Jul
07
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12:00 Uhr Parzival Sporthalle, Amorbach




Dirk Nowitzki

„Mir kann keiner den Titel garantieren“

In Berlin sprach Superstar Dirk Nowitzki im Exklusiv-Interview mit Crossover-Redakteur Christian Guse über die bevorstehende WM in der Türkei, die Vertragsverlängerung, die Neuverpflichtungen der Mavericks und die Free Agency. Außerdem erklärte der große Blonde, warum er in Dallas bleibt und dass er nur gewechselt wäre, wenn sich eine „unglaubliche Situation“ ergeben hätte.

Von Christian Guse, Thomas Käckenmeister
 24.07.2010 |

Dirk Nowitzki ist derzeit in Deutschland. Am Freitag besuchte der Superstar der Dallas Mavericks Berlin. Im NIKETOWN hat er sich dabei Hunderten von Fans und zahlreichen Medienvertretern präsentiert. Als besonderen Höhepunkt seines Besuches durfte Nowitzki einen Stern zu Ehren seiner zwölfjährigen Partnerschaft mit Nike direkt vor dem Eingang des Ladens enthüllen. Heute bekommt er am Brandenburger Tor die IOC Trophy vom Internationalen Olympischen Komitee überreicht.

Die Stern-Auszeichnung gleicht den berühmten Vorbildern aus Hollywood und wurde direkt auf der Einkaufsmeile am Tauentzien angelegt.

Dirk Nowitzki ist der erste deutsche Topathlet, dem diese besondere Ehre zuteil wird. „Mit diesem Stern möchte Nike dem Athleten seine immense Wertschätzung zum Ausdruck bringen und ihm für seine hervorragenden Leistungen in den letzten zwölf Jahren unserer Partnerschaft danken“, sagte Nike Unternehmenssprecher Olaf Markhoff bei der Veranstaltung.

Dirk Nowitzki selbst war begeistert von der Aktion und vor allem von der Vielzahl der Fans, die ihn in Berlin sehen wollten: „Die Auszeichnung durch den Stern vor dem NIKETOWN ist etwas ganz Besonderes für mich!“

Vor über 30 Medienvertretern stand der 2,13-Meter-Riese auf der Pressekonferenz Rede und Antwort und sprach über die WM und seine Vertragsverlängerung bei den Dallas Mavericks.

„Die Olympischen Spiele 2012 bleiben ein großes Ziel für mich. Bei der jetzigen WM drücke ich den Jungs die Daumen und hoffe, dass sie wieder so herzerfrischenden Basketball spielen. Ohne mich und Chris Kaman können sie das Turnier nutzen, um als Mannschaft noch weiter zu wachsen!“

Nowitzki hatte im Vorfeld für die WM abgesagt und gleichzeitig erklärt, an der Olympiaqualifikation und Europameisterschaft in Litauen 2011 teilnehmen zu wollen.

Zu seiner Vertragsverlängerung meinte er: „Das Wichtigste war, dass ich mich in Dallas sehr, sehr wohl fühle. Mark Cuban (Besitzer der Mavericks) war auch ein Riesenfaktor. Er hat mir immer geholfen in den letzten zehn Jahren, auch außerhalb des Spielfelds. Ich hatte keine Lust darauf, irgendwo anders bei null anzufangen. Mir kann eben niemand die Meisterschaft garantieren. Ich habe alle Optionen durchgespielt in den letzten Wochen. Da war Dallas für mich einfach die richtige Entscheidung. Ich hoffe natürlich, dass wir den Titel holen, aber es wird natürlich schwer, so wie alle anderen aufrüsten.“

Zur Bedeutung der IOC Trophy-Übergabe in Berlin: "Es ist eine große Ehre für mich. Man wird zwar älter und erwachsener, aber ich versuche schon so zu bleiben, wie ich immer war. Es hat immer einen Riesenspaß gemacht, mit den Kids zu arbeiten. Gleichzeitig wird die Jugendolympiade verabschiedet. Das ist ein schöner Rahmen. Das Wetter passt jetzt nicht ganz, das haben wir uns anders vorgestellt. Aber das werden wir schon hinkriegen."

