Dirk Nowitzki

Deja-Vu in Dallas

Ein hellhäutiger Spielgestalter im Trikot der Mavericks? Dirk Nowitzki kratzt an der Dreißigpunktemarke? Das kommt einem doch bekannt vor. Jason Kidd ist zurück in Texas. Macht er das Team besser?

Von Thomas Käckenmeister
 02.03.2008 |

Es hatte etwas aus vergangenen Zeiten: Dirk Nowitzki isst mit einem weißen Aufbauspieler zu Abend. Doch diesmal ist es nicht Steve Nash, mit dem der Deutsche jahrelang in Dallas gemeinsam auf Korbjagd ging. Jason Kidd sitzt dem großen Blonden gegenüber. Standen sie sich zuvor unzählige Male auf dem Schlachtfeld gegenüber, wollen sie nun gemeinsam die Pläne ihres Generals Avery Johnson in die Tat umsetzen.

Einen Tag, bevor der Transfer von Jason Kidd nach Dallas offiziell verkundet wird, hat der amtierende MVP der Liga ein Essen mit einem der besten Passgeber aller Zeiten gewünscht, um sich besser kennenzulernen. Auch die Medien gieren nach diesem gefundenen Fressen, das sich zuvor nur aus Gerüchten zusammensetzte. Sie umspielten die Sinne der Berichterstatter und verloren dennoch nicht ihre wohltuende Wirkung der Illusion. Die Situation änderte schlagartig, als Devean George auf seinen Vertrag hinwies. Seine No-Trade-Klausel war wie zusätzliches Öl, das das Feuer am Leben hielt.

Seit dem 18. Februar 2008 ist Jason Kidd zurück in Dallas. Dort wo der 34-Jährige seine Karriere vor 14 Jahren als letztes Teil der "Triple J" (Jim Jackson, Jamal Mashburn, Jason Kidd) begann, soll nun die Spitze des NBA-Gipfels erklommen werden.

Dass sich der "Neue" wieder in Dallas heimisch fühlt, hat Kidd auch dem fränkischen Führungsspieler Nowitzki zu verdanken: Nachdem Kidd die ersten drei Spiele für seine neue Truppe auf fremden Parkett auflief, trat der Dirkster auf dem Heimflug von Minnesota mit einer Idee an seinen Head Coach. Nowitzki schlug vor, das Kidds Name bei der Teamvorstellung als letztes verlesen werden sollte. Aus dem einfachen Grund, dass die Stimmung dann erfahrungsgemäß am lautesten ist.

Ein passendes Willkommensgeschenk, dass Kidd beim 102:94-Heimsieg gegen die Chicago Bulls sogleich mit seinen gewohnten Statistiken erwiderte. Bisher konnte der Neuzugang, der bei seinem zweiten Texas-Engagement mit der Trikotnummer 2 aufläuft (von 1994 bis 1996 trug Kidd die Nr. 5), in sechs Partien seine Allround-Qualitäten aus New Jersey bestätigen (siehe Tabelle). Mit 10,2 Punkten, 7,0 Rebounds und 10,7 Assists pro Spiel hat er nur bei der Brettarbeit einen Rückgang zu verzeichnen. Trotz geringerer Wurfversuche kommt Kidd jedoch aufgrund der besseren Quote aus dem Feld zum gleichen Scoring-Output.

Durch den Abgang von Devin Harris, der zwar auch als Spielmacher für die Ballverteilung zuständig war, jedoch auch nicht davor scheute, selbst abzudrücken, werden mehr Würfe auf die anderen Mavericks verteilt. Kidd ist kein Werfer, sodass auch Dirk Nowitzki mehr Würfe auf den Korb abfeuert. Sollte man glauben. Bisher jedenfalls nahm der Deutsche Ausnahmesportler lediglich 0,7 Versuche pro Spiel mehr aus dem Feld.

