Draft 2007
Der kommentierte Mockdraft
Knapp eine Woche vor dem Draft erläutern wir die mögliche Wahl der einzelnen Teams ebenso wie die Trade-Wahrscheinlichkeit sämtlicher Erstrundenpicks.
Von Christian Neumann |
20.06.2007 | |
Der Draft 2007 ist nur noch acht Tage entfernt, und glaubt man den Gerüchten, die in Basketball-Kreisen die Runde machen, wird hinter den Kulissen der NBA derzeit verhandelt und gefeilscht wie selten zuvor: Nahezu jeder Draftpick wird entweder anderen Teams angeboten oder von anderen Teams begehrt; selbst für Portlands ersten Pick soll es hochklassige Offerten geben. Angeblich wurden den Trail Blazers als Gegenwert für den ersten Pick Spieler von Hall-of-Fame-Kaliber angeboten, die in der Western Conference aktiv sein sollen. Die Liste infragekommender Kandidaten beginnt bei Ray Allen in Seattle, setzt sich mit Kobe Bryant in Los Angeles fort und endet bei Kevin Garnett in Minnesota. Ein Spieler, der nicht nur in dieses Trade-Gerücht involviert sein könnte, ist Shawn Marion: Der All-Star-Forward soll im Tausch für einen Top-10-Pick (den der Boston Celtics?) den Arbeitgeber wechseln.
Doch Marion ist nicht der einzige Star-Spieler, dem angeblich eine Luftveränderung bevorsteht: Auch Kobe Bryant, Kevin Garnett, Rashard Lewis, Jermaine O'Neal, Pau Gasol, Paul Pierce und einige andere Stars könnten sich schon bald bei einem neuen Team wiederfinden. Entsprechende Trade-Szenarien gibt es viele, und oft ist ein hoher Draftpick in die Überlegungen involviert. Aus diesem Grund ist selbst rund eine Woche vor dem Draft völlig unklar, wie die endgültige Draftreihenfolge aussehen wird.
Wir versuchen trotzdem einmal, ein wenig Ordnung in das Wirrwarr zu bringen, das sich um den Draft entwickelt hat. Im Folgenden werden wir auf die einzelnen Teams schauen, ihre Draft-Kandidaten nennen und die Trade-Wahrscheinlichkeit der jeweiligen Picks einordnen, die ?gering?, ?mittel? oder ?groß? sein kann. Die Draftreihenfolge, die wir mitliefern, ist nur eine von vielen möglichen, da für jedes Team ab dem dritten Pick gleich mehrere Spieler zur Verfügung stehen und jede Entscheidung den weiteren Draftverlauf entscheidend verändert.
1. Portland Trail Blazers: Greg Oden. Trade-Gefahr: gering
So verlockend die Aussicht auf einen gestandenen All-Star auch sein mag, gibt es derzeit wohl kein Angebot, das gut genug ist, die Blazers dazu zu bewegen, sich von ihrem Draftpick zu trennen. Es müsse ihnen schon jemand wie LeBron James geboten werden, damit sie auf ein Ausnahmetalent wie Greg Oden verzichteten, heißt es aus Oregon. Dass Oden der Mann für Portland ist, darf als sicher gelten. Nicht dass daran je ein wirklicher Zweifel bestanden hat, doch spätestens seit dem Combine, als der Center die Schnelligkeitswerte eines Point Guards erzielte, sollte die Gefahr, dass Oden von Kevin Durant übertrumpft werden könnte, vollständig gebannt sein.
