Dirk Nowitzki

„Die Playoffs sind wie ein Schachspiel“

Dirk Nowitzki stand deutschen Medien vor Beginn der Playoffs 2011 Rede und Antwort. So sprach der Star viel über die bevorstehende Serien gegen die Portland Trail Blazers, seine Favoriten im Westen und die bevorstehende Europameisterschaft 2011 in Litauen.

Von Thomas Käckenmeister, Florian Lindemann
 17.04.2011 |

Nach der Regular Season ist vor den Playoffs. Zum elften Mal in Folge geht es für die Dallas Mavericks mit ihrem deutschen Superstar Dirk Nowitzki in die Meisterschaftsrunde in der stärksten Basketballliga der Welt. Bei drei der vergangenen vier Postseason-Teilnahmen war bereits nach der ersten Runde Feierabend. In der Saison 2010/2011 weisen die Texaner mit 57 Siegen in der Hauptrunde die fünftbeste Bilanz der Nowitzki-Ära auf. In diesem Jahr treffen die Mavericks zum Playoff-Auftakt auf die Portland Trail Blazers (CROSSOVER-Vorschau). Dallas trat bereits in den Playoffs 2003 gegen das Team aus Oregon an und setzte sich in sieben hart umkämpften Begegnungen durch.

Vor dem Playoff-Auftakt stand Nowitzki deutsche Medien zur Verfügung, um einige Fragen zu beantworten.

Die Dallas Mavericks wurden zuletzt in den Medien ein wenig übersehen. Es wurde viel über die Los Angeles Lakers und die San Antonio Spurs gesprochen. Am Anfang der Saison war mehr „Mavericks-Talk“ dabei, aber inzwischen ist das ein wenig abgeflaut. Was für eine Stimmung herrscht in der Mannschaft im Hinblick auf die Playoffs? Ist es eine Stimmung nach dem Motto „Jetzt erst recht! Wir zeigen’s allen!“?

Dirk Nowitzki: Ich glaube, es ist alles drin. Wir haben die ganze Saison gezeigt, dass wir wichtige Spiele gewinnen können, wenn wir gesund sind. Wir haben eine sehr tiefe Mannschaft, wenn zum Beispiel Jason Terry und Shawn Marion von der Bank kommen. Ich glaube schon, dass wir in den Playoffs ein paar Spiele gewinnen können. Was dabei rauskommt, werden wir am Ende sehen. Die Stimmung ist gut. Vor einigen Tagen haben wir noch vier Spiele hintereinander verloren, doch mittlerweile stehen wir wieder gut in der Verteidigung. Das ist sehr wichtig für uns in den Playoffs. Gegen New Orleans am letzten Spieltag haben die Saison nochmal auf einem Hoch (mit einem 121:89-Sieg) abgeschlossen. Dieses Momentum wollen wir beim Spiel am Samstag hineinziehen und dann schauen wir mal, was in der ersten Runde geht.

Wer ist für dich der Titelfavorit dieses Jahr und wo siehst du die Mavericks?

Wir sind ganz oben mit dabei. Ich glaube, dass im Westen alles offen ist. Die Lakers sind nach wie vor der Topfavorit, wenn Andrew Bynum gesund ist. Alles, was danach kommt, ist für mich weit offen. Die Spurs haben eine Riesensaison gespielt, haben in den letzten ein, zwei Wochen etwas gestrauchelt, aber man muss auf jeden Fall mit ihnen rechnen, wenn die Playoffs losgehen. Oklahoma City ist für mich ein wenig der Geheimfavorit. Der Trade von Jeff Green für Kendrick Perkins zur Trading-Deadline hat viel gebracht, denn Perkins passt gut in die Mannschaft. In Kevin Durant haben sie einen der besten Spieler der Liga.

Gegen Portland wirst du die meiste Zeit wahrscheinlich gegen Gerald Wallace spielen. Wie siehst du dieses Matchup? In der Playoff-Serie gegen Golden State 2007 hat es dir beispielsweise Probleme bereitet, gegen kleinere, drahtigere Verteidiger anzutreten.

Portland ist eine sehr, sehr gute Mannschaft in der Verteidigung. Sie verfügen auch über sehr physische Guards, die uns Probleme bereiten. Auf der Center- und Power Forward-Position haben sie mit Marcus Camby und LaMarcus Aldridge viel Länge. Gerald Wallace war ein sehr wichtiger Trade für Portland. Er passt wirklich sehr gut in das Team und spielt eine starke Saison. Wir haben die Hände voll und auf jeder Position warten schwere Matchups.

