Die Ellenbogenbande
Der Stierkämpfer
Kämpferisch ist Tyrus Thomas nach nur einer Saison schon in der NBA angekommen. Jetzt muss der junge Forward der Chicago Bulls nur noch lernen, dass Taktgefühl fast so wichtig ist wie Sprungkraft.
Von Jonas Falk |
14.09.2007 | |
Oft wurde Kevin Garnett in den vergangenen Jahren mit den Chicago Bulls in Verbindung gebracht: Metropole, großer Markt, dringender Bedarf an punktenden Forwards. Bekanntlich kam kein Trade zustande - worüber sich einige der jungen und minuten-hungrigen Babybulls freuen dürften. Allen voran Forward Tyrus Thomas, der mit der Energie eines Stiers und der Körperbeherrschung eines Toreros schon bald zum Leistungsträger im Frontcourt avancieren könnte.
Geboren am 17. August 1986 in Baton Rouge, Louisiana, erfuhr die Karriere von Tyrus Wayne Thomas noch vor ihrem eigentlichen Beginn einen Dämpfer. Nur etwa 1,80 Meter groß schaffte er es nicht in die Schulmannschaft der McKinley Highschool. Ein Jahr später packte er es dann doch ins Team. Neben seinem Spiel hatte vor allem sein Körper Fortschritte gemacht. Für landesweites Aufsehen reichten seine Stats von rund 16 Punkten, zwölf Rebounds und sechs Blocks im Schnitt in der Schulzeit aber nicht. Zunächst blieb ihm sogar ein Stipendium an der heimatlichen Louisiana State University, für deren Programm er sich entschieden hatte, verwehrt.
Dann wurde ein Spieler der Mannschaft suspendiert und im Nachrückverfahren schaffte es Thomas doch als Lokalmatador an die LSU. Dort wurde in seiner Freshman-Saison dann zügig klar, zu was für einem Ausnahmeathleten sich der Jugendliche gemausert hatte. Dank seiner Sprungkraft erarbeitete er sich den Ruf des spektakulären Springers, Dunkers und Shotblockers. Statistiken von 12,3 Punkten, 9,2 Rebounds und 3,1 Blocks pro Spiel in durchschnittlich 26 Minuten Spielzeit im ersten College-Jahr garnierte er mit einer starken Feldwurfquote jenseits der 60-Prozent-Marke.
Nach einer starken Saison schaffte es die Louisiana State University beim großen NCAA-Turnier nach zehnjähriger Durststrecke wieder ins Final Four. Den Weg zu diesem Erfolg ebneten Siege über Duke (Thomas: 9 Punkte, 13 Rebounds, 5 Blocks) und Texas (Thomas: 21 Punkte, 13 Rebounds, drei Blocks). Der Forward dominierte unter den Brettern - und das trotz der negativen Nachwirkungen eines verstauchten Knöchels.
Diese beeindruckenden Auftritte zogen große Aufmerksamkeit nach sich. NBA-Coaches und die Medien interessierten sich für den Springer aus Louisiana. Thomas, damals gerade 19 Jahre alt, nutzte die Gunst der Stunde und meldete sich am 17. April 2006 zum NBA-Draft an. Dort wurde er an vierter Stelle von den Portland Trail Blazers gewählt, die ihn wenig später im Paket mit Forward Viktor Khryapa im Tausch für den zuvor an zweiter Stelle von den Chicago Bulls gezogenen Forward LaMarcus Aldridge nach Chicago schickten.
Nach einer ordentlichen Vorbereitung bekam Thomas im Auftaktspiel zur vergangenen Saison bei den Miami Heat die Gelegenheit, sich das erste Mal auf dem NBA-Parkett zu beweisen. Nach etwas mehr als 16 Minuten Spielzeit, in denen der Rookie neben einem Korb auch fünf Rebounds und einen Block - gegen Shaquille O?Neal - verzeichnen konnte, war dann jedoch Schluss. Thomas' Nase machte Bekanntschaft mit dem Arm von James Posey. Diagnose: Nasenbeinbruch. Der Jungbulle musste zunächst auf weitere Ausflüge auf die Bretter, die die Basketballwelt bedeuten, warten.
In der gesamten Saison brachte es Thomas jedoch auf 72 Einsätze. In durchschnittlich 13,4 Minuten griff der Liganeuling 3,4 Rebounds pro Partie und erzielte 5,2 Punkte im Schnitt. Auch die Wurfquote von 47,5 Prozent aus dem Feld las sich vielversprechend, ebenso wie die 1,1 geblockten Wurfversuche pro Partie. Seine Bestmarke von 27 Punkten erzielte Thomas am 31. März im Spiel gegen die Cleveland Cavaliers.
