Draft 2004
Draft-Grades, Part Two
Wie auch in jedem Jahr werden sich die Teams wohl wieder einiges an Kritik für ihre Entscheidungen im Draft anhören müssen. Wer unserer Ansicht nach schlechte oder gute Entscheidungen in diesem absolut verrückten Draft getroffen hat, sagen wir euch hier. Der zweite und letzte Teil des großen x-over Draft-Rückblicks...
Von Maximilian Selow |
28.06.2004 | |
Im folgenden findet ihr nun eine Auflistung aller Teams und ihrer gedrafteten Spieler. Die Benotung erfolgt wie im amerikanischen Schulsystem: Ein ?A? steht für sehr gute, ein ?F? für absolut miserable Entscheidungen.
Den ersten Teil des Berichts findet ihr HIER...
Minnesota Timberwolves, Note: B-
#58 ? Blake Stepp (PG, 1,94 m / 87 kg)
Wieder einmal durften die Minnesota Timberwolves dank Joe Smith ihren First-Round-Pick nicht benutzen. Deswegen blieb ihnen nur noch ihr Zweitrunden-Pick, der vorletzte im gesamten Draft.
Hier wählte man letztendlich Blake Stepp, der seine Gonzaga Bulldogs zwar in einer grandiosen regulären Saison mit seiner Kreativität als Spielmacher anführte, im NCAA-Turnier dann allerdings komplett versagte und sein Team nicht über die zweite Runde hinausbringen konnte. Dies war auch der Grund dafür, warum Stepp plötzlich vom Anfang der Zweiten Runde bis zum Ende dieser abrutschte. Als Spielgestalter und solider Shooter sollte er dennoch zu gebrauchen sein.
Ob er hinter Sam Cassell und Troy Hudson, wenn dieser seinen Vertrag in Minneapolis verlängern sollte, viel Einsatzzeit sehen wird, bleibt abzuwarten.
New Jersey Nets, Note: A
#51 ? Christian Drejer (SG, 2,06 m / 93 kg)
Ein schlechtes Zeichen für alle New-Jersey-Fans: Der neue Besitzer Bruce Ratner ist anscheinend ein wahrer Geizhals, der sparen will, wo er nur kann. New Jerseys Erstrunden-Pick wurde zumindest sofort nach Portland geschickt; nur um Geld zu sparen. Damit blieb General Manager Rod Thorn lediglich der 51. Pick.
Und man hätte wirklich eine schlechtere Wahl treffen können, als die von Christian Drejer. Der 2,06 m große Shooting Guard kam mit großen Hoffnungen und als bester Nachwuchsspieler Dänemarks zur Universität von Florida. In seinem Freshman-Jahr wurde er nur von Verletzung gequält, ein Jahr später konnte Drejer nur selten überzeugen und entschied sich dann mitten in der Saison, dass Team zu verlassen und einen Vertrag beim FC Barcelona zu unterzeichnen. Dementsprechend viel sein Draft-Wert natürlich und letztendlich fand sich Drejer am Ende der zweiten Runde wieder. Nichtsdestotrotz ist der vielseitige Aufbauspieler sehr talentiert und verfügt noch immer über eine Menge Potential.
Bis zum Ende der nächsten Saison wird Drejer nun wahrscheinlich in Barcelona bleiben, erst dann werden die New Jersey Nets versuchen, ihn an die Ostküste der USA zurückzuholen.
New Orleans Hornets, Note: B+
#18 ? J.R. Smith (SG, 2,01 m / 103 kg)
#44 ? Tim Pickett (SG, 1,94 m / 94 kg)
Die New Orleans Hornets gingen in den Draft mit dem Ziel, sich einen Shooting Guard oder zumindest einen Swingman zu sichern, denn diese beiden Positionen waren im letzten Jahr die ganz klar am schwächsten besetztesten. Das sollte sich mit diesem Draft jedoch nun geändert haben.