Zur großen Fangemeinde in Deutschland: "Ich bin meistens im Sommer in Deutschland. Sobald die Saison drüben beendet ist, fliege ich doch recht schnell hierher. Und dann bin ja eigentlich immer den ganzen Sommer in Deutschland präsent. In den letzten zwölf Jahren, bis auf das letzte Jahr, habe ich auch immer für Deutschland gespielt. Dabei haben wir dann auch überall gespielt, sind viel gereist. Das war schon super."

Im Anschluss an die Pressekonferenz stellte sich Nowitzki seinen zahlreichen Fans, schrieb geduldig unzählige Autogramme und erfüllte persönliche Fotowünsche.



Crossover hatte zudem die Gelegenheit, Nowitzki im Exklusivinterview weitere Antworten zu entlocken.

Crossover: Du hast die WM-Teilnahme abgesagt. Spielten dabei die Mavericks und Mark Cuban eine größere Rolle? Gab es noch andere Gründe?

Dirk Nowitzki: Das war mit Absprache mit den Mavericks. Ich habe jetzt nochmal um vier Jahre verlängert in Dallas, um mich jetzt voll auf die Meisterschaft zu konzentrieren. Das ist ja schon seit langem unser Ziel. Da hab ich dann gesagt: Ich fokussiere mich jetzt voll auf die kommende NBA-Saison.

Ich glaube, dass die Jungen echt eine super EM letztes Jahr gespielt haben. Da hoffe ich sehr, dass sie jetzt nochmal eine gute WM spielen, sich nochmal mehr finden und sich weitere, internationale Erfahrung holen, sodass wir uns dann nächstes Jahr gemeinsam hoffentlich für London qualifizieren.

Da haben also ein paar mehr Faktoren mit hineingespielt, aber dabei ist so ein wenig ein lachendes und ein weinendes Auge. Klar hätte ich gern gespielt, aber ich glaube, dass ich mich jetzt noch etwas erholen kann. Im August werde ich dann wahrscheinlich das Training wieder aufnehmen. Das hat sich letztes Jahr ganz gut bewiesen – ich hatte ja die EM schon ausgesetzt – und habe dann wieder eine ganz gute Saison gespielt. Von daher glaube ich schon, dass es für beide Seiten passt.

Du bist in dem Nationalteam auch eine Führungsfigur. Welche Spieler, glaubst Du, werden diese Rolle bei der WM ausfüllen können?

Das haben sie letztes Jahr ganz gut gemacht. Jeder hat einen Teil der Verantwortung übernommen. Ich glaube, der Schaffartzik hat von allen am meisten überrascht. Er hat auch wichtige Schüsse, wichtige Dreier getroffen in engen Spielen, hat Verantwortung übernommen. Das hat er echt super gemacht.

Aber erfahrene Leute haben wir ja teilweise dabei. Steffen Hamann ist ja wieder dabei, der auch schon lang mit uns gespielt hat. Jan Jagla ist dabei, der international in Polen eine gute Saison gespielt hat. Demond Greene ist noch dabei, mit dem ich damals in Würzburg angefangen habe vor vielen, vielen Jahren.

Auch die Jungen, wie gesagt Schaffartzik, Benzing, Pleiß haben gezeigt, dass sie schon Verantwortung übernehmen können. Das ist natürlich gefragt jetzt bei einer WM, wo das Niveau ganz gut ist. Ich hoffe, dass sie eine gute WM spielen können.

Glaubst Du, dass dies ähnlich wie bei den Fußballern, die auf Michael Ballack bei der WM in Südafrika verzichten mussten, jetzt auch bei den Basketballern läuft?

