Draft 2005

Draft News 14/06

Der NBA-Draft ist nur noch zwei Wochen entfernt und wir halten euch über alle Ereignisse auf dem Laufenden. Vom Absturz von Chris Taft bis zum Pre-Draft-Camp - alle Neuigkeiten findet ihr hier.

Von Maximilian Selow
 14.06.2005 |

Chris Taft im freien Fall

Vor Saisonbeginn galt Chris Taft als potentieller Nr. 1-Pick im diesjährigen Draft; knapp neun Monate später muss er sogar um einen Platz in der Lottery fürchten.

Nach einer annehmbaren, aber keinesfalls - wie erwartet - überragenden Spielzeit, in der Taft immer wieder den Eindruck erweckte, dass er nur darauf warten würde, sich endlich für den Draft anmelden zu können, gingen die meisten Scouts davon aus, dass der Power Forward zumindest mit Beginn der Workouts wieder mit vollem Engagement zu Werke gehen würde. Doch weit gefehlt ? nicht nur sah Taft verschiedenen Berichten zufolge schlecht bei einem Workout gegen Arizona-State-Star Ike Diogu aus, sondern konnte auch in privaten Workouts in New York kaum jemanden beeindrucken. Wenn man der New York Post glauben schenken darf, verließ Isiah Thomas, General Manager der New York Knicks, das Workout des 20-Jährigen bereits frühzeitig mit einem ?angewiderten Kopfschütteln?.

Das ?Beste? sollte allerdings noch folgen. Nach dem schlechten Workout und den daraus natürlich resultierenden schlechten Berichten der Medien, wurde ein Großteil der Journalisten von Billy Ceisler, Tafts Agenten, von zukünftigen Workouts seiner Klienten, darunter auch Shooting Guard Antoine Wright, ausgeladen. Dass Ceisler damit einen groben Fehler begeht, scheint er dabei nicht bemerkt zu haben, denn es sind auch die Medien, die einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Draftpositionen von bestimmten Spielern haben können.

Sollte Taft seine Einstellung zum Sport und zum Training nicht grundlegend ändern, könnte er trotz seinem unbestrittenen Talent aus der Lottery heraus bis in die Mitte der ersten Runde oder tiefer fallen.


Diogu und Simien auf dem Weg nach oben

Beide Spieler gehören zur absoluten Elite der NCAA, beide machen seit Jahren die Lowposts des College-Basketball unsicher und beide haben die Skills, um in der NBA sofort mit den Großen mitspielen zu können.

Doch wurde beiden seit langem auch die gleiche Schwäche angelastet: ihre Größe. Sowohl Arizona-State-Star Ike Diogu, als auch Kansas Jayhawk Wayne Simien wurde noch bis vor wenigen Wochen nachgesagt, sie würden mit angenommenen knappen 2,03 m Körpergröße gegen die weitaus größeren Power Forwards der NBA in Schwierigkeiten geraten.

Aber seit Beginn der Workout-Phase werden Scouts und General Manager anscheinend eines Besseren belehrt. So wurde Simien nach den offiziellen Messungen in Chicago mit 2,06 m mit Schuhen gelistet, womit er Standardgröße für einen NBA-Power-Forward haben würde. Gepaart mit zahlreichen grandiosen Probetrainings, in denen Simien seine Gegner aufgrund seiner Erfahrung und Ausgereiftheit regelrecht dominierte, befindet sich der 22-Jährige nun auf dem Weg nach oben und könnte sogar bald wieder an den Lottery-Plätzen kratzen. Ohne seine lange Liste an Verletzungen, die Simien in den letzten Jahren angehäuft hat, könnte sich der Power Forward bereits in den Top 10 befinden.

