Draft 2005

Quo Vázquez? Das Draft-Debakel der Orlando Magic

Zu ihrem bereits guten Team wollten die Orlando Magic mit Fran Vázquez einen passenden Rookie draften. Das haben sie auch getan ? und stehen jetzt dennoch ohne ihn da. Wie konnte es so weit kommen?

Von Christian Neumann
 05.08.2005 |

Glück und Unglück liegen manchmal so dicht beieinander. Es ist kein Jahr her, dass sich die Orlando Magic im NBA-Draft mit Dwight Howard (dem Top-Pick) und Jameer Nelson (per Trade aus Denver) verstärkten. Nach nur einer Saison hat sich Howard als Dominator der Zukunft entpuppt, während Nelson etliche Teams eines Besseren belehrt hat, die ihn im Draft bis zum 20. Pick verschmäht hatten.

Zusätzlich zu diesen beiden Spielern hat der Magic-Kader jedoch noch mehr zu bieten: einen wiedergenesenen All-Star-Forward in Grant Hill, einen All-Star-Guard in Steve Francis, einen sehr guten Sechsten Mann in Hidayet Türkoglu und Rollenspieler wie Kelvin Cato und Tony Battie, deren Aufgabe es ist, den aufstrebenden Superstar Dwight Howard unter den Körben zu unterstützen.

Das sollte auch Fran Vázquez tun, den die Magic im diesjährigen NBA-Draft gewählt haben. Bis zur Draftnacht am 28. Juni war noch davon ausgegangen worden, dass die Magic einen Flügelspieler wählen würden: Antoine Wright (ein schussstarker Shooting Guard), Danny Granger (der wohl vielseitigste Spieler im gesamten Draft) oder vielleicht High-School-Star Gerald Green?
 
Als der Draft den 11. Pick erreichte, waren zumindest diese drei Spieler noch verfügbar. Auch ihre Kollegen Rashad McCants, Yaroslav Korolev oder Joey Graham hätten von den Magic gewählt werden können, doch deren Wahl fiel auf ? Fran Vázquez. ?Fran who??, werden sich etliche Fans vor allem in den USA gefragt haben, denn der Spanier ist beileibe nicht jedem Basketballfan bekannt. Zudem war er vor dem Draft auch nie mit den Orlando Magic in Verbindung gebracht worden.

Wer also ist dieser Spieler?

Er ist ein gestandener 22-jähriger Profi, der schon seit längerem zu den besten Bigmen Spaniens gezählt werden kann. Er lebt vor allem von athletischen Vorzügen: von 2,08 m Körpergröße und ellenlangen Armen, durch die er in seiner Spielweise an Marcus Camby erinnert. Vázquez punktet dank seiner Schnelligkeit, Sprungkraft, Athletik und Aggressivität ? eine Kombination, der viele seiner Gegenspieler in Spaniens ACB (?Asociación de Clubs de Baloncesto?, Spaniens 1. Liga) nichts entgegenzusetzen haben. 

Sein Name taucht nicht auf, wenn es um internationale Forward-Hoffnungen der Zukunft geht, denn anders als Tiago Splitter (Brasilien) oder Nemanja Aleksandrov (Serbien) ist Vázquez kein blutjunges Talent mehr. Er begeistert nicht durch Jugend und ungenutztes Talent wie Andray Blatche oder Martynas Andriuskevicius, die ebenfalls in diesem Draft vertreten gewesen sind. Allerdings hat der Spanier auch kaum herausragende basketballerische Fähigkeiten vorzuweisen. Niemand lobt ihn für sein ausgefeiltes Postspiel (wie Ike Diogu) oder sein gutes Spielverständnis (wie Wayne Simien), da Vázquez beides nur in Ansätzen vorweisen kann.

Dennoch ergibt seine Verpflichtung Sinn. Selbst wer lieber einen anderen Rookie im Magic-Dress gesehen hätte, muss zugeben, dass Vázquez als Power Forward ein paar Punkte und Rebounds beitragen und damit Dwight Howard entlasten könnte. Sicher, er ist kein Überspieler, aber dafür könnte er als erfahrener Spieler sofortige Unterstützung liefern, welche die Magic im Kampf um die Playoffs brauchen. Da Orlando möglichst schnell zurück in die Playoffs will, die in der vergangenen Saison knapp verpasst wurden, ist es angebracht gewesen, kein Risiko mit einem unerfahrenen Talent (z.B. einem High-School-Spieler) einzugehen.