Mit dem 18. Pick wählte man High-Schooler J.R. Smith, dessen Verpflichtung sich in zwei bis drei Jahren bezahlt machen dürfte. Nach seinen ersten Workouts fiel der Guard einige Plätze nach unten, da seine älteren und erfahreneren Kollegen ihn ganz einfach ausspielten. Erst nach dem Pre-Draft-Camp in Chicago fing sich der 18-Jährige und überzeugte wieder durch seine Reichweite und seine athletischen Fähigkeiten. Auch die Tatsache, dass die Messungen von Smith ergaben, dass er, anstatt der zuvor angenommenen 1,94 m, doch 2,01 m groß ist, hat dem Shooting Guard weitergeholfen. Tim Pickett spielte eine gute Saison für Florida State und hatte u.a. sogar ein 30-Punkte-Spiel gegen die Universität von North Carolina, es ist allerdings zu bezweifeln, dass sich sein Spiel gut in der NBA umsetzen lassen wird.
Wenn sich Smith gut entwickelt, werden die Hornets in einigen Jahren vielleicht einen weiteren Star neben Baron Davis und Jamaal Magloire im Team haben. Tim Pickett sollte es aufgrund der Knappheit an guten und gesunden Zweiern im Team auch in die Mannschaft schaffen.
New York Knicks, Note: A
#43 ? Trevor Ariza (SF, 2,03 m / 91 kg)
Isiah Thomas suchte zwar immer wieder nach Möglichkeiten, im Draft doch noch einen First-Round-Pick zu ergattern, um eventuell Hometown-Hero J.R. Smith verpflichten zu können, letztendlich blieb ihm aber nichts anderes übrig, als sich mit einem Pick in der zweiten Runde zufrieden zu geben.
Und zufrieden war er auch mit der Wahl von UCLA-Freshman Trevor Ariza. Der Small Forward hat reichlich Talent und ?Upside?, hätte allerdings stark davon profitiert, noch das ein oder andere Jahr am College zu verbringen. Der athletische Forward gilt als großartiger Perimeter-Verteidiger und guter Passer, allerdings muss er seinen Wurf verbessern und einige Zeit im Kraftraum verbringen, um in der Offensive zu einem größeren Faktor zu werden.
Zwar leidet der 19-Jährige an Asthma, jedoch ist Knicks-GM Isiah Thomas nicht der Meinung, dass dies sein Spiel beeinträchtigen wird. Auch Thomas? ehemaliger Teamkollege Dennis Rodman hatte Asthma und auch ihn behinderte es nicht.
Man kann einfach nicht viel falsch machen, wenn man in der zweiten Runde auf Upside draftet. Sollte in der nächsten Saison wieder mal ein Knick wie Allen Houston über längere Zeit verletzungsbedingt ausfallen, könnte Ariza bereits im nächsten Jahr eine Rolle als Backup bekommen. Wenn nicht, wird sich der Forward vorerst mit der Rolle als dritte Option von der Bank begnügen geben müssen.
Orlando Magic, Note: A+
#1 ? Dwight Howard (PF, 2,08 m / 109 kg)
#20 ? Jameer Nelson (PG, 1,83 m / 90 kg)
#30 ? Anderson Varejao (PF, 2,08 m / 104 kg)
Die Orlando Magic sind ein Team vor dem Umbruch. Während ein Tracy-McGrady-Trade von Tag zu Tag realistischer wird, bereitet man sich nun in Orlando auf den Rebuild vor. Das erste Anzeichen dafür, dass dieser direkt vor der Tür steht, war die Verpflichtung von Dwight Howard mit dem ersten Pick des Drafts.
Howard erfuhr von seinem Glück bereits am morgen des Drafts, jedoch entschieden er und sein Agent sich dafür, es noch bis zum Augenblick der Bekanntgabe von David Stern geheim zu halten. Sollte McGrady nun also wirklich nach Houston oder an eine andere Mannschaft abgegeben werden, wird man das Team wohl um den 18-jährigen Howard aufbauen. Ihm wird man Jameer Nelson, den besten College-Spieler der vergangenen Saison, an die Seite stellen, der im Draft überraschend bis zum 20. Pick abrutschte, bevor sich die Denver Nuggets dazu entschieden, den Guard zu wählen, um ihn dann kurze Zeit später für einen zukünftigen First-Round-Pick nach Orlando zu verfrachten. Auch in der zweiten Runde konnte man an 30. Position einen Steal ergattern: Anderson Varejao rutschte, wie auch Nelson, überraschend ab und fand sich letztendlich in der zweiten Runde wieder.