Ich hoffe es. Man hat letztes Jahr bei der Europameisterschaft einige Ansätze gesehen, wie sie füreinander gekämpft haben, wie sie miteinander gespielt haben, wie sie den Ball haben laufen lassen. Das war doch ähnlich wie bei den Fußballern jetzt. Klar, den Trend wollen wir jetzt natürlich auch nachmachen.

Nach 2008, nach Peking, haben auf einen Schlag sechs, sieben von den Älteren aufgehört. Ich habe jetzt auch das zweite Jahr hintereinander nicht gespielt, der Chris (Kaman) hat jetzt zwei Jahre hintereinander nicht gespielt.

Von daher kommt jetzt einfach frischer neuer Wind rein in die Nationalmannschaft. Vom letzten Jahr auf dieses Jahr waren nochmal einige neue dabei, die ich in Hamburg schon kennengelernt habe.

Du hast erklärt, bei der EM im nächsten Jahr dann wieder dabei zu sein. Warum die EM, aber nicht die WM?

Es war ein großer Traum von uns, bei den Olympischen Spielen teilzunehmen. In jeder Sportart ist das ein absoluter Höhepunkt. Ich habe das jetzt einmal erlebt in Peking, und es ist nach wie vor auch sportlich ein Traum, obwohl wir nicht mal ins Viertelfinale gekommen sind. Wir sind in der Vorrunde gescheitert, aber trotzdem war es eine der größten Erfahrungen meines Lebens. Und ich glaube schon, dass das noch mal Spaß machen würde, wenn wir da noch mal hinkommen würden.

Vor allem für die jungen Leute, so viele von der alten Garde sind ja nicht mehr da. Aber gerade für die jungen Spieler, glaube ich, wäre es eine tolle Erfahrung, einmal bei Olympia dabei zu sein. Von daher habe ich gesagt, dass wir das nächstes Jahr bei der EM in Litauen noch mal probieren.

Wir müssen unter die ersten Fünf kommen, um uns für Olympia zu qualifizieren. Das wird ein gutes Stück Arbeit, und darum hoffe ich, dass sie in diesem Jahr ein gute WM spielen, sodass wir dann im nächsten Jahr noch mal die Olympiaqualifikation schaffen.

Tibor Pleiß wurde von den Oklahoma City Thunder gedraftet. Meinst Du, dass er sich in der NBA durchsetzen kann?

Ich habe den Tibor letztes Jahr kennengelernt. Zwar hatte ich die EM abgesagt, aber ich habe die Vorbereitung verfolgt und beim Training zugeschaut. Er ist schon ein interessanter Kerl, er ist wahnsinnig lang, noch größer als ich, hat noch längere Arme. Er kann sich für seine Größe gut bewegen, hat einen guten Touch, er wirft auch aus der Halbdistanz sicher, wenn er Zeit hat.

Ich glaube schon, dass er seinen Weg gehen kann. Tibor ist in der zweiten Runde gedraftet worden, da hat man noch keinen garantierten Vertrag. Ich habe erfahren, dass er noch ein, zwei Jahre hier in Europa bleiben wird, um sich noch weiter zu verbessern und dann den Sprung probieren will.

Danach muss man sehen. Die Anlagen zum guten Spieler hat er, athletisch kann er noch zulegen. Die ganzen Athleten in der NBA können auch schnell rennen, springen, da geht das schon anders ab unterm Korb. Aber er ist auch noch so jung, er ist auch erst 20, da bleibt noch Zeit. Wenn er weiter an sich arbeitet und sich entwickelt wie in den letzten paar Jahren, dann ist da auf jeden Fall was drin.

Kommen wir zur NBA und der Free Agency. Wie hast Du diesen ganzen Rummel um LeBron James, Chris Bosh und Dwyane Wade wahrgenommen?