Aber es hat Zweifel gegeben. Ein Spieler, der mit 22 Jahren automatisch im Draft ist und damit praktisch den Status eines College-Seniors hat, sollte doch etwas mehr vorzuweisen haben als nur gute athletische Fähigkeiten. Vergleichbare US-amerikanische Spieler müssen sich in derselben Situation einen Platz in der NBA erst erkämpfen: Der ungedraftete Chris ?Birdman? Andersen von den New Orleans Hornets ist ein gutes und vergleichbares Beispiel.

Ist Fran Vázquez also den 11. Pick wert gewesen? Manche haben ?Ja? gesagt, manche ?Nein?. So oder so sollte diese Frage aber schon bald beantwortet werden ? immerhin ist man davon ausgegangen, den Spanier in absehbarer Zeit im Kader der Orlando Magic begrüßen zu können.

Aus einer Verzögerung wird...

Die Freude darüber, mit Vázquez einen guten Fang gemacht zu haben, währte nur kurz. Bereits am 2. Juli ? also nur vier Tage nach dem Draft ? kündigte Vázquez in einem Interview Komplikationen an:

?Ich weiß, was ich will, aber ich habe noch zwei Jahre Vertrag mit Unicaja [Málaga], und ich muss versuchen, die Dinge auszuhandeln. Ich muss mit Unicaja verhandeln. Die Chance, dass ich weggehe und die Chance, dass ich bleibe, liegt bei je 50 Prozent, aber mein Agent kümmert sich um all das.?

Zudem tauchten erste Berichte auf, der 22-Jährige wolle statt zu den Magic lieber innerhalb Spaniens den Verein wechseln. Über die kommenden Wochen verdichteten sich die Anzeichen, wonach Vázquez bei Unicaja Málaga freigekauft werden und zu Real Madrid wechseln könnte.

Noch Ende Juli wurden solche Gerüchte von den Magic-Verantwortlichen jedoch heftig dementiert. Dazu Scott Herring, Orlandos Director of Basketball Administration:

?Wir erwarten, dass er diesen Herbst in unserem Trainingscamp sein wird. Wir sind in täglichem Kontakt mit seinem Agenten gewesen, und wir haben nichts gehört, was uns in diese Richtung lenken würde [dass Vázquez in Spanien bleiben werde]. Das wäre 180 Grad anders als das, was wir gehört haben.?

Auch Otis Smith, einer der zwei Assistant General Manager der Orlando Magic, war reichlich bemüht, die nicht enden wollenden Gerüchte aus Spanien zu dementieren: ?[Vázquez] wird im Herbst im Trainingscamp [der Orlando Magic] sein?, verkündete er.

...ein handfestes Problem

Nur Tage später aber gingen Meldungen ein, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellten: Demnach sollte Fran Vázquez vor dem Abschluss eines Vierjahresvertrags mit Akasvayu Girona aus Spaniens ACB stehen. Akasvayu ist seit dieser Saison Gironas neuer Sponsor, der viel Geld in den Kader gesteckt und neben Vázquez auch andere bekannte Spieler angelockt hat, darunter Raül López (zuletzt bei den Utah Jazz aktiv) und Roberto Dueñas (ein früherer Draftpick der Chicago Bulls).

Nun überschlugen sich die Ereignisse, und ehe die Beteiligten wussten, wie ihnen geschah, war das eingetreten, was vor dem Draft niemand wirklich als Möglichkeit in Erwägung gezogen hatte: Fran Vázquez hat gar kein Interesse daran, zum jetzigen Zeitpunkt in die NBA zu gehen.

?Ich habe [zum Wechsel in die NBA] Nein gesagt, weil ich Angst hatte, mich an die amerikanische Lebensart anzupassen und nicht die Leistung zu bringen, die man von mir verlangt. Ich bin kein Feigling, aber ich ziehe es vor, in Spanien zu bleiben, mich weiterzuentwickeln und ? wer weiß? - vielleicht in ein paar Jahren in die NBA zu gehen.?

Noch mal zur Erinnerung: Das sind nicht die Worte eines kaum volljährigen Teenagers, der nach ein paar Jahren in der Euroleague mit Anfang Zwanzig immer noch als Talent seine NBA-Karriere beginnen könnte, wie es z.B. Predrag Stojakovic getan hat. Das sind vielmehr die Worte eines gestandenen Spielers, der es sich eigentlich nicht erlauben kann, sein NBA-Team hinzuhalten, bis er Mitte/Ende Zwanzig sein wird.