Ike Diogu konnte zwar kaum Boden in Bezug auf seine Körpergröße gutmachen, punktete aber durch seine Krakenarme. Dem 21-Jährigen wurde bei den Messungen beim Pre-Draft-Camp einen Armspannweite von 2,24 m nachgewiesen, die ihm dabei behilflich sein sollte, größer zu spielen, als er in Wirklichkeit ist. Zwar sind Vergleiche mit dem weitaus athletischeren Elton Brand, die hier und dort zu hören sind, übertrieben, jedoch wissen die NBA-Teams, dass sie in Ike Diogu einen hart arbeitenden Bigman bekommen, der alles dafür tun wird, um seiner Mannschaft zum Sieg zu verhelfen.

In der kommenden Woche wird sich der Power Forward bei zahlreichen Workouts noch einmal vor den Augen vieler Teams präsentieren, die am Ende der Lottery und in der mittleren ersten Runde draften werden; darunter unter anderem die Charlotte Bobcats, die Indiana Pacers und die Phoenix Suns. Sollte Diogu bei einem dieser Workouts einen starken Eindruck hinterlassen können, wäre es nicht ungewöhnlich, wenn er bereits in der Mitte der ersten Runde gepickt werden würde. Gerüchte, die besagten, Diogu hätte ein Versprechen der Phoenix Suns erhalten, wurden zwar von Diogus Vater dementiert, trotzdem sollte man nicht zu verwundert sein, wenn es am Ende die Suns sind, die ihn mit dem 21. Pick wählen. Diese suchen nämlich nach dem Playoff-Aus gegen die San Antonio Spurs nach einem starken Bigman, der es mit Tim Duncan und Co. aufnehmen kann.


Antoine Wright in den Top-10

Dass Antoine Wright eine Menge Talent hat, war vielen Scouts bereits seit Jahren klar, doch bisher konnte er nie die Leistungen aufweisen, die dieses Talent auch hätten belegen können. Vor allem sein extrem unkonstanter Wurf ? in seiner Sophomore-Saison warf er als designierter Dreierspezialist gerade einmal 29,7% aus der Langdistanz ? hielten ihn immer wieder davon ab, einen seinem Talent angemessenen Draftwert zu erhalten.

Doch nicht nur für Wright lief es schlecht, sondern auch für das College Basketball-Programm seiner Texas A&M Aggies, die gerade einmal sieben Spiele gewinnen konnten. Wright drohte damit, zu einem anderen Programm zu transferieren, weswegen sich die Universität kurzerhand entschloss, Head Coach Melvin Watkins zu entlassen und Jung-Coach Billy Gillespie unter Vertrag zu nehmen, der eine Siegermentalität an den Campus brachte und Wright mit einem neuen System zu dem Spieler machte, der er schon in den beiden vorhergehenden Spielzeiten hätte sein können.

Der Shooting Guard steigerte sich im Vergleich zum Vorjahr in fast allen Statistikkategorien, traf plötzlich grandiose 50,1% seiner Würfe aus dem Feld und präsentierte sich ebenfalls mit einem weitaus konstanteren Distanzwurf. Nach einigen starken Workouts scheint sich Wright nun in die Top-10 des Draft geworfen zu haben, und auch die Vergleiche mit Michael Redd werden von Tag zu Tag lauter.

Zahlreiche Lottery-Teams sollen stark an Wright interessiert sein, darunter die Portland Trail Blazers, die Charlotte Bobcats, sowie die Toronto Raptors. Ob er sich am Ende vielleicht sogar noch in die Top-5 spielen kann, wird von seinen kommenden Workouts abhängen.


The Rise and Fall

Gerade zur unpassendsten Zeit kehren nun anscheinend Rashad McCants' Magenprobleme zurück. Der Shooting Guard, der bereits zum Ende der letzten NCAA-Saison mehrere Spiele wegen Magenschmerzen aussetzte, musste nun auch mehrere Workouts abbrechen, in denen er wieder ähnliche Symptome wahrnahm.