Das war der absolute Wahnsinn. Ich bin Ende Juni rüber geflogen, weil ich ja selber auch Free Agent war. Da war Rummel, da war überall die Hölle los. Im Internet stand alle zehn Minuten, jede Viertelstunde standen irgendwelche neue Updates: „Ja, ganz heiß hier: Gerücht, jetzt geht er doch dahin“.

Hast Du das selbst auch direkt im Internet verfolgt?

Ja, so ein bisschen habe ich das schon verfolgt. Das war auch für mich eine unglaublich merkwürdige Zeit, weil ich nicht genau wusste: Was machst du? Aber ich bin jetzt froh, in Dallas geblieben zu sein. Ich habe natürlich lang überlegt, Optionen abgewogen, aber für mich war Dallas absolut die richtige Entscheidung, habe jetzt vier Jahre verlängert und hoffe natürlich, dass wir unseren Traum erfüllen – das ist die Meisterschaft. 2006 waren wir ja ganz nah dran. Seitdem waren wir jetzt nicht mehr so nah dran, aber glaube doch, dass wir in den nächsten vier Jahren da wieder etwas auf die Beine stellen, um wieder ganz oben mit dabei zu sein.

Aber es ist natürlich schon Wahnsinn, was Miami jetzt gemacht hat. Mit LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh, alle in einer Mannschaft. Da muss man wirklich Miami gratulieren, dass die so viel Geld unterm Cap zur Verfügung hatten. Das haben sie wirklich gut gemacht. Die sind über Nacht von einer normalen Playoff-Mannschaft zu einem der Hauptfavoriten geworden.

Die drei Spieler verzichteten auf Geld, auch um die Möglichkeit zu geben, den Kader noch zu verstärken. Wie schätzt Du das ein? Hätte Dallas etwas machen können?

Ja, die haben alle ein bisschen auf Geld verzichtet, aber das habe ich ja auch in Dallas. Mein Plan war ja auch, dass wir vielleicht noch einen Free Agent nach Dallas holen können. Wir haben ja auch so ein bisschen spekuliert mit LeBron vielleicht, vielleicht mit Wade. Von daher war es für uns ein wenig enttäuschend bei den Mavericks. Wir haben natürlich gehofft, dass wir uns einen der großen Namen angeln können. Das war jetzt leider nicht so.

Jetzt haben wir erstmal eine kleine Verstärkung gemacht, haben uns den Chandler für die Center-Position geholt. Ich glaube, er ist ein guter, beweglicher Center, der gut abschließen kann. Ich glaube, der hilft uns schon mal ein bisschen weiter. Aber der Mark (Cuban) und der Donnie Nelson werden natürlich weiterhin versuchen, noch Deals zu machen, noch Spieler zu holen. Da muss man mal sehen, was noch bis zur Saison passiert.

Und dann bis zur Trading Deadline, bis Februar, kann man ja wieder neue Spieler holen. Also da werden wir mit Sicherheit auch dieses Jahr wieder aktiv sein, weil der Mark hat immer versucht, die Mannschaft zu verbessern, bis wir mal ganz oben stehen.

Das war mir auch wichtig zu hören, bevor ich zugesagt habe, dass der Mark gesagt hat, sein Ziel ist nach wie vor auch die Meisterschaft. Er will alles daran legen, was er tun kann, um da mitzuhelfen. Das war mir wichtig, das aus seinem Mund zu hören.

Du erwähntest Tyson Chandler. Da gab es doch auch einen kleinen Zwischenfall in den Playoffs 2008. Ist Dir das bei Bekanntwerden des Trades gleich in den Sinn gekommen?

Nein. Wir haben seitdem ja schon einige Mal wieder gegen einander gespielt. Ich hab sogar gehört, dass der Haywood und der Chandler – der Haywood hat bei uns jetzt ja auch verlängert –, die hatten auch mal eine Rangelei in einem Spiel. Aber sowas gehört dazu. Letztes Jahr kam der Tim Thomas zu uns und mit ihm hatte ich mich ja damals, als er in Phoenix war, auch in den Haaren. Aber vor allem in den Playoffs, wenn die Emotionen hochkochen, passieren einfach immer mal Sachen – das mit Chandler war ja auch in den Playoffs –, das vergisst man ja auch nach dem Spiel wieder und dann geht’s weiter.