Vielleicht wird Howard bereits von Saisonbeginn an starten, vielleicht wird aber auch Drew Gooden erst einmal den Vorzug bekommen; das kann zu diesem Zeitpunkt noch niemand sagen. Jameer Nelson wird entweder starten, oder, sollte Steve Francis im McGrady-Trade nach Orlando gelangen, eine Rolle als Backup einnehmen. Vieles hängt also noch davon ab, welche Moves die Magic im Sommer machen werden. Varejao wird wahrscheinlich größtenteils als Small Forward für Orlando auflaufen, da die Vier mit Gooden, Howard und Pat Garrity bereits gut besetzt ist.
Philadelphia 76ers, Note: A
#9 ? Andre Iguodala (SG/SF, 2,01 m / 98 kg)
Und die Suche nach dem zweiten Scorer neben Allen Iverson geht weiter. Nachdem Phillys All-Star-Guard nach einer schweren Saison bei den 76ers sich letztendlich doch dazu entschied, nicht nach einem Trade zu fragen, war es nun, wieder einmal, am Management der Sixers, einen Spieler zu finden, der Iverson in der Offensive behilflich sein soll.
Ob Andre Iguodala diese Rolle ausfüllen kann, wird sich noch zeigen. Fest steht allerdings, dass sich General Manager Billy Knight an Position Nr. 9 einen echten Steal sichern konnte. Der Arizona-Student ist ein wahrer Teamsspieler, der von Eins bis Drei alles spielen kann. Seit Saisonende hat Iguodala sein Spiel und vor allem seinen bisher zu schwachen Wurf weiterhin verbessert, und auch an seinem Körper gearbeitet. Zudem ist er hinter Atlantas Josh Smith der athletischste Spieler im Draft.
Vorerst wird der College-Sophomore, der in der letzten Saison allein drei Triple Doubles verbuchen konnte, wohl noch von der Bank kommen, sollten allerdings Eric Snow, Iverson oder Glenn Robinson verletzt ausfallen, beziehungsweise getradet werden, wird Iguodala diese Lücke füllen.
Phoenix Suns, Note: D
#31 ? Jackson Vroman (PF, 2,08 m / 102 kg)
Nach einem Trade, der den #7 Pick der Suns im Tausch für einen Second-Rounder der Bulls nach Chicago verfrachtete, entschieden sich die Phoenix Suns dafür, mit dem 31. Pick Jackson Vroman von der Iowa State University zu wählen.
Vroman lässt sich am besten als eine Mischung aus Mark Madsen und Bo Outlaw beschreiben. Ein hart spielender Big Man ohne wirkliches Talent, aber mit viel Herz, Energie und Liebe für das Spiel. Dank guter Leistungen in Chicago konnte sich der Forward in die zweite Runde vorarbeiten, das er jedoch bereits so früh in dieser gezogen werden wird, war kaum zu erwarten.
Nichtsdestotrotz hätten die Suns einen weitaus besseren Job abliefern müssen, vor allem weil u.a. noch Peter John Ramos und Ha Seung-Jin zu haben waren, die dem Team einen dringend benötigten Center gegeben hätten. Nach zwei guten Drafts in Folge erbrachte GM Bryan Colangelo nun also zum ersten mal wieder eine schlechte Leistung.
Portland Trail Blazers, Note: B+
#13 ? Sebastian Telfair (PG, 1,83 m / 77 kg)
#22 ? Viktor Khryapa (SF, 2,06 m / 93 kg)
#23 ? Sergei Monya (SG, 2,01 m / 100 kg)
#47 ? Ha Seung-Jin (C, 2,21 m / 136 kg)
Danny Ainge schien eine Vorahnung gehabt zu haben, als er sich einen Tag vor dem Draft extrem beeindruckt von Sebastian Telfair zeigte und meinte, dass irgendein Team den High-Schooler sehr weit oben draften würde.