2. Seattle Supersonics: Kevin Durant. Trade-Gefahr: gering
In der Draft-Geschichte ist der ?Trostpreis? selten so verlockend gewesen wie dieses Jahr, das mit Oden und Kevin Durant gleich zwei zukünftige Franchise-Spieler bereithält. Gut möglich, dass Durant in Seattle vom ersten Tag an in diese Rolle schlüpfen wird; nämlich dann, wenn sich neben Rashard Lewis (Free Agent) auch noch Ray Allen (per Trade) aus der Emerald City verabschieden sollte. Ausgeschlossen ist dies nicht: Die Strategie, mit Durant einen Neuaufbau einzuleiten, dürfte im Front Office der Sonics durch einige der führenden Köpfe geistern, gerade im Hinblick auf den drohenden Umzug der Franchise im Jahr 2008. Tatsächlich gibt es bei den Sonics nur einen Spieler, der sich für die Zukunft seines Platzes sicher sein kann: Kevin Durant.
3. Atlanta Hawks: Brandan Wright. Trade-Gefahr: mittel
Mit dem dritten Pick beginnt das Rätselraten für alle, die Mockdrafts erstellen, denn in Verbindung mit dem Hawks-Pick existieren rund ein Dutzend unterschiedliche Szenarien. Gerüchte, wen die Hawks draften werden, gibt es viele (Mike Conley an Platz 3?), doch das beliebteste besagt, dass die Wahl auf einen Power Forward aus der Gruppe Brandan Wright, Al Horford und neuerdings auch Yi Jianlian fallen werde. Das Point-Guard-Problem des Teams soll dann mit dem elften Pick behoben werden (in der Hoffnung, Conley dort noch abgreifen zu können). Dass Atlanta den Pick traden wird, erscheint unwahrscheinlich: Hochtraden für Oden ist praktisch ausgeschlossen, da sich Portland nicht von seinem Draftrecht trennen wird, und den Draftpick für einen teuren Star-Spieler abzugeben, verträgt sich nicht mit dem Spar-Kurs, der von den zerstrittenen Besitzern der Franchise gefahren wird. Einen Trade des Picks wird es nur geben, wenn Atlantas für seinen Wunschspieler, der noch etwas später verfügbar ist, runtertradet, um Gehalt zu sparen.
4. Memphis Grizzlies: Al Horford. Trade-Gefahr: gering
?Wow? ist alle Theorie: Die Vorstellung, Greg Oden neben Pau Gasol spielen zu sehen, ließ nicht nur Grizzlies-Fans mit der Zunge schnalzen ? allerdings nur bis zur Lottery. Seit der steht fest, dass sich Gasol mit einem weniger prominenten Rookie als Mitspieler begnügen müssen wird, wenn er ihn denn überhaupt selbst erleben wird: Die Trade-Gerüchte um den Spanier reißen nicht ab. Dass Memphis jedoch den Pick traden wird, ist aktuell nicht abzusehen. Entweder wird es einen Kollegen oder einen Nachfolger für Gasol geben, aber den Pick wird das Team wohl behalten. Dabei scheint Al Horford, dessen Spielweise sich gut mit Gasols vertragen dürfte, der aussichtsreichste Kandidat zu sein, sofern er an Platz 4 noch zu haben ist (diese Einschränkung sei hier stellvertretend auch für alle weiteren Picks erwähnt) und nicht nach Atlants geht. Andere Anwärter für den Memphis-Pick sind Joakim Noah, Brandan Wright, Mike Conley sowie Yi Jianlian.
5. Boston Celtics: Yi Jianlian. Trade-Gefahr: groß
Fragt man in NBA-Kreisen nach dem Top-Ten-Draftpick, der am ehesten per Trade den Besitzer wechseln wird, wird man als Antwort wohl auf Boston verwiesen: Celtics-Manager Danny Ainge dürfte zurzeit viele Trade-Angebote sondieren, die allesamt mit dem 5. Pick zu tun haben. Dass einerseits Shawn Marion kommen, aber auch Paul Pierce gehen könnte und die Celtics als eine der möglichen Spielstätten für Kobe Bryant gelten, macht die Sache nur noch komplizierter. Fakt ist aber, dass Boston ein Missverhältnis zwischen jungen und erfahrenen Spielern hat. Das macht einen Trade des Draftpicks wahrscheinlich. Doch wen würde Ainge draften? Ob nun für den Eigenbedarf oder für den Trade-Partner (v.a. Phoenix) ? Yi Jianlian ist zu talentiert und wertvoll, um ihn nicht zu wählen.