Ersan Ilyasova oder Yaroslav Korolev ? zwei 18-jährige Nachwuchsspieler im Draft 2005 ? könnten sich so verhalten. Die San Antonio Spurs haben unter dieser Vorgabe sogar den ebenfalls 18-jährigen Franzosen Ian Mahinmi gedraftet. Aber die Orlando Magic sind davon ausgegangen, Vázquez bereits für die kommende Saison unter Vertrag nehmen zu können. So hat David Twardzik, der andere Co-Assistant General Manager der Franchise, sich zu Vázquez' Entscheidung geäußert:

?Ja, wir sind ein wenig überrascht. Die Botschaft, die wir die ganze Zeit gehört haben ? vor dem Draft, nach dem Draft ? war, dass [Vázquez] davon begeistert war, hier zu spielen. Er sagte, es wäre sein Traum, in der NBA zu spielen.?

Bei wem liegt die Schuld?

Zugegeben: Jedes andere NBA-Team, das sich die Rechte an Fran Vázquez gesichert hätte, wäre wohl ebenfalls davon ausgegangen. Wenn irgend jemand geahnt hätte, dass der Power Forward gar nicht in den USA spielen will, wäre er mit wehenden Fahnen in die zweite Draftrunde abgerutscht. Muss man den Magic-Offiziellen dennoch einen Vorwurf wegen dieses Debakels machen? Aber ganz gewiss.

Denn jetzt rächt es sich, dass sie keinen direkten Kontakt zum Spieler, sondern nur zu dessen spanischem Manager, José Cobelo, gehabt haben, der ein persönliches Interesse daran hat, dass sein Klient in Europa bleibt (dazu später mehr). Dabei muss es zu Missverständnissen gekommen sein ? oder gar zur bewussten Täuschung?

Wie schlecht der Informationsfluss zwischen den Vereinigten Staaten und der iberischen Halbinsel in diesem Fall ist, zeigt nicht zuletzt die Reaktion von Vázquez' amerikanischem Agenten, dem renommierten Marc Cornstein:

?Ich war schockiert und entsetzt, im Internet zu lesen, dass Fran seine frühere Entscheidung, sich den Orlando Magic anzuschließen, überdenkt. [...] Alle meine vorherigen Unterredungen ergaben,  dass er  sich darauf freute, seinen Traum zu erfüllen und in der NBA zu spielen.?

Sofern man Cornsteins Äußerungen glauben kann, ist es schon bezeichnend, dass er solche Neuigkeiten über das Internet erfahren musste. Generell sollten aber alle Aussagen ? vom Spieler, von den Agenten und von den Team-Offiziellen ? mit Vorsicht genossen werden.

Guckt man auf die Details, fällt auf, dass der Spieler gar keine Verbindung zu Orlando hat. Vázquez hat kein persönliches Workout mit den Magic gehabt, die nicht einmal bei seinem für jedes Team zugänglichen Workout in New York anwesend waren. Im Grunde genommen hat man in Orlando nur Videomaterial von ihm gesehen und ihn in Spanien scouten lassen. Nicht zuletzt deshalb hat es den 22-Jährigen auch reichlich überrascht, gerade von Orlando gedraftet zu werden:

"Es war eine große Überraschung, dass sie mich angerufen haben, weil unter den Teams, die mich haben wollten, nie Orlando erwähnt worden war."

Dennoch gab er direkt nach dem Draft, zu dem er von der NBA in den Green Room eingeladen worden war, wo sich die aussichtsreichsten Draft-Kandidaten versammeln, zu Protokoll, dass er sich auf die Herausforderung freue:

?Ich bin glücklich, in der ersten Runde mit dem 11. Pick von Orlando gewählt worden zu sein. Ich glaube, dass es bessere Spieler gibt, aber ich bin bereit für diese neue Aufgabe.?
 
Finanziell veränderte Vorzeichen

Kaum mehr als vier Wochen später steht er am Anfang eines Vertrags mit Akasvayu Girona, der ihm 2 bis 2,5 Millionen Euro netto pro Jahr einbringen wird. Auch wenn umgerechnet 3 bis 4 Millionen US-Dollar für NBA-Verhältnisse nur ein mittelmäßiges Gehalt sind, wird Vázquez damit in Europa zum Spitzenverdiener.

Zum Vergleich: Der amtierende Euroleague-MVP und frühere NBA-Guard Anthony Parker soll sich mit Maccabi Tel Aviv auf einen Zweijahresvertrag über insgesamt 3 Millionen US-Dollar geeinigt haben. Selbst Sarunas Jasikevicius ? für viele der beste Spieler Europas ? hatte vom FC Barcelona Gerüchten zufolge ?nur? 6,5 Millionen US-Dollar für drei Jahre geboten bekommen, ehe er inzwischen für fast das Doppelte zu den Indiana Pacers gewechselt ist.