Dabei war McCants' Draftwert nur wenige Tage zuvor nach einem starken Workout in Los Angeles noch kräftig gestiegen. Nur wenige Tage später musste er ein Probetraining bei den Toronto Raptors nach den Wurf- und Sprint-Drills vorzeitig abbrechen ? offiziell aufgrund einer unbestimmten Krankheit. Jedoch hatte Julius Hodge, der beim Workout ebenfalls anwesend war und dessen Draftwert in den letzten Wochen so sehr gestiegen ist, dass er Gerüchten zufolge sogar ein Versprechen in der späten ersten Runde erhalten haben soll, eine andere Theorie:

?Wir haben mit dem Workout angefangen und ich habe mit Rashad gearbeitet,? so Hodge im Interview mit Scouts.com. ?Wir haben Wurf-Drills gemacht und ich habe alles getroffen. Ich glaube er wurde deswegen entmutigt, und kurz vor dem Ende entschied er sich dann, an die Seitenlinie zu gehen und versuchte, es so aussehen zu lassen, als wäre er verletzt. Sobald sie dann herausfanden, dass er gar nicht verletzt war, sagte er, dass er krank wäre. Das war schade; er hatte die Möglichkeit, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, doch er hat aus Angst zurückgezogen.?

Dass Hodge, ein berüchtigter Trash-Talker, so über McCants redet, sollte dabei niemanden verwundern; beide sind seit langem bittere Rivalen und oftmals behielt McCants in ihren Duellen die Oberhand.

Ob McCants seine Probleme hinter sich packen und in der letzten Woche vor dem Draft noch einmal überzeugen kann, wird letztendlich bestimmen, ob er in der Lottery oder in der zweiten Draftrunde landen wird ? als zu kleiner Shooting Guard mit bisher nicht gerade überzeugender Defense hat McCants nur wenig Raum für Fehler.


Wie angekündigt, fand in der letzten Woche auch das lang erwartete Workout von High-School-Phänomen Andrew Bynum statt. Der 17-Jährige spielte sich vor wenigen Wochen erstmals mit guten Leistungen bei den High-School-All-Star-Games in den Vordergrund und entschied sich, einen direkten Anlauf auf die NBA zu starten.

Zahlreiche NBA-Teams schickten ihre Scouts nach New York, um Bynum in Aktion zu beobachten, und der Bigman lieferte solide, wenn auch nicht überragende Leistungen ab. Unter dem Korb stellte er einmal mehr seine sehr guten Hände und seine gute Fußarbeit unter Beweis. Bei den Shooting Drills war Bynum eher weniger erfolgreich, überzeugte jedoch mit seiner guten Wurftechnik und bestand am Ende darauf, dass er nur einen schlechten Tag erwischt hatte.

Dabei betonte Bynum wieder einmal, dass er zurückziehen und im nächsten Jahr für die Connecticut Huskies spielen werde, wenn er kein Versprechen eines Lottery-Teams erhalten sollte. Insgesamt zeigte Bynum nichts Neues und stellte nur noch einmal sein großartiges Potential unter Beweis. Sollte sich ein Lottery-Team dazu entscheiden, ihn im Draft zu picken, geht dieses Team sicherlich ein hohes Risiko ein, denn noch kann niemand mit Sicherheit sagen, ob sich Bynum zum nächsten Shaquille O?Neal, oder zum nächsten Jerome James entwickeln wird. Derzeit ist vielleicht ein Vergleich mit Eddy Curry am angebrachtesten.


Wer zieht zurück?

Bis zum 21. Juni haben die Early-Entry-Kandidaten noch Zeit, ihre Anmeldung zum Draft zurückzuziehen, um sich dann ein Jahr später ein weiteres Mal zur Wahl stellen lassen zu können. Zwar hat bisher kaum jemand offiziell verkündet, dass er zurückziehen wird, jedoch wird vermutet, dass vor allem ein Großteil der internationalen Talente aus dem Draft aussteigen wird.