Aus Angst, Telfair würde nicht mehr verfügbar sein, wenn die Blazers an 22. Stelle draften, entschieden sich GM John Nash und Head Coach Maurice Cheeks dafür, den Cousin von NBA-Star Stephon Marbury bereits in der Lottery zu verpflichten; auch wenn dies wohl kein anderes Team getan hätte, denn die Celtics und die Blazers waren so ziemlich die einzigen Mannschaften, die Telfair wirklich als potentiellen Star sahen. Mit dem 22. Pick, den man im Tausch mit den New Jersey Nets erhielt, und dem 23. Pick ging man nach Russland und holte mit Viktor Khryapa und Sergei Monya zwei Spieler, die schon seit Jahren zusammen in der selben Mannschaft spielen. Vor allem Monya rutschte überraschend ab, nachdem er zuvor als sicherer Lottery-Pick gehandelt wurde. Beide sind starke Defender, die einige Bedürfnisse des Teams decken sollten. In der zweiten Runde fiel den Blazers überraschend der Koreaner Ha Seung-Jin in die Hände, von dem GM John Nash schon im Vorfeld des Drafts hin und weg gewesen sein soll.
Alle drei First-Rounder sollten vorerst als Backups eingesetzt werden, vorausgesetzt natürlich, dass es den Blazers gelingt, sowohl Monya, als auch Khryapa aus ihren Verträgen bei ZSKA Moskau herauszukaufen. Ha Seung-Jin ist ein reines Projekt, dass sich noch hinter Theo Ratliff und Dale Davis entwickeln wird.
Sacramento Kings, Note: A-
#26 ? Kevin Martin (SG, 2,01 m / 84 kg)
#48 ? Ricky Minard (SG, 1,94 m / 100 kg)
Eigentlich war es egal, wen die Sacramento Kings im Draft verpflichtet hätten. Mit nur sieben Spielern fest unter Vertrag fehlt es dem Team derzeit an allen Ecken und Kanten. Letztendlich entschied man sich dafür, erst einmal den Backcourt zu verstärken.
Kevin Martin zeigte sich in Chicago in guter Verfassung und half seinem Draft-Wert in individuellen Workouts. Vor allem seine athletischen Fähigkeiten und seine Reichweite erfreuen sich bei den General Managern großer Beliebtheit. Ricky Minard kämpfte sich im Vorfeld des Drafts durch insgesamt 16 Workouts. Er ist ein All-Rounder, der von allem ein bisschen kann, aber nichts davon wirklich großartig.
Letztendlich gaben sich die Kings mit dem ?bpa?, also dem besten verfügbaren Spieler im Draft, zufrieden. Sollte Anthony Peeler nicht bei den Kings verlängern, wird Martin in der Rangliste vorerst auf die Backup-Position von Doug Christie rücken. Minard könnte es ebenfalls ins Team schaffen, sollte man nicht noch weitere, erfahrenere Backcourt-Spieler im Sommer verpflichten.
San Antonio Spurs, Note: A-
#28 ? Beno Udrih (PG, 1,94 m / 86 kg)
#42 ? Viktor Sanikidze (SF, 2,03 m / 91 kg)
#52 ? Romain Sato (SG, 1,91 m / 92 kg)
#57 ? Sergei Karaulov (C, 2,13 m / 97 kg)
Wie in den letzten Jahren gingen die San Antonio Spurs auch in diesem Draft wieder auf die internationale Schiene und verpflichteten insgesamt vier Nicht-Amerikaner. Ansonsten bekam man zwei Spieler, die nächstes Jahr schon wichtige Rollen spielen sollten und zwei reine Projekte, die das nächste Jahr wohl in Europa verbringen werden.
