener Führungsspieler seiner Mannschaft. Er spielt die meisten Minuten, nimmt die meisten Würfe und macht die meisten Punkte der Huskies, die trotz hoher Erwartungen zu Beginn der Saison Probleme haben, ihr Spiel zu finden und Ende Februar gerade einmal auf dem neunten Platz der Big East rangieren.
Lamb ist daran zwar nicht unschuldig; dennoch zeigt er, warum er 2012 ein Lottery Pick sein sollte: sein butterweicher Sprungwurf lässt Verteidiger verzweifeln, die sich auf der anderen Seite des Feldes wiederum an der bissigen Verteidigung des langen Zweiers die Zähne ausbeißen. Hier hilft dem Sophomore seine 2,13 Meter lange Spannweite und Beweglichkeit, um Angreifer vor sich zu halten und Würfe zu stören. Sein Wurf fällt auch aus dem Dribbling konstant, sodass er auch auf dem Weg zum Ring abstoppen und punkten kann.
Schwächen:
Zwar stärkt ihn seine Athletik in der Verteidigung, doch Lamb wird ohne zusätzliche Kraft Probleme gegen aufpostende Gegner bekommen. Seine schmächtige Statur wird es ihm nicht erlauben, auf dem höchsten Level Angreifer ähnlich auszuschalten, wie es ihm am College gelingt.
Schon jetzt schwächt ihn seine fehlende Kraft in der Offensive, wenn er gegen große Shotblocker oft Probleme bekommt, am Ring abzuschließen. Der 84 Kilogramm schwere Flügel scheut die Zone, was ihm auch nur 3,4 Freiwürfe pro Partie einbringt und ihn dazu zwingt, schwierige Würfe von außen zu nehmen. Denn während Lamb eigentlich kaum Probleme hat, an seinem Gegenspieler vorbeizukommen, zieht er den Floater dem harten Zug zum Korb vor.
NBA-Vergleich:
Optimistischer/Realistischer Vergleich: Rip Hamilton. Ähnlich wie der Bulls-Guard bewegt sich Lamb gut abseits des Balles und schließt hochprozentig aus dem Schutz von Blöcken heraus ab. Auch in der Verteidigung bestehen die beiden Connecticut Huskies dank ihrer Arm- und Körperlänge, was sie zu wertvollen und effektiven Mitspielern macht. Von Hamilton in seinen besten Jahren ist Lamb natürlich noch meilenweit entfernt – er kann jedoch ebenfalls ein Spieler auf All-Star Niveau werden.
Pessimistischer Vergleich: Hornets-Guard Marco Belinelli ist ein begnadeter Schütze, der allerdings in keinem Top-Team starten dürfte. Lamb sollte zumindest ein ähnlich solider Scorer von der Bank werden, zumal er über mehr Athletik und defensives Talent verfügt als der Italiener.
Karriereprognose:
Einem Kellerteam kann Jeremy Lamb durchaus als Punktesammler und wichtigster Spieler dienen, doch sein Schicksal liegt wohl eher in einer Rolle ähnlich derer Hamiltons in Detroit und nun Chicago: für Punkte und Defense bei einem Titelaspiranten sorgen. In dieser Situation könnte Lamb durchaus zum All-Star heranreifen.
Draftprognose:
Lamb ist einer der talentiertesten Shooting Guards des diesjährigen Draft, weshalb er gute Chancen auf einen Platz in der Lottery hat.