Ganz oben auf der Liste befindet sich wieder einmal Martynas Andriuskevicius, der bei einem Workout in Chicago keinen guten Eindruck hinterließ. Zwar stellte er seine Athletik und seinen guten Wurf unter Beweis, wurde aber schnell müde und bekam schnell Probleme gegen einen stark aufspielenden Jan Jagla, der beim Workout ebenfalls anwesend war. Davon abgesehen, zeigte sich auch, dass Andriuskevicius immer noch viel zu schwach ist, um in der NBA mithalten zu können. Ein Versprechen wird er mit der in Chicago gezeigten Leistung wohl ebenfalls nicht bekommen.

Wahrscheinlichkeit für das Zurückziehen seiner Anmeldung: 90%

Ein anderer Spieler, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am 21. Juni nicht mehr auf dem Draft Board stehen wird, ist Nemanja Aleksandrov. Der 18-jährige Small Forward verletzte sich bereits während der letzten Saison am Knöchel, musste sich anschließend einer Operation unterziehen und konnte weder am Hoops Summit - dem Spiel zwischen den internationalen Talenten und den besten amerikanischen High-School-Spielern - noch an privaten Workouts teilnehmen. Da sich Aleksandrov in der vergangenen Spielzeit nicht gerade stark präsentiert hat und Scouts denken, dass er nicht aggressiv genug für die NBA ist, wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als seine Anmeldung zurückzuziehen.

Wahrscheinlichkeit für das Zurückziehen seiner Anmeldung: 95%

Tiago Splitter, ein weiterer potentieller Top-10-Pick, könnte Andriuskevicius und Aleksandrov folgen und ebenfalls aus dem Draft aussteigen. Da Splitter Gerüchten zufolge einen Buyout von einer Million Dollar in seinem jetzigen Vertrag mit Tau Ceramica hat, werden einige Teams sicherlich davor zurückschrecken, ihn bereits früh im Draft zu ziehen. Sicherlich besteht die Möglichkeit, dass Splitter einen Großteil des Buyouts selbst bezahlt, allerdings wäre dies ohne das Versprechen eines Teams in der oberen Hälfte der Lottery sehr riskant, und Splitter müsste möglicherweise ein weiteres Jahr in Europa verbringen, bevor er in die NBA wechseln könnte. Mit seinen derzeit starken Leistungen in den Playoffs könnte der Brasilianer jedoch sehr wohl noch ein Versprechen erhalten ? hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Wahrscheinlichkeit für das Zurückziehen seiner Anmeldung: 75%

Auch der Spanier Rudy Fernandez hofft auf ein Versprechen, das wahrscheinlich nicht kommen wird. Zwar spielte auch er eine gute Saison in der spanischen ACB und erreichte mit seinem Team sogar die Playoffs, doch könnte er seinen Draftwert durch ein weiteres Jahr in Europa und mit mehr Arbeit an seinem Körper und seiner Defense noch um einiges steigern.

Wahrscheinlichkeit für das Zurückziehen seiner Anmeldung: 75%

Bereits zurückgezogen hat der kroatische High Scorer Marko Tomas, der vor einer Woche zu Real Madrid wechselte und dort, laut Angaben von Madrids Coach, im nächsten Jahr eine wichtige Rolle spielen wird. Mit guten Leistungen in der spanischen Liga könnte sich Tomas im nächsten Jahr sicherlich einen guten Platz in der ersten Runde verschaffen.

Übrig bleiben Ersan Ilyasova, Yaroslav Korolev ( der angeblich ein Versprechen eines Lottery-Teams haben soll) und Roko Leni-Ukic, dessen Draftwert in letzter Zeit ebenfalls stark angestiegen ist. Zumindest Ilyasova würde davon profitieren, noch ein weiteres Jahr in Europa zu verbringen. Ob einer dieser drei Spieler seine Anmeldung zurückziehen wird, werden wir spätestens am 21. Juni erfahren.