6. Milwaukee Bucks: Corey Brewer. Trade-Gefahr: mittel
Die Bucks gehören zu den potentiell aktivsten Teams auf dem Trade- und Free-Agent-Markt, was auch ihre Draft-Strategie stark beeinflussen dürfte. Die beiden Problembereiche des Teams sind Small Forward und Point Guard, und eine der beiden Lücken kann per Draft gestopft werden. Das macht Point Guard Mike Conley zu einem denkbaren Kandidaten für den Bucks-Backcourt, mit dem auch Detroits Free Agent Chauncey Billups veredelt werden könnte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Milwaukee mit seinem eigenen Point Guard (Maurice Williams) verlängern und per Draft einen Small Forward holen wird, vorzugsweise einen defensivstarken, der den abwandernden Ruben Patterson ersetzt. Dieses Anforderungsprofil ist wie gemacht für Floridas Corey Brewer, der dabei Konkurrenz von Julian Wright und Jeff Green erhält. Die Gefahr eines Trades des 6. Picks ist dann gegeben, wenn sich die Bucks entscheiden sollten, eigene Spieler zu traden (Bobby Simmons, Dan Gadzuric), um Gehalt zu sparen.
7. Minnesota Timberwolves: Spencer Hawes. Trade-Gefahr: mittel
Die Timberwolves sind das Top-10-Team des Drafts, dessen Strategie am wenigsten absehbar ist, was schon daran liegt, dass praktisch der komplette Kader zum Trade zur Verfügung steht. Selbst Kevin Garnett ist schon seit langem in entsprechende Gerüchte verwickelt, die eine Woche vor dem Draft erneut aufgefrischt wurden. Das erhöht auch die Chance, dass der Draftpick getradet werden könnte, z.B. um Garnett einen erfahrenen Veteranen an die Seite zu stellen. Wen Minnesota draften wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen. Vieles spricht für den ?best player available? (besten verfügbaren Spieler). Der könnte Mike Conley heißen, der sich einerseits zum Traden eignet (viele Teams sind an seinen Diensten interessiert) und andererseits einen jungen, energischen Backcourt mit Vorjahrespick Randy Foye bilden könnte. Dass mit Mike James gerade erst ein Point Guard abgegeben wurde (im Tausch mit Houstons Forward Juwan Howard), erhöht Conleys Chancen. Allerdings wird auch der vielseitige Jeff Green oft mit den Timberwolves in Verbindung gebracht. Das neueste Gerücht besagt, dass Minnesota von Center Spencer Hawes angetan sei, und diesem Weg wollen wir an dieser Stelle folgen.
8. Charlotte Bobcats: Joakim Noah, Trade-Gefahr: gering
Bei einem Team, bei dem Michael Jordan die Fäden (mit)zieht, kann man nie ganz sicher sein, was es tun wird; immerhin ist Jordan für sein Draften und Traden bei den Washington Wizards eher berüchtigt als berühmt. Dennoch spricht einiges dafür, dass die Bobcats, deren Mitbesitzer Jordan ist, zumindest ihren Top-Ten-Pick behalten und für einen Spieler einsetzen werden, der bestehende Defizite ausgleicht. Der typische Bobcats-Pick dieses Drafts ist Joakim Noah, dessen Charakter sich bestens mit der Team-Mentalität vertragen und dessen Agilität den Bobcats-Frontcourt athletischer machen würde. Charlottes Wunschspieler scheint jedoch Noahs Gators-Kollege Corey Brewer zu sein, der bei den Bobcats vor kurzem ein beeindruckendes Workout gehabt haben muss. Wenn es also einen Trade des Picks gibt, wird es Charlottes Versuch sein, vor Milwaukee zu landen und sich Brewer zu sichern, ehe die Bucks zugreifen können.
