Dirk Nowitzki
Der Wandel des MVP
Dirk Nowitzki ist zurück. Mit starken Leistungen sicherte der amtierende MVP seinen Dallas Mavericks das Playoff-Ticket zum achten Mal in Folge.
Von Thomas Käckenmeister |
15.04.2008 | |

Was bei Dirk Nowitzki während seiner Verletzungspause Ende März vorgefallen ist, wissen wohl nur die Personen, die unmittelbar mit ihm in Kontakt standen. Vielleicht lieferte die Belegschaft des Deutschen Basketball Bundes (DBB) den entscheidenden Anreiz, als sie am 1. April auf Einladung des Verletzten nach Dallas flog. Fest steht jedenfalls, dass der Deutsche sich in der spielfreien Zeit entschloss, nach sieben Jahren in den NBA Playoffs keinen Abriss der Serie verantworten zu wollen.
Im ersten Match nach Nowitzkis Rückkehr galt es, das Trauma gegen die Golden State Warriors von 2007 endgültig zu gegraben. Gegen die Kalifornier, die Anfang April noch gemeinsam mit den Dallas Mavericks und den Denver Nuggets um die letzten beiden Playoff-Plätze kämpften, gelang ein müheloser 111:86-Erfolg. Obwohl der Würzburger nur 27 Minuten auf dem Feld stand, reichte es für 18 Punkte und fünf Rebounds ? und den so wichtigen Gewinn des direkten Duells (3-1) gegen das aktuelle Team von Ex-Coach Don Nelson.
Viel entscheidender als die Leistung des Rückkehrers war jedoch der Motivationsschub, der durch die Mannschaft ging. ?Wir waren sehr überrascht, ihn (starten) zu sehen. Aber als wir ihn auf dem Parkett sahen [?], wusste ich, dass es ihm gut geht.?, erinnerte sich Teamkollege Jason Terry an diese Begegnung. Auch dass Don Nelson den Deutschen direkt vor dem Sprungball umarmte und ihm einen Klapps auf den Hinterkopf mitgab, unterstreicht die Emotionalität dieses Augenblicks.
Zwar gab es zwei Tage später eine 108:112-Klatsche gegen die Los Angeles Lakers; dass aber dank Nowitzki die Moral in die texanische Mannschaft zurück kehrte, bewies die furiose Aufholjagd gegen die Phoenix Suns: Dallas drehte ein schon verloren geglaubtes Spiel nach einem 13-Punkte-Rückstand im vierten Abschnitt. Am Ende hieß es 105:98 für die Mavericks, bei denen der deutsche Ausnahmebasketballer erneut beeindruckte: 32 Punkte und zwölf Rebounds standen am Ende auf seinem Konto sowie die Hoffnung, den Bann gegen Playoff-Konkurrenten endgültig beseitigt zu haben. Vor dem Erfolg über die Warriors verlor Dallas nämlich elf Spiele hintereinander gegen Mannschaften mit positiver Bilanz.
Beim entscheidenden Sieg, der die Playoff-Qualifikation ? die achte in Serie für die Mavericks ? perfekt machte, hatte erneut ?The German Wunder-Man? seine Finger maßgeblich mit im Spiel. Im Heimspiel gegen Utah schickte er am Ende einen Dreier auf die Reise, der 0,9 Sekunden vor der Schlusssirene das Ziel traf ? und die 20.378 Zuschauer im American Airlines Center von den Sitzen riss. Zugleich feierte Dallas mit dem 97:94-Sieg den 50. Saisonsieg.
Nach der Euphorie folgte allerdings schnell die Ernüchterung: Auswärtsniederlagen gegen Portland und Seattle kratzten am Selbstvertrauen des Clubs. An Nowitzki, der dennoch seine gute Form mit starken Leistungen unterstrich (28 bzw. 32 Punkte), lag es jedenfalls nicht.
In den sieben Partien seit seiner verletzungsbedingten Rückkehr legte der Deutsche im Scoring deutlich zu: Waren es zuvor in 69 Spielen lediglich 23,6 Punkte pro Spiel bei Quoten von 47,9 Prozent aus dem Feld und 34,4 Prozent von der Dreierlinie, steigerte er diese Werte auf durchschnittlich 25,7 Punkte, 51,5 Prozent Feldwurf- und 52 Prozent Dreierquote ? obwohl Nowitzki nur 29 Minuten pro Spiel auf dem Parkett stand (vorher: 36,6 MpG). Seine Rebound- und Assistwerte sind hingegen rückläufig (von 8,8 auf 6,9 RpG bzw. von 3,6 auf 1,7 ApG).
Mit einem Dirk Nowitzki in MVP-Form, einem Mavericks-Team, das im April Spiele drehte, souverän siegte, unglücklich verlor (drei Spiele mit maximal vier Punkten Differenz) und glücklich gewann (gegen Utah), ist in den Playoffs 2008 zu rechnen. Auch wenn Dallas an siebter Stelle ins Meisterschaftsrennen in der Western Conference startet: So ausgeglichen wie in diesem Jahr war es noch nie.
Auf wen Nowitzki und Co. in der ersten Runde treffen werden, entscheidet sich am letzten Spieltag. Dann kommen die New Orleans Hornets nach Dallas. Vielleicht wird das ja die Generalprobe für den Playoff-Auftakt.






von Crossover 30.05.2012 um 10:58:44
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