Welcome to the Windy City ? Pre-Draft-Camp in Chicago

Das alljährlich stattfindenden Pre-Draft-Camp in Chicago war auch diesmal wieder mit zahlreichen Zweitrundentalenten gefüllt, die hofften, nur zwei Wochen vor dem Draft noch einmal stark auf sich aufmerksam machen zu können, um eventuell doch noch in die erste Draftrunde zu klettern und sich damit einen garantierten Vertrag zu erhaschen.

Zwei Spieler, auf die in diesem Jahr ganz besonders Acht gegeben wurde, waren Sean Banks und John Gilchrist. Dass beide das Talent zu Lottery Picks haben, war den in Chicago anwesenden Scouts von vornherein klar, jedoch rutschten sowohl Banks, als auch Gilchrist während der letzten Saison in die zweite Draftrunde ab, nachdem immer mehr Fragen über den Charakter beider Spieler bekannt wurden. Banks tauchte unentschuldigt nicht zum Training des US-Juniorennationalteams auf und wurde später aus dem Team der Memphis Tigers geworfen, nachdem er ?bestimmte Regeln nicht befolgt hatte?. Das gleiche gilt für John Gilchrist, der nach einer grottenschlechten Saison und ständigen Streitigkeiten mit Maryland-Coach Gerry Williams ebenfalls schnell in die zweite Runde abrutschte, sich jedoch trotzdem dafür entschied, das College zu verlassen und sein Glück in der NBA zu suchen.

In ihren vier Tagen im Camp zeigten beide zwar noch einmal, warum sie einst als Lottery-Kandidaten gehandelt wurden, jedoch zeigte vor allem Gilchrist wieder die Sachen, die ihn damals in Runde Zwei abrutschen ließen. Kein Point Guard präsentierte sich vom Spielerischen her besser als John Gilchrist, allerdings zeigte auch kein anderer Point Guard im Camp einen derartigen Hang zum Egoismus, und vor allem diskutierte niemand so viel mit seinen Teamkollegen wie der Maryland-Student. Nun kann man dies auch als Anführermentalität auslegen, doch vor allem durch Gilchrists Vergangenheit wird diese Tatsache oft mit seiner Eigensinnigkeit in Bezug gebracht.

Abgesehen davon zeigte der 20-Jährige alles, was die Scouts in einem NBA-Point-Guard sehen wollen: Er zog nach Belieben in die Zone, präsentierte von Zeit zu Zeit seinen guten Distanzwurf und ließ seinem Gegenspieler in der Defense dank seiner grandiosen Athletik und Stärke keinen Platz. Im letzten Spiel suchte er sogar seine Teammitglieder und beendete die Partie sechs Assists.

?Die einzige Frage wird sein, ob er gut genug ist, um diese anderen Sachen übersehen zu können,? so ein Scout eines Eastern Conference Teams nach dem Camp gegenüber CBS Sportsline.

Zwar spielte Sean Banks nicht mit ganz soviel Energie und Emotionen wie John Gilchrist, doch tat er zumindest nichts, um die Vermutungen über seine Charakterprobleme zu unterstützen. Banks, der sich bereits seit einigen Monaten mit einem Personal Trainer auf den Draft vorbereitet, präsentierte sich in guter Verfassung. Sein Wurf aus der Dreierdistanz schien besser als noch zu Memphis-Zeiten und auch sein explosiver erster Schritt und seine solide Defense überzeugten die Scouts und General Manager im Camp. An jedem Tag präsentierte der athletische Swingman eine andere Facette seines Spiels ? doch noch scheint dem 20-Jährigen die Konstanz zu fehlen, um diese vielen Facetten zusammenzutragen.