9. Chicago Bulls: Mike Conley. Trade-Gefahr: mittel
Die Bulls stehen im Mittelpunkt der Trade-Gerüchte und mischen bei jedem einzelnen (Bryant, Garnett, Gasol, J. O'Neal) fleißig mit. Der dahinterstehende Gedanke ist jedoch zumeist derselbe: Die Bulls wollen einen Lowpost-Scorer abgreifen, was auch für ihre Draft-Strategie gilt. Was aber, wenn dieser (in Person von Spencer Hawes) nicht mehr verfügbar ist und man seinen Frontcourt auch nicht mit Joakim Noah verstärken kann? Dann muss man zu Plan B greifen und den besten Spieler draften, den man kriegen kann. Mike Conley hat einen hohen Trade-Wert (besonders für Portland und Atlanta), erlaubt aber auch interne Flexibilität: So könnte Conley Chris Duhon, der ohnehin getradet werden soll, ersetzen und unter Umständen auch Ben Gordon verzichtbar machen. Die wahrscheinlichste Trade-Variante ist aber, Conley einen dicken Vertrag anzuheften (Sign-and-trade mit PJ Brown) und ihn für Zach Randolph nach Portland zu schicken.
10. Sacramento Kings: Jeff Green. Trade-Gefahr: gering
Aus, Schluss, vorbei: Glaubt man den Gerüchten, die aus Sacramento zu hören sind, hat Ron Artest (wieder einmal) jeden Kredit bei seinem Arbeitgeber verspielt und soll diesen Sommer getradet werden. Ein direkter Nachfolger steht bereits bereit, denn um den zehnten Pick herum sollten noch einige der besten Small Forwards des Drafts verfügbar sein. Darunter befindet sich auch Jeff Green, der das Team schon allein charakterlich um Klassen besser machen würde. Die Gefahr eines Trades, der die Draftrechte an ein anderes Team weiterreicht, ist zwar existent (gerade bei großen Veränderungen, die auch Mike Bibby und Brad Miller treffen könnten), aber kalkulierbar. Die Kings werden ihren Draftpick wohl behalten.
11. Atlanta Hawks: Javaris Crittenton. Trade-Gefahr: mittel
Jenseits der Top-Ten steigt die Trade-Gefahr ebenso wie die Chance auf mögliche Sleeper. Einer dieser Geheimtipps ist Javaris Crittenton, der für Atlanta eine logische Wahl ist: groß, jung, athletisch, talentiert und ein Kind der Region, denn der 19-Jährige wurde in Atlanta geboren und ging auch dort zur Schule. All dies sollte ihm den Vorzug vor Acie Law geben, der zwar als erfahrener College-Senior die sichere Wahl sein würde, dem immer noch schlecht zusammengestellten Team aber wohl auch nicht entscheidend helfen könnte. Wunsch-Spieler Nummer 1 ist und bleibt aber Mike Conley. Sollte er an Platz 11 noch zu haben sein, werden die Hawks wohl als der Gewinner dieses Drafts gelten.
12. Philadelphia 76ers: Julian Wright. Trade-Gefahr: gering
Philadelphia hat hoffnungsvolle junge Spieler (Andre Iguodala, Kyle Korver, Louis Williams), sitzt aber auch auf überteuerten Verträgen (Samuel Dalembert, Chris Webber, Aaron McKie). Allerdings macht der Lauf, den die Sixers zum Ende der letzten Saison hinlegten (sieben Siege über die letzten zehn Spiele), Mut für eine bessere Zukunft. Ein vielseitiger Forward wie Julian Wright sollte dabei helfen, diesen Trend fortzusetzen. Wrights führende Konkurrenten sind Spitzenathlet Al Thornton sowie Center/Forward Jason Smith, der immer mehr zum Aufsteiger des Drafts wird. Auch Spencer Hawes soll bei Philadelphia hoch im Kurs stehen; allerdings ist es unwahrscheinlich, dass die Sixers extra für ihn hochtraden werden. Allem Anschein nach werden sie sich mit dem begnügen, was ihnen an Platz 12 in den Schoß fallen wird.