Mit Beno Udrih sicherte man sich den Star des Pre-Draft-Camps. Ob er es letztendlich Wert war einen First-Rounder für ihn zu benutzen, wird sich noch zeigen müssen, andererseits benötigen die Spurs dringend einen Point Guard, der Tony Parker von der Bank entlasten kann, und neben Udrih standen nur wenige qualitativ gute zur Verfügung. Der andere Guard ist Romain Sato von der Xavier University. An Position #42 könnte sich der Shooting Guard noch zu einem Steal entwickeln, denn der 22-Jährige ist der ideale Rollenspieler mit einem sehr guten Wurf und starker Verteidigung. Viktor Sanikidze könnte, wenn man NBA-Draft.net glauben schenken darf, zum absoluten Sleeper des Drafts werden. Der Georgier rückte erst am Drafttag in die Vorhersagen der Experten und gilt als sehr athletisch, exzellenter Rebounder und guter Shooter. Sergei Karaulov spielt derzeit in Usbekistan und wird dort wohl nächstes Jahr auch bleiben.
Insgesamt haben Gregg Popovich und GM R.C. Buford wieder einmal einen guten Job gemacht. Sanikidze im Trade mit den Hawks nach San Antonio zu holen war ein guter Move und auch Romain Sato sollte sich noch bezahlt machen. Udrih füllt das Bedürfnis nach einem Backup-Aufbau für Parker und Karaulov ist ein Wegwerf-Pick, der sich vielleicht mal zu einem soliden Spieler entwickelt und es in die NBA schafft, oder halt nicht.
Seattle Supersonics, Note: B+
#12 ? Robert Swift (C, 2,13 m / 111 kg)
#42 ? David Young (SG, 1,96 m / 82 kg)
Das Ziel der Sonics war es, im Draft einen Big Man zu verpflichten. Da die Toronto Raptors Rafael Araujo überraschenderweise bereits an Nr. 8 verpflichteten, blieben für die Sonics nur noch Robert Swift und David Harrison. Letztendlich entschied man sich aber für den jungen High-Schooler.
Die Sonics mochten Swift schon seit Beginn seiner Senior-Saison an der High School. Swift jedoch bestritt nicht ein Workout im Vorfeld des Drafts sondern verbrachte seine Zeit lieber damit, in Los Angeles für sich selbst an seinem Spiel zu arbeiten und wurde zum Mysterium des diesjährigen Drafts. Sein Wert fiel jedoch nicht, im Gegenteil, er stieg sogar an und letztendlich entschieden sich die Sonics dafür, ihn für die Zukunft zu draften. Young im Gegenteil stellte sich als wahrer Workout-Warrior unter Beweis. Berichten zufolge spielte er sogar Leute wie Kirk Snyder aus und kämpfte sich von der ?dritten Runde? bis an die Spitze von Runde 2 vor.
Es ist unwahrscheinlich, dass Swift in seinem ersten Jahr viel Spielzeit sehen wird. Vor allem auch, weil Vitaly Potapenko, Jerome James und Calvin Booth alle wechselweise als Center auflaufen werden. Auch für Young wird es schwer werden, hinter Ray Allen und Ronald Murray an Spielzeit zu gelangen.
Toronto Raptors, Note: D+
#8 ? Rafael Araujo (C, 2,11 m / 127 kg)
#47 ? Pape Sow (PF, 2,08 m / 113 kg)
Für die Toronto Raptors gab es in diesem Draft praktisch nur zwei Alternativen: Entweder man verpflichtet einen Point Guard, oder einen Center. Da Ben Gordon, Devin Harris und Shaun Livingston bereits alle vom Board waren, entschied man sich für letzteres.
Genauer gesagt entschied man sich für BYU-Studenten Rafael Araujo, der bis zu Beginn seines Senior-Jahres ein eher unauffälliges Leben in der BYU-Mannschaft führte und kaum höher als ein später Second-Rounder gehandelt wurde. In seinem letzten Jahr steigerte sich der Brasilianer dann jedoch und arbeitete sich bis in die Mitte der ersten Runde vor, wo er Berichten zufolge ein Draft-Versprechen der Utah Jazz erhielt. Die Raptors schockten jedoch alle und wählten den Center bereits an 8. Stelle. Mit ihrem Zweitrunden-Pick wählten die Kanadier Albert Miralles, der aber dann für Pape Sow nach Miami getradet wurde. Sow enttäuschte in seiner Senior-Saison bei Cal State Fullerton.