Vergleicht man Vázquez' Spitzengehalt mit dem, was er in der NBA im Rahmen seines Rookie-Vertrags über bis zu vier Jahre (zwei Basisjahre plus zwei Optionsjahre) hätte verdienen können, wird das Finanzielle ein bedeutender Faktor. Zudem soll Vázquez' spanischer Agent, José Cobelo, der sich im Kontakt mit den Orlando Magic besonders aktiv gezeigt hat, bei Vertragsabschluss eine Provision in Höhe von 10% des Vertragswertes erhalten, den er seinem Klienten aushandelt.

Bei einem Wechsel in die NBA ? den Zuständigkeitsbereich des US-amerikanischen Spieleragenten Cornstein ? hätte Cobelo diese Summe bestenfalls mit diesem teilen und schlimmstenfalls ganz auf eine Transferbeteiligung verzichten müssen. Es kommt erschwerend hinzu, dass die maximale Summe, die ein Spieler seinem Agenten nach NBA-Regularien zugestehen darf, bei 4,5 % des Vertragswertes liegen soll ? und der daraus resultierende Betrag müsste dann für Cobelo und Cornstein durch zwei geteilt werden.
 
Für ein weiteres Problem lassen wir einmal mehr Otis Smith (den Co-Assistant General Manager der Magic) zu Wort kommen:

?[Vázquez] hängt zwischen zwei Collective Bargain[ing] Agreements [CBA, dem Rahmen-Tarifvertrag der NBA, der die finanziellen Belange regelt] fest.?

Wo liegt hier das Problem? Fran Vázquez wollte wie jeder andere Spieler seine finanzielle und sportliche Zukunft geregelt haben. Klar war: Er würde Unicaja Málaga verlassen, denn schon vor dem unwiderstehlichen Angebot aus Girona hatte Real Madrid großes Interesse an ihm gezeigt. Während Vázquez und sein Agent Cobelo mit Madrid und Girona verhandelten, wurde in der NBA noch das neue CBA ausgehandelt und die Magic konnten in der Personalie Fran Vázquez deswegen keinen Buyout mit Málaga verhandeln.

Der Grund: Im CBA wird u.a. der Betrag festgelegt, mit dem sich ein NBA-Team maximal an der Summe beteiligen darf, die ein Buyout eines internationalen Spielers aus dessen laufendem Vertrag kostet. Da die Magic wussten, dass sie Vázquez seinem spanischen Club (Unicaja Málaga) würden abkaufen müssen, blieb ihnen nichts übrig, als auf den Abschluss des neuen CBA zu warten.

Persönliche Hintergründe

Diese Wartezeit muss für Fran Vázquez auch eine Zeit des Nachdenkens gewesen sein. Selbst wenn man seinen Aussagen aus der Draft-Phase glaubt, wonach die NBA für ihn ein Traum sei und er die Herausforderung der besten Liga der Welt annehmen wolle, ändert das doch nichts an der Tatsache, dass es einige Aspekte gab, die den Power Forward vom Sprung über den großen Teich zurückhielten.

Das Angebot aus Girona übersteigt als Netto-Betrag bei weitem das, was Vázquez in Orlando hätte verdienen können. Zudem besteht die Chance, bei entsprechender Leistung und Entwicklung zu einem noch besseren europäischen Verein zu noch besseren Vertragsbedingungen zu wechseln. Es kommt erschwerend hinzu, dass ein internationaler Spieler alles, was über die Maximalsumme von 500.000 US-Dollar hinausgeht, die sein NBA-Team zum Buyout beitragen darf, aus seiner eigenen Tasche bezahlen muss. Dass diese Tatsache eher gegen einen Wechsel des 22-Jährigen nach Orlando spricht, ist naheliegend.

Es gab auch schwerwiegende persönliche Gründe. Schon unmittelbar nach dem Draft hatte der 22-Jährige zugegeben, dass ihm die zu erwartendende Umstellung auf die neue Umgebung Sorgen bereitete. Er werde seine Freunde, Familie und den spanischen Lebensstil vermissen. Zudem soll er demnächst heiraten wollen, und seine Freundin soll sich gegen den Wechsel nach Amerika ausgesprochen haben. Auch wisse Vázquez wenig über die NBA, und es ist bekannt, dass er nur sehr wenig Englisch spricht.

Laut David Twardzik soll sich der Spanier auch bei amerikanischen ACB-Spielern über das erkundigt haben, was ihn in den USA erwarten würde:

?[Die amerikanischen Spieler in Spanien] sagten, dass Fran sie ständig ausgefragt habe, wie hart die NBA sei und wie es sei, in den Vereinigten Staaten zu leben.?