Bei meinem Matchup muss man sehen, aber ich glaube, ich habe mich immer ganz gut angepasst. Wenn mich ein größerer Gegenspieler verteidigt, ziehe ich ihn etwas vom Korb weg. Wenn mich ein kleiner Spieler wie Gerald Wallace verteidigt, werde ich wohl eher am Zonenrand sein. Da werde ich dann schon meine Vorteile ausspielen müssen. Vor zwei Wochen, als wir zuletzt gegen Portland gespielt hatten, hatte mich eher Aldridge verteidigt. Da müssen wir von Spiel zu Spiel schauen und abwarten, was die Playoffs bringen. Das Gute an den Playoffs ist, dass es wie ein Schachspiel ist. Von Spiel zu Spiel kann man Sachen verändern, um dem Gegner wieder zu kontern. Es wird mit Sicherheit eine hitzige erste Runde.

Rodrigue Beaubois hat nach seiner Verletzung eher inkonstant gespielt. Wie wichtig sind, deiner Meinung nach, seine Schnelligkeit und Kreativität gegen das doch sehr langsame Setplay der Trail Blazers?

Ich habe immer gesagt, dass wir seine Explosivität, Schnelligkeit und Athletik gebrauchen können. Roddy bringt einen Faktor in unser Spiel, der uns nach vorn bringt, weil Jason Kidd schon älter und Jose Barea manchmal etwas zu klein ist. Jetzt hoffen natürlich alle, dass die Verletzung nicht so schlimm ist, die er sich zugezogen hat. Ich denke, dass er das Tempo in einigen Spielen anziehen kann, wenn er fit ist. Somit ist er ein wichtiger Spieler, selbst wenn er von der Bank kommt.

Entwickelst du in den Playoffs eine Form von Aberglauben? Trinkst oder isst du etwas bestimmtes, schläfst du mehr, hast du eine bestimmte Dehnübung oder ähnliches?

Eigentlich versuche ich immer, dasselbe zu machen. Ich bereite mich immer gleich vor, egal ob es ein Preseason-Spiel, ein reguläres Saisonspiel oder ein Playoff-Spiel ist. Vor jedem Spiel leg ich mich immer ein, zwei Stündchen hin, esse meine Nudeln vorm Spiel. Auch beim Spiel für die Nationalmannschaft. Ich versuche, an jedes Spiel immer gleich heranzugehen. Mit diesem Motto werde ich auch dieses Jahr wieder in die Playoffs gehen.

Du spielst in dieser Saison die wenigsten Minuten deiner Karriere, abgesehen von deiner Rookie-Saison. Macht sich das vor den Playoffs bemerkbar?

Ich fühle mich gut für die Playoffs. Drei Wochen Verletzungspause hatte ich ja auch noch zwischendurch. Dann dauerte es etwas, bis ich wieder in Tritt kam. Dass wir die Minuten etwas herunterfahren, war von Anfang an der Plan. Auch die Werte bei Jason Kidd, der dieses Jahr 38 Jahre alt geworden ist, sind etwas gesunken. Wir haben ihm auch eine Woche frei gegeben, damit er zu den Playoffs wirklich topfit ist. Dass ich einige Minuten mehr auf der Bank verbringen kann, ist auch ein Tribut für unsere Bank. Shawn Marion spielt für mich auf der Vier, wenn ich draußen bin. Das hat er die gesamte Saison gemacht und er hat in den vergangenen Wochen sehr, sehr gut gespielt. Er hatte im Schnitt fast ein Double-Double. Ich hoffe, dass er die Form auch in die Playoffs mitnehmen kann.

Ist die Vorbereitung auf die Playoffs anders als auf ein reguläres Saisonspiel?

Die Vorbereitung auf ein Playoff-Spiel ist insgesamt etwas intensiver. Während der Saison hat man maximal einen Tag, um sich auf den Gegner einzustellen. Da geht man ein paar Systeme durch und das war’s. Aber in den Playoffs bereitet man sich so intensiv und konzentriert auf die gegnerische Mannschaft vor, dass zum Beispiel beide Mannschaften die Systeme des Gegners kennen. Dann kommt es natürlich darauf an, wer die besseren Spieler und die bessere Verteidigung hat. In den Playoffs ist jedes Spiel enorm wichtig. Ein Spiel in der Serie kann das ganze Momentum der Serie verändern. Deshalb hoffe ich, dass wir gut in die Serie starten.

Wirst du bei der Europameisterschaft in Litauen dabei sein?

Das ist noch absolute Zukunftsmusik. Im Moment interessieren mich nur die NBA Playoffs. Es ist geplant, dass ich bei der EM in Litauen dabei bin. Aber erstmal müssen wir schauen, wie wir durch die Playoffs kommen. Hoffentlich spielen wir lang, hoffentlich komme ich ohne Verletzungen durch.

In einer Videobotschaft auf der Website des Deutschen Basketball Bundes (DBB) verkündete Nowitzki wenig später: "Wenn alles weiter so gut läuft und ich gesund bleibe, freue ich mich schon, dort [bei der EM in Litauen] zu spielen. Wir haben eine super Truppe, die die Olympia-Qualifikation schaffen kann."




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von Crossover 30.05.2012 um 10:58:48


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