Ein Kritikpunkt an den Mavericks ist immer das Alter der Spieler. Wie schätzt Du da die Situation der jungen Spieler wie Rodrique Beaubois und Dominique Jones ein?

Da haben wir echt Glück gehabt, muss ich sagen. Also der Roddy hat letztes Jahr auch mit seinen begrenzten Möglichkeiten gezeigt, was er kann. Er ist ein sehr explosiver Spieler in der Offensive, kann gut werfen, aber auch gut durchziehen, ist sehr athletisch, kann auch am Korb abschließen, auch gegen größere Leute. Der wird mit Sicherheit eine große Zukunft haben in unserm Sport. Der spielt jetzt dieses Jahr Summerleague, dann spielt er für Frankreich jetzt bei der WM, also er wird wieder einen Schritt machen. Auf ihm ruhen so ein wenig auch die Hoffnungen. Da müssen wir sehen, wie er sich jetzt entwickelt von Jahr zu Jahr, aber auf jeden Fall hat er schon letztes Jahr gezeigt, was er drauf hat.

Und von dem Dominique Jones hab ich bisher nur gute Sachen gehört. Als ich vor ein paar Wochen in Dallas war, haben sie grad für die Summerleague trainiert. Da habe ich kurz zugeschaut. Er ist auch ein sehr, sehr explosiver Mann, der am Korb abschließen kann, der Körperkontakt sucht, der quasi reingeht in die Zone und da abschließen kann.

Von daher sind das beides junge Spieler mit sehr viel Potential, die hoffentlich auch ein wenig Spielzeit bekommen und dadurch auch ein wenig Frische reinbringen in unsere ältere Mannschaft. Ich glaube schon, dass wir da einen ganz guten Mix finden von Alter und Erfahrung und von jungen und spritzigen Spielern.

Meinst Du, Beaubois kann die Position des Point Guards spielen?

Ja, da sind wir gerade am Austesten. Seine besten Saisonspiele hat er gemacht, wenn er neben Kidd gespielt hat. Wenn er ein wenig die Freiheiten hatte, wenn er nicht den Ball selber vorbringen musste, sondern die Freiheit zum Schießen hatte, durchzuziehen, wann er will, wenn wir Systeme für ihn gerannt sind.

Als Aufbau ist das natürlich ein wenig anders. Da musst du das Spiel ein wenig mehr lenken. Das kann der Kidd natürlich wie kein anderer. Er hat ja so viel Erfahrung, ist Hall-of-Famer. Aber natürlich wissen wir alle: Der Kidd ist mittlerweile 37 Jahre. Da muss natürlich irgendwann mal ein Jüngerer nachkommen. Das wird sich jetzt so langsam zeigen, ob der Roddy das kann, ob er das Spiel auch lenken kann, ob er nur ein explosiver Scorer ist. Das müssen wir die nächsten Jahre mal sehen, aber jetzt in der Summerleague hat er anscheinend schon mehr Aufbau gespielt. Da muss man mal sehen, wie er da gestrickt ist. Aber Potential steckt auf jeden Fall genug drin.

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Noch mal zurück zur Free Agency. Gab es konkrete Angebote? Wenn ja von welchen Teams?

Ja, ich mein, eigentlich wollte ich schon in Dallas bleiben. Er gab zwar ein paar Angebote, aber so genau will ich das jetzt nicht ausdiskutieren. Aber auf jeden Fall hätte es schon eine unglaubliche Situation sein müssen, zum Beispiel mit LeBron irgendwohin zu gehen oder mit Wade eben in Miami zu spielen. Aber selbst dann hätte ich noch überlegen müssen, ob ich wirklich aus Dallas weggehe, denn ich fühle mich dort sehr, sehr wohl. Das Umfeld stimmt einfach in Dallas. Von daher war es für mich dann die richtige Entscheidung. Es hat sich keine andere Superoption ergeben und von daher fühle ich mich jetzt in Dallas wieder super wohl und werde da die nächsten vier Jahre verbringen.