Zwar deckt Araujo die Bedürfnisse des Teams, allerdings ist es Verschwendung, den achten Pick an einen Spieler wie Araujo abzugeben, der nie zu mehr als einem durchschnittlichen Rollenspieler werden wird. Mit Andris Biedrins hätte das Team definitiv die bessere Wahl getroffen. Sow wird es wohl eher nicht ins Team schaffen.
Utah Jazz, Note: A+
#14 ? Kris Humphries (PF, 2,06 m / 108 kg)
#16 ? Kirk Snyder (SG, 2,01 m / 103 kg)
Vor dem Draft hörte man immer wieder, dass die Utah Jazz sowohl Rafael Araujo, als auch Sergei Monya zugesichert hätten, sie im Draft zu wählen, wenn sie an Nr. 14 und 16 noch zu haben wären. Einer wurde jedoch bereits an #8 verpflichtet, der andere fiel ganz durch.
Mit Minnesota-Freshman Kris Humphries und Nevada-Junior Kirk Snyder hat man insgesamt wohl sogar die besseren Entscheidungen getroffen. Während Humphries sich bei Tests in Chicago als einer der talentiertesten und athletischsten Spieler dieses Drafts unter Beweis stellte und man zudem herausfand, dass Humphries doch größer als vorerst angenommen war, stieg der Wert des zweitbesten Spielers der abgelaufenen Big-Ten-Saison wieder. Kirk Snyder wurde nach seinen sehr starken Workouts sogar Lottery-Potential nachgesagt. Er ist ein starker Verteidiger und insgesamt ein guter Allrounder, zudem ein Trash-Talker, wie er seit Gary Payton nicht mehr gesehen ward, und eine großartiger Leader.
Die Jazz haben also nichts falsch gemacht und sich zudem dort verstärkt, wo sie unbedingt Unterstützung brauchten. Beide könnten bereits im nächsten Jahr als Starter für die Jazz auflaufen.
Washington Wizards, Note: A
#32 ? Peter John Ramos (C, 2,21 m / 125 kg)
Nachdem man seinen fünften Pick im Antawn-Jamison-Deal nach Dallas abgeben musste, blieb den Wizards lediglich der 32. Pick. Mit diesem draftete man Peter John Ramos, der überraschend noch bis in die zweite Runde fiel.
Ramos überzeugte in diesem Jahr in der puerto-ricanischen Liga und spielte sich sogar bis in die Mitte der ersten Draftrunde vor. Er fühlt sich vor allem im Post wohl, wo er durch seine Größe und Kraft in Puerto Rico dominieren konnte. In den Workouts zeigte sich dann aber, dass der Center doch noch ein wenig Zeit brauchen wird, bis er seinem Team in der NBA wirklich behilflich sein kann.
Die Wizards waren ohnehin auf der Suche nach Größe und mit Ramos konnte man sich in Runde Zwei eventuell sogar einen Steal sichern, sollte sich der Big Man so entwickeln wie vorgesehen.



von classic 29.06.04 um 10:12:09
"Die Sonics mochten Swift schon seit Beginn seiner Senior-Saison am College."
an der Highschool, oder?
von kobe8 (x-over) 29.06.04 um 13:20:39
schon geändert... ;)
von Butch Haynes 29.06.04 um 13:29:29
Also erstmal ein herzliches Dankeschön und ein grosses Lob für die ausführliche, umfassende und fundierte Beurteilung.
Ein wenig Kritik muss ich aber dennoch anbringen: m. E. sind die Noten durchweg etwas zu gut bzw. unausgewogen.
Beispiel: die Bulls draften an 3, 7 und 38 Spieler die sie dringend (Deng) und ggf. nicht wirklich so dringend (Gordon und Duhon) benötigen. Klar man hätte auch einen SG an 3 nehmen können, aber Gordon ist ein toller Playmaker. Gut die Position ist jetzt vielfach besetzt aber PG vom Kaliber eines Gordon kann man nicht ablehnen. Crawford wird vielleicht in einem sign-und-trade deal vertickt und schon sieht das anders aus. Deng braucht mit Sicherheit noch ein wenig Zeit um ein echter Leistungsträger zu sein und Duhon ist in seiner Entwicklung stehen geblieben - ABER ich kann nicht sehen, warum hier die Note B- vergeben wurde?