Für ligaweite Schlagzeilen sorgte der Bulle im Rahmen des All Star Games. Statt sich über die Einladung zum Dunking-Contest zu freuen und spektakuläre Flugeinlagen in Aussicht zu stellen, nahm der Jungbulle die Öffentlichkeit auf die Hörner. Die Teilnahmeprämie sei seine einzige Motivation, an dem Medienspektakel in Las Vegas teilzunehmen, ließ Thomas verlauten. Eine Aussage wie ein rotes Tuch für Fans, Medien und Bulls-Manager John Paxson, der seinen Arbeitnehmer prompt zu einer Geldstrafe verdonnerte.
Thomas war um 10.000 Dollar ärmer und eine wichtige Erfahrung reicher. In der NBA ist Taktgefühl für einen Neuling mindestens so wichtig wie ständiger Einsatz auf dem Feld. Generell gilt Thomas aber nicht als vorlaut. Er lässt lieber seine Athletik und seinen Kampfwillen für sich sprechen. Gesegnet mit unglaublicher Sprungkraft und einem explosiven ersten Schritt, hat Thomas das ideale Paket im Luftkampf um Rebounds. Die abgegriffenen Abpraller münzt Thomas oft erfolgreich in Tip-Ins um. Auch im Fastbreak ist er dank seiner Schnelligkeit effektiv. Trotz seiner indivduellen Fähigkeiten spielt er dennoch mannschaftsdienlich. Beim Blocken von Würfen kommen zu den physischen Vorraussetzungen noch gutes Timing und Reaktionsschnelligkeit hinzu, was Thomas schon heute zu einem guten Defensivspieler macht.
Besonders seine kämpferische Einstellung - vorne wie hinten - ist ein Markenzeichen seines Spiels. Mit Hustle-Plays bringt er immer wieder Initialzündungen in das Spiel seiner Bulls, lässt die Stimmung auf den Rängen anschwellen und sorgt für eine positive Aggressivität auf dem Parkett. Thomas' gute Arbeitseinstellung und sein Engagement machen ihn nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Coaches zu einem Favoriten. Gute Ansätze eines offensiven Postspiels sind bereits zu erkennen. Außerdem soll Thomas in diesem Sommer an seinem Jumpshot gefeilt haben, um seinen Wurf aus der Mitteldistanz zu verbessern.
Schusstraining und neue Postmoves sind sinnvoll, da der eifrige Kämpfer noch ein gutes Stück vom Inside-Scorer, den man in Chicago so dringend braucht, entfernt ist. Neben fehlender Muskelmasse - unter den NBA-Brettern dürften es gerne zehn Kilogramm mehr sein - muss Thomas an seiner limitierten Offense feilen. Sein Schuss ist nicht schlecht, aber ausbaufähig ? die Freiwurfquote von 60,6 Prozent spricht Bände. Postmoves für ein kontrolliertes Spiel unter den Körben würden Thomas gefährlicher und unberechenbarer machen. Momentan besteht sein Scoring fast nur aus Tip-Ins und Dunks.
Zu Gute halten muss man Thomas allerdings, dass er erst seit seinem Junior-Jahr an der Highschool - also seit etwa fünf Jahren - organisierten Basketball spielt und als Spätzündern gilt. Diese Tatsache deutet in Kombination mit dem jungen Alter, der Physis, der vorbildlichen Arbeitseinstellung und dem Willen auf eine weiterhin steil ansteigende Entwicklungskurve hin. Schon in der diesjährigen Sommerliga deutete der Bulle mit starken Leistungen an, dass er in der NBA-Herde mithalten kann und will.
Ob Thomas das fehlende Puzzlestück zum ganz großen Erfolg der Bulls sein kann, ist noch fraglich. Die Vorraussetzungen für eine gute Karriere im Nahkampfgebiet NBA-Zone bringt er jedenfalls mit. Vielleicht ist man in Chicago eines Tages froh, dass es Garnett doch nicht in Windy City verschlug. So gibt es in dieser Saison mehr Auftrittsmöglichkeiten für den Stierkämpfer.



von Tony 14.09.07 um 10:53:46
guter artikel...
Ich liebe Tyrus Thomas, der typ ist einfach hamma. wie der spielt, block hinten und dunk vorne fastbreak vom feinsten...
chicago ist auch cool, die werden meister 2009
houston Rockets werden dieses jahr alles ROCKEN
go rockets
von cologne's finest 14.09.07 um 13:33:44
is klar...
von Skateboard_P 14.09.07 um 14:09:29
Super Artikel über Tyrus Thomas. Gut Arbeit geleistet. Mein persönlicher Lieblings-Spieler ist er zwar nicht, er leistet gute solide Arbeit.