Es gibt aber noch ein anderes, sportliches Problem: Die Vorzüge, die den 22-Jährigen in der ACB zu einem guten Frontcourt-Spieler machen, würden in der NBA größtenteils nivelliert. Dort wäre er mit seinen 2,08 m ein zu klein geratener Center, und zum Power Forward würde ihm wohl die notwendige Ballbehandlung (Dribbling etc.) fehlen. Zudem mangelt es Vázquez mit lediglich 104 Kilogramm deutlich an Masse und Kraft.

Auch seine Athletik wäre in einer Liga mit Spielern wie Stromile Swift, Amare Stoudemire oder Chris Bosh alles andere als herausragend, sondern eher oberer Durchschnitt. Darüber hinaus dürfte die Aussicht, neben den Magic-Spielern Howard, Tony Battie, Kelvin Cato und Mario Kasun um Minuten kämpfen zu müssen, für Vázquez nicht sehr verlockend gewesen sein.

Rechnet man hinzu, dass es ihn anders als andere Europäer (Dirk Nowitzki, Nikoloz Tskitishvili, Andris Biedrins) nicht vorschnell im jugendlichen Alter in die NBA gedrängt hat, sondern er erst zum letztmöglichen Zeitpunkt ? und dann automatisch ? im Draft gewesen ist, präsentiert sich ein Spieler, der sich den Sprung nach Amerika lieber zweimal überlegt. Wenn dann auch noch ein solch außergewöhnliches finanzielles Angebot wie das aus Girona kommt, wird die NBA schneller auf die lange Bank geschoben als es jeder General Manager zwischen Seattle und Miami, Los Angeles und Boston für möglich gehalten haben dürfte.

Quo vadis, Fran?

Sicher ? noch ist das letzte Wort im Fall Vázquez nicht gesprochen. Bei den Orlando Magic hat man die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich alles doch noch zum Guten wenden wird. ?Wir müssen zu diesem Jungen jetzt eine Beziehung aufbauen?, hat Magic-Präsident Bob Vander Weide die anstehenden Bemühungen beschrieben.

Dieser Direktive folgend, ist Co-Assistant General Manager David Twardzik dann auch am 1. August nach Spanien gereist, um sich mit dem Spieler und dessen spanischem Agenten zu unterhalten und zu erreichen, was zu erreichen ist. Auf dieser Reise hat er erstmals persönlich von Vázquez gehört, dass dessen Entscheidung kulturelle und familiäre Gründe (in Form seiner Freundin) gehabt hat. Diese Tatsache hätten die Magic schon vor dem Draft in Erfahrung bringen können.

Auch wenn Marc Cornstein, Vázquez' US-Agent, bekannt gab, er ?arbeite sehr eng mit dem Management der Orlando Magic zusammen, um eine schnelle Lösung in dieser Angelegenheit zu erreichen?, scheint der entscheidende Mann doch nicht er, sondern Vázquez' spanischer Agent, José Cobelo, zu sein. So David Twardzik über Vázquez' Besuch in Orlando:

?Sein Agent [Cobelo] deutete an, dass alles großartig sei und dass er [im Folgenden: Vázquez] sich darauf freue, hier zu spielen. Er war so aufgeregt, als er hier war und machte Aufnahmen von Grant Hills Umkleideschrank. Er war so glücklich und es war eine so gute Erfahrung, dass wir keinerlei Anzeichen dafür sahen, dass er sich so fühlte?

? und lieber in Spanien bleiben wollte. Twardzik weiter:

?Wenn man einen internationalen Spieler draftet, ist so etwas immer möglich. Wir haben vor dem Draft darüber gesprochen. Das ist etwas, worüber [Vázquez] sich jetzt selbst klar werden muss; ob es das ist, was er tun will. [...] Ich weiß nicht, ob er seine Meinung ändern wird.?

Ein finanzielles oder ein menschliches Problem?

Die finanziellen Voraussetzungen für einen Buyout haben sich zuletzt sogar gebessert: Gemäß dem neuen CBA steht den Magic eine Summe von bis zu 500.000 US-Dollar (nach zuvor 350.000 US-$)zur Verfügung, um einen Spieler aus dessen Vertrag freizukaufen. Auch bleiben Vázquez' Transferrechte zeitlich unbegrenzt beim Team aus Florida. Angesichts des für europäische Verhältnisse exorbitanten Gehalts, das Fran Vázquez bei Girona beziehen wird, steht aber zu befürchten, dass die Ablösesumme für den Power Forward unerschwinglich sein wird.