B- hat Minni für den 58 Pick bekommen. B+ die Pistons für den 54 Pick. Wenn ich da noch sehe wer ein A oder gar ein A+ bekommen hat muss ich mich wundern. Die Cavs bekommen für Luke Jackson auf der 10 ein A. Zugegeben, der Spieler passt gut für die Cavs, aber der wahre Wert von Gordon und Deng für die Bulls wird sich sicher noch zeigen.
Ich würde den Bulls daher ein A geben. Die SF Position ist grds. erstmal gut ergänzt/besetzt worden und man hat sich ggf. gutes Trade-Material geholt. Der Pick von Gordon deutet für mich auf ein ggf. bevorstehendes Karriereende von Jay Williams hin.
von Maximilian Selow 29.06.04 um 15:48:51
Erst einmal danke für das Lob. Nun zu der Note der Bulls:
Wie ich bereits geschrieben habe, haben es die Bulls geschafft, sich qualitativ durchaus zu verstärken, daran besteht absolut kein Zweifel. Das Problem hier ist nur, dass man sich nicht dort verstärkt hat, wo man sich hätte verstärken müssen und das wären eigentlich die Swingman-Positionen gewesen. Sicherlich ist Gordon individuell unheimlich stark, aber ich möchte einmal stark bezweifeln, dass, selbst wenn Jamal Crawford abwandert, ihn die Bulls als Shooting Guard einsetzen werden, bzw. können.
Natürlich ist diese Vergabe auch immer ein wenig subjektiv, ich z.B. hätte es viel eher begrüßt, wenn sich die Bulls für Andre Iguodala auf der 3 entschieden hätte. Der ist größer, jünger, vielseitiger, athletischer und hätte zudem noch die "Team Needs" erfüllt. Solche Dinge haben zum Beispiel auch in meine Notenvergabe hineingespielt.
Ich sehe derzeit einfach nicht, wo Gordon in das Teamkonzept passen soll. Für einen Shooting Guard ist er zu klein (bzw. hat er keinen großen PG an seiner Seite), die Point Guard-Position ist bereits durch Kirk Hinrich besetzt und von der Bank wäre Gordon, meiner Ansicht nach, eine Verschwendung von Talent.
Das selbe Problem besteht bei Duhon. Sicherlich ein guter Floor-Leader und Defender, aber wo passt er hinter Spielern wie Gordon und Hinrich ins Team? Auch hier hätte sich ein Trevor Ariza oder selbst ein Arthur Johnson, bzw. Jackie Butler besser gemacht, gerade weil die Bulls damit etwas für den Frontcourt bekommen hätten, wo sie Verstärkung benötigen.
Das A für die Cavs war ein absoluter No-Brainer. Die Cavs brauchten einen SF und dazu noch einen Shooter, der Räume öffnen kann, beides haben sie mit Jackson bekommen.
Das die T-Wolves und die Pistons gute Noten bekommen haben liegt daran, dass sie nach ihren Needs gedraftet haben und es so spät einfach kaum was besseres gab. Paulding ist athletisch und hat noch Potential, zudem brauchten die Champs einen Backup für RIP. Stepp sollte Minny als Shooter von draußen behilflich sein, auch dort brauchten sie noch Verstärkung.
So, ich hoffe, dass ich dir meinen Standpunkt damit verdeutlichen konnte ;)
von Butch Haynes 29.06.04 um 16:25:30
Ok - I see your point.
Klar, es ist halt wie immer: etwas pers. Meinung fliesst immer mit ein - natürlich auch bei mir als Bulls-Fan.
Ich meine mit ein wenig Kosmetik kommen die Bulls nicht mehr weiter - da muss ne Runderneuerung her! Crawford traue ich aber nichts zu und vielleicht tut ihm ne Luftveränderung mal gut. Gordon ist wirklich für nen Backcourt zusammen mit Capt. Kirk zu klein und von der Bank verschenkt ...