Jedoch waren es nicht die beiden Problemkinder des Camps, die sich mit ihrer starken Leistung vielleicht einen Platz in der ersten Runde verschafft haben, sondern Illinois-Produkt Luther Head. Der zu klein geratene Shooting Guard brillierte nicht nur in der Offense, sondern nahm auch seine Gegenspieler, egal ob Shooting Guard oder Point Guard, komplett aus dem Spiel. Immer wieder ging Head in die Passwege, um Bälle abzufangen und danach den Fastbreak einzuleiten, wobei er gute Spielübersicht präsentierte. Zwar wird kein Team Head als Spielmacher einsetzen, und es ist fraglich, ob er jemals zu einem werden wird, doch stellte er die Uneigensinnigkeit unter Beweis, die im letzten Jahr das ganze Team der Illinois Fighting Illini auszeichnete.

Weiterhin konnten auch die beiden Forwards Robert Whaley und David Lee, sowie die Swingman Brandon Rush und Steven Smith überzeugen. Rush, der kleine Bruder von Charlotte Bobcat Kareem Rush, war als einziger der zahlreichen High School Prospects zu den Spielen in Chicago angereist und konnte als jüngster Spieler im Camp einige Leute von sich überzeugen. Andere High-Schooler wie Louis Williams und Monta Ellis taten dies nicht und haben damit wohl eine der besten Chancen verpasst, ihren Draftwert in die Höhe zu treiben.

La-Salle-Student Steven Smith zeigt hingegen alles, was einen soliden NBA-Forward auszeichnet: solide Athletik, einen guten Distanzwurf und die Bereitschaft, zu rebounden und in der Defense zu arbeiten. Als solider Rollenspieler im Stiles eines Jumaine oder James Jones sollte Smith im nächsten Jahr dafür bereit sein, seinem Team zu helfen.

Doch nach dem Ende des Camps tauchten nicht nur zufriedene Gesichter in den Katakomben des United Centers auf. Carl Krauser, von dem NBA-Teams eigentlich annahmen, dass er als Scoring-Point-Guard in der NBA noch effektiver sein könnte als am College, wurde nicht nur von John Gilchrist in Grund und Boden gespielt, sondern konnte auch sonst kaum Akzente als Scorer setzen und warf erniedrigende 18% aus dem Feld. Das gleiche galt für Mindaugas Katalynas, den Gewinner des NCAA Slam Dunk Contests, der beim Camp in Portsmouth noch stark aufspielte. Sein Wurf fiel nur selten und auch seine Athletik konnte der Forward überraschenderweise nur selten einsetzen, um zu Korberfolgen zu gelangen.

Dee Brown verletzte sich bereits frühzeitig, so dass er wohl zurückziehen und im nächsten Jahr als Seniors wieder für die Fighting Illini auflaufen werden. Der Point Guard hatte vor dem Camp mit einigen guten Workouts an Momentum gewonnen, bis er sich nach einem guten Start in Spiel Eins seines Teams den Fuß brach.


Power Rankings: Point Guards

 

  1. Chris Paul (1,86 m / 81 kg, 20 Jahre)

An der Spitze der Draftboards entwickelt sich ein heißes Rennen zwischen den drei besten Point Guards im Draft. Chris Paul behält dank seiner grandiosen Kombination von Schnelligkeit und Scoring- und Spielmacher-Fähigkeiten nach wie vor die Oberhand, doch die Konkurrenz lauert nur kurz hinter ihm. Mit 1,86 m besitzt Paul nicht gerade Idealgröße für einen NBA-Point-Guard, und er hat nicht die athletischen Fähigkeiten eines Nate Robinson oder Ray Felton, um diese Schwäche wieder auszugleichen, allerdings wird sich kaum ein anderer Point Guard im Draft finden, der eine ähnliche Zusammensetzung von Skills vorweisen kann.