Bereits Vázquez' Vertrag mit Unicaja Málaga soll eine Ausstiegssumme von 650.000 US-Dollar beinhaltet haben, und orientiert man sich an seinem Gehalt bei Girona, dürfte der Betrag in seinem neuen Vertrag deutlich höher liegen ? schon um NBA-Teams abzuschrecken. Auch stellt sich die Frage, ob der Spanier überhaupt in die NBA gehen will. Die Aussagen des Spielers tragen bereits einen endgültigen Charakter. So sagte Vázquez:

?Es war eine schwere Entscheidung, die schwerste in meinem Leben. [...] Ich bitte die Orlando Magic, meine Entscheidung zu verstehen. Ich entschuldige mich bei ihnen. Ich weiß, dass sie verärgert sein werden, da ich viel Zeit gehabt habe, um diese Entscheidung zu fällen. Jeder dachte, dass ich [in die NBA] gehen würde, aber ich selbst habe noch darüber nachgedacht.?

Erinnerungen an Frédéric Weis

Für den Fall, dass seine Überzeugungsversuche scheitern sollten, hat sich David Twardzik bereits bemüht, der Katastrophe etwas Positives abzugewinnen:

?Natürlich hätten wir [Vázquez] schon diese Saison gern gehabt. Aber wenn er [in Spanien] bleibt, wird er gegen die besten Gegner außerhalb der NBA spielen. Wenn wir ihn dann verpflichten werden, wird er ein bisschen stärker, ein bisschen reifer und sein Spiel ein bisschen ausgefeilter sein.?

Dieses Szenario klingt wie die Durchhalteparolen im Fall Frédéric Weis. Die Knicks drafteten diesen französischen Center 1999 an 15. Stelle, und als er nicht direkt zur darauffolgenden Saison in die NBA wechselte, wurde in New York auch zum Besten gegeben, man wolle dem Spieler die Chancen geben, in Europa zu reifen und kräftiger zu werden. So sagte der berüchtigte General Manager Scott Layden damals über Weis' verlängerten Aufenthalt in Europa:

?Ich mag Frédéric; ich wünsche ihm alles Gute und hoffe, dass dies für ihn funktioniert. Wir werden [ihn] weiterhin beobachten und mitverfolgen, wie er sich entwickelt.?

In New York ?beobachtet? man den Franzosen vermutlich noch heute, obwohl er es nie weiter als bis zu einem Einsatz in der Summer League gebracht hat ? in der NBA ist Weis für die Knicks bisher nicht eine Minute aufgelaufen. Nun droht den Orlando Magic ein ähnliches Debakel mit dem Spanier Fran Vázquez. Doch um es mit den Worten von David Twardzik zu sagen:

?Es ist frustrierend, aber was soll man tun??




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Kommentare

(28 Kommentare bisher)

von knub 05.08.05 um 10:47:53


und nix anderes :/



von Coranor 05.08.05 um 11:02:02


leider deshalb auch sehr lang.

Ich persönlich gebe dem Management die größte Schuld an dem ganzen Schlamassel. Man hätte doch mal ein persönliches Gespräch mit Fran suchen sollen, Agenten können einem doch was weiss ich alles dahererzählen...

Seinem spanischen Agenten gebe ich die zweitgrößte Schuld an dem ganzen.

Bezüglich der kulturellen Aspekte kann ich Fran aber auch gut verstehen. Es hätte sicher geholfen, wenn ein spanischer Landsmann schon im Team wäre.

Später mehr von mir...



von orlando 05.08.05 um 13:11:48


"Ich glaube, dass es bessere Spieler gibt, aber ich bin bereit für diese neue Aufgabe."
wasn das fürn spruch!!! man macht sich doch nicht selbst noch schlecht,also sowas. aber wenn er eh nicht in die usa will dann hätte er doch vor der draft das sagen können u wäre in die 2.runde gefallen u niemanden hätte es interessiert!



von bartek 05.08.05 um 14:01:37


liegt bei allen!
fran ist dumm! hier redet man über das finanzielle, wieso sollte der idiot nciht iin die nba gehen? nach 4jahren mit guten gehalt, auch wenn nciht soviel in europa, könnte nach guten leistungen, einen richtig guten vertrag bekommen, mit dem er ausgesorgt hätte. das wird er in europa nie hinkriegen!
auf lange sicht(sein leben),hat er sich falsch entschieden.
dummheit! wenn man auf einen agenten hört,der an sein gehalt denkt, und an eine freundin die noch nie mehr als spanien gesehen hat, und angst hat das der millionär sie verlässt, weil francis ihr geilere schnecken vorstellt....