Aber hier ging's es um den Draft - nicht um die Bulls. Wie gesagt, die Noten sind schon ok so und Deine Argumente sind fundiert. Ich hatte viel Spass beim lesen und hatte mich schon kurz nach dem Draft auf den Crossover Review gefreut - und wurde auch nicht enttäuscht.
Danke nochmal - Gruss Butch
von The Master 01.07.04 um 01:20:16
Ihr habt ja toll von www.Draftcity.com abgeschrieben das kann ich auch lobt diese artikel nicht so übertrieben. ins deutsche übersetzen und abändern. ich bewirb mich dann auch mal bei euch wenn das alles ist
von Maximilian Selow (x-over) 01.07.04 um 01:59:54
Nur mal nebenbei, ich habe das Draftcity-Review zum Draft nicht einmal durchgelesen.
Zudem erschien das Draftcity-Review am Abend des 26. Junis, ich hatte meinen Artikel schon am Nachmittag des 26. Junis fertiggestellt, einen Tag später kam dann der erste Teil auf die Seite.
Ich hab mir zudem gerade mal den Abschnitt zu den Atlanta Hawks durchgelesen. Machts du es nun daran fest, dass ich, wie auch alle anderen Publikationen in Amerika, denke, dass Josh Smith ein Steal für die Hawks ist oder das es nicht richtig war, so viele Guards zu draften?
Oder machst du's daran fest, dass Draftcity den Bulls nen A+ gegeben hat, während sie von mir ne B- erhielten? o_O
Unterlasse also demnächst solche Unterstellungen!
von Maximilian Selow (x-over) 01.07.04 um 02:08:03
Jetzt, wo ich mir das Review von Draftcity durchlese, stelle ich fest, dass da überhaupt keine, oder nur sehr wenige Gemeinsamkeiten mit dem X-over-Artikel enthalten sind. Würde mich wirklich mal interessieren, woran du deine Unterstellung fest machst... o_O
von Reign 01.07.04 um 13:59:16
n1 analyse vor alle da auch auf die spieler der 2. draftrunde ausführlich eingegangen wird.
von The Master 01.07.04 um 16:15:43
Also es ist doch mehr als zufall, dass ihr das gleiche Prinzip benutzt, also alle mannschaften nache amerikanischen Noten werten. Und natürlich hast du andere Meinungen zu verschiedenen Draftees und sie auch aber trotzdem find ich es schade zwei Internetseiten zu lesen mit der genau gleichen Darstellung.
von The Master 01.07.04 um 16:17:53
ich wollte nur sagen es ist klar, dass du zu Spieler wie Josh Smith eine andere Meinung hast aber etwas wirlich schwerwiegendes werd ich hier auch nicht erfahren wenn ich den Beitrag auf Draftcity.com gelesen habe.
von Christian Neumann (Crossover-online) 01.07.04 um 18:02:10
Das Benoten der Draftentscheidungen ist gang und gäbe bei so ziemlich allen Internetseiten und Printpublikationen. Daran würde ich ein Plagiat nicht festmachen, zumal man kaum große Unterschiede zwischen allen Bewertungen finden dürfte, wenn man die wichtigsten Quellen vergleicht.
von the who? 01.07.04 um 18:07:01
wenn man keine ahnung hat... einfach mal die klappe halten.
selten so gelacht... hehe.
von Befürworter 01.07.04 um 20:42:55
Also ich habe gerade den Beitrag von Draftcity gesehen muss schon sogen...........solche Zufälle gibts selten.
von ne1 01.07.04 um 22:40:26
... womit du sagen möchtest, dass du es für wahrscheinlich hältst, dass draftcity von crossover abschreibt? halte ich für ausgeschlossen. die werden kaum deutsch können.
da unser artikel als erstes erschienen ist, ist diese "diskussion" also hinfällig.
man sollte keine weiteren wörter daran verschwenden.
von Wortverschwänder 02.07.04 um 13:24:34
*wortverschwänd*