 

  1. Deron Williams (1,88 m / 91 kg, 20 Jahre)

Im Gegensatz zu Chris Paul verfügt Deron Williams zwar über die richtige Größe für die NBA, jedoch kann er nicht die Scorer-Fähigkeiten oder die Athletik vorweisen, die ihn an Paul vorbeibringen würden. Zwar soll Williams in den letzten Wochen bei Workouts mit Ex-Utah-Utes-Coach Rick Majerus kräftig an Babyspeck verloren und Explosivität hinzugewonnen haben, jedoch zeichnen ihn weiterhin seine Cleverness und sein hoher Basketball-IQ aus, der in diesem Draft seinesgleichen sucht.

 

  1. Ray Felton (1,84 m / 90 kg, 20 Jahre)

Der dritte im Bunde der drei großen Point Guards ist der frisch gekührte NCAA-Champion Raymond Felton. Der schnelle Point Guard ist, wie auch Paul und Williams, ein grandioser Spielmacher, der seine Mitspieler besser machen kann, und verfügt zudem noch über eine Athletik und Sprungkraft, die ihm ein Spiel ?über dem Ring? ermöglichen. Seine größte Stärke ist aber zugleich auch eine seiner größten Schwächen ? manchmal spielt Felton zu schnell und verliert die Kontrolle, was dann sehr oft in Ballverlusten resultiert. Zudem bestehen noch Bedenken über seine Qualitäten als Scorer, auch wenn Felton die während des NCAA-Turniers größtenteils aus dem Weg geräumt hat.

 

  1. Roko-Leni Ukic (1,96 m / 84 kg, 21 Jahre)

So ziemlich jeder Draft hat mindestens einen großen, europäischen Point Guard - im letztem Jahr waren es Sasha Vujacic und Beno Udrih, im Jahr davor Zoran Planinic. Auf Roko-Leni Ukic trifft dieselbe Beschreibung zu, jedoch hat er wohl weitaus mehr Talent als die zuvor erwähnten Europäer. Trotz seiner Größe ist Ukic atemberaubend schnell und kann dadurch mit weitaus kleineren Gegenspielern mithalten. Sein Ballhandling ist hervorragend, und er findet immer einen Weg, um zum Korb zu gelangen. Dabei ist Ukic allerdings auch selbstlos genug, um den Ball rauszupassen, wenn der Weg zum Korb versperrt ist. Zwar sind sein Körper und sein Wurf noch extrem unausgereift, allerdings hat der Kroate alle Fähigkeiten, um in der Liga mitspielen zu können. Vergleiche mit dem Franzosen Tony Parker sind keinesfalls unangebracht.

 

  1. Jarrett Jack (1,91 m / 90 kg, 21 Jahre)

Ein weiterer ACC-Point-Guard, der einen Platz in der ersten Draftrunde sicher haben sollte, ist Jarrett Jack. Er verfügt sowohl über die Größe als auch über den Körper, um sofort zum Erfolg seines Teams beitragen zu können und vor allem zu einem Defensiv-Spezialisten auf der Point-Guard-Position zu werden. Ihn jedoch auf seine Defense zu reduzieren, wäre unfair. Jack stellte während der Saison ebenfalls seine hervorragenden Fähigkeiten als Scorer unter Beweis und zeigte teilweise solide Ansätze im Passspiel, auch wenn er noch viel zu viele Fehler in einer Half Court Offense macht und noch nicht wirklich unter Beweis stellen konnte, dass er auch als Vollzeit-Spielmacher erfolgreich sein kann.




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Kommentare

(2 Kommentare bisher)

von Reggie 15.06.05 um 02:36:23


Oben steht Chris Paul sei 1.86 gross......dann wäre er wohl die klare Nr.1 im Draft........ansonsten toller Artikel ich hoffe au Ukic den hab ich scho live gesehen einfach unglaublich der Junge.



von mario 15.06.05 um 11:44:57


Chris Paul ist beim Chicago Predraft-Camp auf 1,86 gemessen worden.

Und zu Deron Williams: Haha, Babyspeck verlieren bei Coach Majerus...das ist ja wie die Lehren des Islam im Vatikan lernen ;-)



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