13. New Orleans Hornets: Thaddeus Young. Trade-Gefahr: gering
Die New Orleans Hornets wollen einen defensivstarken Flügelspieler, der sich mit Predrag Stojakovic ergänzt, aber sie wollen ihn wohl nicht so sehr, dass sie ihn sich teuer erkaufen werden: Ein riskanter Trade, um zum Beispiel an Corey Brewer zu kommen, steht derzeit nicht in Aussicht. Der Kandidatenkreis engt sich deshalb auf Thaddeus Young, Nick Young und Al Thornton ein. Allem Anschein nach hatte Thaddeus Young ein beeindruckendes Workout mit den Hornets, was ihn zum derzeitigen Favoriten auf diesen Pick macht.
14. Los Angeles Clippers: Acie Law. Trade-Gefahr: gering
Wie letzte Saison offensichtlich wurde, brauchen die Los Angeles Clippers nichts dringender als einen Point Guard: Sam Cassell wird nicht jünger, und Shaun Livingston muss nach seiner fürchterlichen Knieverletzung weiterhin um die Fortsetzung seiner Karriere bangen. Da ist schnelle Hilfe gefragt, und Acie Law bietet sie. Ein Trade des Picks dürfte für die Clippers nur in Frage kommen, wenn keiner der drei führenden Point Guards (Conley, Law, Crittenton) mehr verfügbar sein sollte.
15. Detroit Pistons: Rodney Stuckey. Trade-Gefahr: mittel
In Detroit stehen die Zeichen auf Umbruch; die Ära Rasheed Wallace' könnte sich dem Ende zuneigen. Falls Wallace geht (und besonders wenn Chris Webber zurücktritt), wird Detroit einen neuen Frontcourt brauchen. Dabei dürfte das Interesse der Pistons an Jason Smith recht groß sein, dessen Wert über die vergangenen Wochen stetig geklettert ist. Andere Kandidaten für diesen Pick sind Shooting Guard Rodney Stuckey (bisher eines der hartnäckigsten Draft-Gerüchte) sowie Small Forward Derrick Byars, auf die Detroit aber auch noch mit seinem zweiten Erstrundenpick (Nr. 27) spekulieren kann. Unsere Wahl fällt bis auf weiteres auf Stuckey, der länger in Verbindung mit ein und demselben Team genannt worden ist als fast jeder andere Spieler in diesem Draft. Wieviel an Detroits angeblichem Versprechen für ihn dran ist, wird wohl erst der Draft zeigen.
16. Washington Wizards: Nick Young. Trade-Gefahr: gering
Die Wizards brauchen am ehesten einen Shooting Guard, der sich mit Gilbert Arenas, Caron Butler und Antawn Jamison verträgt, und Mitte der ersten Runde finden sich dafür einige Kandidaten. Ganz oben auf der Liste sollte Nick Young stehen, gefolgt von Rudy Fernandez und Marco Belinelli. Einen Trade der Draftrechte dürfte es nur in Verbindung mit dem erwarteten Abgang Brendan Haywoods geben; ansonsten sollte Washington mit seinem Pick einen Nachfolger für DeShawn Stevenson (Free Agent) verpflichten.
17. New Jersey Nets: Jason Smith. Trade-Gefahr: gering
Die Nets brauchen dringend Unterstützung am Brett. Ein Geheimtipp wie Jason Smith wird ? sofern überhaupt noch verfügbar ? wohl nicht an New Jersey vorbeirutschen. Andere Kandidaten für diesen Pick sind Dukes Josh McRoberts und Sean Williams, auch wenn dieser als Risiko-Spieler gilt, seit er bei Boston College wegen einer Marijuana-Affäre rausgeworfen wurde. Wenn die Nets den Pick traden sollten, dann nur, wenn sie entscheiden, ihr Top-Trio (Jason Kidd, Vince Carter, Richard Jefferson) zu sprengen.