Wie sah es bei anderen Teams aus? Die Chicago Bulls beispielsweise hätten einen Power Forward wie Dich ja gebrauchen können. Oder die New Jersey Nets? Gab es da Überlegungen Deinerseits?

Es hätte keinen Sinn gemacht, wenn ich zu irgendeiner Mannschaft gehe, die drei oder vier Leute unter Vertrag hat, wo ich eigentlich dasselbe habe wie in Dallas. Jetzt nur nach Chicago zu gehen und in einer Situation zu sein, in der ich mich in Dallas auch befinde, macht keinen Sinn. Da bleibe ich lieber in Dallas.

Ich wäre nur gewechselt, wenn es eine unglaubliche Situation wäre, wenn sich wirklich was angeboten hätte. Wenn jetzt zum Beispiel Wade und LeBron mich gefragt hätten: ‚Ey, pass mal auf, kommst du nach Miami?‘ Das wäre eine Situation gewesen, da hätte ich scharf überlegen müssen. Aber alle anderen Situationen, da brauche ich nicht wechseln, nur um zu wechseln. Die Situation in Dallas ist nach wie vor sehr gut, und da hätte sich schon etwas Unglaubliches ergeben müssen. Das Problem ist auch, dass mir niemand die Meisterschaft garantieren konnte.

Wenn Du Dir unabhängig von den Vertragssituationen einen Spieler auswählen könntest, der in der nächsten Saison in Dallas dabei hilft, den Titel zu gewinnen, welchen Spieler würdest Du da auswählen?

Es wäre natürlich schon ein Flügel, der natürlich scoren kann, der sich seinen eigenen Schuss kreieren kann, der von außen gefährlich ist, aber auch sehr gut durchziehen kann, der auch am Korb abschließen kann, der Fouls ziehen kann. Das ist sehr wichtig, vor allem in den Playoffs, wenn weniger gepfiffen wird. Dann brauchst du einen, der da richtig reingehen kann. Das wär natürlich schon LeBron oder Wade.

Von allen Spielern, egal von welchem Team, egal ob unter Vertrag, das wäre Deine Reihenfolge?

Wahrscheinlich in der Reihenfolge ... klar würde ich im Moment LeBron nehmen, klar. Ich meine, Kobe Bryant ist für mich nach wie vor der beste Spieler der Welt, aber der ist ja so alt wie ich. Mittlerweile ist er auch 32 Jahre und spielt auch schon 14 Jahre in der NBA. Und LeBron ist ja jetzt erst 25 und kommt ja jetzt erst so richtig voll in seine Prime (dt. Blütezeit) rein. Von daher hätte ich lieber den Jüngeren genommen. Also wenn man jetzt nochmal neu eine Mannschaft anfängt, muss man auf jeden Fall LeBron nehmen.

Zum Thema LeBron James: Was sagst Du zu der Kritik von Michael Jordan, Magic Johnson oder Larry Bird an seiner Entscheidung? Stimmst Du dem zu oder eher nicht?

Ja, so ein bisschen beides. Ich meine, die Zeiten haben sich natürlich schon geändert. Wenn man sich die Lakers anschaut, wie viele unglaubliche Spieler sie angesammelt haben. Dass man heutzutage allein eine Meisterschaft gewinnt, das ist einfach nicht mehr möglich.

Dass Miami jetzt natürlich gleich drei Leute holt, ist schon Wahnsinn. Aber du brauchst mindestens zwei Superstars heutzutage, um die Meisterschaft zu holen. Das hat sich in den letzten Jahren einfach gezeigt. Boston hat ja vor den Lakers gewonnen, die hatten gleich drei geholt, mit Ray Allen, Paul Pierce und Kevin Garnett.