von Coranor 05.08.05 um 14:27:15


und wer bitte garantiert ihm, dass er in 4 Jahren einen ach so tollen Vertrag bekommt? Es gibt genug vielversprechende Talente, die die Erwartungen nicht erfüllt haben und keinen achso tollen Vertrag bekommen und ganz ehrlich Fran wird sich nicht mehr viel weiterentwickeln und wie der Artikel auch anspricht ist es überhaupt fraglich ob er sich in der NBA überhaupt durchsetzen kann und wenn er das nicht kann, dann gibts auch keinen fetten Vertrag...



von MainEvent 05.08.05 um 17:59:10


Hätte er in 4 jahren keine Dicken Vertrag in der NBA bekommen, hätte er immern0och zurück nach Europa gehen können und hätte fett verdient... NBA spiler sind beliebt bei guten clubs!!



von Number 1 05.08.05 um 18:43:07


So ein Spinner, da hat der die Chance in der NBA zu spielen und will bleiben, ist doch egal obs mehr Geld oder auch nciht gibt, NBA ist NBA ...

Naja ich fand den Artikel gut, aber ein bisschen zu lang!



von Coranor 05.08.05 um 19:49:26


Ich sag nichts mehr, ihr könnt mir nicht erzählen, dass ihr nur um in der NBA zu spielen (und da eventuell nur 5te Geige spielen) auf jede Menge Kohle und Starstatus im Heimatland verzichten würdet?

@knub
Spinner wie Dich gehören weggesperrt und nix anderes.



von Alex 05.08.05 um 22:55:26



.. in der NBA hätte er für sein Leben ausgesorgt?

Gib mir einen Vertrag von 4 Millionen in 3 Jahren und ich habe auch ausgesorgt.. da brauch ich das "große" Geld der Nba gar nicht...



von MainEvent 05.08.05 um 23:30:52


Also ich würde in die NBa gehen... er bekommt einen noch fetteren vertrag wenn er 4 jahre NBA hnter sich hat! Achso... die spieler die in der NBA spielen verlieren ihren starstatus im heimatland... kennst du Dirk Nowitzki? weiß auch nicht wei man den schreibt... das ist so nen spielrr hat früher mal bei Würtzburg gespielt.. ist dann als 9. Pic in die NBA gegangen...
an den über mir: er meinte es andersrum



von reen 06.08.05 um 10:32:45


er hat sich doch zum draft angemeldet...er hatte vorher genügend zeit sich zu überlegen ob er in die nba geht oder nicht-zum draft anmelden oder es sein lassen.wenn man dann von einem team in der NBA(!), der besten liga der welt gedraftet wird geht man dann gefälligst auch dahin!
wirklich sehr schlechter stil!



von 23CenT 06.08.05 um 11:38:07


Fran hat sich nich angemeldet.Er ist 22 und somit automatisch im Draft...



von MainEvent 06.08.05 um 18:03:40


er ist nicht automatisch im Draft! nicht jeder 22 jährige ist automatisch im Draft, das wäre ja schwachsinn!
er hatte sich letztes Jahr schonmal angemewldet, dann aber zurück gezogen... dann ist man im Draft



von knub 06.08.05 um 19:57:00


pahahaahaha

geht halt beide sterben :)



von 23CenT 06.08.05 um 20:34:05


Klar ist er automatisch drin.Du oder ich könnten auch gezogen werden.Da musste irgenteine Formular oder so ausfüllen, dann biste dabei.Ob du dann gezogen wirst ist ne andere Frage....:D



von MainEvent 06.08.05 um 23:54:08


ja eben, das nennt man dann, sich zum Draft anmelden! man muss ein Formular ausfülle



von Christian Neumann (Crossover-Online) 07.08.05 um 18:50:31


Auch wenn manche es für "Wahnsinn" halten mögen - in dem Jahr, in dem man 22 wird, ist man automatisch im Draft. Das gilt für jeden Menschen auf diesem Planeten, egal ob Basketballer oder nicht. So wurde 1984 zum Beispiel auch der große Leichtathlet Carl Lewis gedraftet.

Dadurch ist dieses Jahr auch Vázquez automatisch dabei gewesen. Dass er sich bereits vorher einmal angemeldet hätte - was er als internationaler Spieler ja beliebig oft machen kann (zw. 18 und 2) - ist mir nicht bekannt. Wie ich im Artikel geschrieben habe: Fran Vázquez ist niemand, der im Eiltempo in die NBA will.