18. Golden State Warriors: Al Thornton. Trade-Gefahr: mittel
In jedem Draft gibt es höher gehandelte Spieler, die abrutschen, und in diesem Szenario ist es Al Thornton, der ein paar Plätze fällt. Als Spitzenathlet sollte er aber nicht an den Warriors mit ihrem offenen, schnellen Spielstil vorbeirutschen. Allerdings gelten Jason Smith und vor allem Yi Jianlian als Wunschspieler des Teams, bei dem man nie die Chance eines Trades ausschließen darf, gerade bei einem derart unausgeglichen besetzten Kader.
19. Los Angeles Lakers: Rudy Fernandez. Trade-Gefahr: mittel
Die Draft-Entscheidung der Los Angeles Lakers ist unmittelbar mit dem Schicksal Kobe Bryants verknüpft, dessen Bleiben oder Gehen auch Auswirkungen darauf hat, wonach sich das Team im Draft umsehen wird. Vorausgesetzt, dass die Triangle-Offense als Spielsystem bestehen bleiben wird, können die Lakers einen vielseitigen Guard gebrauchen, der die Rolle Smush Parkers übernimmt. Dabei ist Rudy Fernandez wohl der führende Kandidat, aber bei den Lakers ist in Sachen Draft derzeit noch nichts in Stein gemeißelt. Selbst ein Trade des Picks (zusammen mit Bryant für Spieler und einen höheren Pick) ist nicht ausgeschlossen.
20. Miami Heat: Derrick Byars. Trade-Gefahr: gering
Nach einer enttäuschenden Saison, die für den da noch amtierenden Meister in einem Sweep gegen Chicago endete, dürften die Heat einen letzten Anlauf auf den NBA-Titel starten, bevor sich das Zeitfenster ihrer Altstars (allen voran Shaquille O'Neals) endgültig schließt. Vanderbilts Derrick Byars, der beide Flügelpositionen spielen kann, ist einer der Rookies, die sofort zum Erfolg beitragen können. Miami würde gern einen Point Guard verpflichten, der aber an Platz 20 entweder nicht mehr zu haben sein wird (Conley, Crittenton, Law) oder über Wert gedraftet würde (Sessions, Koponen, Pruitt).
Die letzten zehn Erstrundenpicks
Mit dem 21. Pick beginnt das letzte Drittel der 1. Draftrunde, und die Trade-Gefahr steigt nochmals an. Dies hat zwei Gründe: Erstens draften zwischen 21 und 30 drei Teams (Philadelphia, Charlotte, Miami) ein zweites Mal, die noch einen höheren Draftpick haben, und zweitens haben zwei Teams (Phoenix und abermals Philadelphia, das insgesamt dreimal wählen darf) gleich zwei Picks auf den letzten zehn Erstrundenplätzen. Die Konsequenz ist eine erhöhte Trade-Gefahr. Speziell aus Phoenix ist zuletzt vermehrt zu hören gewesen, dass die beiden Dtraftpicks (an Position 24 und 29) angeblich dazu verwendet werden sollen, Marcus Banks und Kurt Thomas für andere Teams interessant zu machen.
Die Suns könnten jedoch auch den Plan verfolgen, einen ihrer Stars (vor allem Shawn Marion und Boris Diaw) mit den Draftpicks zu koppeln und sich so einen hohen Pick in diesem Draft zu verschaffen (z.B. Nr. 5 aus Boston). Der wahrscheinlichste Trade-Kandidat ist aber Philadelphia, das drei Erstrundenpicks besitzt und zwei davon möglicherweise abgeben wird. So sollen die Cleveland Cavaliers, die ihren 2007er Pick an die Phoenix Suns abtreten müssen, bereit sein, einen Draftpick zu kaufen. die Auch andere Teams (Indiana, Orlando, Denver) könnten an einem Draftpick interessiert sein bzw. sind es bereits. Die Chancen, dass die Reihenfolge besonders am Ende der ersten Draftrunde so bleiben wird, wie sie derzeit ist, tendieren daher gegen Null.