Um heutzutage ganz oben mitzuspielen, brauchst du einfach mehrere Superstars in einer Mannschaft. Von daher kann man Miami nur gratulieren.

Ich habe das auch gelesen, was Michael Jordan und Magic Johnson gesagt haben. Da haben sie wahrscheinlich auch recht zu ihrer Zeit, aber heutzutage ist einfach die Liga so stark, dass man so viel Talent braucht, um am Schluss zu gewinnen.

Zum Schluss noch die Frage, ob Du nach dem Karriereende lieber in Deutschland oder in den USA Deinen Lebensabend verbringen würdest? Welche Unterschiede siehst Du zwischen Berlin und Dallas beispielsweise?

Das hängt auch alles noch so ein bisschen in der Luft. Also ich fühle mich an beiden Plätzen sehr, sehr wohl. Ich habe mich in Dallas sehr gut eingelebt, habe dort viele neue Freunde gefunden.

Aber ich komme im Sommer auch gern wieder her. Meine komplette Familie lebt ja hier, von daher weiß ich das auch selbst noch nicht genau, was da kommt in fünf oder sechs Jahren. Das ist auch noch eine lange Zeit. Ich schätze mal, das hängt auch davon ab, wo meine zukünftige Frau her ist. Ich glaube, das spielt auch eine Rolle bei der Entscheidung. Aber das ist, wie gesagt, noch ein paar Jahre weg, daher kann ich diese Frage noch nicht so direkt beantworten, was nach der Karriere kommt und wo der Lebensmittelpunkt dann liegt.

Zur anderen Frage: Dallas ist da schon ein bisschen anders als Berlin, es ist auf jeden Fall viel wärmer. So toll kenne ich mich in Berlin jetzt auch nicht aus. Ich komme zwar immer im Sommer hier her, aber allein überall hin finden würde ich jetzt auch nicht. Berlin pulsiert schon mehr in der Innenstadt, Dallas hat ja fast überhaupt keine Innenstadt. In Berlin geht schon was ab.




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Kommentare

(13 Kommentare bisher)

von xax 24.07.10 um 15:38:46


oh, sehr interessantes interview. für mich sind die wesentlichen punkte:
dirk zweifelt an Beaubois PG_Fähigkeiten u. wartet weiter auf nennenswerte Verstärkungen. er sieht die chancen für dallas meisterschaft aufgrund der Aufrüstung der anderen Teams schwächer und blieb in dallas, weil er kein besseres angebot bekam.
um den westen zu gewinnen müpsste man zuerst die lakers schlagen... dafür bräuchte man einen wie Paul (LA ist auf PG eher schwach), nur umsonst gibt den n´orleans nicht ab...



von BerlinAir 24.07.10 um 22:48:37


Dirk sagt, um um den Titel mitzuspielen, brauchst du zwei, besser drei "Superstars". Okay, wer ist also bei Dallas der zweite und dritte? Ich seh da weit und breit nur Roleplayer.



von Daniel Otto 24.07.10 um 23:59:34


Vielleicht bin ich überkritisch, aber auch als Fan der Mavs erkenne ich in seiner Haltung weniger Loyalität zu seinem Team, als vielmehr die Angst/Unsicherheit die eigene comfort zone verlassen zu müssen. Seine Aussagen zum derzeitigen Team und zu dessen Entwicklungsmöglichkeiten lassen Raum für Spekulationen, aber die Bemerkung, dass Donnie und Mark schon die richtigen Schritte in die Wege leiten werden, bereitet mir Sorge. Ich werde einen Teufel tun, einen Satz zu bilden, der das Wort "Realitätsverlust" beinhaltet.



von cj35 25.07.10 um 10:58:12


Milde ausgedrückt: 'Angst vor der eigenen Courage'

trotz allem spekulieren hoffe ich das er damit wirklich glücklich ist, die Widersprüche sind offensichtlich aber da ich leider noch nicht mit Dirk persönlich gesprochen habe its es schwer das alles korrekt einzuordnen :..