Was das angesprochene Formular angeht: Das betrifft Early-Entry-Kandidaten. Wer vor der automatischen Deadline für (demnächst) 22-Jährige (bzw. College-Seniors) im Draft vertreten sein will, muss sich dafür separat anmelden. Dazu schickt er eine Absichtserklärung an ein spezielles NBA-Büro und wird daraufhin in den Draft aufgenommen, aus dem er sich wieder zurückziehen kann - als College-Athlet einmal, als internationaler Spieler mehrere Male.



von MainEvent 07.08.05 um 23:00:33


man lernt nie aus.. das wusste ich ehrlich nicht!
Tut mir leid, das ich da was falsches gesagt habe, ist aber ja nichtmehr in mode bis zum 22 lebensjahr zu warten



von Bob 08.08.05 um 09:46:53


"Auch wenn manche es für "Wahnsinn" halten mögen - in dem Jahr, in dem man 22 wird, ist man automatisch im Draft. Das gilt für jeden Menschen auf diesem Planeten, egal ob Basketballer oder nicht. So wurde 1984 zum Beispiel auch der große Leichtathlet Carl Lewis gedraftet. "

Check ich nich ganz. Die können doch keinen draften und dann automatisch die "Rechte" an ihm haben oder dergleichen?



von Coranor 08.08.05 um 10:16:08


Sie haben das Recht als einziges NBA-Team ihm einen NBA Vertrag anzubieten.

So lange also Orlando die NBA Rechte an ihm hat, darf ihm kein anderes Team einen NBA Vertrag anbieten.

Nichts ist also mit freier Wahl des Arbeitgebers in den USA.

Aber er hat ja die Wahl, ob er diesen Vertrag annimmt oder eben nicht. Dass er davon gebrauch macht, scheinen ihm leider ein paar Kiddies ziemlich übel zu nehmen...



von MainEvent 08.08.05 um 14:42:26


ist es nicht so, wenn dann ein jahr lang kein vertrag unterschrieben wird, dass dann jeder NBA club mit dem spieler verhandeln darf? so war es doch damals bei LArry Bird, der hat zwar dann noch einen vertrag bei Boston unterschrieben, aber fast wäre dieses eine jahr abgleaufen gewesen



von Coranor 08.08.05 um 15:36:37


Nein ist es nicht. Gerade jetzt im Fall von Fran wurde das überall breitgetreten, dass Orlando theoretisch dieses Recht ein Leben lang besitzt.

Auch sonst wäre es ja blödsinnig, gerade Zweitrundenpicks bekommen eher selten einen Vertrag und werden erstmal nach Europa oder sonstwo hin geschickt bis sie dann eventuell mal endlich bereit für die NBA sind (siehe Manu von den Spurs).

Aber auch bei Erstrundenpicks kann das Vorkommen, siehe Peja der 96 mit dem 14ten Pick von den Kings gedraftet wurde aber erst 98 einen Vertrag bei ihnen unterschrieben hat.

Selbiges war auch bei David Robinson der Fall, der ja erstmal seinen Militärdienst absolviert hat bevor er dann den Vertrag bei den Spurs unterschrieben hat.

Was bei Larry Bird genau lief, weiss ich allerdings jetzt nicht.



von MainEvent 08.08.05 um 15:39:30


Ich kann mich nur noch erinnern mal in der FIVE gelesen zu haben, das er damals weil er noch ein jahr aufs college ging einen höheren Vertrag aushandeln konnte, weil neach einem jahr auch andere team hätten ihn unter Vertrag nehmen dürfen



von badesalz 08.08.05 um 16:03:28


klasse artikel, sehr informativ (wem er zu lang ist, kann ja wieder die basket lesen) und endlich lohnd es sich mal die kommentare zu lesen.



von Coranor 08.08.05 um 16:06:27


...muss ja heute schon lange nicht mehr gelten.

Jedenfalls ist es heute nicht mehr so, sondern so wie ich es geschildert habe, was interessiert da noch wie's damals mal bei Bird war?



von Lendenschurz 08.08.05 um 20:01:34


Guter Artikel, sehr informativ, versucht verschiedene Positionen darzustellen was mir gut gefällt.



von Christian Neumann (Crossover-Online) 09.08.05 um 08:56:32


Vielen Dank für das allgemeine Lob. Zur Länge des Artikels möchte ich sagen: Ja, er ist umfangreich, aber für mein Empfinden nicht zu lang, da man nichts von dem herauslassen kann, was ich geschrieben habe.



von Kriz 09.08.05 um 17:46:32


...das war in der Tat so, bei 2nd Round Picks konnten die Spieler sich nach 2 Jahren ,so fern das NBA Team die Option nicht gezogen hat ihm einen Vertrag anzubieten, einen neuen Verein suchen.Übrigens stimme ich Coranor zu, jeder kann sich aussuchen wo er spielt, die hochnäsigen Amis haben sich wohl zu früh gefreut...der stoltsse Ssspanierr vleivt tssu Haussse ;-) Con la chica y su familia...y con los dineros :-))



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