21. Philadelphia 76ers: Daequan Cook. Trade-Gefahr: groß
Die 76ers warten außerhalb der Top-20 auf einen guten Spieler, der überraschend zu ihnen durchrutscht. Dabei kommen Namen wie Thaddeus Young, Nick Young und Javaris Crittenton in den Sinn. Gefällt ihnen keiner der noch verfügbaren Spieler, werden sie den Pick wohl traden ? es gibt genügend Teams mit ausgeglichenerem Kader, die an dieser Stelle einen soliden Rollenspieler verpflichten wollen. Ansonsten wird Philadelphia hier wohl nach Talent wählen, weshalb für unser Draft-Szenario Daequan Cook der führenden Kandidat ist.
22. Charlotte Bobcats: Alando Tucker. Trade-Gefahr: mittel
Ein weiterer Charakterspieler für die Bobcats, die so ihr Saubermann-Image beibehalten würden, denn Alando Tucker ist als Musterprofi bekannt. Charlottes Wahl an Platz 22 wird unmittelbar mit dem achten Pick zusammenhängen; d.h. würde zuerst groß gedraftet (z.B. Joakim Noah), würde für Pick 22 ein Flügelspieler ins Blickfeld rücken und umgekehrt. Zu einem Trade des Picks dürfte es nur kommen, wenn an 8 ein Flügelspieler (Corey Brewer) gewählt wird und die Bobcats keinen der Bigmen mögen, die an Platz 22 noch zu haben sind.
23. New York Knicks: Josh McRoberts. Trade-Gefahr: mittel
Kein anderer Pick ist so schwer vorherzusagen, denn Isiah Thomas ist unberechenbar. Letztes Jahr zauberte er in ähnlicher Situation Renaldo Balkman aus dem Hut; dieses Jahr gelten Morris Almond, Sean Williams und sogar Zweitrunden-Kaliber Wilson Chandler als Kandidaten für den Knicks-Pick. Die Angelegenheit könnte aber auch viel einfacher sein, wenn nämlich Spieler bis hierhin durchrutschen, zu denen nicht einmal Thomas nein sagen kann: Spieler wie Daequan Cook oder eben Josh McRoberts, der New Yorks Wunsch von einem Bigman erfüllen würde. Ein Trade des Picks droht, wenn sich die Knicks an einem der großen Trades beteiligen, um z.B. an Kobe Bryant zu kommen.
24. Phoenix Suns: Marco Belinelli. Trade-Gefahr: groß
Belinelli gilt schon lange als ein Wunschspieler der Suns, und es gibt keinen Grund, dies nicht zu glauben; immerhin verträgt sich die Spielweise des Italieners bestens mit Phoenix' System. Allerdings droht dieser Draftpick den Besitzer zu wechseln, wenn z.B. Shawn Marion getradet werden sollte. Bis dahin wird der Pick aber den Suns gehören, und das macht Marco Belinelli zum führenden Kandidaten für Platz 24.
25. Utah Jazz: Morris Almond. Trade-Gefahr: gering
Die Utah Jazz suchen seit Jahren nach einem neuen Shooting Guard und haben sich in diesem Zusammenhang bereits mit Gordan Giricek, CJ Miles und zuletzt Ronnie Brewer verstärkt. Die Lösung auf der Zwei ist aber immer noch nicht gefunden, was es wahrscheinlich macht, dass die Jazz dieses Jahr einen weiteren Versuch starten werden. Kandidaten für diese Stelle sind Morris Almond, Marcus Williams und Aaron Afflalo sowie jeder gute Shooting Guard, der bis Platz 25 noch nicht gedraftet sein wird.