Viel beeindruckender in dieser Hinsicht ist die wegfallende Doppellast (Punkten und Ballverteilen aus dem Doppeln heraus), die seit Kidds Ankunft von Nowitzkis Schultern gefallen ist: Die Quote des Deutschen stieg um fast zehn Prozent (von 46,9% FG ohne Kidd auf 56,2% FG mit Kidd), was sich somit auch auf seinen Punkteschnitt auswirkte. Dallas' Mann mit der 41 erzielt im Schnitt knapp sieben Punkte mehr. Wie sich das Spiel von Deutschlands Auswahlspieler seit der Ankunft des neuen All-Star-Aufbaus geändert hat, ist in der rechten Tabelle abzulesen.

Selbstredend betonte Dirkules auch die Qualitäten seinen neuen Kollegen: "Man erwartet einfach solche Pässe, wenn man so lange mit 'Nashie' zusammengespielt hat. In den letzten zwei Jahren waren diese Vorlagen einfach nicht da. Es macht riesigen Spaß, mit einem Point Guard zu spielen, der im richtigen Momemt den Ball abgibt.", schwärmt Nowitzki, der um einen Bezug zu seinem Kumpel Steve Nash nicht verlegen ist. Dies ist auch Kidd nicht. Ganz im Gegenteil. Der erfahrene Spielgestalter teilt den Hunger, mit dem Nowitzki im Training nach Höchstleistungen giert. "Man kann nicht glauben, wie hart er an seinem Spiel arbeitet. Das macht auch mich besser und hungrig. Wenn er soviel Zeit reinsteckt, muss ich das auch.", zeigt sich Kidd motiviert.

Die bisherige Bilanz der Dallas Mavericks seit dem Kaderumbruch war zwar mit vier Siegen aus sechs Begegnungen beachtlich, jedoch auch recht trügerisch, da die Siege allesamt gegen Nicht-Playoff-Teams zustande kamen und die Niederlagen gegen die Division-Rivalen aus New Orleans und San Antonio erfolgten.

Trotzdem sollte Dallas nicht abgeschrieben werden. Noch sind 23 Probeauftritte, bis die Tür zu den Playoffs aufgestoßen wird. Bis dahin halten es die meisten Fans der Mavericks wie Besitzer Mark Cuban höchstpersönlich: "Ich habe vor der Saison gesagt, das wäre die beste NBA-Saison aller Zeiten. Sie wurde nun [aufgrund des Kidd-Trades] noch ein wenig besser."




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Kommentare

(6 Kommentare bisher)

von Nik#7 02.03.08 um 20:49:57


Guter Beitrag...



von shotgun 02.03.08 um 22:44:36


Find ich auch. Muss sagen, dass ich sehr überrascht über die Entwicklung Kidds bin.
Er passt perfekt zu Dallas, ist so was wie ein Klon von Steve Nash, nur ein Jahr älter und mit schlechterer Dreierquote, dafür mit sehr viel Erfahrung und Ruhe. Und seine Pässe (habe schon zwei Spiele von Kidd gesehen) kommen perfekt zu Nowitzki, Howard und Stackhouse (gut, dass der nicht weggegangen ist). Ich hoffe nur, dass er sich
nicht verletzt oder in ein Formtief fällt (beides eher unwahrscheinlich).
Auf jeden Fall würde ich Dallas dieses Jahr nicht unterschätzen, auch wenn ich nie ein Fan der Mannschaft oder Jason Kidds war.



von Suck My Diktiergerät 03.03.08 um 15:33:10


und der pass auf nowitzki für den (fast) buzzerbeater gegen indiana für die overtime war auch sehr nett :)
läuft also erschreckend gut



von Tomdawg 03.03.08 um 16:21:35


Du meinst sicher gegen die Lakers, oder?



von tight 03.03.08 um 16:44:27


Naja...hoffentlich ist das Spiel der Mavs jetzt nicht ZU zugeschnitten auf Kidd ,wie man gestern ja leider gegen die Lakers sah.Mit ihm auf dem Parkett strotzten alle vor Spielfreude und der Ball lief gut ,kaum war er mal ein paar Minuten auf der bank lief es gar nicht mehr sooo rund und es wurde einige überhastete Würfe genommen.Vielleicht war es auch nur Zufall,wir werden sehen...is ja noch ein bisschen hin bis zu den Playoffs.



von otterbombe 05.03.08 um 12:37:55


kidd ist schwarz



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