von KingCrunch 26.07.10 um 12:24:13


Hach der Dirk, meine ewige Liebe... ;)

Vllt. geht ja noch was mit CP3, ansonsten heißt es abwarten und Tee trinken. Und in der zwischenzeit kann er ja genüsslich das Mag lesen.



von mystic 26.07.10 um 18:08:47


Auf mich wirkte das weniger ängstlich oder unsicher, sondern viel mehr auch wohl überlegt. Letztendlich hat Dirk Nowitzki Recht, wenn er sagt, dass bei den anderen Teams keine bessere Situation vorhanden war. Man könnte jetzt argumentieren, dass beispielsweise in Chicago das Team um ihn herum jünger gewesen wäre, aber letztendlich wäre da die Chance auf die Meisterschaft auch nicht größer gewesen.

Widersprüchlich fand ich keine seiner Antworten. Er hat eben auch Vertrauen in die Verantwortlichen der Mavericks, dass sie bis zu seinem Vertragsende ihm immer eine gute Mannschaft zur Verfügung stellen, mit der man eben mehr Spiele gewinnen als verlieren kann.

Interessant anzumerken, aus meiner Sicht, ist der Eindruck, den ich bei seinen Worten zu Dominique Jones hatte. Er wirkte auf jeden Fall etwas enthusiastischer als bei Beaubois und zeigte an, dass der junge Mann doch sehr kräftig ist. Da ist wohl auch ein wenig Hoffnung, dass Jones der erhoffte Slasher sein kann, der dann in jeder Situation Fouls zieht. Aber da muss man wohl mal abwarten.

Mein Gesamtfazit: Dirk Nowitzki ist tatsächlich so, wie er sonst im Fernsehen herüberkommt. Sehr locker, zu kleinen Späßchen aufgelegt, aber dennoch hochgradig professionell. Ein sehr angenehmer Zeitgenosse.



von Cabalios 26.07.10 um 23:52:46


wirklich ein richtig interessantes und gutes interview hier bei crossover. :-)



von eightch 27.07.10 um 09:42:38


dirkules hat ja mittlerweile nen richtigen ami-akzent...



von KingCrunch 27.07.10 um 10:18:54


Ami-Akzent? Worauf spielst du an? Ich denke viel mehr, dass er mit dem ständigen "der" vor Namen etc. beweist, dass er seine fränkische Schnauze noch behalten hat...



von eightch 27.07.10 um 11:06:57


@king - hör dir mal ein interview mit ihm an... vielleicht hab ichs aber auch mit den ohren ;)
hat sich aber schon so angehört als wenn er sprachtechnisch langsam den texaner macht



von Jensen 27.07.10 um 15:40:23


naja, schrempf hat ja nachher die worte auch ganz gut "zerkaut". das bleibt wohl einfach nicht aus.



von Hurricane 27.07.10 um 16:32:04


Hmmm ich hatte bei Schrempf sogar den Eindruck gehabt, dass er der Deutschen sprache nicht mehr ganz mächtig war. Kann aber auch sein das er viele Wörter Cerschluckt hatte



von step 28.07.10 um 23:41:09


Die Stellung von Dirkules in der Geschichte des deutschen Sports kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden!

Allen jedoch, die immer noch auf einen Ring am Finger des Würzburgers hoffen, sei gesagt: Nowe steht nicht auf Rock'n Roll, er liebt Kuschel-Rock! Früher auch: Boleros mit Blasmusik. Aber davon ist er geheilt inzwischen. Gebranntes Kind scheut das Feuer! Aber es gibt ja noch Olympia 2012 für einen finalen Orasmus ohne Reue. In einer Besenkammer ist's, Gott sei Dank, zu eng für einen 7-footer.

However: The Heat is on ...



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