26. Houston Rockets: Nick Fazekas. Trade-Gefahr: gering
Bei Houston geht die Tendenz deutlich zu einem großen Spieler, besonders seit Juwan Howard abgegeben wurde, um mit Mike James den Backcourt zu verstärken. Für die Rockets kommen Nick Fazekas, Glen Davis, Sean Williams und eventuell Tiago Splitter in Frage (auf den das Team aber noch ein ganzes Jahr würde warten müssen). Die besten Chancen dürfte derzeit Fazekas haben, der unterm Korb punkten und rebounden kann, mit seiner Treffsicherheit und Wurfreichweite aber die Räume nutzen könnte, die Yao Ming und Tracy McGrady schaffen.
27. Detroit Pistons: Gabe Pruitt. Trade-Gefahr: mittel
Rodney Stuckey und Derrick Byars gelten als Wunschspieler der Pistons. Sollte einer der Beiden hier noch verfügbar sein, wird er wohl gewählt werden. Gut möglich, dass der Pick getradet werden wird, da einige Teams einen Platz am Ende der ersten Runde suchen, um Ergänzungsspieler zu draften. Ein drittes Szenario lässt Detroit den besten verfügbaren Spieler wählen, und das ist nach Stand der Dinge Gabe Pruitt, der als Backup-PG fungieren könnte und zudem einen recht hohen Trade-Wert besitzt.
28. San Antonio Spurs: Ramon Sessions. Trade-Gefahr: gering
Die Spurs weigerten sich im Frühjahr, ihr Team auseinanderzureißen, und sie werden dies auch nach dem Gewinn der Meisterschaft nicht tun. Das Schlüsselwort heiß "ergänzen", und die größte Lücke klafft hinter Tony Parker. Die Spurs könnten sich nach einem neuen zweiten Point Guard umsehen, wobei der zuverlässige Ramon Sessions genau ins Profil passt.
29. Phoenix Suns: Tiago Splitter. Trade-Gefahr: groß
Ein weiterer Pick, der getradet werden könnte, denn Phoenix hat kein Interesse an einem weiteren garantierten Millionengehalt. Sollten die Suns den Pick behalten, werden sie wohl einen Spieler für die Zukunft draften, z.B. den finnischen Point Guard Petteri Koponen, der einer der führenden Kandidaten für jeden der letzten fünf Erstrundenpicks ist, oder auch die europäischen Center Stanko Barac und Kyrylo Fesenko, denen nachgesagt wird, sie hätten eine Erstrunden-Garantie erhalten. Am meisten Sinn ergibt für Phoenix aber Tiago Splitter, der wegen seines noch gültigen Vertrags in Europa sowieso nicht vor 2008 in die NBA wechseln wird, dann aber bei den Suns Kurt Thomas ersetzen könnte.
30. Philadelphia 76ers: Petteri Koponen. Trade-Gefahr: groß
Für den letzten Erstrundenpick gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Sixers draften für die Zukunft (Koponen, Barac, Fesenko, Ali Traore), oder sie geben den Pick an ein anderes Team ab. Bis auf weiteres fällt unsere Wahl auf Petteri Koponen. Der 19-jährige Finne gilt als Point Guard mit großer Zukunft, dem man noch ein paar Jahre Zeit zum Entwickeln geben muss.



von Skateboard_P 20.06.07 um 21:30:12
Sehr interessanter Mockdraft. Hatte viel Spaß gehabt, ihn zu lesen. Ich selber freu mich schon riesig auf den NBA Draft 2007 und werde mich in den acht Tagen bis zum Draft intensiv mit den einzelnen Profilen der Spieler auseinandersetzen und mir ein eigenes Bild verschaffen und vielleicht sogar einen eigenen kleinen Mockdraft.
von bankshooter 20.06.07 um 21:38:19
gute mockdraft
werdet ihr auch wieder ein ranking für jede position schreiben?
würde mich freuen
von Chris 21.06.07 um 04:04:47
Können wir machen. Ich werde das mal mit meinen Kollegen besprechen.
Danke für das Lob.
von Sugar Ray 26.06.07 um 13:11:32
good job chris. super bericht. aber bist du dir sicher das nr. 3 brendan wright wird? =) mister horford for nr. 3...